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Balance of Power
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Das Mächtegleichgewicht (engl.: balance of power) war ein Grundprinzip der englischen Außenpolitik seit dem späten Mittelalter bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Im Wesentlichen bedeutet es, dass Großbritannien keine Vorherrschaft in Festlandeuropa durch nur eine einzige Macht (oder Mächtebündnis) duldet. Droht eine solche Vormachtstellung, so verbündet sich Großbritannien sofort mit der zweitmächtigsten Nation, um das Mächtegleichgewicht wiederherzustellen, und sei es durch Krieg.
Belege für die Balance of Power
Die Theorie des Balance of Power hat, wie andere Theorien in den internationalen Beziehungen, den Anspruch, diese erklären zu können. "Belege" gibt es daher nicht für die Theorie, da sie auch an dem ein oder anderen Beispiel scheitert.
1386: Im Vertrag von Windsor verbünden sich England und Portugal dauerhaft gegen spanische Hegemonialbestrebungen. Mit englischer Hilfe gelingt es Johann von Avis, in der Schlacht von Aljubarrota die Spanier abzuwehren.
1756-1763: Im Siebenjährigen Krieg droht Preußen die Annihilation durch ein Mächtebündnis aus Frankreich, Österreich und Russland. In dieser Situation hält allein Großbritannien zu Preußen und unterstützt es mit Geldzahlungen. Die Niederlage kann schließlich durch einen Thronwechsel in Russland abgewendet werden. Es entsteht eine Pentarchie.
1798-1815: Napoleon zeigte sich in dieser Zeit als überlegener Feldherr und Staatsmann und führte Frankreich zeitweilig zur Vorherrschaft in Europa. Nach der Dreikaiserschlacht war Österreich besiegt und Russland neutral. Einzig Großbritannien widersetzte sich noch Frankreich und wurde dafür 1806 mit einer Kontinentalsperre belegt, d.h. niemand durfte mehr mit Großbritannien handeln. Hier realisierte sich für Großbritannien der schlimmste anzunehmende Fall, und die Unabhängigkeit des Königreichs war unmittelbar bedroht, da es sehr stark auf Lebensmittelimporte angewiesen ist. Dennoch hielt Großbritannien stand, und konnte in der Schlacht von Waterloo zusammen mit den Preußen Napoleon endgültig besiegen. Nach dem Sieg war Großbritannien jedoch nicht an einer dauerhaften Schwächung Frankreichs interessiert, und es beteiligte sich auch nicht an der Heiligen Allianz zwischen Österreich, Preußen und Russland.
1870/1871: Im deutsch-französischen Krieg blieb Großbritannien neutral, ebenso wie Russland und Österreich-Ungarn, was wohl in verschiedenen Faktoren begründet liegt:
- Preußen besaß mit Otto von Bismarck einen diplomatisch geschickten Realpolitiker an der Spitze, der Frankreich isoliert hatte.
- Weiter manövrierte dieser Frankreich in eine Situation, in der die Kriegserklärung von den Franzosen ausging.
- Vor dem Krieg war Frankreich ein Nationalstaat, das deutsche Gebiet aber ein zersplittertes Gefüge unabhängiger Staaten mit Österreich-Ungarn und Preußen als den mächtigsten Teilen. In einem rein preußisch-französischen Krieg wären die Karten relativ gleichmäßig verteilt gewesen. Ein machtpolitisches Eingreifen im Sinne der Balance of Power wurde in London offensichtlich als nicht notwendig gesehen. Vielleicht erwartete man auch ein Eingreifen Österreich-Ungarns zugunsten der Franzosen als Revanche für den Österreichisch-Preußischen Krieg von 1866.
- Frankreich und Großbritannien waren Wettbewerber in den Kolonien, Preußen beteiligte sich hieran zu dieser Zeit nicht.
- Die Vereinigung zum Deutschen Reich geschah erst im Zuge bzw. nach dem Krieg.
Nach dem Krieg wurde das Deutsche Reich unter preußischer Führung zur dominierenden Macht in Kontinentaleuropa und blieb es bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Nach einigen diplomatischen und strategischen Ungeschicklichkeiten seitens des Deutschen Reiches wie dem Flottenwettrüsten und der Gründung eigener Kolonien verfolgte Großbritannien wieder seine traditionelle Politik der Balance of Power, gab seine Neutralität auf und verband sich mit dem schwächeren Frankreich 1904 in der Entente Cordiale. Im ersten Weltkrieg schließlich kämpfte die Triple Entente aus Großbritannien, Frankreich und Russland gegen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn um die Vorherrschaft in Europa und der Welt.
1921 - 1935: Nach dem Ersten Weltkrieg und nach dem Inkrafttreten der Pariser Vorortverträge 1920 wurde Frankreich zur einflußreichsten Kontinentalmacht. Paris dominierte den cordon sanitaire, das Militärbündnis mit Polen, Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien. Sowjetrussland, als zweite Großmacht auf dem Kontinent, erlitt 1920 vor Warschau im Polnisch-Sowjetischen Krieg eine Niederlage. Die britische Auseinandersetzung mit dem noch geschwächten Frankreich beschränkte sich auf die diplomatische Ebene: Keine Beteiligung an der Ruhrbesetzung 1923-1925, mäßigende Zurückhaltung in der Frage deutscher Reparationen (Dawesplan 1924, Youngplan 1929, Einstellung 1932), Diplomatisches Eintreten für eine ordnungsgemäße Völkerbundabstimmung im Saargebiet 1935, Abschluss des bilateralen Flottenabkommens mit Deutschland 1935.
1936-1945: Nach heimlicher Aufrüstung und einseitiger Remilitarisierung des Rheinlandes durch Deutschland sowie einem Übergewicht der autoritären Regierungssysteme in Europa als Folge des Spanischen Bürgerkrieges stufte die Whitehall das Deutsche Reich als zukünftige Hegemonialmacht und Bedrohung auf dem Kontinent ein. Im Zweiten Weltkrieg stand Großbritannien gemäß seiner Doktrin von Beginn an auf Seiten des innenpolitisch geschwächten Frankreich. Als am 17. September 1939, knapp zwei Wochen nach Ausbruch des Weltkrieges, sowjetische Streitkräfte die östlichen Teile des verbündeten Polen besetzten, erfolgte daher keine Kriegserklärung an die Sowjetunion. Nach dem Sieg 1945 dominierte die Rote Armee jedoch weite Teile des Kontinents.
1946-1991: Gemäß der Doktrin wandte sich Großbritannien im Kalten Krieg gegen die sowjetische Hegemonie (ab 1955 Warschauer Pakt). Jedoch hatte sich der außenpolitische Spielraum als Folge der beiden Weltkriege durch den Zerfall des British Empire erheblich verringert. Nach der Suezkrise 1956 folgte eine enge Koordination mit der US-amerikanischen Außenpolitik.
Balance of Power heute
Großbritannien ist heute Mitglied der Europäischen Union und nur noch von befreundeten Staaten umgeben. Anstatt der Balance of Power ist heute die Special Relationship (engl. für Besondere Beziehung) das bestimmende Merkmal der Außenpolitik, das die Unabhängigkeit und Freiheit des Vereinigten Königreichs garantieren soll.
Allerdings kann es sich Großbritannien nicht verkneifen, von Zeit zu Zeit deutsch-französische Initiativen für eine tiefere Integration der Europäischen Union zu torpedieren. Vermutlich sehen viele Engländer in der EU noch immer ein Instrument Deutschlands oder Frankreichs oder beider, das die Unabhängigkeit Großbritanniens gefährdet. So ist Großbritannien kein Mitglied der Eurozone, die von Tony Blair angekündigte Abstimmung über die EU-Verfassung dürfte das komplette Projekt zu Fall bringen, da sie wahrscheinlich dort von der Bevölkerung nie angenommen würde. Fairerweise muss man sagen, dass die EU-Verfassung auch in anderen Ländern wohl keine Mehrheit bekäme. Auch steht Großbritannien einer stärkeren militärischen Integration der EU außerhalb der NATO sehr ablehnend gegenüber.
Siehe auch
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