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Bénoît de Sainte-Maure

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Benoît de Sainte-Maure (um 1165) war ein französischsprachiger Autor.

Er ist bekannt vor allem als Autor des Roman de Troie bzw. Trojaromans. Dieses in mehr als 50 Handschriften erhaltene Werk von gut 30.300 Versen ist das erfolgreichste und bedeutsamste aus der um 1170 florierenden Gattung der sog. antikisierenden Romane (romans antiques). Es wurde verfasst für den englischen Hof von Henry II. Plantagenet und seiner Gattin Aliénor von Aquitanien, der ein beachtliches (französischsprachiges) intellektuelles Zentrum war. Über die Person Benoîts ist nichts Näheres bekannt, außer dass er offenbar aus Sainte-Maure in der Grafschaft Touraine stammte, einem der französischen Lehen der Plantagenets.

Als stoffliche Vorlage des Werkes diente nicht das damals in Westeuropa nur vom Hörensagen bekannte Epos Homers, die Ilias, sondern zwei angeblich von Augenzeugen verfasste, tatsächlich aber apokryphe spätantike lateinische Darstellungen des trojanischen Krieges, und zwar einmal die Ephemeris belli Trojani eines gewissen Dyctis, der die Dinge auf griechischer Seite erlebt haben will, sowie zum andern De excidio Troiae historia eines gewissen Dares, der in Troja dabeigewesen zu sein vorgibt und Homer für seine märchenhafte Darstellung tadelt. Von "Dyctis" (4. Jahrhundert) und vor allem von "Dares" (6. Jahrhundert) übernimmt Benoît jedoch nur den groben Rahmen, den er fantasievoll und geschickt mit Liebesgeschichten, ritterlichen Kampfszenen und gelehrten Exkursen ausstaffiert.

Nach dem Erfolg des Trojaromans wurde Benoît 1174 von König Henry beauftragt, eine (ebenfalls gereimte) Geschichte der Normannen-Herzöge und dann Könige von England zu schreiben. Aus unbekanntem Grund bricht das Werk jedoch bei Vers 44.544 und König Henry I. ab.

Der Roman de Troie wurde nach 1200 offenbar für ein eher städtisch-bürgerliches Publikum in eine stark raffende, weitgehend auf die bloße Handlung reduzierte Prosaversion umgeschrieben, die ihrerseits um 1215 eingefügt wurde in ein jahrhundertelang gelesenes und abgeschriebenes und hierbei immer wieder überarbeitetes Kompendium der Alten Geschichte, die sog. Histoire ancienne jusqu'à César.

Verbreitung in ganz Europa fand der Troja-Stoff à la Benoît in einer mittellateinischen Prosabearbeitung: der 1272 begonnenen und 1287 abgeschlossenen Historia destructionis Troiae des Sizilianers Guido delle Colonne, die vielleicht einer der größten Bucherfolge des gesamten europäischen Mittelalters war. Etwa gleichzeitig entstanden auch die mittelhochdeutschen Versionen Herborts von Fritzlar und Konrads von Würzburg (um 1280).

Im Frankreich des 13. bis 16. Jahrhundert war Troja übrigens auch aus ideologischen Gründen bedeutsam, denn die französischen Könige leiteten damals ihren Stammbaum (Genealogie) von einem legendären Francus her, der sich bei der Eroberung Trojas durch die Griechen zusammen mit dem späteren Rom-Gründer Äneas auf ein Schiff gerettet und seinerseits das erste Frankenreich (Francia) gegründet habe.

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