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Asymmetrie (Philosophie)
Aus Kefk.
Die Asymmetrie ( griech. asymmetria : Mangel an Ebenmaß) bezeichnet eine Kennzeichnung der verschiedenen Grade der Abweichung von vollständiger Symmetrie:
- Disymmetrie : der Verlust einiger Symmetrieelemente (oder auch nur eines)
- Asymmetrie : der Verlust vieler Symmetrielemente
- Antisymmetrie : die vollstänige Umkehrung aller Eigenschaften und Relationen der betreffenden materiellen oder gedanklichen Systeme
Die Asymmetrie hängt mit der Inhomogenität der betreffenden Systeme und mit der Anisotropie bestimmter ihrer Eigenschaften zusammen. In methodologischer Hinsicht gestattet es der Aspekt der Asymmetrie, die Besonderheiten der verschiedenen Modifikationen chemischer Elemente (Allotropie) und Verbindungen (Polymorphie) zu erklären.
In allgemeinster, philosophischer Hinsicht ist die Asymmetrie, im Gegensatz zur Symmetrie, die das Gleichgewicht und die Unveränderlichkeit eines Systems verkörpert, das Prinzip der Veränderung. Dies hatte Pierre Curie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt, als er die kausalen Zusammenhänge unter dem Gesichtspunkt von Symmetrie und Asymmetrie untersuchte. Henri Poincaré hat diesen Gedanken weiterentwickelt und als Grundlage für physikalische Theorien bezeichnet.
So wie es keine absolute Symmetrie gibt, so gibt es auch keine absolute Asymmetrie. Beide treten in dialektischer Einheit auf. So sind z.B. Kristalle nicht absolut und ideal symmetrisch. Die Symmetrie setzt sich hier als das Wesentliche und Notwendige im Zufälligen asymmetrischer Abweichungen durch.
Eine besondere Rolle spielt das Verhältnis von Symmetrie und Asymmetrie in der Physik der Elementarteilchen. Dies für eine Strukturtheorie der Materie äußerst wichtige Problem ist immer noch heftig umstritten und Gegenstand intensiver und ausgedehnter physikalischer Untersuchungen. Der Satz von der Symmetrie besagt in diesem Zusammenhang, dass bei einer Spiegelung von Elementarteilchen nicht alle Gesetgzmäßigkeiten unverändert erhalten bleiben, dass z.B. bei räumlicher Spiegelung (Rechts-Links-Spiegelung) ein Schraubensinn der Teilchen (d.h. der Spin) ausgezeichnet sei. Bis zum Jahre 1956 galt die Symmetriebeziehung der Elementarteilchen allgemein. Durch die Experimente von Chen-Ning Yang und Tsung-Dao Lee wurde jedoch die Existenz eines bevorzugten Schraubensinns nachgewiesen (d.h. die Nichteinhaltung der Parität). Das beim β-Zerfall beteiligte Neutrino hat einen bestimmten Schraubensinn. Diese Entdeckung galt als ein bedeutendes physikalisches Ereignis.
Aus den bisherigen Untersuchungen materieller Prozesse und Systeme lassen sich folgende Vermutungen ableiten:
- 1. Symmetrien sind Idealfälle für relativ isolierte stabile Systeme, in denen die Asymmetrien der Teilveränderungen dieses Systems zur Symmetrie des Gesamtsystems führen, wobei andere Einwirkungen vernachlässigt werden können.
- 2. Die Veränderung dieser relativ stabilen Systeme führt zur Aufhebung der Wechselwirkung, zur gerichteten Veränderung. Für diese sich verändernden Systeme gilt es, die Gesetze zu finden, die die Asymmetrie der wirkliche Prozesse ausdrücken.
- 3. Die Einheit von Symmetrie und Asymmetrie zeigt sich darin, dass es kein absolut symmetrisches System gibt, andererseits aber auch keine absolute Gerichtetheit der Prozesse in der Welt existiert. Zu den asymmetrischen Prozessen gibt es entgegengesetzte gerichtete asymmetrische Prozesse, so dass es stets gelingt, eine durchbrochene Symmetrie in einem anderen System wieder herzustellen, ohne zu einer absolut gültigen Symmetrie zu gelangen.
Allgemein kann konstatiert werden, dass der Grad der Asymmetrie mit der größer werdenden Kompliziertheit eines Systems und stärkeren Differenzierung der Teile eines Ganzen wächst.
