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Assur (Stadt)
Aus Kefk.
Assur (Akkadisch Aššur, Aschschur, heute Kalat Scherkât/Qal'at Šerqat) ist eine historische Stadt im Norden des heutigen Irak.
Inhaltsverzeichnis |
Lage
Assur liegt am rechten Ufer des Tigris, nördlich der Mündung des kleinen Zab.
Geschichte
Siehe Hauptartikel: Geschichte des assyrischen Reiches
3. Jahrtausend v. Chr.
Die archäologischen Befunde lassen darauf schließen, dass die Stadt schon vor dem 25. vorchristlichen Jahrhundert gegründet wurde, möglicherweise schon um 2700 v. Chr. in altsumerischer Zeit. Älteste Spuren einer Besiedlung Assurs finden sich schon in der Schicht H des Ištar-Tempels (archaischer Ištar-Tempel), der der älteste archäologische Befund der Stadt überhaupt ist, und in den ältesten Schichten unter dem Alten Palast sowie weiterer Tempel der Hauptgötter. In der darauffolgenden Akkad-Zeit (ca. 2340–2200 v. Chr.) (Schicht G des Ištar-Tempels) stand Assur unter der Oberherrschaft der Könige des akkadischen Reiches. Zur Zeit der 3. Dynastie von Ur (ca. 2100–2000 v. Chr.) ist ein Statthalter Urs in Assur bezeugt.
Nach deren Ende übernahmen unabhängige lokale Fürsten die Herrschaft über die Stadt, die sich rasch entwickelte und zu einem Zentrum des Fernhandels wurde, das ein Netz von Handelsniederlassungen in Anatolien unterhielt (Karum-Zeit). In Assur entstanden in dieser Zeit der Aššur- und der Adad-Tempel. Zudem erhielt die Stadt in dieser Zeit erste Befestigungsanlagen.
2. Jahrtausend v. Chr.
Gegen Ende des 19. Jahrhundert v. Chr. wurde Assur unter der Regierung Šamši-Adads I. (1813–1781 v. Chr.) zum politischen, administrativen und religiösen Zentrum eines in Entstehung begriffenen assyrischen Territorialstaates gemacht. Zu dieser Zeit entstanden in Assur der Alte Palast, die Aššur-Enlil-Zikkurat und ein neuer Aššur-Tempel, dessen Grundriss bis zum Ende des assyrischen Reiches beibehalten wurde. Nach dem Tode Šamši-Adads zerfiel das von ihm geschaffene Reich, und Assur verlor wieder an Bedeutung.
Im 16. Jahrhundert wurden die Befestigungsanlagen der Stadt weiter ausgebaut. Einer der dafür verantwortlichen Herrscher, Puzur-Aššur III. (Mitte des 2. Jt.s v. Chr.), schloss dabei das südliche Wohngebiet (die Neustadt) an den alten Stadtkern an. Im 15. Jahrhundert v. Chr. wurden dem Mondgott Sin und dem Sonnengott Šamaš Tempel errichtet. Wenig später wurde Assur Teil des Mitanni-Reiches, das sich über große Teile Nordmesopotamiens und Syriens erstreckte.
Unter den mittelassyrischen Königen Eriba-Adad I. (1392–1366 v. Chr.) und dessen Sohn Assur-uballit I. (1365–1330 v. Chr.) befreite sich Assyrien von der mitannischen Vorherrschaft und stellte im 13. Jahrhundert v. Chr. wieder eine der stärksten politischen Kräfte im Vorderen Orient dar. Den Herrschern Adad-nirari I. (1307–1275 v. Chr.), Salmanassar I. (1274–1245 v. Chr.) und Tukulti-Ninurta I. (1244–1208 v. Chr.) verdankte Assur ein breites Bauprogram, das sowohl einen Wiederaufbau wie auch die Restaurierung seiner alten Tempel und Paläste einschloss. So ließ er etwa einen neuen Ištar-Tempel errichten. Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr., zur Zeit Assur-reš-išis (1133–1116 v. Chr.) und Tiglat-pileser I. (1115–1075 v. Chr.) erfolgte der Bau des Anu-Adad-Tempels.
1. Jahrtausend v. Chr.
Unter König Assurnasirpal II. (883–859 v. Chr.) wurde das politische Zentrum Assyriens nach Nimrud verlegt. Unter Sargon II. (721–705 v. Chr.) wurde die neu gegründete Stadt Dur Scharrukin Residenzstadt. Sargons Sohn Sanherib (705–682 v. Chr.) machte die Stadt Ninive zum neuen Machtzentrum Assyriens. Als Wohnsitz des Nationalgottes Assur blieb die Stadt jedoch trotz der Verlegung des Regierungssitzes der religiöse Mittelpunkt des neuassyrischen Reiches, was auch durch zahlreiche Bauaktivitäten der neuassyrischen Könige untermauert wurde, etwa die Gründung des Festhauses (éakitu) durch Sanherib. Bis zum Ende des neuassyrischen Reiches wurden hier die Herrscher Assyriens bestattet, unter dem Alten Palast wurden mehrere Sarkophage assyrischer Könige entdeckt. Zwischen den beiden Mauerringen der Stadt befand sich eine Stelenreihe mit den Abbildern der Könige und der eponymen Beamten Assurs. Jedoch wurde die Stadt im Jahre 614 v. Chr. durch die Armee des medischen Königs Kyaxares II. erobert und zerstört.
Wiederbesiedelung und Nutzung nach der Zeitenwende
Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam es zu einer Wiederbesiedlung Assurs, die Stadt wurde nun zu einem parthischen Verwaltungszentrum. In dieser Zeit entstand im Norden der Stadt eine Agora mit öffentlichen Bauwerken. Im Süden wurde ein neuer Palast errichtet. An der Stelle des alten assyrischen Aššur-Tempels errichtete man ein neues Heiligtum für den Gott Assor. Der Aufschwung war jedoch nur von kurzer Dauer, unter dem sassanidischen Herrscher Schapur I. (241–272 n. Chr.) wurde die Stadt erneut zerstört.
Jedoch wurde der Ort auch wieder in der islamischen Periode bewohnt, aber erst zwischen dem 12. und 13. nachchristlichen Jahrhundert ist hier wieder eine größere Siedlung bezeugt. Sie gehörte zum Staat der Zangiden von Mossul. Später gehörte die Stadt zum Ilchan-Reich. Danach verfiel die Stadt, höchstens schlagen in den Ruinen zuweilen noch Beduinen ihre Zelte auf. Ein Teil des Stadtgebietes wurde bis in die 1970er Jahre als Friedhof genutzt.
Seit 2003 ist Assur Weltkulturerbe der UNESCO. Durch den Bau des Makhul-Dammes war die antike Stätte durch eine künftigen Überflutung gefährdet. Das Staudamm-Projekt wurde jedoch seit dem Irak-Krieg 2003 nicht wieder aufgenommen. Da die Zukunft und die Unversehrtheit der Stadt aber noch nicht gesichert sind, bleibt Assur vorerst auf der »Roten Liste«.[1]
Ausgrabungen
Seit 1898 plante die Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) Grabungen in Assur; es sollte das erste Grabungsunternehmen der neu gegründeten Gesellschaft werden.
Robert Koldewey und Eduard Sachau hatten bereits 1897/98 eine Forschungsreise nach Mesopotamien unternommen, um einen geeigneten Grabungsort auszusuchen. Man hoffte, in der ersten Hauptstadt des assyrischen Reiches zahlreiche Königsinschriften finden zu können. Auch Warka und Senkere wurden in Betracht gezogen. Schließlich entschied man sich auf den Rat Koldeweys dafür, zunächst in Babylon (Kasr) auszugraben. Erst 1900 setzte sich der Assyriologe Friedrich Delitzsch wieder für Grabungen in Assur ein und konnte die Unterstützung des Kaisers gewinnen, der das „Licht des deutschen Genius“ nach Assur tragen wollte. Man befürchtete auch, die Briten könnten an diesem Ort Grabungen beginnen und so den Ruhm der deutschen Assyriologie schmälern. Wie Matthes schreibt, waren Assur und Babylon „Objekte im … Kulturwettkampf der Nationen“ geworden.
Am 21. März 1901 wurde Delitzsch von Abdul Hamid II. empfangen, konnte aber zunächst keine Grabungserlaubnis erlangen, da auf dem Gelände eine türkische Kaserne lag. Die Erlaubnis erfolgte schließlich am 20. Juli durch ein Telegramm Abdul Hamids an Wilhelm II., der die Grabungen mit 50.000 Mark aus seiner Privatschatulle förderte. Koldewey traf im August 1903 in Assur ein, hatte aber zahlreiche Schwierigkeiten mit den örtlichen Behörden zu überwinden, bis er schließlich Mitte September nach Assur reisen und mit den ersten Schürfarbeiten beginnen konnte. Die Einrichtung eines deutschen Konsulates in Mossul 1905 brachte hier Erleichterungen.
Während deutsche Zeitungen berichteten, der Sultan habe dem Kaiser den Hügel und alle Funde geschenkt, gehörten die Funde rechtlich dem Museum in Istanbul. Dessen rühriger Leiter Hamdi Bey versuchte energisch zu verhindern, dass die Funde außer Landes verschleppt wurden, wie es bereits im Falle von Mschatta und Milet geschehen war.
Von 1903 bis 1914 gruben Walter Andrae und andere deutsche Archäologen in Assur und förderten unter anderem die Bibliothek Tiglat-pileser I. zu Tage.
Der nördliche Teil der Sadt am alten Tigrisarm mit den Tempel- und Palastbezirken ist ergraben worden. Außerdem gibt es einen Suchgraben in west-östlicher Richtung, der unter anderem im Haus des Beschwörungspristers eine größere Anzahl von medizinischen Texten zum Vorschein brachte. Der Südteil der Stadt sowie die Neustadt sind bisher nicht ergraben worden.
Inzwischen werden die Grabungen der DOG in Assur durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. Seit 1997 wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft auch das Assur-Projekt gefördert. Dieses Projekt wurde von der Deutschen Orient-Gesellschaft und dem Vorderasiatischen Museum Berlin ins Leben gerufen, um die deutsche Ausgrabung von 1903–1914 wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Neue Grabungen fanden 2001 und 2002 statt.
Literatur
- Walter Andrae: Das wiedererstandene Assur. Hinrichs, Leipzig 1938 (2. Aufl. Beck, München 1977), ISBN 3-406-02947-7.
- Walter Andrae: Babylon. Die versunkene Weltstadt und ihr Ausgräber Robert Koldewey. de Gruyter, Berlin 1952.
- Eva Cancik-Kirschbaum: Die Assyrer. Geschichte, Gesellschaft, Kultur. C.H.Beck Wissen, München 2003, ISBN 3-406-50828-6.
- Olaf Matthes: Zur Vorgeschichte der Ausgrabungen in Assur 1898–1903/05. MDOG Berlin 129, 1997, S. 9–27, ISSN 0342-118X.
- P. A. Miglus: Das Wohngebiet von Assur, Stratigraphie und Architektur. Berlin 1996, ISBN 3-7861-1731-4.
- Susan L. Marchand: Down from Olympus. Archaeology and Philhellenism in Germany 1750–1970. Princeton University Press, Princeton 1996, ISBN 0691043930.
- Conrad Preusser: Die Paläste in Assur. Gebr. Mann, Berlin 1996, ISBN 3-7861-2004-8.
Koordinaten: 35° 27' 23" N, 43° 15' 37" O
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