Asienkrise

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Mit Asienkrise wird die Finanz- und Wirtschaftskrise Ostasiens der Jahre 1997 und 1998 bezeichnet. Sie begann im Juli 1997 in Thailand und griff auf mehrere asiatische Staaten über, insbesondere auf viele der so genannten Tiger- und Pantherstaaten. Manchmal wird die Asienkrise auch Asiatische Finanzkrise oder Asiatische Währungskrise genannt.

Die am stärksten betroffenen Länder waren Indonesien, Südkorea und Thailand. Auch in Malaysia, den Philippinen und Hongkong machte sich die Krise bemerkbar, während die Volksrepublik China und Taiwan größtenteils unberührt blieben. Die zeitgleiche Krise in Japan hatte ihre eigenen Ursachen, wurde durch die Asienkrise aber noch verstärkt.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Ursachen

Die Ursachen und Gründe für die Krise 1997/ 98 im asiatischen Raum sehen viele Experten in maßlosen Investitionen, exzessiver Kreditaufnahme - auch in Fremdwährung, Handelsbilanzdefiziten und schwachen regionalen Finanzmarktstrukturen.

Die Asienkrise hat ebenfalls zu einigen neuen makroökonomischen Erklärungsmodellen geführt. So das Erklärungsmodell nach Corsetti und den Contagion-Effekt.

Investitionsblase - In Folge der Liberalisierung der Finanzsektoren asiatischer Staaten entstand in den neunziger Jahren ein Kreditboom in Asien. Das Wachstum des Kreditvolumens lag in den neunziger Jahren im Durchschnitt um 8 bis 10 Prozentpunkte über den Wachstumsraten des BIP. Ein immer größerer Teil der Kredite wurde dabei zum Kauf von Aktien und Immobilien eingesetzt. Die Folge war ein Anstieg der Aktienmärkte und ein starkes Ansteigen der Immobilienpreise. Dieser Anstieg führte bis zu einer Vervierfachung dieser Werte. Mit den steigenden Immobilien- und Aktienpreisen glaubten die Banken gute Sicherheiten für die weitere Vergabe neuer Kredite zu haben. Dieses Vorgehen führte zur neuerlichen Kreditvergabe, die wiederum in Aktien und Immobilien flossen. Durch die daraus folgenden Preissteigerungen entstand in einigen Bereichen eine enorme spekulative Blase. Dieser „Teufelskreis“ bei der Kreditvergabe der Banken, bei denen der gestiegene Wert der Sicherheiten zu einer Ausweitung der Kreditvergabe führte, welche wiederum die Preise der Sicherheiten in die Höhe trieb, hatte eine stark einseitige Ausrichtung der Kreditvergabe zur Folge. Ende 1997 lag der Anteil der Kredite im Immobiliensektor in Thailand, Indonesien und Malaysia zwischen 25 und 40 Prozent. Dies machte die Banken bei einem eventuellen Tief am Aktien- und Immobilienmarkt verwundbar.

Fehlende Fremdwährungsabsicherung - Weitere Probleme resultierten aus unterschiedlichen Laufzeiten und Währungen der aufgenommenen und vergebenen Kredite. Da die Banken von der günstigen Zinssituation auf den internationalen Finanzmärkten profitieren wollten, erfolgte die Verschuldung vielfach in US-Dollar oder Yen mit kurzen Laufzeiten. Die Kreditvergabe an inländische Kreditnehmer erfolgte aber meistens langfristig und in inländischer Währung. Kreditinstitute finanzierten langfristige Kredite mit Hilfe von kurzfristig aufgenommenem Geld. Aufgrund dieser Vorgehensweise kam es zu gravierenden Unterschieden bei Laufzeit und Währung zwischen den aufgenommenen und vergebenen Krediten. Zu diesem Zeitpunkt wurde ein schwerwiegender Fehler begangen, da die Finanzinstitute auf die anhaltende Stabilität der Währungen, auch die Koppelung der heimischen Währung zumeist an den US-Dollar, vertrauten, und deshalb keine Notwendigkeit sahen, die Verbindlichkeiten in Yen oder Dollar gegen Wechselkursänderungen abzusichern. Durch dieses Vorgehen profitierten sie von der Schwäche des US-Dollar gegenüber dem japanischen Yen zwischen 1985 und 1995. Bis 1995 war diese Strategie sehr erfolgreich. Sie waren konkurrenzfähig und konnten ein stark exportgetriebenes Wachstum verbuchen. Als sich der Dollar/Yen Kurstrend umkehrte, stiegen plötzlich die lokalen Währungen in realer Rechnung, was zu einer ernsthaften Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit führte und somit zu einem gravierenden Handelsbilanzdefizit. Für die asiatischen Banken war durch die staatlich abgesicherten Wechselkurse das Wechselkursrisiko für die Aufnahme ausländischer Gelder unerheblich und machte Devisenkredite aufgrund geringer Risikoprämie billig. Sie verzichteten zu Gunsten höherer Gewinne auf die in derartigen Situationen eigentlich notwendige Risikoabsicherung über die Terminmärkte.

Das Hauptproblem dieser Finanzpolitik waren aber die kurzfristigen, in Fremdwährung laufenden Kredite der Banken, die im Gegensatz zu den auf ausländische Währung lautenden Währungsreserven standen. Die Krisenländer waren einfach nicht in der Lage kurzfristig genug ausländische Devisen bereitzustellen, um ihre Verbindlichkeiten zu begleichen. Offizielle Angaben über die Währungsreserven zeigten ein verfälschtes Bild der wahren Situation. Die Währungsreserven waren viel zu hoch bewertet, weil Transaktionen an den Terminmärkten nicht berücksichtigt wurden. Eine Reihe von Zentralbanken (bspw. die thailändische Zentralbank) versuchte bei Auftreten der Finanzkrise über Transaktionen an den Terminmärkten, die Kurse ihrer Währungen zu stützen um eine Währungskrise abzuwenden

Schwache regionale Finanzmarktstrukturen - Zusätzlich zu den bereits skizzierten Missständen gab es in den meisten Ländern keine oder eine nur unzureichend funktionierende Aufsichtsbehörde. Zudem verzichteten die Banken auf eine gründliche Risikobeurteilung bei der Kreditvergabe und auch die Bonitätsprüfung der Kreditnehmer wurde stark vernachlässigt. Die Folge dieser Kreditvergabepraktiken war, dass viele der Banken eine viel zu geringe Eigenkapitalquote aufwiesen. Das Management der Finanzinstitute vertraute darauf, dass die Regierung sie unterstützen würde, sollte es tatsächlich zu Schwierigkeiten kommen. Die Fehler sind jedoch nicht nur beim Management der asiatischen Banken zu suchen, sondern die Krise wurden besonders verstärkt oder auch erst herbeigeführt durch ausländische Spekulanten, die im Zusammenhang mit einer bevorstehenden Finanzkrise auf eine Währungskrise spekulierten.

Ein weiterer Grund für die problemlose Überschuldung der Institute und somit der einzelnen Staaten war das niedrige Zinsniveau in Japan und den damit verbundenen Anreizstrukturen zur Kreditaufnahme im asiatischen Raum. Viele Investoren wollten in dem Zukunftsmarkt Südostasien dabei sein. Auch im Westen herrschte die Meinung, dass die Regierungen in Asien, sollte es zu Problemen kommen, über die Ressourcen verfügen würden um eventuelle Solvenzprobleme abzufangen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Nach Jahren starken Wachstums sahen sich die asiatischen Länder 1997 mit einem plötzlichen Fall in tiefe Rezession konfrontiert. Die internationalen Kapitalmärkte reagierten mit der gewohnten Härte. Damalige und zukünftige Investoren zeigten sich skeptisch über die Aussichten der Region und reagierten dementsprechend. Vor Beginn der Krise waren die „Tigerstaaten“ noch sehr erfolgreich auf den weltweiten Kapitalmärkten, wobei der US-Dollar-Markt ungefähr 33 Mrd. US$ pro Jahr ausmachte. Doch der Vertrauensverlust der Investoren war enorm und 1998 sank der Wert auf nur noch 8 Mrd. US$ für asiatische Kreditnehmer. Die Krise zeigte sich besonders deutlich an der Wirtschaftsleistung des Jahres 1998. In diesem Jahr schrumpfte das BIP in Indonesien (-13,7%), Thailand (-8,0%), Südkorea (-5,5%), Hongkong (-5,1%) und auf den Philippinen (-0,5%), nachdem diese Länder bis 1996 einen langjährigen Zuwachs verzeichnet hatten. In Japan sank das BIP ebenfalls um 2,8%. Auch der Arbeitsmarkt brach zusammen. In Südkorea stieg die Arbeitslosenquote von 2% (1996) auf 6,8% (1998), in Malaysia von 2,5% (1996) auf 8% (1998) und in Indonesien auf 22% (Anfang 1999). Während sich die Asienkrise weiterhin verschlimmerte, bemühte sich die internationale Gemeinschaft die negativen Konsequenzen einzugrenzen. Der Internationale Währungsfonds stellte mehr als 100 Mrd. US-Dollar für Thailand, Indonesien und Südkorea zur Verfügung. Zusätzlich bemühten sich zahlreiche Regierungen und internationale Organisationen Hilfestellung zu leisten. Damals bestand Hoffnung, dass sich der Markt bald erholen würde. Die am meisten betroffenen Währungen, der thailändische Baht, die indonesische Rupiah und der südkoreanische Won hatten bis Mitte 1998 einen Teil ihres Wertverlustes aufgeholt und hatten sich stabilisiert. Ebenso stabilisierten sich die Exportzahlen wieder. Eine beruhigende Tatsache war, dass nicht alle Länder gleichermaßen betroffen waren. Die VR China war relativ immun gegenüber den direkten Auswirkungen der Krise. Nicht nur der Yuan behielt seinen Wert, sondern sogar das Bruttoinlandsprodukt wuchs weiter an und die Exporte nahmen weiterhin kräftig zu.


Auswirkungen der Krise auf andere Länder - Die Marktprognosen waren denkbar schlecht und verhießen einen gravierend negativen Effekt auf die gesamte Weltproduktion. Es gab Prognosen, die von bis zu einem Drittel ausgingen. Tatsächlich entpuppten sich die direkten Effekte aber als wesentlich geringfügiger. Als Grund dafür ist der relativ geringfügige Exportanteil der USA und Europas in die asiatischen Länder, mit Ausnahme von Japan, zu nennen. Im Gegensatz dazu hatten die asiatischen Länder eine durchschnittlich hohe Exportquote von 36% in die USA und nach Europa und standen so in einem engen Abhängigkeitsverhältnis. Im Vergleich dazu gingen nur 2,5% der US-amerikanischen Exporte nach Südostasien.

Für den amerikanischen und europäischen Raum war die Krise anfänglich nicht allzu bedrohlich, doch Japan, das auch aus geographischer Lage heraus einen natürlichen Handelspartner und Investor für diese Region darstellt, wurde am stärksten von den negativen Auswirkungen der Krise getroffen. Als direkte Konsequenz wurde Japans Exportanstieg deutlich geringer und erstmals in diesem Jahrzehnt wuchs Japans Wirtschaft 1998 nicht mehr. Die japanische Wirtschaft geriet in eine Rezession.

Die USA konnten während der Ereignisse ihr Wirtschaftswachstum halten und gegen Ende 1998 sogar erhöhen. Gleichzeitig konnte die Inflation gering gehalten werden, die Konsumausgaben waren hoch und die Arbeitslosigkeit erreichte ein 30-Jahrestief von 4,3%. Aber der Höhepunkt der positiven Entwicklungen für die USA war der Höhenflug des Dow Jones Index, der die 10.000er Marke überstieg und damit auch die europäischen Aktienmärkte mit sich auf Rekordhöhe zog.

Die Auswirkungen auf die EU-Wirtschaft hielten sich in Grenzen, obwohl die europäischen Investitionen in Asien einen Rückschlag erlitten. Der sekundäre und der tertiäre Bereich hatten die größten Schwierigkeiten, da eine Reihe von europäischen Industrieprodukten und Dienstleistungen für den asiatischen Markt bestimmt waren. Die Einbußen der Bundesrepublik Deutschland wurden, nach Aussage der Regierung, auf 10 Milliarden DM geschätzt. Die Wachstumsrate der deutschen Wirtschaft fiel um 0,25% und die Arbeitslosenquote nahm um 0,1 - 0,2% zu.

Siehe auch

Makroökonomisches Erklärungsmodell zur Asienkrise; Contagion-Effekt

Literatur

  • Joseph Stiglitz, Die Schatten der Globalisierung, Goldmann 2002, ISBN 3442152844
  • Corsetti, G., Pesenti, P. & Roubini, A. (1999), ‘Paper Tigers? A model of the Asian crisis’, European Economic Review 43, 1211 – 1236
  • Green, Stephan K.: Die Asienkrise und ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft In: Politische Studien, Nr. 366, 50. Jg., 07/08 1999
  • McKinnon, Ronald; Pill, H (1996): ‚Credible Liberalizations and International Capital Flows: The ”Overborrowing Syndrome‘“, in: Ito, Takatoshi; Krueger, Anne O. (Hrsg.): Financial Deregulation and Integration in East Asia“ Chicago, London, S. 7-42., 1996
  • Nunnenkamp, Peter (1999); „Die Asienkrise und was daraus zu lernen ist“, Institut für Weltwirtschaft, Beitrag für das Jahrbuch Ditte Welt 1999,Kiel
  • Joebges, Heike: Transmissionsmechanismen von Währungskrisen. Am Beispiel der Tequilakrise (1994/95) und der Asienkrise (1997). Herbert Utz Verlag, München 2006, ISBN 3-8316-0659-5

Weblinks

Wikipedia
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