Artefakt
Aus Kefk
Der Begriff Artefakt (v. lat.: "ars" Kunst; "factum" das Gemachte) bezeichnet ein durch menschliche oder technische Einwirkung entstandenes Produkt oder Phänomen, in Abgrenzung zu dem unbeeinflussten bzw. natürlichen Phänomen.
In der Wissenschaft wird der Begriff häufig verwendet, um auszudrücken, dass beobachtete Phänomene auf charakteristische Fehler im Aufbau eines Experimentes zurückzuführen sind. Diese Beobachtungen sind dann wissenschaftlich wertlos, weil sie nichts über den eigentlichen Untersuchungsgegenstand aussagen.
Der Begriff wird im Einzelnen in folgenden Disziplinen eingesetzt:
- Wirtschaftsinformatik: Im wesentlichen Informationsbestände, Softwaresysteme (Datenbanken, Tools, Programme), Architekturen, Modelle, Sprachen und Methoden der Softwareentwicklung
- Nachrichtentechnik: Auswirkungen einer Systemschwäche auf das Nutzsignal, siehe Artefakt (Technik).
- Kybernetik: Die Auswirkungen von Signalen auf gesteuerte Größen, die zusätzlich zum (idealisierten), gewünschten Effekt auftreten.
- Tontechnik: Störsignale, die durch Rechen- oder Reduktionsfehler in der digitalen Bearbeitung auftreten, insbesondere bei MP3, RealAudio u. ä. Siehe Kompressionsartefakte
- Videotechnik: Bildfehler, die etwa als Folge digitaler Datenkompression auftreten. Siehe Kompressionsartefakte
- Computergrafik: Fehler in computergenerierten Bildern, die aufgrund von Rundungsfehlern, mathematischen Annäherungen o. ä. entstehen.
- Softwareentwicklung: Produkt (Dokument, SourceCode, Programm), das als Zwischen- oder Endergebnis der Softwareentwicklung entsteht; siehe Artefakt (Softwareentwicklung) und Artefakt (UML).
- Informatik: Ein kontextabhänger Teil eines Software-Systems zum Beispiel eine Klasse (objektorientierte Programmierung)
- Archäologie: Gegenstand, der im Gegensatz zur Naturalie seine Form durch menschliche Einwirkung erhielt (neolithische Artefakte); siehe Artefakt (Archäologie).
- Medizin:
- Am eigenen Körper herbeigeführte Veränderung oder Schädigung
- als Selbstbeschädigung zum Beispiel in betrügerischer Absicht.
- als psychische Störung (siehe Münchhausen-Syndrom)
- Durch technische Störungen hervorgerufene scheinbare Befunde:
- Histologie: Merkmale an einem mikroskopischen Präparat, die erst durch Färben, Fixieren und Schneiden entstanden sind und somit natürlicherweise nicht vorhanden waren.
- Radiologie: Technisch bedingte Strukturen, die sich dem Röntgenbild überlagern. Ringartefakte sind bei CT-Scannern bekannt als Folge fehlender Kalibrierung oder fehlerhafter Sensoren. Streifenartefakte werden ebenfalls im CT beobachtet (vor allem bei älteren Geräten), wenn Objekte hoher Dichte (z. B. Ohrringe, Halsketten oder Prothesen) im Strahlengang liegen. Bei der Entwicklung von Röntgenbildern können Artefakte in Form kleiner heller Punkte als Folge von statischer elektrischer Aufladung auftreten, und können dann z. B. Schrotkugeln vortäuschen.
- EKG / EEG / EMG / EOG: Bei diesen diagnostischen Verfahren in der Medizin können Störsignale die Aufzeichnung stören. Störende Felder können vom Stromnetz (50 bis 60 Hz) oder von Funksendern und Mobiltelephonen stammen.
- Am eigenen Körper herbeigeführte Veränderung oder Schädigung
- Sozialforschung: Verzerrung der Darstellung der Realität, siehe Artefakt (Sozialforschung).
- Statistik: Die lediglich im statistischen Verfahren und nicht in den Messwerten auftretenden Phänomene; siehe Artefakt (Statistik).
- Kunsttheorie und Technikphilosophie: Objekt, das vom Menschen gemacht und nicht in der Natur vorgefunden wurde und das im Gegensatz zum Biofakt tot ist.
- Fantasy: Ein (in der Regel magischer) Gegenstand, siehe Artefakt (Fantasy).
Weblinks
| Wiktionary: Artefakt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen |
| Bild:Disambig-dark.svg | Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe. |
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