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Architektursoziologie

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Bei der Architektursoziologie handelt es sich um einen Arbeitsbereich der Soziologie.

Inhaltsverzeichnis

Gegenstände und Aspekte der Architektursoziologie

Bei der Architektursoziologie geht es um die symbolische Interaktion zwischen den sozial handelnden Menschen mittels der Konstitution und Gestaltung von Räumen, z.B. von Städten, Landschaften (Parks), Häusern, Brücken, Denkmalen oder besonderen Bauteilen (Türmen, Türen u. a.) bis hin zur Innenarchitektur; also auch um den Beruf des Architekten, um Baupolitik, Bauwirtschaft und Wohnen. Es gibt dabei verschiedene Aspekte, die im folgenden angerissen werden. Eine andere mögliche Perspektive der Architektursoziologie ist die Frage der 'Interaktion' zwischen Architektur und Akteur, also die Frage, inwiefern eine bestimmte Architektur bestimmte Handlungsweisen, Bewegungsweisen, Wahrnehmungsweisen nahelegt und ermöglicht.

Architektur als System

Architektur kann in Anlehnung an den Soziologen Niklas Luhmann als ein System beschrieben werden. Luhmann behandelt die Funktionsweise des Architektursystems (teilweise) innerhalb seiner Untersuchung des Kunstsystems (Die Kunst der Gesellschaft). Die genaue Beschreibung und systemtheoretische Untersuchung des Architektursystems steht noch aus; allerdings hat Dirk Baecker bereits 1990 einen explizit systemtheoretischen Text zur Architektur geschrieben ("Die Dekonstruktion der Schachtel").

Architektursoziologie (im Wortsinn)

Hier kommt primär die Phänomenalität des Gebauten, die Architektur selbst in den Blick, es geht also nicht nur und vielleicht nicht vordergründig um die Interaktionen in architektonischen Räumen, sondern um die Aussage der Architektur und deren Effekte selbst. Darunter fällt unter anderem die Wohnsoziologie. Auch Konsumarchitektur, Mobilitätsarchitektur, politische und religiöse Architektur sowie Fabriken, Gefängnisse, Theater- und Kinobauten etc. wären Objekte, Gegenstände einer solcher architektursoziologischen Perspektive, die dann z.B. die Frage stellt, inwiefern diese Architektur jeweils einen Aspekt der Struktur dieser Gesellschaft ausdrückt. Dabei interessieren Grundrisslösung, Gestalt, Dimension, Material des Gebauten, aber auch die begleitenden Diskurse.

Solche architektursoziologischen Analysen finden sich implizit schon bei den soziologischen Klassikern: Walter Benjamin (Passagen als Geburtstätten der Konsumgesellschaft), Norbert Elias (höfische Wohnstrukturen als Anzeiger der höfischen Gesellschaftsstruktur), Michel Foucault (Gefängnisse als Geburtstätten der Disziplinargesellschaft) sowie bei Ernst Bloch und Siegfried Kracauer, auch Pierre Bourdieu und Maurice Halbwachs sowie Karel Teige wären zu nennen.

Von der Techniksoziologie her gibt es Ansätze zu einer Soziologie der Artefakte. Gebaute Artefakte sind in Bezug auf die moderne Gesellschaft besonders aussagekräftig, ebenso wie Architektur die raumkonstituierende Kulturtechnik ist.

Raumsoziologie

Der einschlägige Begriff "sozialer Raum" wird bei Bourdieu auch in übertragenem Sinne gebraucht. Er gehört eher in die Raumsoziologie, wie sie von Dieter Läpple, Martina Löw, Michel Foucault betrieben wurde bzw. wird.

Stadt- und Regionalsoziologie

Diese befasst sich vor allem mit städtischen Sozialstrukturen (im Gegensatz zum Land), mit Segregationsprozessen, mit Verstädterung und Schrumpfung von Städten.

Soziologie der Architektur Schaffenden

Es geht dabei um die symbolische Interaktion zwischen Akteuren mittels der Konstitution und Gestaltung von Räumen, seien dies z.B. Städte, Landschaften (Parks), Häuser bis hin zur Innenarchitektur.

Beim beruflichen Aspekt geht es um die Architekten, damit auch um Baupolitik, Bauwirtschaft und Wohnen. Es kann bei diesem Aspekt auch um eine Wissens- und eine Intellektuellensoziologie der Architekten gehen.

Aktuelle Tendenzen

Aktuell ist eine explizite Neubegründung der Architektursoziologie, auch mit einem stärkeren soziologietheoretischen Interesse, absehbar.

  • In Deutschland sind aus einer stadtsoziologischen Richtung u.a. Harald Bodenschatz, Herbert Schubert und Bernhard Schäfers zu nennen;
  • aus einer eher kultursoziologischen, philosophisch-anthropologischen und gesellschaftstheoretischen Richtung forschen u. a. Walter Prigge, Michael Makropoulos, Joachim Fischer, Heike Delitz.
  • Davon unterschieden ist wiederum der Beitrag der Gender Studies, u. a. von Kerstin Dörhöfer, Ulla Terlinden, Susanne Frank, Katharina Weresch, Barbara Zibell.
  • Einen vielbeachteten Beitrag lieferte Christine Hannemann mit ihrer Arbeit "Die Platte" zum industrialisierten Wohnungsbau in der DDR.
  • Den Quereinstieg in die Disziplin schaffte auch der Berliner Architekturkritiker und Theologe Dieter Hoffmann-Axthelm, u. a. mit der ebenso provokant-scharfsinnigen wie utopisch-übertriebenen Arbeit "Die dritte Stadt".
  • Zur Landschaftsarchitektur sind jüngst Ulf Jacob (über Hermann von Pückler-Muskau) und Stefan Kauffmann zu nennen.

Literatur

  • Barbara Zibell (Hg.): Beiträge zur Planungs- und Architektursoziologie, Verlag Peter Lang, seit 2004; bisher erschienen: Bd.1 Schröder, Anke / Zibell, Barbara (2004): Auf den zweiten Blick. Städtebauliche Frauenprojekte im Vergleich; Bd.2 Sailer, Kerstin (2004): Raum beißt nicht. Neue Perspektiven zur Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum; Bd.3 Krosse, Susanne (2005): Wohnen ist mehr. Andere Wohnkonzepte für neue Lebensformen; Bd.4 Harth, Annette (2006): Frauen im Osten - Wohnen nach der Wende. Eine empirische Untersuchung der Wohnweise ostdeutscher Frauen in der ersten Transformationsphase, Frankfurt a.M. / Berlin / Bern.
  • Joachim Fischer/Michael Makropoulos (Hg.), Potsdamer Platz. Soziologische Theorien zu einem Ort der Moderne, München 2004
  • Bernhard Schäfers, Architektursoziologie, Opladen (Leske + Budrich) 2003 [ISBN 3825282546]
  • Hans P. Thurn, Architektursoziologie. Zur Situation einer interdisziplinären Forschungsrichtung in der BRD, in: KZfSS Jg. 24 (1972), 301-341
  • Hans Linde, Sachdominanz in Sozialstrukutren, Tübingen 1972
  • Bruno Latour, Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie, Frankfurt/M. 1998
  • Bernward Joerges, Technik, Körper der Gesellschaft. Arbeiten zur Techniksoziologie, Frankfurt/M. 1996

Weblinks

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