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Arbeitskult
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Arbeitskult bezeichnet in der soziologischen und kulturwissenschaftlichen Literatur zur Arbeitskultur, die überhöhten Einstellungen, Normen und Werte eines Kollektivs oder eines Subjekts auf Arbeit als gesellschaftlichen Wert (Arbeitsethik), auf den Begriff von Leistung (Leistungsgesellschaft) und auf das Arbeitsverhalten, die sich mit den Merkmalen eines Kults beschreiben lassen.[1] Für das Phänomen sind auch andere Ausdrücke gebräuchlich, wie Arbeit als Fetisch (Warenfetischismus), übertriebenes Arbeitsethos, Verherrlichung oder Glorifizierung der Arbeit.
Kulthafte Merkmale können die Ritualisierungen von Arbeitstätigkeiten, die örtliche Separierung, Reglementierung der Arbeitsbedingungen, Verherrlichungen oder Romatisierungen in der Darstellung von Arbeit, die Reglementierung der Teilnahme über "Rasse" (z.B. auch "jüdische Nicht-Arbeit" ...[2]), Alter, Geschlecht etc. beinhalten.[3]
Als "kritische" Bezeichnung wird der Begriff im übertragenen Sinn für die "nicht angemessene" Wertschätzung, "Verehrung oder Hochschätzung" der Arbeit verwandt. Diese kritische Bezeichnung findet seine Anwendung in sozialwissenschaftlichem Diskurs und ist vergleichbar mit anderen Begriffen zur Beschreibung als nicht angemessen angesehene Überhöhungen im Personenkult oder dem Jugendkult. [4]
Kulturhistorische Studien zur Entwicklung des Arbeitsbegriffs untersuchen die Formen des Arbeitskultes oft in Relation zu anderen gesellschaftlichen Normen und Wertvorstellungen. Arbeitskult wird hier als Ausdruck einer Wissens- und Machtform gesehen, die sich unreflektiert im Selbstverhältnis des Menschen, sich entsprechend den je gegenwärtigen Vorstellungen von Arbeit zu verhalten, widerspiegelt und somit eine Verinnerlichung von Normen darstellt. [5]
Als Anzeichen für eine Überhöhung des Arbeitsbegriffes wird die Kategoriesierung von Menschen als "faul", "arbeitsscheu" und die Stigmatisierung der durch den Arbeitsbegriff ausgegrenzten Menschen mit medizinischen Klassifizierungen (Pathologisierung) als "krankhaft" gesehen. [6]
Allgemeiner Überblick
Philosophische Refexionen über den Arbeitskult
Zu den maßgeblichen wissenschaftlichen Werken über die Überhöhung des Arbeitsbegriffs zählen die Schriften Max Webers zur Religionssoziologie [7] und die Arbeiten von Marx und Engels, deren gesamtes Werk man als eine Kritik entfremdeter Arbeit bezeichnen kann. Paul Lafargue hat den Ausdruck Arbeitskult 1883 in seiner berühmten polemischen Schrift "Das Recht auf Faulheit" geprägt.
Ökonomische Untersuchungen zum Arbeitskult
Zwangsverhältnis von Politik und Ökonomie
Nach Ulrich Enderwitz umfangreicher Studie "Reichtum und Religion"[8] ergibt sich der Arbeitskult aus dem Zwangsverhältnis von Politik und Ökonomie seit Beginn der menschlichen Gesellschaft, das im "Kapitalismus der Moderne seine möglicherweise unüberbietbare Krönung findet".
Diese Zwangsverhältnis zeigt sich darin, dass der gesellschaftliche Reichtum nicht unmittelbar dem Schöpfer überlassen wird, "sondern partout anderen als ihnen (Heroen, Göttern, menschlichen Herren)". Der Kult um Arbeit liegt hier in der Legitimation der Bedingungen, die Arbeit an andere bindet.
Arbeit als Ware
In der marxschen Terminologie wird der Warencharakter der Arbeitskraft herausgestellt. Der Begriff bezeichnet, als Kritik formuliert, die Konstitutionsbedingungen des beklagten Zustands, im Kapitalismus seine Arbeitskraft verkaufen zu müssen. Der bürgerliche Arbeitsbegriff wird hier als Teil eines Glaubenssystems der kapitalistischen Gesellschaften verstanden.
Siehe auch: Warenfetischismus
Soziologische und sozialhistorische Studien über den Arbeitskult
Während allgemein der Sinn stiftende Wert von Arbeit kaum bestritten wird, befasst sich eine Vielzahl soziologischer und psychologischer Studien sowie ein unübersehbares polemisches Schrifttum mit der Ablösung von Arbeit vom Wohl des Menschen. Eine große Zahl von Studien beschäftigt sich mit der Umwälzung der Stellung von Arbeit seit dem Mittelalter. Nicht nur von theologischem Interesse ist insbesondere die Problematik des Arbeitsbegriffs in der Rechtfertigungslehre Martin Luthers – eines der sensibelsten Probleme der Reformation und der Geistesgeschichte der Neuzeit.
Verknüpfung sozialer Leistungen mit überhöhten Vorstellungen von Arbeit
Michel Foucault beschreibt in seinem Buch Überwachen und Strafen den engen Zusammenhang der gesellschaftlichen Norm und Wertvorstellungen von Arbeit, Krankheit und Strafe. Durch eine Überhöhung des Arbeitsbegriffes kam es dabei historisch zu zum Teil grausame Verfolgungen „Arbeitsscheuer“. Eine Rolle dabei spielt die Geschichte der Arbeitshäuser. Das Koppeln bürgerlicher Grundrechte an die sogenannte „Leistungsbereitschaft“ ist bis heute eines der fundamentalen sozialen Prinzipien jeder Gesellschaftsordnung. [9]
In Deutschland wird seit Bismark das Recht auf soziale Versorgung in seiner gesetzlichen Regelung mit Überhöhungen von Arbeit verknüpft, die den Wert der Arbeit über andere soziale Werte stellen. Speziell in der deutschen Sozialgesetzgebung das Unterlaufen des Grundgesetzes durch die Ungleichbehandlung „Arbeitsunwilliger“ vorgeworfen, dessen Rechtmäßigkeit selbst konservative Verfassungsrechtler wie Roman Herzog angezweifelt haben.
Merkmale für den kultischen Charakter von Arbeit
Die Wahrnehmung kultischer Charakteristik ist abhängig vom eigenen kulturellen Hintergrund. Ethnologische Studien zum Arbeitskult finden sich vor allem zu nicht westlichen Gesellschaften.
Der kultische Charakter im Umgang mit Arbeit und dem Begriff von Arbeit zeigt sich in den Überhöhungen und Idealisierungen von Arbeit gegenüber anderen Erscheinungsformen der sozialen Realität. Diese spiegeln sich im engeren Sinne des Kultusbegriffs in der Festsetzung und Reglementierung seiner Vollzugsformen wider. [10] Dazu können nach soziologischen, ethnologischen und anthropologischen Gesichtspunkten in mehr oder minder umfangreicher Form folgende Merkmale gehören.
Reglementierung der Teilnahmebedingungen über Alter, Gesundheit, Geschlecht oder gesellschaftlicher Herkunft
In der Soziologie wird die unterschiedliche Bewertung von Arbeit in sogenannte reproduktive Arbeit (Erziehung, Haushalt etc.) und produktive Arbeit (Büro, Fabrik etc.) als eine Form der Idealisierung aufgrund des Geschlechts bewertet. Auch umgangssprachlich finde sich entlang dieser Zuordnungen nach Teilnahmebedingungen Redewendungen, die auf den kultischen Charakter der Tätigkeiten verweisen: Mit "Putzfimmel" für die übersteigerte Identifizierung mit der "häuslichen" Tätigkeit ist zumeist eine weibliche Rollenzuschreibung verbunden, während bei "Amtsschimmel" für die Überhöhung repräsentativer Identifizierungen einer Verwaltungstätigkeit zumeist eine männliche Rollenzuschreibung der Tätigkeit vorliegt etc.Vgl. dazu auch Emile Durkheim: "Über soziale Arbeitsteilung".[11]
Die hervorhebende Darstellung von Tätigkeiten als Arbeit in Form einer spezifischen Ikonographie, die eine besondere Verehrung ausdrücken.
z.B. Arbeiterdenkmäler etc.
Die Zuweisung von Arbeit über dafür ausgewiesene Vermittler und Personen, die andere zu der Tätigkeit der Arbeit anleiten, wenn diese Personen eine überhöhte Bedeutung erlangen.
So genannte "Helden der Arbeit" dienen als Vorbild und Leitfiguren.
Religiöse, völkische und nationale Verbrämung von Arbeit
Der kulthafte Charakter eines Arbeitsbegriffs zeigt sich in vielfältigen Erzählungen über den Zusammenhang von Arbeit und Religion, Arbeit und Volk und Arbeit und Nation. Die Beschwörung der Bedeutung der Arbeit für das nationale oder religiöse Kollektiv oder für die nationale Volkswirtschaft, dient dabei vielfach der Formulierung kollektiver Normen und Werte. Die "Lebenskraft" des Kollektivs wird mit der "Arbeitskraft" gleichgesetzt und Arbeit mit einem "sittlichen Gehalt" angefüllt. [12] Zu dieser Funktion gehört auch die Einebnung sozialer Widersprüche und die Integration bzw. den Ausschluss derjenigen, die nicht zur Gemeinschaft gezählt werden.
In der Neue Rechte und im Extremismus der Mitte gehört die Verknüpfung von Arbeit und Nation zum rhetorischen Standard. Martin Hohmann formulierte in seiner umstrittenen Rede: "Wie viele Menschen in Deutschland klopfen ihre Pläne und Taten auch darauf ab, ob sie nicht nur eigennützig, sondern auch gemeinschaftsnützig sind [, ob] sie der Gemeinschaft nützen, ob sie unser Land voranbringen?" [13]
In extremer Formen finden sich Verkettungen solche Verbrämungen in den völkischen Wurzeln des Nationalsozialismus und in der nationalsozialistischen Propaganda. Zur antisemitischen Rhetorik Adolf Hitlers gehörten religiöse Element zur Beschwörung der Volksgemeinschaft und Vernichtung der Juden.
Arbeitsehre, Verehrung von Arbeit, Verachtung von "Nicht-Arbeit"
Ein Zeichen von Arbeitskult stellt die Vorstellung dar, über das "nackte Lohnverdienen" hinaus eine Arbeitsehre zu entwickeln und zu pflegen. Der Anspruch der Verehrung geht besonders im Völkischen mit einer Verbindung zu ethischen Werten, mit einer Aufladung durch metaphysischen Sinn und mit der Idealisierung von Arbeit und eines Arbeitsethos einher. In diesem Idealbild findet sich im Völkischen als Gegenbild der "Materialismus" der "nachten Lohnarbeit" sowie das antisemitische Bild der "jüdischen Nicht-Arbeit". Robert Ley (1890-1945), Organisator der Reichsparteitage, formuierte das 1935 für die deutsche Volksgemeinschaft wie folgt:
- "Wir werden es nicht zulassen, dass wie früher nur gewisse kleine Kreise den Profit der Arbeit anderer haben. Wir wollen, dass die Arbeit einen neuen Sinn erhält, einen neuen ethischen und seelischen Wert, dass aus dem nackten Lohnverdienen wieder ein Ideal der Arbeit wir, dass ein gemeinsamer Begriff Ehre der Arbeit alle durchglüht, und dass eine gemeinsame Auffassung von Volk und Nation alle erfüllt." [14]
Fetischisierung moderner Produktivität
Blut und Maschine
Besonders in der völkischen Romantik zeigten sich Widersprüche zwischen der antimodernistischen Schollenromantik und der extremen Fetischisierung der modernen Produktion.
- "Spätestens der Ersten Weltkrieg entfaltete in diesem Zusammenhang katalysierende Wirkung. Er förderte nicht nur insgesamt das Nationalgefühl, sondern auch die Nationalisierung der Arbeit, denn in der Extremsituation von Not und Überlebenskampf konnte die nationale Bestimmung der eigenen Tätigkeit real nachvollzogen und gleichzeitig die Technik als treue verbündete in einem nationalen Kontext wahrgenommen werden." [15]
Ängste vor der Technik wurden im völkischen Technikbegriff einerseits offen angesprochen gleichzeitig durch die Propaganda des Technikmissbrauchs durch die "materialistische", "liberalistische" und somit "jüdische" Anwendung abgespalten. Technik wurde zu einer Kategorie der Natur, Katastrophen der technischen Produktion wurden zu Naturkatastrophen. Der Mensch ordnete sich wie in den Arbeiterliedern von Heinrich Lersche aus der Weimarer Republik in die Technik ein, wie in der Natur. Seine Lieder wie das "Wollt ihr, werkende Maschinen / Neuen Volkes Helfer sein? ... " wurden im Nationalsozialismus rezipiert. [16]
In dem nationalsozialistischen Sammelband "Ruf der Arbeit" beschreibt der Herausgeber Heinz Kindermann 1942 das Prinzip des "Maschinewerdens" in der völkischen Arbeiterliteratur:
- "Dort hatte man versucht, den neuen, bedrohlichen Maschinengeist dadurch zu bändigen, dass man ihn gleichsam überschrie und übertrumpfte, in dem man selbst Maschine wurde. (...) Diesen materialistischen Auffassungen nun setzten schon Lersch und Bröger ein Eigenart der persönlichen Leistung ja der Bereitschaft, nach Neigung und Begabung dieses Besondere zu wählen (...) entgegen. (...) Nicht Masse, sondern Gemeinschaft hieß die Lösung, weil einzig in diesem Zusammenklang des großen Arbeitsakkordes der Nation jede einzelne Stimme ihr Bestes und Eigenstes zu geben vermag. [17]
Schönheit der Arbeit
Im Nationalsozialismus wurde die Technikbegeisterung "mit einer gewaltigen, ästhetischen Inszenierung, ... im Gigantismus eines Albert Speers, Chef des DAF-Amtes "Schönheit der Arbeit"", vorangetrieben. [18]
Das Phänomen des Arbeitskults als Gegenstand der Psychologie und Medizin
Formen und Auswirkungen eines Arbeitskultes
Krankmachende Übersteigerungen der Normen und Wert von Arbeit, die einen Arbeitskult implizieren, sind Arbeitssucht [19], Workaholismus oder Karōshi.
- “Arbeitssucht ist eine fortschreitende pathologische Fixierung auf Arbeit bzw. das Arbeiten, zu der wesentlich Kontrollverlust und Entzugserscheinungen gehören.“ (Holger Heide und Rudolf Schulze) [20]
- Japan
In den Sozialwissenschaften angeführt wird eine besonders drastische Form des Arbeitskults: der Tod durch Überarbeitung; unter ihrer japanischen Bezeichnung Karōshi in die Literatur eingegangen und mit einer nicht unbeträchtlichen Zahl von Todesopfern pro Jahr allein in Japan. [21]
Siehe auch: Arbeitspsychologie, Organisationspsychologie, Handlungsregulationstheorie, Soziotechnisches System, Arbeitsbeanspruchung, Belastung (Psychologie), Arbeitsbelastung.
Geistes- und kulturgeschichtliche Entwicklung der Bewertung von Arbeit
Bewertung der Arbeit in der Antike
Antike wie Vorantike kannten keinen abstrakten Arbeitsbegriff. Arbeit war prinzipiell immer ein Problem sozialer Stellung. Vor diesem Hintergrund moderner und ungenauer Verallgemeinerung von „Arbeit“ spielt die inzwischen klassisch gewordene Annahme eines ursprünglich negativen Arbeitsbegriffs. Nietzsches Ausführungen etwa sind plastisches Beispiel moderner Arbeitsethik antiken Begriff entgegen zu halten:
- „Die Würde der Arbeit ist eine moderne Wahnvorstellung der dümmsten Art. Sie ist ein Traum von Sklaven. … Nur die Arbeit, die vom willefreien Subjekt gethan wird, ist würdevoll.“ … „Die Griechen brauchen keine solche klägliche Nothbehelfe, bei ihnen spricht sich rein aus, dass die Arbeit eine Schmach sei nicht etwa weil das Dasein eine Schmach ist, sondern im Gefühl der Unmöglichkeit, dass der um das nackte Fortleben kämpfende Mensch Künstler sein könne. Der kunstbedürftige Mensch regiert im Alterthum mit seinen Begriffen, während in der neueren Zeit der Sklave die Vorstellungen bestimmt: er der seiner Natur nach alle seine Verhältnisse mit trügerischen glänzenden Namen bezeichnen muss, um leben zu können. Solche Phantome, wie die Würde des Menschen, die Würde der Arbeit sind die dürftigen Erzeugnisse des sich vor sich selbst verbergenden Sklaventhums. “
Für diese Theorie antiker Arbeitsabwertung zieht man einschlägige, aristokratische Zeugnisse städtischen Lebens über die Banausie heran. So schreibt etwa Xenophon in seinem Oikonomikos:
- „Die oft banausisch genannten Arbeiten stehen in schlechtem Ruf und werden zurecht verachtet. … Sie beanspruchen den Menschen so sehr, dass er sich weder den Freunden noch dem Staat widmen kann. Solche Menschen sind notwendig schlechte Freunde und schlechte Verteidiger der Heimat. “
Bei Aristoteles (Politik) heißt es:
- „Als banausische Arbeit, Kunst und Unterweisung fasst man jene auf, die Körper oder Seele … für die Tugend untauglich machen. Darum nennen wir alle Handwerke und Lohnarbeit banausisch, die den Körper in schlechte Verfassung bringt, denn sie macht das Denken unruhig und niedrig.“ … „Der vollkommene Staat wird keine Banausen zu Bürgern machen. “
Weiter sollen die etymologischen Wurzeln von „Arbeit“ in verschiedenen Sprachen die ursprüngliche Negativität von Arbeit belegen: Mühsal, Last, Leiden, geplagt sein, Schmerz, krank sein, Keuchen, das Wanken unter einer Last usw. Dabei zeigt etwa die wahrscheinliche Wurzel aus dem germanischen Verb „arbejo“ an, dass hier von „Arbeit“ im modernen Sinn gar keine Rede war, sondern von sozialer Stellung. Ursprünglich stand das indogermanische Wort orbho für arm und das germanische Wort arb für verwaist. Die Synthese „arbejo“ bezeichnete später niedrigsten Rang und meinte soviel wie: „verwaistes und daher zu harter Tätigkeit gezwungenes Kind“. Sozial rechtlose Stellung in Abhängigkeit als Leibeigen oder in sonst irgendeiner Form der Knechtschaft leben müssen war: „Arbeit“.
Ethnologische Studien liefern in der Regel keine Belege für eine ursprüngliche Negativität von Arbeit. Feldforschungen über traditionelle Begriffe legen vielmehr eine so tiefe Identifikation mit Arbeit nah, wie mit dem Leben überhaupt. So berichten E. Fel, T. Hofer in „Bäuerliche Denkweise“ (1972):
- „Die Arbeit lässt sich schwer vom natürlichen Fluss des Lebens der Familien trennen … Schon das drei- oder vierjährige Kind wird in die Arbeit der Familie einbezogen. Jeder arbeitet fortlaufend bis an sein Lebensende.“ Und (dies. in „Proper Peasants.“ 1969): „… für die echten Bauern war Agrarwirtschaft und Arbeit eine Kunst, jenseits des praktischen Nutzens und damit verknüpften Gewinns. Die Befolgung der Regeln dieser „Kunst“ verlieh jedem Sicherheit, Stolz und Achtung innerhalb der Gemeinschaft.“
Auf diesen ursprünglichen Stolz verweisen etwa die „Werke und Tage“ des Hesiod, zu ihrer Zeit von großer Bedeutung. Ein Wort des Heraklit von Milet stellt die Wirkung des Hesiod noch über diejenige Homers:„Lehrer aber der meisten ist Hesiod“. Ein anderes, viel späteres Zeugnis ist etwa das athenische Gesetz (Demosthenes 57, 30), welches das Beleidigen eines Bürgers wegen Arbeit auf dem Markt untersagte. Wobei hinzukommt, dass was selbst in der Polis die Geister spaltete, auf dem Land, also bei der großen Mehrheit der Menschen, sich noch ganz anders dargestellt haben kann. Andere Zeugnisse sind etwa „Der Parasit“ des Lukian oder die zweite Epode des Horaz, wo es heißt: „Heil dem Mann, der fern dem Handel, dem Urstamm der Sterblichen gleich, das väterliche Feld mit eignen Stieren baut.“ etc.
Die vielfältigen Aufgaben des antiken Bürgers (politeai), der beachtliche Beitrag zur Landesverteidigung, das Ausüben von Ämtern usw., wurden als „freie Rechte“ der „banausischen Arbeit“ gegenübergestellt. Wie wenig aber echter Müßiggang selbst vor Philosophen galt ist leicht etwa bei Platon zu finden:
- „So lebt er nun in den Tag hinein und überläßt sich den Wünschen, die ihn befallen, bald trunken, von Flöten bezaubert, bald nüchtern bei Wasser und mager geworden, bald übt er Gymnastik, bald lungert er träge und sorgt sich um nichts, bald will er, so scheint es, noch philosophieren. Oft treibt er Politik, springt auf, hält Reden, oder tut was ihm grad einfällt. Er stürzt in den Kampf, wenn irgendwelche Krieger, und ins Geschäft, wenn irgendwelche Händler seinen Ehrgeiz wecken. Keine ordnende Zurückhaltung waltet in seinem Leben, doch süß nennt er und frei es und selig.“
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ein solches „in den Tag Hineinleben“ beim gemeinen Volk auf eine andere Meinung als der des Philosophen stieß, welcher sein Leben als ernsthafte politische Arbeit verstand. Der kleinere Bürger dem es einfallen konnte durch „Krankfeiern“ sich der allgemeinen Arbeit zu entziehen fand früh Eindämmung und Kontrolle. Der unter Kleisthenes um 510 v. C. eingeführte Rat der 500 gewährte Bürgern, die wegen Gebrechen das Notwendige nicht selbst erarbeiten konnten, eine tägliche Unterstützung in Form einer kleinen Geldspende, die niedriger lag als der allgemein übliche Tageslohn. Nach Ablauf einer Frist von maximal 36 Tagen wurde nach dem Gesetz erneut eine Prüfung der Arbeitsfähigkeit durchgeführt.
Der Arbeitskult als eine tiefgreifende gesellschaftliche Kraft wird aber historisch erst sichtbar dort, wo zum ersten Mal größere Teile der Bevölkerung von notwendiger Arbeit frei geworden sind. Dies tritt ein mit den politischen Verhältnissen und dem System der Kornverteilung im antiken Rom, besonders am Ende der Republik. Unter dem Volkstribun Gaius Gracchus wurde an mittellose Bürger Roms Getreide verschenkt oder billig verkauft. Gracchus war, nach Mommsen,
- „ernstlich bemüht, für die sozialen Schäden eine Abhilfe zu finden ... dennoch zog er zugleich durch seine Getreideverteilungen, die für alles arbeitsscheue hungernde Bürgergesindel eine Prämie werden sollten und wurden, ein hauptstädtisches Gassenproletariat der schlimmsten Art absichtlich groß.“ Denn „hier [im hauptstädtischen Wesen] konzentriert sich unvermeidlich ... die fluktuierende Bevölkerung von Vergnügens- und Geschäftsreisenden, die Masse des müssigen, faulen, verbrecherischen, ökonomisch und moralisch bankrotten und eben darum kosmopolitischen Gesindels. ... Schlimmer noch als die Sklavenmassen [mit ihrer von der Unfreiheit unzertrennliche(n) Demoralisation] waren die ... freigegebenen Leute ... nicht mehr Sklaven und doch nicht völlig Bürger ... mit den Ansprüchen freier Männer;“ Mit einem Wort: „die Getreideverteilungen luden das gesamte nahrungslose und arbeitsscheue Bürgerproletariat offiziell ein, seinen Sitz in der Hauptstadt aufzuschlagen. Es war eine arge Saat und die Ernte entsprach ihr. ... Statt zu arbeiten, gaffte der römische Plebejer lieber im Theater; die Schenken und Bordelle hatten [entsprechend] Zuspruch“
Verschiedene Historiker nehmen an, dass ein Großteil (bis zur Hälfte) der Einwohner Roms beim Machtantritt Julius Caesars von Getreidespenden abhängig war und in einem moderne-ähnlichen Sinne arbeitslos. Der Niedergang notwendiger Arbeit setzt hier den vorher verdeckten Arbeitskult frei. Arbeit, als ein planvolles Bewältigen notwendiger Aufgaben, schafft nach einer verbreiteten Sicht den eigentlichen Sinn und Zusammenhang einer Nation. Danach ist der Niedergang notwendiger Arbeit und der Verfall aller Kultur ein enger Zusammenhang und nur durch den Arbeitskult, also das „Arbeiten um seiner selbst willen“ auflösbar. In genau diesem Sinne, so Mommsen weiter:
- „wirkte Caesar energisch darauf hin, die Masse des freien Proletariats zu vermindern. Der stehende Zufluss von solchen, die die Getreidespenden nach Rom führten, ward durch Verwandlung derselben in eine auf eine feste Kopfzahl beschränkte Armenversorgung wenn nicht ganz verstopft, doch sehr wesentlich beschränkt.“ Die Gerichte hatten „mit unnachsichtlicher Strenge gegen das Gesindel einzuschreiten“, andere bildeten weitgehend die „80000 Kolonisten, die Caesar in den wenigen Jahren seiner Regierung über das Meer führte“, dafür eröffneten die umfangreichen Bau-Projekte jener Zeit – Tempel- und Straßenbau, Flussregulierung, Sumpfaustrocknung, Ausbau der Stadt – „dem Proletariat eine Quelle schmalen, aber ehrlichen Erwerbes.“
Bewertung der Arbeit im Christentum
Nach Meinung vieler Autoren soll erst das frühe, spätestens aber das neuzeitlich-protestantische Christentum Träger der Umdeutung von Arbeit zu einem positiven Ideal gewesen sein. Danach entwickelte vor allem die mönchische Bewegung einen Arbeitskult, wie in der Regel Benedikts formuliert und von den Reformbewegungen, vor allem der zisterziensischen, erneuert. Sodann der Protestantismus, besonders in seiner calvinistischen Form.
Die Zeugnisse der Kirchenväter werden immer wieder als der Ursprung abendländischen Arbeitskults genannt. Augustinus etwa sagt:
- „Also, meine Brüder, lasst uns singen, nicht zum Vergnügen bei der Erholung, sondern zur Entlastung bei der Arbeit. So wie Wanderer zu singen pflegen; singe, aber marschiere: Lindere deine Strapaze durch den Gesang, liebe nicht die Trägheit: Singe und marschiere! Was heißt das: Marschiere? Mach Fortschritte, im Guten schreite voran!” Aber eben: „Der Sinn von all dem ist: Niemand möge bei seiner Arbeit auf eigenen Vorteil halten, sondern alles geschehe im Dienst der Gemeinschaft, und zwar mit mehr Eifer und größerer Begeisterung, als zum eigenen Nutzen. Denn über die Liebe steht geschrieben, dass sie nicht ihren Vorteil sucht, das heißt: Sie stellt das Interesse Aller über das eigene und nicht umgekehrt.“
Arbeit war im klassischen Klosterleben kein Selbstzweck. Ihr Hintergrund ist die Relativierung aller weltlicher sozialer Stellung und darum der Aufgabe privaten zugunsten Gemeinbesitzes:
- „Hieraus folgt, [so Augustinus weiter] dass ein Mitbruder, der von seinen Eltern oder Angehörigen Kleidungsstücke oder andere notwendige Dinge bekommen hat, diese nicht heimlich für sich selbst zurückbehalten darf. Er muss sie dem Oberen zur Verfügung stellen. Einmal gemeinsamer Besitz geworden, soll der Obere diese Dinge demjenigen geben, der sie nötig hat. “
Reflektiert klerikales Schrifttum weltliches Treiben, wie die mittelalterlich-klerikale Hofkritik, fällt ein ganz anderes Licht auf die Stellung und Achtung der Arbeit. Ein Beispiel sei die außergewöhnliche Jagdleidenschaft Heinrich II. von England (gest. 1189) und dessen Umwandlung von etwa einem Drittel Englands in Forst. Johannes von Salisbury schreibt dazu:
- „Bauern werden von ihren Feldern ferngehalten, damit die wilden Tiere frei weiden können. Um den Weidegrund für diese noch zu erweitern, werden den Bauern ihre Saatfelder weggenommen, den Pächtern ihre Grundstücke, den Rinder- und Schafhirten ihre Weiden.“
Auf Verstöße gegen die Jagdrechte von Hof und Adel standen schwerste Strafen und bringen staatliche Haltung zum Ausdruck, die erst im Zuge der sozialen Umwälzungen der Aufklärung durchgreifend angepasst werden musste. Ausdruck dieser ehrlosen Stellung „ehrlicher Arbeit“ wurden im Ausklang des Mittelalters maßgeblich die Bauernkriege und die mit den Erhebungen der Bauern tief korrespondierende Reformation.
Die Evangelien, also die ideal-moralische Grundlage von Mittelalter und Neuzeit, kannten Arbeit nur in der Form, dass man sie, um der Wahrheit zu folgen, zurücklassen musste, wie die Abberufung der Fischer zu „Menschenfischern“ im Gleichnis illustriert. Ihre gesamte Konzeption ist arbeitsfeindlich und wesentlich ein Verwerfen aller menschlichen Werke vor Gott. Sie konnten Martin Luther für seine Auslegung im Sinne der Arbeit weder inspiriert haben noch dienen. Darum greift er an dieser entscheidenden Stelle auf das 1. Buch Mose zurück und kehrt auf erstaunliche Weise was Strafe ist in Gebot um. Luther selbst war die Paradoxie seiner Lehre bewusst:
- „Gott gibt nicht auf Grund deiner Arbeit oder um deiner Arbeit willen Erfolg, genau so wenig wie er die Müßiggänger ohne Arbeit reich machen will, sondern man muss arbeiten, und dennoch soll man alles Gott überlassen und ihm anvertrauen, der den Segen gibt. Unser Text‚ ist ein Text, der scheinbar eine Irrlehre enthält (haereticus textus).
Denn er scheint freilich so zu klingen, als verbiete er die Arbeit im Gegensatz zu dem Wort 1. Mose 3,19:
- “Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen”… An unserer Stelle scheint das Gegenteil gesagt zu werden … Arbeit, Früh Aufstehen, Sich-Sorge-Machen sei umsonst, obwohl doch an anderen Stellen Müßiggang und Trägheit verdammt werden. So ergibt sich folgende merkwürdige Sachlage: will man arbeiten, dann verdammt uns die Schrift. Ruhen wir dagegen, so verdammt sie uns gleichfalls. … Antwort: Triff eine Unterscheidung zwischen Glauben und Werken oder zwischen Geist und Fleisch. Mit dem Herzen musst du auf Gott vertrauen und Gott anrufen. Hast Du geheiratet oder bist du in den Staatsdienst ausgerückt … musst du arbeiten und den alten Menschen üben, dass du früh aufstehst, dich spät schlafen legst, d.h. dass du dir nach dem alten Menschen sorgfältig überlegst, wie du dir den Lebensunterhalt beschaffst, den Staat regierst, Gesetze verfasst, Abwehr- und Befestigungswerke anlegst. … Aber das alles … so, dass das Herz davon los und ledig bleibt.“
Die noch eben als Inbegriff des Falschen bekämpfte Werkgerechtigkeit des Klerus, kehrt bei Luther als Heilspringpunkt zurück in dem Moment, wo sie als weltlicher Beruf verkleidet auftritt. Luther macht in diesem Sinne weltlichen Beruf zur „vocatio“ - „Berufung“. Fixpunkt und Partei solcher Auslegung war die traditionelle Familie und der einfache kleine Mann der ehrlich arbeitet und um die Früchte seiner Arbeit sich betrogen fühlt. Dessen Lebensmittelpunkt, die einfache Arbeit, als Bauer, Handwerker, Soldat oder sonst als Staatsdiener, sollte durch die Exegese unangetastet bleiben, wobei, anders als bei den Kirchenvätern, der alte „haereticus textus“ (s. O.) und die verdammte Werkgerechtigkeit notwendig wieder herauskam. Luthers hiermit genau zusammenhängende Lehre vom allgemeinen Priestertum widerspiegelt aber eben weniger ein abstraktes „Umdenken“ über Arbeit, als eine Revolution im Ständebewusstsein. Luther schreibt:
- „Man hats erfunden, dass Papst, Bischöfe, Priester und Klostervolk der geistliche Stand genannt wird, Fürsten, Herrn, Handwerks- und Ackerleute der weltliche Stand. Das ist eine sehr feine Erdichtung und Trug. Doch soll niemand deswegen schüchtern werden, und das aus dem Grund: alle Christen sind wahrhaftig geistlichen Standes und ist unter ihnen kein Unterschied außer allein des Amts halber …“
Bei O.G. Oexle heißt es dazu: „Die Frage der Arbeit ist in den Gesellschaften der Vormoderne grundsätzlich mit dem Thema der ständischen „Ehre“ verknüpft; und darin haben sich fundamentale Wandlungen vollzogen.“
Im Zuge der einsetzenden Arbeitsteilung und der Bildung der Städte seit dem 11. Jahrhundert, der Formierung der Zünfte, zu denen sich selbst soziale Randgruppen wie fahrende Künstler und selbst Bettler zusammenschlossen, geriet die soziale Konstruktion der Leibeigenschaft zunehmend unter Druck. Aus dem Volksmund jener Zeit stammt das Wort:„Stadtluft macht frei.“ Es bezieht sich auf die (für die antike Sklaverei unvorstellbare) Möglichkeit, dass in die Stadt geflüchtete Leibeigene nach einem Jahr frei werden konnten. Entscheidend durch die allmähliche Ausweitung bürgerlicher Rechte entstand somit zum ersten Mal in der Geschichte eine Klasse von „Arbeitsscheuen“ und damit „eine dreifache Kategoriebildung: die Unterscheidung von Menschen die arbeiten, von jenen Menschen, die zwar arbeitswillig, aber nicht arbeitsfähig waren, und - schließlich und vor allem – die Unterscheidung dieser beiden Gruppen von jenen Menschen, die als arbeitsfähig galten, denen aber ein Mangel an Arbeitswillen unterstellt wurde. Diese Unterscheidungen wurden zu einem großen Thema der spätmittelalterlichen Gesellschaft. Sie führten zu einer zunehmenden Kontrolle der Armut im Zeichen der Arbeit“ (Oexle in „Arbeit, Armut, „Stand“ im Mittelalter“)
Die Unterscheidung in „würdige Arme“ und „unwürdige Arme“, bzw. „Arbeitsunfähige“ und „Arbeitsunwillige“ verdrängte zunehmend die Maßnahmen gegen „Faulheit“, die in Sklaverei und Leibeigenschaft noch weitgehend Recht und Privatsache des Menschen-Besitzers und seiner Handlanger waren. In staatliche Handhaben umgewandelt wurden sie zu Bettellizenzen, Armenhäusern oder zum Scharfrichter.
Karl Marx nimmt zum Beispiel ein Gesetz aus der Regierung Heinrichs VIII. (1530): „Alte und arbeitsunfähige Bettler erhalten eine Bettellizenz. Dagegen Auspeitschung und Einsperrung für handfeste Vagabunden. Sie sollen an einen Karren hinten angebunden und gegeißelt werden, bis das Blut von ihrem Körper strömt, dann einen Eid schwören, zu ihrem Geburtsplatz oder dorthin, wo sie die letzten drei Jahre gewohnt, zurückzukehren und
- „sich an die Arbeit zu setzen“ (to put himself to labour). … Bei zweiter Ertappung auf Vagabundage soll die Auspeitschung wiederholt und das halbe Ohr abgeschnitten, bei drittem Rückfall aber der Betroffne als schwerer Verbrecher und Feind des Gemeinwesens hingerichtet werden. “
Wenig anders ging es zu unter Elisabeth, 1572:
- „Bettler ohne Lizenz und über 14 Jahre alt sollen hart gepeitscht und am linken Ohrlappen gebrandmarkt werden, falls sie keiner für zwei Jahre in Dienst nehmen will; im Wiederholungsfall, wenn über 18 Jahre alt, sollen sie - hingerichtet werden, falls sie niemand für zwei Jahre in Dienst nehmen will, bei dritter Rezidive aber ohne Gnade als Staatsverräter hingerichtet werden. “
Oder unter Jakob 1.:
- „Eine herumwandernde und bettelnde Person wird für einen Landstreicher und Vagabunden erklärt. Die Friedensrichter in den Petty Sessions sind bevollmächtigt, sie öffentlich auspeitschen zu lassen und bei erster Ertappung 6 Monate, bei zweiter 2 Jahre ins Gefängnis zu sperren. Während des Gefängnisses soll sie so oft und soviel gepeitscht werden, als die Friedensrichter für gut halten ... Die unverbesserlichen und gefährlichen Landstreicher sollen auf der linken Schulter mit R gebrandmarkt und an die Zwangsarbeit gesetzt, und wenn man sie wieder auf dem Bettel ertappt, ohne Gnade hingerichtet werden. … Noch in der ersten Zeit Ludwigs XVI. (Ordonnanz vom 13. Juli 1777) sollte jeder gesund gebaute Mensch vom 16. bis 60. Jahr, wenn ohne Existenzmittel und Ausübung einer Profession, auf die Galeeren geschickt werden. “
Aber auch heute finden sich in schwächerer Form solche Ressentiments gegen Bettler, etwa wenn (wie 2006 in Hamburg vom Einzelhandel gefordert, in München seit langem verwirklicht) in der Innenstadt (Fußgängerzone) Betteln untersagt und verfolgt wird (vgl. Öffentlicher Raum).
Arbeitskult und Volksgemeinschaft
Besonders der völkische Nationalismus in Deutschland fragte – auch in der Tradition zu Luther – nicht nach dem, "was" der einzelne arbeitet, sondern "wie" er arbeitet. Die produktiven Arbeiter des „Volkes“, die Bauern auf der heimatlichen "Scholle" waren Teil in einer korporativen Volksgemeinschaft und wurden romantisiert. Ihnen gegenüber gestellt wurden die vermeintlichen „Schmarotzer“ und die "raffende, jüdische Nicht-Arbeit". [22]
In den Ideologemen der so genannten Konservativen Revolution fand sich bereits die Romantisierung und Naturalisierung der im Nationalsozialismus aufgegriffenen Arbeitsbegriffe. Als Antipode dieser Begriff dienten zahlreiche antisemitische Chiffren, die oft ohne die Erwähnung des Wortes "Jude" als gegen sie gerichtet verstanden wurden. Der völkisch deutschen Arbeit wurde die jüdischer "Nicht-Arbeit" gegenübergestellt und diente der Selbstdefinition. Die Verherrlichung der Arbeit als Kampf, die Rede von "Blut und Maschine", Arbeit als besondere Seinsform, Phrasen von "Ehret die Arbeit – Achtet den Arbeiter" bedienten die Vorstellung von einer Volksgemeinschaft, die sich wesentlich durch deutsche Arbeit definierte und sich durch die "ewige Faulhenzerei" der "jüdischen Nicht-Arbeit" bedroht sah. [23]
Siehe auch: Antisemitismus, Deutscher Michel
Arbeit als besondere Form des Seins
- Ernst Jünger
Ernst Jünger prägte zahlreiche verherrlichende Metaphern nicht nur über den Krieg und die Gewalt, sondern auch eng damit verbunden über den Begriff von Arbeit und als Antipode das Judentum: "Ernst Jünger hoffte bereits 1930, Deutschland sei "zu einer eigenen und strengeren Lösung fähig" als der italienische Faschismus und der Bolschewismus, da diese aus "Mangel an Instinktsicherheit (…) de(n) Stoß gegen den Juden zwar oft unter großem Aufwand, aber immer viel zu flach" ansetzten, "um wirksam zu sein"." [24] Auch mit seiner Abhandlung "Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt" (1932) - das auch in der Existenzphilosophie rezipiert wird - propagierte er den Untergang der Weimarer Republik und die Vorstellungen von einem militärisch strukturierten, autoritären Staat. [25] "Im "Arbeiter", von dem er sich nie distanziert hat, entwirft Jünger eine Gesellschaft, die die nationalsozialistische vorweg nahm: die vollkommene Umfassung des Menschen durch den Staat, die Ästhetisierung des Lebens durch Kampagnen, Uniformen, Aufmärsche." [26] Über die Arbeit, die nicht mehr "Tätigkeit schlechthin" sein solle, schreibt Ernst Jünger:
- "Arbeit ist also nicht Tätigkeit schlechthin, sondern Ausdruck eines besonderen Seins, das seinen Raum, seine Zeit seine Gesetzmäßigkeit zu erfüllen sucht. Daher kennt sie keinen Gegensatz außer sich selbst, sie gleicht dem Feuer, alles Brennbare verzehrend und verwandelnd, das ihm nur durch sein eigenes Prinzip, nur durch ein Gegenfeuer strittig gemacht werden kann. Der Arbeitsraum ist unbegrenzt, ebenso wie der Arbeitstag vierundzwanzig Stunden umfasst." [27]
Nach dem der Faschismus als "Scheinlösung", so Julius Evola in einem Brief an Jünger, gescheitert war, versprach der sich 1953 durch die Publikation Jüngers "eine 'erweckende' Wirkung" und publizierte 1960 ein Zitatenwerk: "Der Arbeiter" bereits in den "Der 'Arbeiter' im Denken Ernst Jüngers".
Noch in den 1980er-Jahren wird von Jünger das Verhältnis von Kultur und Arbeit als Aufopferung für Kultur hergestellt:
- „Kultur ist nicht Arbeit, aber sie macht Arbeit […]. Kultur macht nicht nur Arbeit, sondern sie beruht auf ihr – und zwar auf einer Arbeit, die gratis geleistet wird. Das Beste ist umsonst.“ Ernst Jünger, 17. 12. 1987 [28]
Bewertung der Arbeit im Nationalsozialismus
In seiner höchsten Form ausgebildet erscheint der Arbeitskult im totalitären Staat, insbesondere im Nationalsozialismus. Die Verselbständigung von Arbeit zeigt im NS besonders ihre unmenschliche Kehrseite in der „Vernichtung durch Arbeit“ oder der Vernichtung „unwerten Lebens“. Nur in dieser radikalen Form des Arbeitskultes konnte ein Begriff wie „Menschenmaterial“ zum offiziellen Propagandabegriff werden. Die gewaltigen nationalen Arbeitsanstrengungen wie dem ersten (hauptsächlich propagandistischen) Autobahnbau oder dem Bau des Westwalls, national organisierter Körper- und Wehrertüchtigung, dem Kult der Technik, bis hinein in die Ausrichtung aller Ästhetik und Kunst auf die Verklärung von Gesundheit, Schaffensfreude, Fortschritt und Leistung, hatten ihren ideologischen Grund in der Bindung der Menschenwürde an das Leistungsprinzip.
Die Studien zum Nationalsozialismus liefern, wenn auch keinen Konsens so eine Fülle von Material dafür, den vom Humanismus abgetrennten Arbeitsbegriff als Kern nationalsozialistischer Ideologie zu betrachten. Adolf Hitler lässt in „Mein Kampf“ keinen Zweifel worauf das Vorrecht der „arischen Rasse“ sich gründen soll, nämlich auf ihrem Begriff von Arbeit:
- „Den gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet der Jude. … Wären die Juden auf dieser Welt allein, so würden sie … in Schmutz und Unrat ersticken … Es ist also grundfalsch, aus der Tatsache des Zusammenstehens der Juden im Kampfe, richtiger ausgedrückt in der Ausplünderung ihrer Mitmenschen, bei ihnen auf einen gewissen idealen Aufopferungssinn schließen zu wollen. … Nein, der Jude ist kein Nomade; denn auch der Nomade hatte schon eine bestimmte Stellung zum Begriffe Arbeit … er [der Jude] war deshalb auch kein Nomade, sondern immer nur Parasit im Körper anderer Völker. … Die ersten Juden sind nach Germanien im Verlaufe des Vordringens der Römer gekommen, und zwar wie immer als Händler. … In seiner tausendjährigen händlerischen Gewandtheit ist er den noch unbeholfenen, besonders aber grenzenlos ehrlichen Ariern weit überlegen“
Diese Kernkonstruktion des NS aus verselbständigter Arbeit war die Grundlage für verschiedene Maßnahmen, das gesamte Land in eine geschlossene Arbeitsfront zu verwandeln, wobei auf den tiefen Zusammenhang von Arbeits- und Kriegsästhetik vielfach hingewiesen worden ist. Eine dieser Maßnahmen war die „Aktion Arbeitsscheu Reich“. Wegen „Asozialität“ in „Schutzhaft“ kamen:
- „Bettler, Landstreicher, Zigeuner, Landfahrer, Arbeitsscheue, Müßiggänger, Prostituierte, Querulanten, Gewohnheitsverbrecher, Raufbolde, Verkehrssünder und sogenannte Psychopathen und Geisteskranke“.
Als „arbeitsscheu“ galt aber auch, wer trotz ärztlich bescheinigter „Einsatzfähigkeit ... in zwei Fällen ... die angebotenen Arbeitsplätze ohne berechtigten Grund abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber nach kurzer Zeit ohne stichhaltige Gründe wieder aufgegeben“ hatte. Die bei dieser Aktion ermittelten „Arbeitsscheuen“ kamen in Konzentrations- bzw. Arbeitslager. Dort stand auf Arbeitsverweigerung die Todesstrafe.
Der erste SS-Kommandant des KZ Auschwitz, Rudolf Höß, schrieb in seiner im Gefängnis geschriebenen Biographie Kommandant in Auschwitz über seine persönliche Interpretation der Verwendung von Arbeit macht frei als Leitspruch. Ein wichtiges Element zum Verständnis des Mottos als harter Ausdruck des ursprünglich angeblichen Erziehungszweckes der Konzentrationslager sei in den Meilensteinen Himmlers zu finden: Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Fleiß, Ehrlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Nüchternheit, Wahrhaftigkeit, Opfersinn und Liebe zum Vaterland! - die in Großbuchstaben in den Konzentrationslagern Dachau, Sachsenhausen, Neuengamme und möglicherweise Buchenwald und Auschwitz aufgemalt worden waren.
Siehe auch:
Arbeitskult als ein Kern-Mythos des Nationalsozialismus
Der englische Faschismusforscher Roger Griffin spricht von den "Kern-Mythos" des Nationalsozialismus als etwas, was sich in allen Bereichen und bei den widersprüchlichsten Vorstellung der Nazis als etwas Gemeinsames sich finden lasse:
- "Der Griffin-Ansatz behauptet nun, dass es genau dieser gemeinsame Kern-Mythos nationaler Neugeburt mit zahlreichen Varianten auf der Oberfläche (mehr oder weniger wissenschaftlich oder völkisch*[29], mehr oder weniger anti- oder protechnologisch eingestellt, mehr oder weniger eugenisch oder romantisch, mehr oder weniger antisemitisch oder sozialistisch, mehr oder weniger antimodern usw.) ist, der die Menschen in der ideologischen Gemeinschaft des Nazismus (deren Mitglieder glauben, sie handelten als der Keim eines in der neuen Ordnung dann im Ganzen revitalisierten Deutschlands) zusammenfügt. Gleich welche Sphäre der tatsächlichen Politik Sie sich ansehen, ob Kunst, Erziehung, Literatur, Freizeit, Wohnen, so finden Sie den Kult der Gesundheit, der Vitalität und der Erneuerung, aber begleitet von einem Krieg gegen das ‘Ungesunde’, gegen entartete Kunst, entartete Ideologien, entartetes städtisches Wachstum, entartete Menschen." [30]
Danach ist der Arbeitskult des "Nazismus" geprägt von grundsätzlichen Elementen des Faschismus. Dazu zählte die kulturpessimistischen Vorstellung von Dekadenz verbunden mit der palingenetische Vorstellung von einem Neuen Deutschland, für das der Nazismus ein "Programm zur Regeneration Deutschlands und der Reinigung von der Dekadenz" entwickelten: "Für den überzeugten Nazi war die Zerstörung der Dekadenz das genaue Gegenteil nihilistischer Zerstörung. Sie war eher kreative Zerstörung oder das, was einer der wichtigsten Ideologen des deutschen Nachkriegs-Faschismus, Armin Mohler (in Die Konservative Revolution in Deutschland) ‘deutschen Nihilismus’ nennt." [31] Zu dem Kult um die Arbeit gehörte ein Kult um die Gesundheit und Erneuerung, der "die Zerstörung des politischen, sozialen und kulturellen Lebens und die Vernichtung von Menschen" als "karthartische Akte und in ihrem Wesen konstruktiv" mit einschloss. [32]
Bewertung der Arbeit im Sozialismus Osteuropas
Durch die Aufhebung der Konkurrenz in der Planwirtschaft bekam in den Staaten des Ostblock der sozialistische Wettbewerb eine Schlüsselfunktion. Hinter diesem „Wettbewerb“ und dem „Recht auf Arbeit“ stand die allgemeine Arbeitspflicht für jeden Bürger:
- „ Gesellschaftlich nützliche Tätigkeit ist eine ehrenvolle Pflicht für jeden arbeitsfähigen Bürger“ (Art. 24 der Verfassung der DDR).
Der sozialistische Arbeitskult, von der Kunst des sozialistischen Realismus verklärt, stellte die Tugenden eines “Helden der Arbeit“ einem „Element“ gegenüber, das strafrechtlich allein auf Grund von Nichtarbeit verfolgt werden konnte. Rechtsgrundlage der Verfolgung war der § 249 StGB
- „Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit durch asoziales Verhalten“.
Danach wird derjenige, der „das gesellschaftliche Zusammenleben der Bürger oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit beeinträchtigt, indem er sich aus Arbeitsscheu einer geregelten Arbeit entzieht“, mit Freiheitsstrafe bis zu 2 im Wiederholungsfall bis zu 5 Jahren. Die Einstufung als „potentielle Straftäter“ regelten speziell modifizierte Polizeigesetze. Dabei kam der berüchtigten Auflage der „Arbeitsplatzbindung“ eine Schlüsselstellung zu, durch welche „Fehlschichten“ zu Straftatbeständen wurden und gerichtlich verfolgt werden konnten. Dem entsprach die Gestaltung des Strafvollzugs als Wirtschaftsfaktor, mittels drastischer Unterbezahlung bei erhöhten Normen. Speziellen Strafen bei Normunterschreitungen, wie der Einzelarrestierung in Isolationstrakten, stand auf der anderen Seite, bei entsprechender Arbeit, der Genuss von „Vergünstigungen“ entgegen. Im Gegensatz zu den politischen Prozessen unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit, war die Aburteilung „asozialer Elemente“ beliebtes Tagesziel und Lernprogramm im Rahmen der Vorbereitungen zur Jugendweihe.
Bewertung der Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland
Maßgeblich aufgrund der Erfahrung des Nationalsozialismus ist heute das Grundgesetz der Bundesrepublik, auch im Vergleich mit anderen modernen Verfassungen, eine besonders radikale Einschränkung des Arbeitskultes auf eine persönliche Anschauung. Mit dem Prinzip der Menschenwürde, welche der Staat jedem ohne Gegenleistung garantiert, nimmt der Staat eine Reihe von Verpflichtungen auf sich, was einer Wertekonstitution durch Leistung fundamental widerspricht. Die sich aus der Konzeption der Menschenwürde ergebenden Leistungsansprüche des Einzelnen an den Staat, etwa das Recht auf ärztliche Grundversorgung, Wohnraum usw., sind eine ständige Quelle politischer Konflikte, welchen eine unklare Gesetzeslage entspricht. Im Konflikt mit dem Grundgesetz konfrontiert die hier regelnde Sozialgesetzgebung (siehe auch Sozialstaatsprinzip) den „Leistungsbezieher“ mit dem so bezeichneten „Nachranggrundsatz“, bzw. mit einer Ausdehnung des Nachranggrundsatzprinzips auf eine objektive „Leistungsbereitschaft“. Das widerspricht der verfassungsrechtlichen Schlüsselkonzeption der Gewissensfreiheit. Diesen Konflikt zwischen Verfassung und Gesetz entschärfen einerseits, andererseits verkomplizieren eine Reihe z. T. gegensätzlicher Urteile von Verwaltungsgerichten verschiedener Bundesländer unterschiedlicher Rangordnung. Bis heute fehlt eine maßgebliche Entscheidung des Verfassungsgerichts über den „Nachranggrundsatz“, bzw. über das in diesem Zusammenhang diskutierte Bürgergeld.
Arbeitskult als Thema neuzeitlicher philosophischer und soziologischer Theorien
Aspekte des Arbeitskult in der modernen Disziplinargesellschaft nach Foucault
Nach Michel Foucault (Überwachen und Strafen) geschieht in der Moderne die Hierarchiesierung der Individuen nach Rang und Status aufgrund von Normen und Werten, die eng mit einer Erhöhung des Wertes von Arbeit verbunden sind. Gut Leistungsnoten, hohe Produktivität etc. dienen der Klassifizierung, die sich durch die Abstände der Individuen in der Hierarchie bemerkbar macht. Das Prinzip der Parzellierung der Individuen dient nach Foucault in der Moderne der Leistungssteigerung. Dem geht das Prinzip der Einschließung der Individuen zum Zwecke der besseren Kontrolle in einen nach außen abgeschlossenen Bereich (Haushalt, Arbeitshaus, Fabrik ...) voraus. Aufgezeigt wird bei Foucault, wie Arbeitskult als Teil der Subjektivität, d.h. als Selbstverhältnis des Menschen, sich entsprechend den je gegenwärtigen Vorstellungen von Arbeit zu verhalten, eine Verinnerlichung von Normen darstellt. Letztlich bleibt aber die Subjektivität ein Produkt der disziplinierenden und normierenden Macht. [33]
Rezeption des Phänomens Arbeitskult in neomarxistischen Theorien
In der marxistischen Theorie vom Wert und der Wertkritik, dient der Begriff als Metapher zur Beschreibung des Fetischcharakters ideologisch geprägter Arbeitsbegriffe im Kapitalismus ("fetischisierte Ökonomie der Arbeitsgesellschaft" / "Fixierung auf das zur überhistorischen und positiven Existenzbedingung geadelte Phantom der Arbeit") und zur Benennung von Idealisierungen der Arbeit seitens so genannten "Lohnarbeits-Fetischisierungbetrieben" oder innerhalb von Ausprägungen des Vulgärmarxismuses. [34]
Zitate
- „Sozial ist, was Arbeit schafft. “ Wahlwerbespruch der CDU/CSU im Wahlkampf 2005
- „Jede Arbeit ist besser als keine Arbeit“ - Bill Clinton 1998
- „Es gibt kein Recht auf Faulheit in unserer Gesellschaft“ (Gerhard Schröder)
- „Arbeit schändet nicht, die Trägheit aber entehrt uns.“; „Die Arbeitenden sind den Unsterblichen lieber.“ - (Hesiod, Werke und Tage)
- „Arbeit um der Arbeit willen ist gegen die menschliche Natur.“ – John Locke, „Über den menschlichen Verstand“
- „Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück.“ - Gottfried Benn
- „Ein Mensch, der um anderer willen, ohne dass es seine eigene Leidenschaft, sein eigenes Bedürfnis ist, sich um Geld oder Ehre oder sonst etwas abarbeitet, ist immer ein Tor.“ - Johann Wolfgang von Goethe, in “Die Leiden des jungen Werther, Brief vom 20. Julius“
- „Nur in einem Trieb sind wir stark, ohne nach dem Wohin und Wozu zu fragen - in der Arbeit.“; *„Wir arbeiten um der Arbeit willen, weil uns das Talent zum Glück fehlt.“ - Friedrich Sieburg, Die Lust am Untergang, 1954
- „Sechs Stunden sind genug für die Arbeit; die anderen sagen zum Menschen: lebe!“ - Lukian von Samosata, Sentenzen
- „Wir leben in einem Zeitalter der Überarbeitung und der Unterbildung, in einem Zeitalter, in dem die Menschen so fleißig sind, dass sie verdummen.“ - Oscar Wilde
- „Der Hang zur Gemächlichkeit ist für den Menschen schlimmer als alle Übel des Lebens. Es ist daher äußerst wichtig, dass Kinder von Jugend auf arbeiten lernen.“ - Immanuel Kant
Siehe auch
Arbeitsethos, Arbeitsethik, Automatisierung, Sozialismus, Kapitalismus, Grundeinkommen, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Adolf Hennecke
Weitere kritische Bezeichnungen für unangemessene Verehrungen [35]
Quellen
- ↑ vgl. die Begriffe Arbeitskultur und Kult. In: Fuchs-Heinritz: "Lexikon zur Soziologie"
- ↑ Vgl. Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion. Siehe Literatur.
- ↑ vgl. auch das Stichwort "Kult". In: Fuchs-Heinritz: "Lexikon zur Soziologie"
- ↑ Vgl. Werner Fuchs-Heinritz In: Lexikon zur Soziologie. Anm. So weißt der Autor auf eine Reihe vergleichbarer Begriff hin: Personenkult, Jugendkult etc.
- ↑ Vgl. z.B. die grundlegende Studie von Michel Foucault: Überwachen und Strafen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1976 ISBN 3-518-27784-7
- ↑ Herzog, G. (1984): Krankheits-Urteile. Logik und Geschichte in der Psychiatrie. Psychiatrie-Verlag, Bonn 1984
- ↑ Weber, Max (1905): Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. In: M. Weber (Hg.): Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie. Band 1, Tübingen: Mohr/Siebeck, S. 17-206.
- ↑ Ulrich Enderwitz: "Reichtum und Religion"
- ↑ Michel Foucault: Überwachen und Strafen, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1976 ISBN 3-518-27784-7
- ↑ vgl. die Begriffe Arbeitskultur und Kult. In: Fuchs-Heinritz: "Lexikon zur Soziologie"
- ↑ Emile Durkheim: "Über soziale Arbeitsteilung" 1893/2004: Über soziale Arbeitsteilung. Frankfurt/Main: Suhrkamp. und Emile Durkheim 1893/1933: The Division of Labour in Society. New York: Macmillan.
- ↑ Vgl. Schatz/Woeldike s. Literatur
- ↑ Alfred Schobert: Eliten-Antisemitismus in Nazi-Kontinuität In: graswurzel.net [1], eingesehen am 20. März 2007
- ↑ Robert Ley, 1935, zitiert nach Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.
- ↑ Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.
- ↑ Vgl. Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.
- ↑ Heinz Kindermann: "Ruf der Arbeit", Berlin 1942, zitiert nach Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.
- ↑ Vgl. Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.
- ↑ Peter Berger (2000): Psychotherapie von Arbeitssucht. In: Poppelreuter, Stefan und Gross, Werner (Hg.): Nicht nur Drogen machen süchtig – Entstehung und Behandlung stoffungebundener Süchte. Weinheim.
- ↑ Holger Heide und Rudolf Schulze: „Arbeitssucht“. Überblicksartikel.Uni Bremen: (Online [2], eingesehen am 17.03.2007
- ↑ Roderich Wahsner (2002): Karōshi (jap. 過労死, Über-Arbeiten-Tod = Tod durch Überarbeiten)– das bittere Ende der Arbeitssucht – und die Rolle der japanischen Gewerkschaften. In Heide, Holger (Hg.): Massenphänomen Arbeitssucht. Bremen.
- ↑ Vgl. Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion. Siehe Literatur.
- ↑ Siehe: Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion. Siehe: Literatur
- ↑ Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.
- ↑ Sven Olaf Berggötz (Hg.): Ernst Jünger. Politische Publizistik 1919-1933, Stuttgart: Klett-Cotta 2001 (Rezension h-soz-kult [3])
- ↑ Werner Pluta. In: Ostsee-Anzeiger 04/99 (zitiert nach: online [4], eingesehen am 19. März 2007)
- ↑ Zitiert nach: Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion.
- ↑ Prof. Dr. Erhard Schütz: „Niemand kann sich freuen wie ein guter Arbeiter.“ Kurt Schumacher Akademie [5], eingesehen am 19.3.2007
- ↑ orig. deutsch
- ↑ Roger Griffin: Völkischer Nationalismus als Wegbereiter und Fortsetzer des Faschismus: Ein angelsächsischer Blick auf ein nicht nur deutsches Phänomen. In: Heiko Kauffmann, Helmut Kellershohn und Jobst Paul, Hg.(2005): Völkische Bande. Dekadenz und Wiedergeburt – Analysen rechter Ideologie. Unrast Verlag Münster.
- ↑ Roger Griffin (2005)s.O.
- ↑ Roger Griffin (2005)s.O.
- ↑ Michel Foucault: Surveiller et punir - la naissance de la prison, Paris 1975 dt. Überwachen und Strafen
- ↑ Vgl. Robert Kurz: Die Karriere der "Arbeit". In: "Streifzüge" (1998); Gerd Bedszent: Arbeitskult und Wirklichkeit - Streiflichter aus der real existiert habenden DDR.; gruppe krisis (1999): Manifest gegen die Arbeit. ; Lohoff, Ernst/Trenkle, Norbert/Wölflingseder, Maria/Leward, Karl-Heinz (Hg.) (2004): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs.
- ↑ Vgl. Werner Fuchs-Heinritz In: Lexikon zur Soziologie. Siehe oben.
Literatur
- Adorno, Theodor W. (1969/1977): Freizeit. In: Kulturkritik und Gesellschaft.
- Arendt, Hannah (1958/1981): Vita Activa oder Vom tätigen Leben, München
- Ayaß, Wolfgang:Das Arbeitshaus Breitenau. Bettler, Landstreicher, Prostituierte, Zuhälter und Fürsorgeempfänger in der Korrektions- und Landarmenanstalt Breitenau (1874 - 1949)
- Andreas Exner, Judith Sauer, Pia Lichtblau, Nora Hangel, Veronika Schweiger, Stefan Schneider (hg.) - in Kooperation mit Attac: Losarbeiten – Arbeitslos? Globalisierungskritik und die Krise der Arbeitsgesellschaft. ISBN 3-89771-443-4
- Ben Diettrich: Klassenfragmentierung im Postfordismus. Geschlecht Arbeit Rassismus Marginalisierung. ISBN 3-89771-800-6
- Gerd Bedszent: Arbeitskult und Wirklichkeit - Streiflichter aus der real existiert habenden DDR. Magazin Krisis. / EXIT Krise und Kritik der Warengesellschaft [6]
- Grimm, Reinhold/Hermand, Jost (Hrsg.): Arbeit als Thema in der deutschen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart
- Heide, Holger (Hg.): Massenphänomen Arbeitssucht. Historische Hintergründe und aktuelle Entwicklung einer neuen Volkskrankheit, Atlantik Vaerlag, Bremen 2002 ISBN 3-926529-36-9
- Hesiod: Werke und Tage
- Huber, H.: Geist und Buchstabe der Sonntagsruhe. Eine historisch-theologische Untersuchung über das Verbot der knechtlichen Arbeit von der Urkirche bis auf Thomas von Aquin (Salzburg 1958)
- Kurz, Robert: Die Diktatur der abstrakten Zeit. Arbeit als Verhaltensstörung der Moderne.
- Lohoff, Ernst/Trenkle, Norbert/Wölflingseder, Maria/Leward, Karl-Heinz (Hg.): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs, Unrast Verlag, Münster 2004 ISBN 3-89771-427-2
- Lukian: Der Parasit
- Luther, Martin: Kritik an den Mönchsgelübden (De votis monasticis, 1521)
- Meyer, Cornelia: Das Werkhaus Moringen. Die Disziplinierung gesellschaftlicher Randgruppen in einer *Arbeitsanstalt (1871-1944)
- Müller, Heiner: Der Lohndrücker
- Oexle, Otto Gerhard: Arbeit, Armut, ›Stand‹ im Mittelalter, in: Kocka, Jürgen/Offe, Claus (Hrsg.): Geschichte und Zukunft der Arbeit, Frankfurt/New York (Campus) 2000, S. 67 – 79.
- Oexle, Otto Gerhard: Die Entstehung politischer Stände im Spätmittelalter - Wirklichkeit und Wissen, in: Blänkner, Reinhard/ Jussen, Bernhard (Hrsg.): Institutionen und Ereignisse. Über historische Praktiken und Vorstellungen gesellschaftlichen Ordnens, Göttingen 1998, S. 137-162.
- Holger Schatz, Andrea Woeldike: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion. ISBN 3-89771-805-7 (Zur Genes des Arbeitsbegriff, Arbeitsethos und Arbeitskult in Deutschland)
- Stahleder, Helmuth: Arbeit in der mittelalterlichen Gesellschaft, München 1972
- Weber, Max (1904/1973a): Asketischer Protestantismus und kapitalistischer Geist.
- Weber, Max (1906/1988): Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie
- Zallinger, von Otto : Das Verfahren gegen die landschädlichen Leute in Süddeutschland. Ein Beitrag zur mittelalterlich-deutschen Strafrechts-Geschichte (Innsbruck 1895)
