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Arbeitsbeschaffung
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Unter Arbeitsbeschaffung versteht man koordinierte Maßnahmen und Projekte, die vor allem in Perioden der Massenarbeitslosigkeit vorgeschlagen oder durchgeführt werden, um Beschäftigungslose zumindest teilweise wieder in Beschäftigung zu bringen und die Wirtschaft "anzukurbeln". Typische Felder, in denen Arbeitsbeschaffung realisiert wurde waren während der Weltwirtschaftskrise Bautätigkeiten im Straßen- und sonstigen Infrastrukturbereich, sowie Elekrifizierungsmaßnahmen im ländlichen Raum (Tennessee Valley Authority). Arbeitsbeschaffung wird in der Regel als Aufgabe der öffentlichen Hand (Staat oder Gemeinden) angesehen, ist aber vom Grundsätzlichen her und von der Effektivität in der Regel umstritten.
Geschichte
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sind in nahezu jeder modernen Konjunkturkrise gefordert und zum Teil auch durchgeführt wordem. Dies gilt etwa für die Krise von 1847-1848, in der in Paris nach der Februarrevolution 1848 auf Anregeung von Louis Blanc die so genannten Nationalwerkstätten (Ateliers nationaux) unter der Leitung von Emile Thomas gegründet wurden. Diese erlitten aber rasch Schiffbruch, und ihre Schließung führte zum Juniaufstand). Andererseits wurde in Österreich zur selben Zeit als längerfristig produktive staatliche Maßnahme der Arbeitsbeschaffung die Semmeringbahn als erste Alpenbahn errichtet. In der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre trat die Regierung unter Franklin D. Roosevelt im New Deal für Arbeitsbeschaffung in großem Stil ein (Schaffung der Works Progress Administration, des Civilian Conservation Corps etc). Auch hier wurden zum Teil wertvolle Leistungen, etwa in Bezug auf Stadtverschönerung und Umweltschutz (Nationalparks) gesetzt, andererseits gab es auch massive und teilweise nicht unberechtigte Kritik seitens konservativer und wirtschaftsliberaler Ökonomen und Politiker. (Arbeitsbeschaffung schaffe kaum reale Werte, laufe auf ein "Kaufen" der Wähler hinaus, erhöhe den Zinssatz durch die staatliche Inanspruchnahme des Kapitalmarktes etc.) In Großbritannien setzte sich John Maynard Keynes seit den 1920er Jahren für entsprechende Maßnahmen ein und tat dies auch in seiner einflussreichen "General Theory of Employment, Interest and Money"(1935). In Deutschland und Österreich zeigten sich die Ökonomen und Theoretiker der marxistischen Linken (Rudolf Hilferding, Otto Bauer ebenso wie jene des Zentrums (Heinrich Brüning) gegenüber Forderungen der Arbeitsbeschaffung eher skeptisch und der finanziellen Orthodoxie zugeneigt. Vor allem unter dem Einfluss der Gewerkschaften kam es bei der Linken zu einem späten Umdenken (WTB-Plan von Wladimir Woytinsky, Fritz Tarnow, Fritz Baade), das aber folgenlos blieb. In dem von der Weltwirtschaftskrise am tiefsten getroffenen Industriestaat Deutschland trug die massive Propaganda der politischen Rechten für Arbeitsbeschaffung (Gottfried Feder etc) dagegen entscheidend zur Verdoppelung der Stimmen und Mandate der NSDAP bei den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 bei. Tatsächlich wurden die Beschäftigungszuwächse im Dritten Reich zwischen 1933 und 1939 aber nicht wesentlich durch zivile Projekte der Arbeitsbeschaffung erzielt (Autobahnbau etc) sondern durch massive Aufrüstung mit Ausrichtung auf die Vorbereitung eines groß angelegten Eroberungskrieges. In der Zeit nach 1945 wurde Arbeitsbeschaffung während der Jahrzehnte des Wiederaufbaus und der damit verbundenen Hochkonjunktur kaum mehr diskutiert, dürfte aber im Falle des Ausbrechens von Massenarbeitslosigkeit als Thema wieder größere Präsenz erhalten.
Weitere bekannte Projekte der Arbeitsbeschaffung:
Volkspark Rehberge (Berlin)
River Walk (San Antonio (Texas))
Siehe auch
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Arbeitsmarktpolitik
Literatur
- Gottfried Bombach et alii: Der Keynesianismus, 6 Bände, Berlin etc ab 1976: davon speziell Band 2: Die beschäftigungspolitische Diskussion vor Keynes in Deutschland - Dokumente und Kommentare, Berlin/Heidelberg 1976, sowie Band 3: Die geld und beschäftigungstheoretische Diskussion in Deutschland zur Zeit von Keynes - Dokumente und Analysen, Berlin/Heidelberg 1981
- Charles Bettelheim: L'Economie allemande sous le Nazisme Paris 1979 (Erstauflage 1945)
- P.K. Conkin: The New Deal, London 1968
- John Maynard Keynes: The General Theory of Employment, Interest and Money, London (Cambridge University Press) 1936
- Emile Thomas: Histoire des ateliers nationaux, Paris 1848
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