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Arbeit (Marxismus)

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Arbeit ist eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, eine ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln. Diese Definition der Arbeit geht auf Karl Marx und Friedrich Engels zurück. Eine ausführliche Darstellung dieser philosophischen Auffassung findet sich in Das Kapital Band I; Fünftes Kapitel; Arbeitsprozess und Verwertungsprozess. Unter 1. Arbeitsprozess heißt es da einleitend:

"Die Arbeit ist zunächst ein Prozeß zwischen Mensch und Natur, ein Prozeß, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eignes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigne Natur. Er entwickelt die in ihr schlummernden Potenzen und unterwirft das Spiel ihrer Kräfte seiner eignen Botmäßigkeit."

Einige Arbeits-Aspekte und -Begriffe, die Karl Marx in den Schriften zur Kritik der politischen Ökonomie und in seinem Hauptwerk Das Kapital näher beschrieben hat, sind ebenfalls von allgemeinerer Bedeutung und bis heute Gegenstand philosophischer, sozialwissenschaftlicher und politischer Diskurse.

Inhaltsverzeichnis

Konkrete Arbeit

Arbeitende Menschen führen immer konkrete Tätigkeiten aus und leisten damit i.d.R. zweckmäßige Arbeit. Karl Marx nennt es "konkrete nützliche Arbeit". Entsprechend den Fähigkeiten, Fertigkeiten und Bedürfnissen der einzelnen Menschen und ihrer individuellen Lebenssituationen ist "konkrete Arbeit" nach Inhalt und Form unendlich vielfältig. Auch unter dem Aspekt der individuellen Zweckmäßigkeit und Zielsetzung bestimmt der arbeitende Mensch, welche "konkrete Arbeit" durch ihn zu leisten ist. "Konkrete Arbeit" erfordert vom arbeitenden Menschen den Einsatz seiner Arbeitskraft, das heißt immer ein gewisses Quantum an "lebendiger Arbeit", sowie die Bereitstellung und Nutzung der notwendigen Arbeitsmittel. Durch den Gebrauch und die Verarbeitung der Arbeitsmittel entstehen ihm dabei in der warenproduzierenden Gesellschaft Kosten. Dafür gehören ihm die Ergebnisse seiner "konkreten Arbeit". Als Eigentümer des Arbeitsergebnisses verfügt er - je nach Grad der Zielerreichung - über einen Gebrauchswert, der sich individuell aus seiner persönlichen Bedürfnislage und ideellen Wertschätzung ergibt, unabhängig vom Aufwand oder irgendwelchen anlegbaren Marktpreisen.

Über die "konkrete Arbeit" scheibt Karl Marx: "Als Bildnerin von Gebrauchswerten, als nützliche Arbeit, ist die Arbeit daher eine von allen Gesellschaftsformen unabhängige Existenzbedingung des Menschen, ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln." (siehe Das Kapital, Band I, 1. Kapitel)

Abstrakte Arbeit

Der von Karl Marx postulierte "Doppelcharakter der in den Waren dargestellten Arbeit" beruht auf der Tatsache, dass der mittels "konkreter Arbeit" geschaffene Gebrauchswert einer Ware zwar die Grundvoraussetzung zu deren Vermarktung überhaupt ist, damit aber noch keine Aussage über die Höhe des Tauschwerts vorliegt. Der materialistischen Weltsicht zufolge entspringt jedoch auch der Tauschwert einer Ware primär der dafür aufgewendeten Arbeit. Deshalb führte Karl Marx den Begriff der "abstrakten Arbeit" ein. Zum Doppelcharakter der Arbeit schreibt er (siehe Das Kapital, Band I, 1. Kapitel):

  • "Alle Arbeit ist einerseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn, und in dieser Eigenschaft gleicher menschlicher oder abstrakt menschlicher Arbeit bildet sie den Warenwert."
  • "Alle Arbeit ist andererseits Verausgabung menschlicher Arbeitskraft in besonderer zweckbestimmter Form, und in dieser Eigenschaft konkreter nützlicher Arbeit produziert sie Gebrauchswerte."

Ausgehend von der "abstrakten Arbeit", die selbst den Charakter des Tauschwertes in sich trägt, entwickelte Karl Marx die Arbeitswerttheorie, die in der Volkswirtschaftlehre heute als weitgehend widerlegt gilt. Allerdings spielt die "abstrakte Arbeit" heute in der Arbeitswissenschaft bei der Arbeitswertbestimmung im Rahmen von Lohn- und Gehaltstarifen näherungsweise eine Rolle.

Marx unterscheidet außerdem noch zwischen

  • einfacher Arbeit und
  • komplizierter Arbeit, die jeweils als ein bestimmtes Vielfaches der einfachen Arbeit gedacht werden kann.

Entfremdete Arbeit

Karl Marx analysierte in seiner "Kritik der politischen Ökonomie", dass unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen die doppeltfreien Lohnarbeiter gezwungen sind, ihre Arbeitskraft an die Eigentümer der Produktionsmittel zu verkaufen. Damit nimmt die Arbeitskraft Warencharakter an. Der Preis der Arbeitskraft bzw. Lohn stellt sich unter Marktbedingungen entsprechend Angebot und Nachfrage ein. "Konkrete Arbeit", die der Lohnarbeiter leistet, wird dadurch zu "entfemdeter Arbeit". Für einen lohnabhängigen Menschen ist der Zweck und das primäre Ziel seiner "entfremdeten Arbeit" der Arbeitslohn, also Geld. Lohnarbeiter interessiert demnach die Werthaltigkeit der Arbeitsergebnisse, die sich in der Qualität, in den Kosten und in den Preisen der hergestellten Waren und Dienstleistungen manifestiert, eigentlich nur unter Aspekten der Lohnsicherheit und Arbeitsplatzerhaltung. Eine durchaus vergleichbare Interessenlage findet sich auf Seiten der angestellten Manager, die mit hohen Einkommen nichts anderes als "entfremdete (geistige) Arbeit" leisten und i.d.R. nur bereit sind Verantwortung für die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen ihrer Entscheidungen zu übernehmen, wenn sie der ordnungspolitische Rahmen staatlicher Gesetze mit entsprechenden Strafverfolgungsmaßnahmen dazu zwingt.

Die erweiterte Akkumulation des Kapitals und die Marktgesetze im Kapitalismus führen nach Marx in der Tendenz dazu, dass die Quantität der "entfremdeten Arbeit" abnimmt, die Arbeitslosigkeit steigt und die Reallöhne auf Seiten der Arbeitnehmer sinken.

Literatur

  • Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie.
    • Band I: Der Produktionsprocess des Kapitals., Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1867
    • Band II: Der Cirkulationsprocess des Kapitals. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1885
    • Band III: Der Gesammtprocess der kapitalistischen Produktion, Kapitel I bis XXVIII. (Herausgegeben von Friedrich Engels), Verlag von Otto Meissner, Hamburg 1894
  • Friedrich Engels: Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigener Anschauung und authentischen Quellen., Dietz-Verlag, Stuttgart 1892 (Neu herausgegeben von Walter Kumpmann bei DTV, München 1987, ISBN 3423060123)
  • Heinz-J. Bontrup: Arbeit, Kapital und Staat. - Plädoyer für eine demokratische Wirtschaft. PapyRossa-Verlag Köln. Zweite Auflage 2005. ISBN 3-89438-326-7
  • Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed, Maria Wölflingseder (Hg.): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs. 2004. ISBN 3-89771-427-2
  • Holger Schatz: Arbeit als Herrschaft. Die Krise des Leistungsprinzips und seine neoliberale Rekonstruktion., 2004, ISBN 3-89771-429-9
  • Jörg Reitzig: Gesellschaftsvertrag, Gerechtigkeit, Arbeit, Münster 2005: Verlag Westfälisches Dampfboot, ISBN 3-89691-611-4
  • G. Falk/W. Pfreundschuh "Entäußerung" und "Entfremdung" in den Pariser Manuskripten von Karl Marx

Siehe auch


Weblinks

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