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Bulgarischer Aprilaufstand 1876
Aus Kefk.
Im Jahre 1393 waren alle bulgarischen Gebiete durch das Osmanische Reich erobert, diese Besetzung dauerte bis zur „Türkenbefreiung“ 1878 an. Beeinflusst von der Entwicklung von Nationalstaaten und nationalen Identitäten in Westeuropa entstand auch in Bulgarien der Wunsch nach „nationaler Befreiung“.
Im November 1875 traf sich in der rumänischen Stadt Giurgiu an der Donau das dortige bulgarische Revolutionskomitee, um eine wichtige Entscheidung zu treffen: ein Aufstand zur endgültigen Befreiung Bulgariens von der türkischen Herrschaft. Im Winter 1875/76 wurde an der Vorbereitung gearbeitet. Anfang April trat in Oborischte am Südhang des Balkans eine Versammlung zusammen, die als erste bulgarische Nationalversammlung in die bulgarische Geschichte einging. Die 64 Delegierten beschlossen, am 26. April loszuschlagen. Die Bevölkerung stimmte begeistert zu.
Am 2. Mai brach dann endlich der Aufstand aus. Das Regierungsgebäude in Kopriwschtiza und Panagjurischte, der Konak, in dem sich türkisches Militär verschanzt hatte, wurde gestürmt. Das Feuer der Rebellion griff auf Klisma, Brazigowo, Batak und Peruschtiza über. Mancherorts brachen Einzelaufstände plötzlich, planlos und führerlos aus. Vom 29. April bis zum 7. Mai führten im Erzengel-Michael-Kloster im Tal des Flusses Drjanowo 200 Aufständische einen verzweifelten Kampf gegen die Übermacht der türkischen Armee. Am 28. Mai bestieg Botew mit 205 Mitgliedern seiner Tscheta in Giurgiu das österreichische Schiff „Radetzki“ und zwang am folgenden Tag den Kapitän, am anderen Ufer bei Kozloduj anzulegen. Am 1. Juni fand Botew durch die Hand eines türkischen Scharfschützen den Tod und seine Tscheta wurde aufgerieben. Ein Ort nach dem anderen fiel in die Hände der türkischen Armee. Mehrere tausend Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, wurden bestialisch ermordet. Viele wurden bei lebendigen Leib in den Dorfkirchen verbrannt. Der Aprilaufstand endete mit einer Katastrophe und kostete zwischen 30.000 und 60.000 Menschen das Leben.
Doch die Brutalität, mit der der Aufstand niedergeschlagen wurde, sowie die Gräuel, die dabei an die Zivilbevölkerung verübt wurden, führten zu einem Aufschrei in Europa [1]. Ganz Europa war entsetzt über die Fotos in den Zeitungen, auf denen haufenweise Leichen von verbrannten und ermordeten Menschen zu sehen waren. In der französischen Nationalversammlung hielt Victor Hugo eine Rede gegen die Grausamkeit der türkischen Regierung. In Italien wurde Bulgarien durch Garibaldi zum Thema von Demonstrationen gemacht. In Russland erhoben u.a. Tolstoj, Dostojewski und Turgenew ihre Stimme. In Großbritannien verfasste Gladstone sein Pamphlet "Bulgarian Horrors and the Question of the East", in dem er das barbarische Niederschlagen des Aufstandes schilderte und die Politik der Disraeli-Regierung hinsichtlich der sogenannten Ostfrage heftig kritisierte. Auch Oscar Wilde widmete sein 6. Sonnet den tausenden bulgarischen Zivilisten, die in den Massakern ihr Leben verloren hatten [2]. In Konstantinopel wurde eine internationale Konferenz einberufen. Dabei schlugen die europäischen Politiker eine Reihe von Reformen im Osmanischen Reich vor. Der Sultan weigerte sich jedoch, diese durchzuführen. Darauffolgend erklärte im April 1877 Zar Alexander II. dem Osmanischen Reich den Krieg mit dem Ziel, „die Bulgaren und andere Balkanvölker zu befreien“. 1878 erlangte in Folge des russisch-türkischen Krieges Bulgarien die nationale Unabhängigkeit.
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