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Anlagenbau

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Bild:BASF1.jpg
Blick auf das Werk der BASF von Norden

Der Anlagenbau ist eine Disziplin des Maschinenbaus. Seine Aufgabe besteht in der Auslegung und der Koordination des Baus von großtechnischen Anlagen. Er bedient sich hierbei der Methoden der Verfahrenstechnik.

Typisch für diese Ingenieurwissenschaft ist es, Umsetzungs- und Veränderungsprozesse zu erforschen, als Modell mathematisch zu erfassen oder z.B. über die Dimensionsanalyse zu beschreiben. Die Verfahren bestehen in der Regel aus einer Vielzahl von Einzelschritten, die aber erst in ihrer Aneinanderreihung und Abstimmung den gewünschten Prozess ergeben.

Zunächst müssen die Einzelschritte untersucht, ihre Beherrschung sichergestellt sowie deren apparative Gestaltung durchdacht und vorgenommen werden. Durch Zusammenschalten, Anpassen und Optimierung entsteht dann das Konzept des Prozesses, der jedoch erst in Verbindung mit den entsprechenden Ver- und Entsorgungseinrichtungen ("Utilities") zur betriebsfähigen Anlage wird.

Überlegungen zur Entsorgung gehören selbstverständlich zur Entwicklung und Planung jedes verfahrenstechnischen Prozesses. Maßnahmen und Prozessschritte zur Abfallvermeidung, zur Abgas- und Abwasserreinigung sind integraler Bestandteil einer modernen verfahrenstechnischen Anlage.

Der Entwicklungsprozess einer verfahrenstechnischen Anlage kann in folgende, typische Schritte gegliedert werden:

  1. Verfahrensentwicklung in Labor- und Technikum einschließlich den entsprechenden Anlagen-Aufbauten sowie einer Hochrechnung auf den industriellen Maßstab ("Scale-Up")
  2. Ermittlung der administrativen, wirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen sowie der Anforderungen des Anlagenbetreibers
  3. Machbarkeitsuntersuchung mit technischem und wirtschaftlichem Vergleich verschiedener Konzepte. Diese Studie endet i. d. R. in einer "go oder no go"-Entscheidung, ob überhaupt eine Anlage gebaut wird.
  4. Konzeptphase, d.h. Auswahl des endgültigen Konzeptes und erste Schätzungen des technischen Anlagenumfanges, ggf. auch erste Kosten- und Terminschätzungen für das Investitionsprojekt.
  5. Ausarbeitung des technisch und wirtschaftlich vorteilhaftesten Konzeptes und Ermittlung aller erwarteten Kosten und Einnahmen (Vorplanung oder Basicengineering)
  6. Genehmigungplanung zur Beschaffung der notwendigen Genehmigungen bei den zuständigen Behörden
  7. Detaillierte Auslegung und genaue Beschreibung aller notwendigen Komponenten und Maßnahmen für die Realisierung (Ausführungsplanung oder Detailengineering)
  8. Anfrage der beschriebenen (spezifizierten) Komponenten und Leistungen
  9. Angebotsvergleich und Bestellung
  10. Bau der Anlage
  11. Inbetriebnahme der Anlage
  12. Nachweis der vereinbarten Leistungen der Anlage (Stoffumsatz, Energieumsatz, Qualität)
  13. Übergabe der Anlage an den Betreiber

Anlagenvertrag

Wegen der großen Komplexität solcher Anlagen wurde rechtlich der Anlagenvertrag als ein eigenständiger Vertragstyp entwickelt. Die bekanntesten international verwandten Vertragsmuster werden von der FIDIC (Fédération Internationale des Ingénieurs-Conseils) herausgegeben. Das sogenannte Silver Book wurde speziell für EPC Turnkey Projects entwickelt. In den Vertragsmustern finden sich u.a. detaillierte Regelungen über die Risikoverteilung, die Abnahme und über Haftungsbeschränkungen. Zur Beilegung von Streitigkeiten wird ein Schiedsverfahren nach den Regeln der Internationalen Industrie- und Handelskammer, Paris vorgesehen.

Anlagenbetreiber

Die Verfahrenstechnik ist zu einem erheblichen Teil an der gesamten Industrieproduktion der Welt beteiligt (ca. 50% in BRD 1980). Insbesondere zählen hierzu die folgenden Industriezweige:

  • Öl- und Gasindustrie
  • Chemische und pharmazeutische Industrie
  • Dünge- und Nahrungsmittelindustrie
  • usw.
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