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Angewandte Psychologie
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Angewandte Psychologie bedeutet, dass Fragestellungen aus Anwendungsgebieten auf Basis der Grundlagendisziplinen wissenschaftlich beantwortet werden.
Entgegen landläufiger Meinung bedeutet Angewandte Psychologie nicht, dass nur "praktisches Handwerkszeug" für Anwendungsgebiete erlernt wird, sondern es handelt sich auch hier primär um Forschung.
Dieses führt natürlich auch dazu, dass aus dieser Forschung heraus dann neue "Technologien" (im wissenschaftstheoretischen Sinn) entwickelt, und (zunehmend im Grenzbereich zur Praktischen Psychologie) implementiert und evaluiert werden (z. B. Therapien, Trainingsmaßnahmen, Maßnahmen zur Organisationsentwicklung, Personalauswahlverfahren, Qualitätssicherungssysteme, Maßnahmen zur Bedienungssicherheit bei Steuerungsanlagen, Verfahren zur Arbeitsanalyse, kognitiv-ergonomisches Design von Displays, Analysen von Käuferentscheidungen und -präferenzen, Softwaresystem zur Entscheidungs- und Nutzenanalyse, entscheidungspsychologisch-statistisches Modell zur Bestimmung von Gehältern von Führungskräften, Verfahren zur Messung des Unternehmensimages, System zur Analyse und Prognose des Absatzes von Produkten u.ä.).
Aus Sicht der Psychologie ist es daher völlig unsinnig, Angewandte Psychologie losgelöst von den Grundlagendisziplinen zu betrachten. Vielmehr ist eine sehr fundierte, wissenschaftlich-forschungsorientierte Ausbildung in den Grundlagen unabdingbare Voraussetzung für die Angewandte Psychologie. Die Praktische Psychologie wendet dann konkret psychologische Technologien zur Problemlösung an, dieses geschieht (naturgemäß) auch durch entsprechend geschulte Nicht-Psychologen (z. B. Personalauswahl und psychologische Testdiagnostik nach DIN 33430, Durchführung von betrieblichen Trainingsmaßnahmen durch Schulungspersonal, Psychoedukation durch Hausärzte, Anwendung von Therapiemanualen durch ärztliche Psychotherapeuten u.ä.).
Inhaltsverzeichnis |
Arbeits-, (Betriebs-) und Organisationspsychologie (inkl. Wirtschaftspsychologie)
Die A&O- oder ABO-Psychologie umfasst die Analyse der Arbeit (im weitesten Sinn), die Ergonomie, allgemeine psychologische Diagnostik und im Speziellen Eignungsdiagnostik, Personalauswahl, Leistungsbeurteilung, Personal- und Organisationsentwicklung, Kommunikation, Mediation, Gruppenprozesse, Führung, Trainings, Werbe-, Verkaufs- und Marktpsychologie und Marktforschung.
Die Organisationspsychologie ist am stärksten mit der Psychologischen Diagnostik, der Sozial- und der Persönlichkeits- und Differenziellen Psychologie verbunden, die Arbeitspsychologie sehr stark mit der Allgemeinen, vor allem auch der Experimentalpsychologie. Gerade das letztgenannte Teilgebiet erlebte und erlebt außerhalb Deutschlands einen Höhenflug und stellt (im Gegensatz zu Deutschland) international ein enormes (künftig kaum zu deckendes) Arbeitsmarktpotential v. a. in Industrie- und Dienstleistungsunternehmen dar. Insbesondere die Bereiche Menschlicher Faktor (Human Factors), angewandte Kognitions- (Applied Cognitive)} und Experimentalpsychologie stellen nach Prognosen in den USA in den nächsten zehn Jahren einen der am stärksten wachsenden Märkte überhaupt dar, was mit dem immensen Investitionsvolumen von Gesellschaft, Staat und Wirtschaft in (graduierte und post-graduierte) Hochschulbildung und v.a. Forschung und Entwicklung zusammenhängen dürfte.
Bedarf gibt es derzeit v. a. in den Bereichen der Produktentwicklung, da insbesondere bei Aspekten der (kognitiven) Ergonomie, in der Arbeits- und Bedienungssicherheit, des Fehlermanagements, im Bereich des Krisen- und Risikomanagements und auch allgemein in der Analyse von Entscheidungsprozessen, v. a. im Zuge multidisziplinärer systematischer Fehlersuche, sofern aus der Mathematik (insbes. Entscheidungstheorie und da auch Spieltheorie) entwickelte betriebswirtschaftliche Systeme nicht anwendbar sind. Weiteren Bedarf gibt es in den Bereichen der Qualitätssicherung und Evaluation.
Die Organisationspsychologie ist nach ihrem rasanten Boom in den 1980er und 1990er Jahren bereits international auf hohem Niveau gefestigt (in Deutschland allerdings nur auf sehr niedrigem Niveau, weil hier ein streng betriebswirtschaftlicher Ansatz v. a. auch in den Bereichen Organisation und Personal vorherrscht, während sich dieser im Ausland weitgehend auf Kernbereiche des reinen Managements beschränkt; viele der international von ABO-Psychologen ausgeführten Tätigkeiten werden zudem in Deutschland traditionell auch von Technikern oder Ingenieuren mit REFA Ausbildung ausgefüllt).
Untersuchungen, z.B. der OECD, zeigen immer wieder, dass Deutschland ein unterentwickeltes Land in Bezug auf die o.g. Bereiche ist. Viele Maßnahmen, die international Psychologen vorbehalten sind, werden in Deutschland weitgehend von Nicht-Psychologen, häufig sogar Nicht-Akademikern ausgeführt (z.B. Recruiting, Personalauswahl, Persönlichkeitsdiagnostik, berufsbezogenes Assessment und Profiling, Personal- und Organisationsentwicklung, psychologische Trainingsmaßnahmen, Coaching, (berufsbezogene) psychologische Beratung uvm.). Hierbei kommen in der Regel äußerst fragwürdige Verfahren zur Anwendung oder es werden sogar bekannte Fehler, Verzerrungen usw. zur Methode erhoben (vgl. zusammenfassend und m.w.N. z.B. Kanning, 2004). Die DIN 33430 ist ein Vorstoß, dies von Seiten der Psychologenschaft als Realität in Deutschland hinzunehmen und durch Standards, Ausbildung und Zertifizierung von Nicht-Psychologen wenigstens im Zuge eines praktikablen Kompromisses ein minimales Mindestmaß an wissenschaftlichen Standards durchzusetzen. Denn schließlich geht es bei der Personalauswahl ja nicht nur um seriöse Selektion und Platzierung von möglichst passend geeigneten Mitarbeitern für die Unternehmen, sondern stellt auch zugleich auf gesellschaftlicher Ebene einen ganz wesentlichen Beitrag zur Chancengleichheit dar.
Eine europäische Vergleichsstudie kam zu dem Ergebnis, dass in Deutschland nur rund 8% der Unternehmen überhaupt wissenschaftlich fundierte Personalauswahlverfahren einsetzen (bei Führungskräften noch weniger!), im Gegensatz zu allen anderen europäischen Staaten mit 50-ca.70% (bei Führungkräften mehr), wobei diese dort fachgerecht von Psychologen durchgeführt werden (Schuler, H., Frier, D. & Kauffmann, M., 2000) [Anm. in den USA liegt die Zahl noch wesentlich höher].
Referenzen:
- Kanning, U. P. (2004). Standards der Personaldiagnostik. Göttingen: Hogrefe.
- Schuler, H., Frier, D. & Kauffmann, M. (2000). Personalauswahl im europäischen Vergleich. Göttingen: Verlag für Angewandte Psychologie.
Thematisch ähnlich zur Organisationspsychologie ist die Angewandte Sozialpsychologie.
Klinische Psychologie
Das klassische Anwendungsgebiet (in Deutschland) ist die Klinische Psychologie, die der Psychologischen Psychotherapie als Grundlage dient. Primär ist die Klinische Psychologie allerdings Grundlagenforschung, in dem sie aus der Erforschung von "gestörtem" Erleben und Verhalten Rückschlüsse auf "normale" psychische Funktionsbereiche liefert. Ebenso sucht sie auch im Rahmen angewandter Forschung nach den Ursachen und Wirkungszusammenhängen von gestörten Funktionsbereichen (z. B. gestörter Informationsverarbeitung) und erforscht in dem Zusammenhang auch Grundlagen zur Entstehung, Symptomatik und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen / psychiatrischen Erkrankungen (wie z. B. der Depression). Hierzu gehört auch die Einbeziehung von externen Faktoren (bio-psycho-soziales Modell). Aus den Forschungsergebnissen ergeben sich Möglichkeiten, Methoden zur Veränderung zu entwickeln, die dann wiederum Forschungsgegenstand der Klinischen Psychologie sind. Insofern kann die Klinische Psychologie neben der Psychotherapie auch in Form von Trainings (psychoedukatives Training, etc.), Beratung und Training von Angehörigen usw. psychologische Hilfestellungen leisten. Sie überschneidet sich hier mit Diagnostik und Intervention bzw. wird durch diese ergänzt. Dabei gehört die allgemeine psychologische Diagnostik (Persönlichkeits- und Leistungsdiagnostik) und natürlich im Speziellen die klinisch-psychologische Diagnostik (ICD, DSM) einschließlich Befundung und Begutachtung ebenso zum Aufgabenfeld der Klinischen Psychologie wie die evidenz-basierte Therapieplanung, die Therapieevaluation und das Qualitätsmanagement.
In der Berufspraxis, bzw. -realität ist es aber so, dass für alle diese Tätigkeiten eine Zulassung als Psychotherapeut unabdingbar ist (insofern ist fraglich, ob die Klinische Psychologie auch künftig gegenüber anderen Anwendungsfächern einen dominierenden Standpunkt in der Praxis haben wird). Durch das Psychotherapeutengesetz wurde in Deutschland der Beruf des Klinischen Psychologen (wie z.B. im Vereinigten Königreich, Australien und anderen Staaten völlig eigenständig neben dem des Psychotherapeuten etabliert und nicht aus der Versorgung wegzudenken) faktisch abgeschafft, was für sehr viele Absolventen in dessen Folge zu einem Quasi-Berufsverbot geführt hat.
Ein Spezialgebiet der Klinischen Psychologie ist die Klinische Neuropsychologie, die sich klinisch-psychologisch mit schädigungsbezogenen Zuständen und Veränderungen des Zentralnervensystems und den sich daraus ergebenden gestörten Funktionsbereichen beschäftigt. Ein weiteres Teilgebiet der Klinischen Psychologie ist die Gesundheitspsychologie, die sich mit gesellschaftlichen Fragen nach wirksamer Prävention, gesundheitsförderlichem Verhalten (auch in Bezug auf die psychische Gesundheit) und den sozialen Faktoren von Krankheit sowie Stress beschäftigt.
Pädagogische Psychologie
Ursprünglich bedeutsames Beschäftigungsfeld von Psychologen war die Erziehungsberatung, deren Weiterentwicklungen sich in der Pädagogischen Psychologie wiederfanden, aus der sich auch die Schulpsychologie entwickelte. Wobei sich heute die psychologische Erziehungsberatung kaum aus der Pädagogischen Psychologie, sondern vielmehr aus der Diagnostik und Intervention ableitet. Die Schulpsychologen sehen sich auch nicht mehr als Pädagogische Psychologen, sondern ihren Beruf vielmehr gleichzeitig als Teilbereich sowohl der Diagnostik und Intervention und der Klinischen Psychologie (Diagnostik, Beratung, Training und Therapie von Schülern, Eltern und Lehrern, sowie Lehrersupervision), als auch der Organisationspsychologie (Evaluation, Leistungsdiagnostik, Organisationsentwicklung, Trainings, Schulentwicklung, Mediation). Beide Disziplinen, v. a. aber die Schulpsychologie, stellen heute für Psychologen in Deutschland (anders als z. B. in den USA) eine äußerst geringe (und weiter schwindende) Bedeutung und Randexistenz dar.
Weitere Anwendungsbereiche der Psychologie
- Gerontopsychologie
- Gesundheitspsychologie
- Markt- und Werbepsychologie
- Medienpsychologie
- Musikpsychologie
- Politische Psychologie
- Rechtspsychologie
- Sportpsychologie
- Umweltpsychologie
- Verkehrspsychologie
Diagnostik
Bei allen Bereichen ist die Diagnostik von zentraler Bedeutung (Keine Intervention ohne Diagnose!).
