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Andrea Camilleri

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Andrea Camilleri (* 6. September 1925 in Porto Empedocle, Sizilien) ist Drehbuchautor, Theater- und Fernsehregisseur und Schriftsteller. Seine erfolgreichste Romanfigur ist der sizilianische Commissario Montalbano, den er nach dem spanischen Schriftsteller Manuel Vázquez Montalbán benannte. Die Kriminalromane mit Commissario Montalbano wurden in mehrere Sprachen übersetzt und machten Camilleri international bekannt.

In einer kleinen, von Giuseppe Ungaretti zusammengestellten Anthologie erschienen die ersten Gedichte des Zwanzigjährigen, der auch schon Erzählungen und Artikel für Zeitschriften verfasste.

1942 begann Camilleri als Regisseur zu arbeiten, sowohl für das Theater als auch für den Rundfunk. Er machte sich darin verdient, Werke von Strindberg, Samuel Beckett, Eugène Ionesco oder T. S. Eliot in Italien einzuführen.

Mit einer kleinen Unterbrechung unterrichtete er von 1958 bis 1970 am Centro Sperimentale di Cinematografia di Roma. Von 1977 bis 1997 war er Professor an der Staatsakademie für Darstellende Kunst Silvio D’Amico. Außerdem hielt er Seminare und Kurse über Regie in Italien und im Ausland.

1978 erschien Hahn im Korb, sein erster Roman. Für viele der darauf folgenden Bücher erhielt der Autor Preise wie den Premio Gela (1980), den Premio Vittorini und den Premio Elsa Morante (1999). Im Jahr 1994 begann er die erfolgreiche Serie der Kriminalromane mit Commissario Montalbano.

Camilleri ist verheiratet, hat drei Töchter und vier Enkel und lebt in Rom.

Inhaltsverzeichnis

Commissario Montalbano

Salvo Montalbano ist die Hauptfigur der Kriminalromane Andrea Camilleris. Montalbano arbeitet als Commissario in der fiktiven, nach Camilleris Geburtsort Porto Empedocle gestalteten Stadt Vigatà in Sizilien.

Er ist zu Beginn der Krimireihe ein Mann in den Vierzigern, gekennzeichnet durch seine Vorliebe für die sizilianische Küche (ein Glossar der von ihm geschätzten Gerichte befindet sich im Anhang der deutschen Übersetzungen), für Literatur sowie durch einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und sein teilweise unkonventionelles Vorgehen. Er ist ein „sbirro nato“, nimmt häufig instinktiv für die Ermittlungen wesentliche Details und Zusammenhänge wahr und erfährt die Lösung des Falles oft wie durch eine spontane Erleuchtung.

Seinen Mitmenschen gegenüber verhält er sich oft launisch und reizbar und ist dabei stark wetterabhängig. Beschreibungen des Wetters werden von Camilleri häufig verwendet, um auch die Stimmung Montalbanos zu beschreiben. Vor allem seine Kollegen und seine ewige Verlobte Livia Burlando aus Boccadasse haben unter seinen Launen zu leiden. Seine wichtigsten Kollegen sind sein Vize Domenico 'Mimì' Augello, Fazio, Gallo, Galluzzo sowie der durch oft kaum verständliches Italienisch und ein einfaches Gemüt ausgezeichnete Catarella.

Montalbano verbindet eine tiefe Zuneigung zu seiner Heimat Sizilien, weitere Reisen lassen ihn sich unbehaglich fühlen. Sizilien und seine Eigenheiten kulinarischer, sprachlicher und kultureller Natur sind immer wieder Thema der Bücher. Sprachlich spiegelt sich dies in der Verwendung sizilianischer Ausdrücke und syntaktischer Eigenarten wider. Sizilianische Begriffe werden auch in der deutschen Übersetzung beibehalten und kurz erklärt (Beispiel: „Ein unwillkürlicher Anfall von lagnusia, dieser unwiderstehlichen Lust, gnadenlos zu faulenzen ...“).

Im Lauf der Krimireihe erfährt Montalbano eine Entwicklung, sowohl in seinem Privatleben als auch in seiner Einstellung zu seiner Arbeit als Polizist. Neben seiner Beziehung zu Livia, die gekennzeichnet ist durch Streitigkeiten über eine eventuelle Heirat und Kinder, fühlt er sich bisweilen auch zu anderen Frauen, so etwa zu der Schwedin Ingrid hingezogen. Außerdem wird er immer öfter vom Alter bzw. der Furcht vor dem Älterwerden geplagt und zeigt sich zunehmend angewidert von den gesellschaftlichen Veränderungen, den politischen Verhältnissen sowie der zunehmenden Grausamkeit und Brutalität, die in den Verbrechen zum Vorschein kommen.

Montalbano fungiert so als ein Mittel, mit dem Camilleri aktuelle Probleme in Italien ansprechen kann. In „Il Giro di Boa“ („Das kalte Lächeln des Meeres“) denkt Montalbano auf Grund der Geschehnisse beim G8-Gipfel in Genova über seine Kündigung nach, zugleich wird auf das Problem der illegalen Einwanderer in Italien und den damit verbundenen Menschenhandel eingegangen. In anderen Büchern wird über die Veränderungen der Kriminalität wie z.B. größere Anonymität durch das Internet (in „Gita a Tindari“/ „Spiel des Patriarchen“) oder Veränderungen innerhalb der Mafia (in „Cane di Terracotta“/“Der Hund aus Terracotta“) reflektiert. Die Montalbano-Krimis zeichnen sich damit durch Gesellschaftskritik, speziell Kritik an den Verhältnissen in Italien aus.

Eine weitere Eigenart der Montalbano-Krimis sind die häufigen literarischen Anspielungen. Bereits der Name Montalbano ist von dem spanischen Krimiautor Montalbán inspiriert, aber auch in den Romanen selbst fallen immer wieder die Namen von Autoren wie z.B. Shakespeare, Pirandello, Faulkner oder Poe und von deren Werken bis hin zu Anspielungen und direkten Zitaten. Besonders ausgeprägt ist dies in „Odore della Notte“ („Kavalier der späten Stunde“), in der sich Montalbano durch die Entwicklungen des Falles an eine Kurzgeschichte Faulkners erinnert fühlt. Diese wird auszugsweise wiedergegeben und der Handlung gegenübergestellt. Auch die Dialoge nehmen bisweilen eine stark an absurdes Theater erinnernde Färbung ein. Inter- und Metatextualität stellen damit eine weitere Besonderheit der Montalbano-Krimis dar.

Am 09. November 2006 erschien mit "Le ali della sfinge" der elfte und bislang neueste Montalbano-Krimi in Italien. Einige der Montalbano-Krimis wurden erfolgreich unter der Regie von Alberto Sironi und mit dem italienischen Schauspieler Luca Zingaretti in der Hauptrolle verfilmt.

Werke

Krimis mit Commissario Montalbano

  • Die Form des Wassers - Montalbanos 1. Fall (1999, übersetzt von Shahrzad Assemi, orig.: La forma dell’acqua, 1994), ISBN 3785715099
  • Der Hund aus Terracotta - Montalbanos 2. Fall (1999, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: Il cane di terracotta, 1996), ISBN 3785715102
  • Der Dieb der süßen Dinge - Montalbanos 3. Fall (2000, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: Il ladro di merendine, 1996), ISBN 3785715137
  • Die Stimme der Violine - Montalbanos 4. Fall (2000, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: La voce del violino, 1997), ISBN 3785715188
  • Das Paradies der kleinen Sünder (Kurzkrimis, 2001, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: Un mese con Montalbano, 1998), ISBN 3404921003
  • Die Nacht des einsamen Träumers (Kurzkrimis, 2002, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: Gli arancini di Montalbano, 1999), ISBN 3785715293
  • Das Spiel des Patriarchen - Montalbanos 5. Fall (2001, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: La gita a Tindari, 2000), ISBN 3785715250
  • Der Kavalier der späten Stunde - Montalbanos 6. Fall (2002, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: L’odore della notte, 2001), ISBN 3785715331
  • Die Rache des schönen Geschlechts (Kurzkrimis, 2003, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: La paura di Montalbano, 2002), ISBN 3-404-92171-2
  • Storie di Montalbano (Kurzkrimis, 2002, bisher unübersetzt)
  • Das kalte Lächeln des Meeres - Montalbanos 7. Fall (2004, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: Il giro di Boa, 2003), ISBN 3-7857-1549-8
  • Der falsche Liebreiz der Vergeltung (Drei Kurzkrimis, 2005, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: La prima indagine di Montalbano, 2005), ISBN 3-7857-1565-X
  • Die Passion des stillen Rächers - Montalbanos 8. Fall (2006, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: La pazienza del ragno, 2006), ISBN 3785715811
  • La luna di carta (Montalbanos 9. Fall, 2005, bisher unübersetzt)
  • La vampa d’agosto (Montalbanos 10. Fall, 2006, bisher unübersetzt)
  • Le ali della sfinge (Montalbanos 11. Fall, 2006, bisher unübersetzt)

Andere

  • Hahn im Korb (2002, übersetzt von Monika Lustig, orig.: Il corso delle cose, 1978)
  • Das launische Eiland (2001, übersetzt von Monika Lustig, orig.: Un filo di fumo, 1980)
  • Eine Sache der Ehre (2002, übersetzt von Monika Lustig, orig.: La strage dimenticata, 1984)
  • Jagdsaison (2001, übersetzt von Monika Lustig, orig.: La stagione della caccia, 1992)
  • La bolla di componenda (1993, bisher unübersetzt)
  • Die sizilianische Oper (2001, übersetzt von Monika Lustig, orig.: Il birraio di Preston, 1995)
  • Fliegenspiel (2000, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: Il gioco della mosca, 1995)
  • Der unschickliche Antrag (2001, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: La concessione del telefono, 1998)
  • Die Mühlen des Herrn (2000, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: La mossa del cavallo, 1999)
  • Der vertauschte Sohn (2001, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: Biografia del figlio cambiato, 2000)
  • Der zweite Kuss des Judas (2003, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: La scomparsa di Patò, 2000)
  • Favole del tramonto (2000, bisher unübersetzt)
  • König Zosimo (2003, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: Il re di Girgenti, 2001)
  • Neuigkeiten aus dem Paradies (2005, übersetzt von Christiane von Bechtolsheim, orig.: Racconti quotidiani, 2001)
  • Gocce di Sicilia (2001, bisher unübersetzt)
  • Le parole raccontate, (2001, bisher unübersetzt)
  • Die Ermittlungen des Commissario Collura (Geschichten, 2003, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: Le inchieste del Commissario Collura, 2002)
  • L'ombrello di Noè (2002, bisher unübersetzt)
  • Der zerbrochene Himmel (2005, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: La presa di Macallè, 2003)
  • Teatro (2003, bisher unübersetzt)
  • Romanzi storici e civili (2004, bisher unübersetzt)
  • Privo di titolo (2005, bisher unübersetzt)
  • Das Medaillon (2006, übersetzt von Moshe Kahn, orig.: Il medaglione, 2005)
  • La pensione Eva (2006, bisher unübersetzt)

Kuriosität

Seit April 2003 hat die Gemeinde Porto Empedocle, der Geburtsort Camilleris, ihren offiziellen Namen in Porto Empedocle Vigàta umgeändert. Vigàta ist der Name der imaginären Stadt, in der alle Romane Camilleris spielen

Weblinks

Interviews

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