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Anaximander

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Bild:Anaximander.jpg
Umstrittene Datsrellung Anaximanders, Detailansicht aus „Die Schule von Athen“, Raphael Santi, 1510/1511, Stanzen des Vatikans, Rom

Anaximander (griech. Αναξίμανδρος, Anaximandros) (* um 610 v. Chr. in Milet; † 546 v. Chr. in Milet) war ein vorsokratischer griechischer Philosoph.

Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Apollodor von Athen zufolge lebte Anaximander um 610-546 v. Chr. in Milet. Es ist wahrscheinlich, dass er Thales gekannt und mit ihm in enger Gedankengemeinschaft gelebt hat, jedenfalls gilt er als Nachfolger und Schüler des Thales.

Für ihn steht dasselbe Grundproblem im Vordergrund wie für Thales, nämlich die Frage nach dem Wesen des Ursprungs allen Seins, der Arché (αρχή).

Anaximander gilt als der erste Systematiker und als erster Philosoph, der seine Philosophie niederschrieb. Zudem schrieb er als erster Grieche in Prosaform. Es ist jedoch nur ein Fragment seiner eigenen Worte überliefert.

Er war auch ein bedeutender Astronom und Astrophysiker und entwarf als erster eine rein physikalische Kosmogonie. Er gründete seine Überlegungen zur Entstehung des Weltganzen ausschließlich auf die Beobachtung und das rein rationale Denken. Als erster beschrieb er unsere Welt als einen Kosmos (κόσμος), der ein planvoll geordnetes Ganzes ist. Ebenfalls als erster zeichnete Anaximander eine geographische Karte mit der damals bekannten Verteilung von Land und Meer, wie er auch als erster eine Sphäre, einen Himmelsglobus konstruierte. Die Karte ist heute verschollen, wurde aber später durch Hekataios ausgewertet, von dessen Werk wiederum ein halbwegs konkretes, wenn auch real ungenaues Bild der Weltsicht überliefert ist.

Ein Schüler des Anaximander war Anaximenes.

Kosmologie und Kosmogonie

Anaximander sagte, bei der Entstehung des heutigen, geordneten Universums hätte sich aus dem Ewigen ein Wärme- und Kältezeugendes abgesondert, und daraus sei eine Feuerkugel um die die Erde umgebende Luft gewachsen, wie um einen Baum die Rinde.

Die Gestirne entstehen laut Anaximander durch die geplatzte Feuerkugel, indem das abgespaltene Feuer von Luft eingeschlossen werde. An ihnen befänden sich gewisse röhrenartige Durchgänge als Ausblasestellen; sie seien dort als Gestirne sichtbar. In gleicher Weise entstünden auch die Finsternisse, nämlich durch Verriegelung der Ausblasestellen.

Das Meer sei ein Überrest des ursprünglich Feuchten. „Ursprünglich war die ganze Oberfläche der Erde feucht gewesen. Wie sie aber dann von der Sonne ausgetrocknet wurde, verdunstete allmählich der eine Teil. Es entstanden dadurch die Winde und die Wenden von Sonne und Mond, aus dem übrigen Teil hingegen das Meer. Daher würde es durch Austrocknung immer weniger Wasser haben, und schließlich würde es allmählich ganz trocken werden“ (Aristoteles über Anaximander). Aus einem Teil dieses Feuchten, das durch die Sonne verdampfe, entstünden die Winde, indem die feinsten Ausdünstungen der Luft sich ausscheiden und, wenn sie sich sammelten, in Bewegung gerieten. Auch die Sonnen- und Mondwenden geschähen, weil diese eben, jener Dämpfe und Ausdünstungen wegen, ihre Wenden vollführten, indem sie sich solchen Orten zuwendeten, wo ihnen die Zufuhr dieser Ausdünstung gewährleistet sei.

Bild:Anaximander world map-de.svg
Die Welt für Anaximander

Die Erde sei das, was vom ursprünglich Feuchten an den hohlen Stellen der Erde übrig geblieben sei. Anaximander meinte, die Erde sei schwebend, von nichts überwältigt und in Beharrung ruhend infolge ihres gleichen Abstandes von allen Himmelskreisen. Ihre Gestalt sei rund, gewölbt, einem Zylinder ähnelnd gleich einem steinernen Säulensegment. Wir stünden auf der einen ihrer Grundflächen; die andere sei dieser entgegengesetzt. Regengüsse bildeten sich aus der Ausdünstung, welche infolge der Sonnenstrahlung aus der Erde hervorgerufen werde. Blitze entstünden, indem der Wind sich in die Wolken hineinstürze und sie auseinander schlage.

Seiner Auffassung nach sind die Lebewesen aus dem Feuchten durch die Wärme der Sonne entstanden, indem sie von der Sonne ihrer Feuchtigkeit beraubt wurden. Die Menschen seien ursprünglich aus Fischen bzw. fischartigen Lebewesen entstanden; im Innern dieser Lebewesen seien sie ernährt worden, und erst, nachdem sie die Fähigkeit erworben hätten, sich selbst zu helfen, seien sie aus ihnen herausgeschlüpft und an Land gegangen.

Ursprung bzw. Arché

Ursprung oder Anfang und Element sei das Unbeschränkte, das Unbegrenzte; er bestimmte es nicht als Luft oder Wasser oder etwas Ähnliches, es sei eine gewisse Natur. Diese sei immerwährend und bereit, alle Dinge zu lenken. Und die Teile verwandelten sich, das All jedoch sei unverwandelbar. Das Ápeiron (άπειρον, „das Unendliche“) sei das Allumfassende und schließe alles in sich ein. Er bezeichnete es als das Prinzip der seienden Dinge, und aus diesem seien die Welten und die darin befindliche Ordnung entstanden. Denn aus diesem entstehe alles und zu diesem vergehe alles, weshalb auch unbeschränkt viele Welten produziert würden und wieder vergingen zu jenem, aus dem sie entstünden. Er sprach von Zeit, weil das Entstehen, Dasein und Vergehen genau abgegrenzt seien. Er wies also das Unbeschränkte sowohl als Ursprung wie auch als Element der seienden Dinge aus. Die Bewegung sei ewig, und eben deshalb entstünden bei dieser Bewegung die Welten. Entstehen und Vergehen würden nur dann nicht nachlassen, wenn dasjenige, von dem das Entstehende abgetrennt wird, unbeschränkt sei.

Der einzig erhaltene Satz des Anaximanders lautet (nach Diels und Kranz):

„Anfang und Ursprung der seienden Dinge ist das Apeiron (das grenzenlos-Unbestimmbare). Woraus aber das Werden ist den seienden Dingen, in das hinein geschieht auch ihr Vergehen nach der Schuldigkeit; denn sie zahlen einander gerechte Strafe und Buße für ihre Ungerechtigkeit nach der Zeit Anordnung.“

Der gesamte Satz scheint sich auf die Notwendigkeit des Entstehens (des Werdens) und des Vergehens (des Verfalls) zu beziehen. Er muss sich auf die ununterbrochene Veränderung von einander entgegengestellten Formen oder Kräften beziehen, der Grundgedanke muss also hier der Gedanke vom beständigen Austausch zwischen entgegengesetzten Substanzen sein. In der ganzen Naturwelt sind Bewegung und Veränderung eine Tatsache. Diese fasst Anaximander als Notwendigkeit auf, der alles Seiende unterliege. Was im Kosmos existiere, sei dem Wechsel und der Veränderung unterworfen; das eine nehme den Platz des anderen ein, dem Leben folge der Tod und umgekehrt.

Seelenkonzeption

Anaximander hielt die Seele für luftartig. Der Vorstellung von der Seele als Aer lag offenbar die Verbindung mit dem Leben bzw. dem Ein- und Ausatmen zugrunde.

Ob er zwischen dem Lebensprinzip bzw. der Atemseele des Menschen und anderer Lebewesen und in der Natur zerstreuten Anima unterschieden hat, ist unklar.

Wie sich Anaximanders Auffassung von Apeiron und Kosmos zu seiner Vorstellung von der Seele verhielt, ob es zwischen ihnen überhaupt eine Beziehung gab, ist ungewiss. Da Anaximander die Seele für luftartig hielt, vermuten manche, dass er der Seele Unsterblichkeit zugesprach. Ob er an eine Beseelung des Kosmos, ferner an eine Allbeseelung, ähnlich wie sie sich Thales vermutlich vorgestellt hatte, und darüber hinaus an die Unsterblichkeit individueller Seelen dachte, bleibt dahingestellt. Unsterblich ist ihm zufolge das Apeiron, wobei er auch für die Elementarkräfte nur Wechsel und keinen eigentlichen Tod angenommen zu haben scheint. In seiner dynamischen Weltanschauung, derzufolge alle Seienden und ihre Ordnung in ständigem Wandel begriffen sind, scheint das Vergehen einen Moment des Wandels darzustellen, worauf unmittelbar das Entstehen folge. Anaximander gründete die Kontinuität alles Seienden auf die Notwendigkeit von Entstehen und Vergehen und machte die Zeit zu der Kraft, die die Ausgewogenheit zwischen Entstehen und Vergehen garantiere. Im Wandel des Seienden seien Leben und Tod äquivalent.

Literatur

  • Couprie, D.L., R. Hahn, and G. Naddaf, Anaximander in Context. Albany (New York U.P.) 2003
  • Christof Rapp, Die Vorsokratiker, München (Beck) 1997 ISBN 3-406-38938-4

Weblinks

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