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Alltag
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Alltag ist umgangssprachlich der Gegensatz zu Fest- oder Feiertagen oder sonstigen, außergewöhnlichen Zeiten. Der Begriff wird in zahlreichen Zusammensetzungen gebraucht, mit denen man das nicht Besondere, nicht Eigentümliche betonen will.
Alltag sind somit die gewöhnlichen Arbeitstage, Werktage oder Wochentage. Unter „Alltag“ versteht man auch allgemein routinemäßig ablaufende Zeitzyklen, also ein Tag (morgens aufstehen...), eine Woche (Wochenende frei), ein Monat (z. B. Vereinstreffen), oder sogar ein Jahr (im Sommer Urlaub). Meist wird der Alltag in den Industrieländern für arbeitende Erwachsene durch sich wiederholende Muster von Arbeit, Konsum (Einkauf und Essen), Freizeit und Schlaf geprägt, deren Ablauf grob vorhersehbar ist. Alltag kann sich durch Monotonie, Langeweile, Angst, oder auch Zufriedenheit und Glück auszeichnen, je nachdem welche Person nach ihrem Alltag befragt wird und in welchem sozialen und kulturellen Milieu / Umfeld / Umwelt diese lebt.
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Kulturspezifische Sichtweisen
Im Kulturkreis, der durch das Christentum geprägt ist, stellt der Alltag einen theologisch fundamentalen Gegensatz zum Sonntag dar. Dieser ist nach christlicher Auffassung durch das Dritte Gebot geheiligt, um sich Gott neu bewusst zu machen. Im Judentum steht der Alltag im Gegensatz zum Sabbat (Freitag- bis Samstag-Abend), im Islam zum Freitag. Dazu treten (z. B. in der Bundesrepublik Deutschland) die staatlichen (und kirchlichen) Feiertage, an denen für die Allgemeinheit arbeitsfrei ist, wie der Maifeiertag und die Feste Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und Weihnachten. Im Buddhismus ist jeder Wochentag Alltag, nur an besonderen Feiertagen, wie Asalha Puja, kann man von einer Unterbrechung des Alltags-Rhythmus sprechen.
Soziologische Betrachtung
Viele Soziologen, unter ihnen die Franzosen Henri Lefebvre, Roland Barthes und andere haben sich mit der Untersuchung der Alltagskultur der Menschen befasst. Pierre Bourdieus soziologische Forschungen, zumeist im Alltagsleben verwurzelt, waren vorwiegend empirisch orientiert und können der Kultursoziologie zugeordnet werden. Anknüpfend an den Strukturalismus versuchte Bourdieu, subjektive Faktoren mit objektiven Gegebenheiten zu verbinden. Die Kulturtheorie Bourdieus vergleicht Interaktionen des Alltagslebens mit einem Spiel. Die Individuen besitzen unterschiedlich viele Potentiale verschiedener Art, die sie einsetzen und teilweise transformieren können. Er wies - alltägliche Beobachtungen einbringend - nach, dass Feinheiten der Sprache wie Akzent, Grammatik, Aussprache und Stil einen wesentlichen Faktor in der sozialen Mobilität (z. B. beim Erwerb eines besser bezahlten und höherbewerteten Berufs) darstellen.
Giddens Hauptaugenmerk liegt darauf, wie Handeln sich über Raum und Zeit erstrecken kann, und untersucht dazu den Bereich des unbewusst gesteuerten Alltagshandelns. Hägerstrand analysiert Punkte in Raum und Zeit. Erving Goffmans Untersuchungen über Verhaltensmuster, Interaktionsrituale, Rollendistanz sowie persönliche Selbstdarstellung im Alltag haben neuere soziologische Ansätze wesentlich beeinflusst. Die Kostitutionsanalyse bei Alfred Schütz ermöglicht eine personale (subjektive) Idealtypus-Konstruktion, die durch den Vergleich mit alltäglichen sozialweltlichen Situationselementen das Verstehen von Handeln ermöglicht (und sei es durch post-hoc-Erklärungen).
Garfinkel ist Begründer der Ethnomethodologie, in der er z. T. das methodische Programm von Alfred Schütz empirisch angewandt hat. Dieser beschäftigte sich mit Fragen, wie Menschen in soziologischen Strukturen der Alltagswelt wechselseitig orientiert handeln und nach dem selbstverständlich scheinenden Alltagswissen handeln. Der Beitrag von Garfinkel besteht vor allem darin, selbstverständlich und vertraut erscheinendes Verhalten im Detail untersuchbar und soziologischer Forschung zugänglich zu machen. Zerubavel erfasste den beispielhaften Alltag in Krankenhäusern. de Certeaus bekanntestes und einflussreichstes Werk ist die Kunst des Handelns (Berlin (Merve) 1988), eine soziologische Theorie des Alltagslebens und des Verbraucherverhaltens.
Philosophische Betrachtung
Im Rahmen ethischer Betrachtung sind die sogenannten bürgerlichen Tugenden - Ordnungsliebe, Fleiss, Sparsamkeit, Reinlichkeit und Pünktlichkeit - auf die praktische Bewältigung des Alltags gerichtet. Sie stehen dabei im Gegensatz zu den sonstigen oftmals an Idealen orientierten Tugenden (vgl. Otto Friedrich Bollnow, Vom Wesen und Wandel der Tugenden, S. 31 ff.).
Literatur
- Monahan, Torin, ed. (2006), Surveillance and Security: Technological Politics and Power in Everyday Life. New York: Routledge: ISBN 0-415-95393-6
- Pierre Bourdieu: Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft. (französ. 1993), Konstanz 1997. ISBN 3-87940-568-9, - cultural studies zum Neoliberalismus
- Michel de Certeau: Kunst des Handelns. Berlin Merve, 1988
- Henri Lefebvre: Kritik des Alltagslebens : Grundrisse e. Soziologie d. Alltäglichkeit. mit e. Vorw. zur dt. Ausgabe, Taschenbuchausgabe, Frankfurt am Main: Fischer 1987
- Astrid Nunn: Alltag im alten Orient . Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2006 (Antike Welt, Sonderheft; Zaberns Bildbände zur Archäologie) ISBN 3-8053-3654-3.
- Dorothy Smith: The Everyday World as Problematic. A Feminist Sociology. Toronto: University of Toronto Press 1987
- Laurence Wylie: Dorf in der Vaucluse. Der Alltag einer französischen Gemeinde, Taschenbuchausgabe, Frankfurt am Main: Fischer 1978
- Hans-Georg Soeffner: Auslegung des Alltags - der Alltag der Auslegung. Taschenbuchausgabe, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1989
- Peter Schneider: Alltag und Exotik. Nexus Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3923301294
Dokumentarfilme
- Farrebique, Regie: Georges Rouquier, Frankreich 1946 - Alltag einer französischen Bauernfamilie
Weblinks
Siehe auch
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