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Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch
Aus Kefk.
| Basisdaten | |
|---|---|
| Titel: | Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch |
| Abkürzung: | ABGB |
| Art: | Bundesgesetz |
| Geltungsbereich: | Österreich |
| Rechtsmaterie: | Privatrecht |
| Datum des Gesetzes: | 1. Juni 1811 (JGS Nr. 946/1811) |
| Inkrafttreten am: | 1. Januar 1812 |
| Letzte Änderung durch: | BGBl. I Nr. 113/2006 |
| Inkrafttreten der letzten Änderung: 1) | 1. Januar 2007 |
| 1) Bitte beachten Sie den Hinweis zur geltenden Gesetzesfassung! | |
Das Allgemeine bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) ist die 1812 in Kraft getretene und auch heute noch geltende wichtigste Kodifikation des Zivilrechts in Österreich und ist damit auch das älteste gültige kodifizierte Gesetzesbuch des deutschen Rechtsraumes.
Inhaltsverzeichnis |
Entwicklung
Das ABGB wurde als kaiserliches Patent (Gesetz) am 1. Juni 1811 kundgemacht und trat mit 1. Januar 1812 in den Deutschen Erbländern der Monarchie in Kraft. Die Ausdehnung des Geltungsbereiches auf die gesamte Habsburgermonarchie, also insbesondere auch auf Ungarn, blieb Episode (1852-1861).
Der Zerfall der Monarchie hatte zunächst keine Auswirkungen auf den Geltungsbereich des ABGB, sondern es bestand in den Nachfolgestaaten im bisherigen Umfang fort, teilweise wurde das Geltungsgebiet sogar ausgedehnt, so insbesondere 1922 auf das bis dahin ungarische Burgenland, das in jenem Jahr an die Republik Österreich kam, nicht jedoch auf die Slowakei, wo das ungarische Zivilrecht in Kraft blieb. Erst die sozialistischen Gesetzbücher der Tschechoslowakei (1951) und von Polen (1965) beendeten die dortige Geltung des ABGB, sodass es heute nur mehr in der Republik Österreich (sowie im Fürstentum Liechtenstein) gilt; in Kroatien ist es noch heute subsidiäre Rechtsquelle.
In den Text des ABGB wurde in den ersten hundert Jahren kaum eingegriffen, erst die drei Teilnovellen zum ABGB von 1914, 1915 und 1916 brachten massive Veränderungen und insbesondere eine Anpassung an das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch von 1896. Weitgehende Reformen erfolgten dann erst wieder in den Siebziger Jahren (besonders im Familienrecht). Große Teile des österreichischen Privatrechts sind allerdings mittlerweile außerhalb des ABGB in eigenen Gesetzen geregelt, so etwa das Ehegesetz, das Mietrechtsgesetz oder das Konsumentenschutzgesetz.
Zur Zeit wird an einer Novellierung des Schadenersatzrechtes gearbeitet. Dennoch ist es nach wie vor die Grundlage des österreichischen Zivilrechtssystems und damit neben dem französischen Code Civil die älteste noch in Kraft stehende, von vernunftrechtlichen Gedanken geprägte Zivilrechtskodifikation.
Einteilung des ABGB
Die Einteilung folgt dem Institutionensystem:
- Einleitung: Von den bürgerlichen Gesetzen überhaupt (Allgemeiner Teil)
- 1. Teil: Von dem Personenrechte (Personenrecht, vgl. Allgemeiner Teil; Familienrecht)
- 2. Teil: Von dem Sachenrechte (Sachenrecht; Erbrecht; Schuldrecht)
- 3. Teil: Von den gemeinschaftlichen Bestimmungen der Personen- und Sachenrechte (vgl. Allgemeiner Teil)
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Das ABGB begreift unter „Sachenrecht“ das Sachenrecht im heutigen Sinn, das Erbrecht und das Schuldrecht. Die österreichische Rechtswissenschaft sieht diese Einteilung als historisch an und lehrt das Zivilrecht ungeachtet dessen nach dem Pandektensystem.
Gesetzestext
Den Gesetzestext zum ABGB (und zum gesamten geltenden österreichischen Bundesrecht) findet man im Rechtsinformationssystem (siehe Weblinks) des Bundeskanzleramtes.
Soweit die Bestimmungen noch in der Urfassung aus 1811 bestehen (etwa drei Viertel), gilt es, den historischen Sprachgebrauch bei der Interpretation zu beachten (z. B. „Genugtuung“ = Schadenersatz).
Durch den Umstand, dass viele Bestimmungen des ABGB noch aus der Urfassung stammen, kommt und kam Kommentaren zum ABGB eine große Bedeutung zu. Den ersten Kommentar zum ABGB schrieb Franz von Zeiller selbst. Des Weiteren sind die Kommentare von Stubenrauch, Klang, Schwimann, Rummel zu nennen, die zu jeder Zeit großen Einfluss auf die österreichische zivilrechtliche Rechtsprechung hatten.
Ausstrahlung
Das ABGB wurde vielfach rezipiert, so z. B. in Sachsen (bis 1900) in Liechtenstein, der Türkei (die allerdings unter Atatürk das schweizerische Zivilgesetzbuch und Obligationenrecht übernahm), der Tschechoslowakei, Slowenien, Kroatien und Rumänien.
Literaturhinweise zur Vertiefung
- Klein-Bruckschwaiger, 150 Jahre österreichisches ABGB, in: Juristenzeitung (JZ) 23-24/1963, S. 739-742;
- Fijal/Ellerbrock, Das Österreichische ABGB vom 1.6.1811 - ein Jubiläum besonderer Art, in: Juristische Schulung (JuS) 7/1988, S. 519-523;
- Brauneder, Das österreichische ABGB als neuständische Zivilrechtskodifikation, in: G. Klingenberg/J.M. Rainer/H. Stiegler (Hrsg.), Vestigia Iuris Romani. Festschrift für Gunter Wesener, Graz 1992, S. 67-80
- Cordes/Lück/Werkmüller/Schmidt-Wiegand (Hrsg.), Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte (HRG), 2. Auflage ab 2004, ISBN 3503079122
Weblinks
- Rechtsinformationssystem des österreichischen Bundeskanzleramtes
- Suchsystem für österreichisches Bundesrecht (Das ABGB findet man durch Suche nach dem Kurztitel ABGB.)
- Das ABGB im Verlag Manz (Slideshow mit Ausgaben des ABGB 1906 - 2003)
- Klang Kommentar zum ABGB
- Schwimann Kommentar zum ABGB
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