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Alles nichts oder?!
Aus Kefk.
Alles Nichts Oder?! war eine Comedy(spiel)show und erster Erfolg des damals noch jungen Kölner Privatfernsehsenders RTL. Die Moderatoren Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder waren mit dieser Sendung sehr erfolgreich, obwohl sie zu Beginn noch mit kleinem Budget und minimaler Ausstattung arbeiten mussten. Die Show wurde von 1988 bis 1992 von RTL produziert und gesendet.
Die beiden Erfinder der Sendung Hugo Egon Balder und Jacky Dreksler wollten mit dem ungewöhnlichen Sendungstitel die ARD-Quizsendung Alles oder nichts (mit Max Schautzer) verballhornen. Balder und Dreksler hatten den Titel schon 1983 für eine Kabarettsendung, in der beide auftraten, verwendet, die vom Hessischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Wiederholungen der Sendungen liefen in den 1990er-Jahren auf Super RTL, allerdings wurden einzelne Szenen, sowie der Abspann oft geschnitten.
Konzept
Grundidee der Sendung ist ein "Kindergeburtstag" für Erwachsene. In jeder Sendung war ein prominenter Gast zu Besuch, der an wahnwitzigen, albernen und oft absichtlich "schwachsinnigen" Spielen teilnehmen musste. Beide Moderatoren mussten sich gegen den jeweiligen Gast in verschiedenen Spielen behaupten. Nach einem verlorenen Spiel gab es eine Torte für den Gast, nach einem gewonnenen Spiel eine Torte für Hella und Hugo. Nach meist 6-8 Spielen gewann derjenige, der die wenigsten Torten für sich bestimmen konnte. Meist verloren die Gastgeber, die dann am Ende die Köpfe durch eine Pappwand mit zwei Löchern stecken mussten, um dann die Torten von ausgewählten Personen aus dem Publikum ins Gesicht geworfen zu bekommen.
Gäste, die Torten ins Gesicht bekamen, waren unter anderem Harald Schmidt, Jürgen von der Lippe, Rex Gildo, sowie Klaus & Klaus. Bei Harald Schmidt und Klaus & Klaus war dies jedoch von Anfang an als Gag geplant.
Populär wurde die Sendung unter anderem wegen regelmäßig auftretender verbaler Schlagabtausche zwischen von Sinnen und Balder. Aufsehen erregten die künstlerisch aufwendigen Kostüme Hella von Sinnens, die von Kölner Kunststudenten entworfen wurden.
Die Torten wurden stets von Tortengirl Regine herein getragen, die wie Hella oft abenteuerliche Kostüme trug. Die Torten selbst waren nicht echt, sondern aus Lebensmittelfarbe und Rasierschaum konstruiert.
Vieles an der Sendung war improvisiert. Insbesondere die Anfangssequenz, in der Hella und Hugo debattierten, war nie abgesprochen.
Gäste
Gäste der Sendung waren u. a.:
Spiele
In der Sendung mussten die Gäste einige wenige Aufgaben erledigen, um zu gewinnen. Einige der Spiele wurden immer wieder gespielt, andere seltener oder nur einmal.
Einige Spiele waren speziell für den jeweiligen Gast entwickelt worden. War der Gast Sänger, so musste er oft im Rahmen eines Spieles, während er eines seiner Lieder vortrug. eine bestimmte Aufgabe lösen. Am Ende stand immer ein Finalspiel, das sich von Staffel zu Staffel änderte (siehe Spiel Spiel, Puppenhaus).
Regelmäßige Spiele waren:
Zungenbrecher
Das Spiel Zungenbrecher wurde vom Anfang bis ganz zum Schluss der Sendereihe gespielt. Der Gast musste einen Zungenbrecher dreimal möglichst fehlerfrei aufsagen. Das Konzept wurde später variiert, so dass der Gast einen Tischtennisball in den Mund nehmen und so einen Zungenbrecher Hugo oder Hella sagen musste. Erkannten sie den Satz nicht, gab es einen Punkt. Erkannten sie ihn, konnte der Punkt zurückgewonnen werden, indem der Gast den Ball in eine Tonne spuckte. Falls es sich um ein Gästepaar handelte (z. B. Klaus & Klaus), mussten diese sich gegenseitig die Zungenbrecher erzählen und erkennen. Anfangs wurden noch geläufige Zungenbrecher verwendet, doch sehr schnell wurden eigene für die Sendung erfunden, am bekanntesten ist sicherlich "Wachsmaske -- Meßwechsel, Meßwechsel -- Wachsmaske".
Pantomime
Sehr häufig mussten in Spielen Begriffe pantomimisch dargestellt und vom Publikum oder Partner erraten werden. Regelmäßig wurde ein Pantomimespiel meist am Anfang der Sendung gespielt. Hugo bediente dabei immer einen symbolisierten Gong (irgendein Gegenstand, der in einem Rahmen hing und von der Regie aus ein Toneffekt ausgelöst wurde), während Hella dem Gast die Begriffe reichte. In den ersten Sendungen war vom Publikum aus versehentlich ein Kontrollmonitor zu sehen, auf dem das aktuelle Fernsehbild eingeblendet war. Dadurch konnten diese die Begriffe eingeblendet sehen. In späteren Sendungen wurde diese Möglichkeit entfernt.
Schüttelreim
Bei diesem relativ einfachen Spiel mussten Schüttelreime vervollständigt werden. Hella oder Hugo trugen den Reim vor, die letzten beiden Wörter musste der Gast daraus herleiten.
Märchen
Ein sehr hübsches Spiel war das Erraten von Märchen, welche von Hella und Hugo vorgetragen wurden. Klaus De Rotwinkel hat hierbei bekannte Märchen der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen und anderen perfekt satirisch und in Reimform umgesetzt. Viele davon sind im Buch zur Show enthalten. In den späteren Staffeln wurde leider die lange Reimform der Gedichte zugunsten kürzeren Vorträgen als Limericks aufgegeben.
Vahne forn
Bei diesem Spiel mussten die Gäste Länder erraten, die durch witzige Comicbilder in Form von Fahnen stilisiert waren. Zum Beispiel zeigt eines der Bilder Frank Elstner, wie er im Geld schwimmt. Das gesuchte Land ist also Frank + ist reich = Frankreich. Dieses Spiel wurde später ebenfalls in abgewandelter Form weiter gespielt. Viele der Bilder stammen auch hier von Klaus De Rotwinkel.
Welches Tier versteckt sich hier
Es wurden Gegenstände ins Studio gebracht oder Szenen dargestellt. Dabei musste erraten werden, welcher Tiername hierbei repräsentiert wird. Später wurde das Spielprinzip auf alle möglichen Themengebiete erweitert. Dieses Spiel war im Prinzip eine Variante von Vahne forn. Beispiel: Es sollten berühmte Buchtitel erraten werden.
- Eine Frau bringt eine rote Rose herein, an der ein großes Namensschild hängt. Buchtitel: "Der Name der Rose"
- Eine Biberpuppe mit Schlitzaugen und chinesischem Hut wird herein gefahren. Buchtitel: "Die Bibel"
Witz nacherzählen
In diesem Spiel sammelten Hugo oder Hella zunächst wahllos Begriffe im Publikum und schrieben diese auf Blätter. Danach erzählte der Gast einen (längeren) Witz und die Zeit dafür wurde gestoppt. Hella oder Hugo mussten diesen Witz dann nacherzählen, dabei aber die Begriffe sinnvoll einbauen, die ihnen zufällig hingehalten wurden. Schafften sie es nicht, den Witz in der vorgegebenen Zeit nachzuerzählen, gewann der Gast. Dieses Spiel wurde mehrfach abgewandelt. Anfangs erzählten Hugo oder Hella den Witz, doch seit Alfred Biolek, der darauf bestand, seinen eigenen Witz zu erzählen, übernahm dies der Gast. Auch das Hinhalten der Begriffe übernahmen zeitweise Hugo, Hella oder der Gast und die anfänglich 30 Sekunden mehr für das Nacherzählen wurden gestrichen.
Schwamf
Hella oder Hugo gaben mehrere Sätze vor, die der Gast sinngemäß vervollständigen musste. Dabei musste man aber den ersten Satz mit Schwamf und alle weiteren Sätze mit der Antwort des jeweils vorhergehenden Satzes ergänzen. Man musste sich also die eigentlich richtige Antwort merken für den nächsten Satz und als Antwort die richtige Antwort des vorhergehenden Satzes sagen. Einige Gäste, insbesondere Joy Flemming hatten mit diesem Spielkonzept Probleme.
Koffer Packen
Es wurde im Wesentlichen das Spiel Koffer Packen gespielt, jedoch mussten alle Dinge, die eingepackt wurden zusätzlich pantomimisch dargestellt werden. Es gewannen entweder Hella und Hugo, sobald der Gast sich vertat, oder der Gast, wenn einer der Moderatoren einen Fehler machte. Running Gag dabei war, dass Hugo immer einen Kondomautomaten mitnahm und Hella sich darüber aufregte.
Fernseher / Anrufbeantworter
Hella und Hugo parodierten eine Fernsehsendung oder Werbespot, der Gast musste diese erraten. Später dann mussten Prominente anhand ihres (angeblichen) Anrufbeantworterspruches erraten werden, ebenfalls wieder satirisch von Hella und Hugo vorgetragen.
Telefonspiel
Das erste Finalspiel überhaupt. Eine Nummer wurde zufällig aus einem beliebigen Telefonbuch Deutschlands herausgesucht und der entsprechende Teilnehmer angerufen. In einer festgesetzten Zeit musste der Gast den Angerufenen von seiner Identität überzeugen. Das Spiel war gewonnen, wenn der Angerufene sinngemäß sagte: "Ja, ich glaube, dass Sie ... sind."
Riskant!
Dieses Spiel wurde in Anlehnung an die gleichnamige RTL-Spielshow Riskant! seit dem Besuch dessen Moderators Hans-Jürgen Bäumler öfters gespielt. Der Gast musste auf eine gegebene Antwort eine möglichst witzige Frage stellen. Hier entschied oft mehr die Originalität der Antwort über einen Punkt als die vorgegebene Lösung.
Reise nach Jerusalem
Die Reise nach Jerusalem wurde ebenfalls in den späteren Staffeln gespielt. Als Sitzgelegenheiten kamen Sitzsäcke zum Einsatz, bei denen Hella vielmals Probleme mit ihren Kostümen hatte. Gespielt wurde außer mit dem Gast und den Moderatoren mit mehreren Leuten aus dem Publikum. Der Gast gewann, wenn Hella und Hugo aus dem Spiel ausschieden.
Puppenhaus
Dieses war über lange Zeit das Endspiel. Der Gast musste in einer zweistöckigen individuell gestalteten Kulisse von Hella vorgetragene Anweisungen erfüllen. Hugo begleitete das Geschehen derweil am Klavier. Das Puppenhaus stellte jeweils ein (meist zum Gast) thematisch bezogenes Ambiente dar; z. B. war das Puppenhaus bei Uwe Friedrichsen wie die Sesamstraße dekoriert und Statisten waren wie bekannte Einwohner daraus kostümiert.
Der Gast musste nun schauspielerisch und zu den Anweisungen Hellas im Spielgeschehen mitwirken. Zusätzlich musste er sich Gegenstände merken und wiedererkennen, welches in verschiedenen Varianten geschah. Anfangs musste der Gast sich mehrere Gegenstände merken, die ihm während des Spiels dann in dreifacher Ausführung mit leichten Unterschieden präsentiert wurden. Es galt dann natürlich, den richtigen Gegenstand heraus zu fischen.
Später wurde das Merkkonzept umgedreht. Der Gast musste von Hella benannte Gegenstände aus dem Geschehen mitnehmen. Diese Gegenstände wurden in ein Regal einsortiert, welches als eine große Eiswaffel dekoriert war. Nun hatte der Gast Zeit, sich die Position der Gegenstände in der Waffel einzuprägen. Danach wurde die Waffel gedreht und der Gast sah sie nun von der anderen Seite, wo die Fächer mit Tüchern bedeckt waren. Hugo spielte nun wieder Klavier und Hella sang in Reimform auf, welche Gegenstände aus der Waffel geholt werden mussten. Schwierig war dies vor allem, da durch die Drehung der Waffel nun rechts und links vertauscht waren.
Der Spielteil mit dem Sicheinprägen von Gegenständen in der Eiswaffel wurde bereits in der ersten Staffel separat verwendet und für das Puppenhaus später reanimiert. Doch in den letzten Sendungen mit dem Puppenhaus wurde der Einprägeteil ganz weggelassen und es mussten nur noch spezielle Aufgaben erfüllt werden, was dann im Spiel-Spiel fortgeführt wurde.
In der Zeit des Einprägens präsentierte sich Hella von Sinnen meist mit einer Rede an die Nation - einer Art privatem Forum - und tänzelnden Bewegungen, dem sogenannten Tschaka Tschaka an ihr Publikum. Als der Einprägeteil wegfiel, präsentierte sie dies bei jeder sich bietender Gelegenheit. Meist war Hugo in irgendeiner Form mit involviert.
Das Spiel-Spiel
In der letzten Staffel musste der Gast gegen Hella oder Hugo in einem großen Würfelspiel gewinnen. Der jeweils andere Ko-Moderator stellte je nach Würfelergebnis Aufgaben oder Fragen. Das Spiel erinnerte an eine Mischung aus Mensch ärgere dich nicht und Monopoly mit Aktionsaufgaben. Später wurde diese Idee in der Sat.1-Sendung Promi ärgere Dich nicht - wieder mit dem Moderationsduo Hella&Hugo - als eigenes Showkonzept neu aufgelegt.
Der Name "Spiel-Spiel" reflektierte auf den "Film Film", des Konkurrenzsenders Sat1, welcher für den großen Freitagabendfilm diesen eigentümlichen Namen wählte.
Kommando Trommele
Gegen Ende der Showserie wurde dieses Spiel häufig gespielt. Beim Kommando Trommele (auch bekannt als Alle Vögel fliegen hoch) spielte Hugo und der Gast gegeneinander, unterstützt mit jeweils zwei Leuten aus dem Publikum. Hella war immer die Spielleiterin und gab Tiere oder Gegenstände vor, die angeblich hochfliegen. Die Mitspieler, die sich verkehrt entschieden, schieden aus dem Spiel aus. Verloren hatte das Team, welches keine aktiven Mitspieler mehr besaß. Das eigentliche Highlight dieses Spiels waren dabei immer die Debatten zwischen Hugo und Hella, ob etwas fliegen könne oder nicht. Siehe auch Pfänderspiel.
Produktionsteam
Regie: Rainer Bertram, Klaudi Fröhlich
Produzent: Winni Gahlen
Autoren: Jacky Dreksler, Klaus de Rottwinkel
Literatur
- Klaus De Rotwinkel, Hella von Sinnen & Hugo Egon Balder in Alles Nichts Oder - Das Buch zur Torte zur Show, ISBN 3-922969-87-9
Sonstiges
- Es existiert ebenfalls eine Schallplatte, auf welcher die Gesangseinlagen der geladen Sänger enthalten sind: Der helle Wahnsinn - Die Platte zur Torte zur Show, LP 840 963-1
- Als Satire zu den Mainzelmännchen des ZDF wurden ab 1990 in der Werbepause oft die Heinzelmannen gesendet. Hierbei handelt es sich um kurze Clips, in den u. a. Klaus de Rotwinkel und Hannes Kopp Sketche vortrugen. Die nachfolgenden Jahresrückblicke wurden ebenfalls von ihnen präsentiert.
- Der Abspann enthielt in den späteren Staffeln eine Menge witzige Elemente und Anspielungen. Vielfach wurde die Stadt Bochum persifliert.
- In späteren Staffeln stand in der Kulisse eine lebensgroße Kuh-Figur, welche als Maskottchen deklariert wurde. Die Figur konnte mechanisch den Kopf bewegen und wurde thematisch zum Gast jedesmal neu dekoriert.
- In der letzten Folge moderierte Hella nicht in einem Kostüm, sondern in elegantem Anzug. Dafür hatte Hugo ein albernes Rentier-Kostüm an. Einer der prominenten Gäste war Frank Zander (zum zweiten Mal), der am Schluss der Sendung Nur nach Hause geh'n wir nicht sang, während Hella und Hugo gemeinsam durch den sich schließenden Vorhang schritten.
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