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Algier

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Algier
Bild:Algiers coast.jpg
Siegel Karte
Basisdaten
Staat Algerien
Provinz Algier
Koordinaten Koordinaten: 36° 46' N, 3° 03' O36° 46' N, 3° 03' O
Höhe 10 m ü. NN
Fläche 273 km² (Stadtgebiet)
865 km² (Provinz)
Einwohner 2.072.993 (Stadtgebiet)
3.311.976 (Provinz)
(1. Januar 2007)
Bevölkerungsdichte 7.593 Einwohner/km²
(Stadtgebiet)
3.829 Einwohner/km²
(Provinz)
Vorwahl 021
Postleitzahlen 16000-16132
Wali Mohamed Kebir Addou

Algier (arabisch مدينة الجزائر, Madīnat al-Dschazā'ir, französisch Alger) ist die Hauptstadt Algeriens. Sie ist die größte Stadt des Landes, Industriestadt, Verkehrsknotenpunkt und Kulturzentrum mit Universitäten, zahlreichen Instituten, Galerien und Museen.

Im städtischen Siedlungsgebiet leben 2.072.993 Menschen, in der gesamten Provinz sind es 3.311.976. In den letzten Jahrzehnten hat sich ein größerer Vorortgürtel um die Stadt gebildet. Die Agglomeration hat 5.937.183 Einwohner (Stand 1. Januar 2007). Algier heißt neben der Provinz eigentlich nur die Gemeinde (etwa 150.000 Einwohner), die das Stadtzentrum umfasst.

Das Bild der älteren Viertel von Algier wird von der Kasbah, einer Burg aus dem 16. Jahrhundert, der Großen Moschee aus dem 11. Jahrhundert und der 1660 errichteten Moschee sowie von Bauten aus der französischen Kolonialzeit (1830-1962) geprägt. 1992 wurde die Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Bild:Algiersnasa.jpg
Satellitenbild von Algier

Algier liegt durchschnittlich zehn Meter über dem Meeresspiegel in der gleichnamigen Provinz im westlichen Teil einer Bucht des Mittelmeeres, an den Berghängen des algerischen Sahel (Sahel algérois), einem Ausläufer des Atlas-Gebirges.

Hinter dem nur schmalen, buchtenreichen Saum der Mittelmeerküste erhebt sich der steil ansteigende Tellatlas mit der algerischen Hauptstadt. Der durch Becken, Längs- und Quertäler gegliederte Gebirgszug erreicht östlich von Algier in der wildzerschluchteten Kabylei 2.308 Meter Höhe. Auf seiner Südseite fällt der Tellatlas zum Hochland der Schotts (391 Meter bis weit über 1.000 Meter über dem Meeresspiegel) ab, das im Inneren zahlreiche abflusslose, versumpfte Salzseen, die sogenannten Schotts, aufweist.

Die meist kurzen Dauerflüsse in der Küstenregion können sich durch heftige Regenfälle in reißende Ströme verwandeln. In der Umgebung von Algier, an der ausreichend beregneten Nordseite des Tellatlas, wachsen mediterrane Sträucher wie Macchie, Aleppo-Kiefern, Korkeichen und Steineichen sowie (über 1.600 Meter) Zedern; in der Kabylei gibt es noch zusammenhängende Waldgebiete.

Die Provinz hat eine Fläche von 865 Quadratkilometer. Davon gehören 273 Quadratkilometer (32 Prozent) zur eigentlichen Stadt (dem geographischen Stadtgebiet), 592 Quadratkilometer (68 Prozent) bestehen aus Vorstädten und Gebieten mit ländlicher Siedlungsstruktur. Das städtische Siedlungsgebiet hat eine Ausdehnung von etwa 30 Kilometer.

Geologie

Bild:Atlas Mountains tectonic plates.png
Tektonischer Grenzverlauf im Atlasgebirge. Die eurasische Platte im Norden und die afrikanische Platte im Süden.

Die algerische Hauptstadt Algier liegt in einer durch Erdbeben gefährdeten Zone. Das Atlasgebirge bildet plattentektonisch betrachtet die Grenze zwischen der Eurasischen Platte im Norden und der Afrikanischen Platte im Süden. Wenn diese beiden Platten aneinander reiben, kann es zu Erdbeben kommen. Die Aufzeichnungen von starken Erdbeben in der Region um die Hauptstadt Algier reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück.

Am 2. Januar 1365 und 10. März 1673 erschütterten schwere Erdbeben Algier. Bei einem Beben am 3. Februar 1716 starben in der Region um Algier rund 20.000 Menschen. Ein Erdbeben in der südwestlich der Hauptstadt liegenden Stadt Blida forderte am 2. März 1825 rund 7.000 Todesopfer. Die Stadt wurde dabei vollständig zerstört. Nur wenige Jahrzehnte später, am 2. Januar 1867, wurde Blida erneut von einem Erdbeben zerstört.

In der westlich der algerischen Hauptstadt liegenden Stadt Ech Cheliff starben bei einem Beben mit der Stärke 7,3 auf der Richterskala am 10. Oktober 1980 etwa 5.000 Menschen. Ein Erdbeben der Stärke 6,8 forderte am 21. Mai 2003 in der östlich von Algier gelegenen Stadt Zemmouri rund 2.000 Todesopfer.

Stadtgliederung

Bild:Dairas.gif
Bezirke und Gemeinden von Algier

Die Provinz Algier (von der das geographische Stadtgebiet Algiers etwa ein Drittel einnimmt) gliedert sich in 13 Bezirke (Daïras) und 57 selbständige Gemeinden (Communes), wovon die Gemeinde Algier (etwa 150.000 Einwohner) eine ist.

  • Daïra de Sidi M'Hamed: Alger, Sidi M'Hamed, El Biar, El Madania, El Mouradia, Hamma-Anassers, Hydra
  • Daïra de Bab El Oued: Bab El-Oued, Casbah, Bologhine, Hammamet, Oued Koriche, Rais Hamidou
  • Daïra de Hussein Dey: Bourouba, El Magharia, Hussein Dey, Kouba
  • Daïra de Bouzareah: Ben Aknoun, Beni Messous, Bouzareah, Dely Brahim
  • Daïra de Bir Mourad: Raïs, Bir Mourad Raïs, Birkhadem, Gue de Constantine, Saoula
  • Daïra d'El Harrach: Bachdjerrah, El Harrach, Oued Smar, Mohammadia
  • Daïra de Dar El Beïda: Aïn Taya, Bab Ezzouar, Bordj El Bahri, Bordj El Kiffan, Dar El Beïda, El Marsa
  • Daïra de Cheraga: Aïn Benian, Cheraga, Ouled Fayet, El Achour
  • Daïra de Zeralda: Mahelma, Rahmania, Souidania, Staouali, Zeralda
  • Daïra de Draria: Baba Hassen, Douera, Draria, Khraïssia
  • Daïra de Birtouta: Birtouta, Ouled Chebel, Tessala El Merdja
  • Daïra de Baraki: Baraki, Les Eucalyptus, Sidi Moussa
  • Daïra de Rouiba: H'raoua, Reghaïa, Rouiba

Klima

Algier befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 18,2 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 691 Millimeter im Mittel.

Der wärmste Monat ist der August mit durchschnittlich 25,2 Grad Celsius, die kältesten Monate Januar und Februar mit 12,2 bis 12,6 Grad Celsius im Mittel.

Der meiste Niederschlag fällt im Januar und Dezember mit durchschnittlich 116 bis 117 Millimeter, der wenigste im Juli und August mit zwei bis vier Millimeter im Mittel.

Geschichte

Stadtgründung

Etwa um 1200 v. Chr. besiedelten die Phönizier das Gebiet der heutigen Stadt. Sie gründeten an der Bucht von Algier eine Handelsniederlassung und gaben ihr den Namen Icosim. Nach Beendigung der Punischen Kriege fiel die Siedlung 146 v. Chr. an das Römische Reich. Als Icosium gehörte sie zur römischen Provinz Africa proconsularis.

429 eroberten die Wandalen unter König Geiserich den Ort. Ab 533 war die Stadt Teil des Byzantinischen Reiches, bis sie im Jahre 681 von arabischen Streitkräften zerstört wurde. 950 gründete Buluggin ibn Ziri, Herrscher der Berberdynastie der Ziriden, an der Küste erneut eine Siedlung. Innerhalb der folgenden fünf Jahrhunderte wurde der Ort mehrmals von europäischen, arabischen und berberischen Truppen eingenommen, erlangte jedoch keine große überregionale Bedeutung.

Barbareskenstaat

Bild:Stoopendael Algiers 1680s.jpg
Algier 1680 auf einem Gemälde von Bastiaen Stoopendael (1637-1707)
Bild:Sm Bombardment of Algiers, August 1816-Luny.jpg
Bombardierung Algiers 1816 durch ein britisch-niederländisches Geschwader

Im 16. Jahrhundert, nach der Eroberung Granadas 1492 durch Königin Isabella I. von Kastilien und König Ferdinand II. von Aragón und der dann bald folgenden Unterdrückung der Muslime in Spanien, machten muslimische Korsaren, von denen viele aus Spanien geflohene Morisken waren, Algier, Tunis, Tripolis und Marokko zu ihrer Basis. Diese als Barbareskenstaaten (Barbaresken = Barbaren oder Berber) bezeichneten Gebiete führten von dort aus einen erbitterten Kampf gegen die christlichen Mittelmeermächte, insbesondere deren Schifffahrt und Küsten.

Der bekannteste Korsarenführer war Khair ad-Din Barbarossa. Nachdem er Algier erobert hatte, unterstellte er sich und sein Herrschaftsgebiet 1518 dem osmanischen Sultan, der auf diese Weise Oberherr von Nordafrika (mit Ausnahme Marokkos) wurde und eine schlagkräftige Flotte gewann. Algier war formal Provinz des Osmanischen Reichs und Sitz der Deys, der Statthalter des Sultans, wurde jedoch seit Mitte des 17. Jahrhunderts faktisch unabhängig. Die Bevölkerung der Stadt lebte überwiegend von der Piraterie.

Der Kriegszustand mit den abendländischen Staaten gab der Seeräuberei die formale Legitimation der im Krieg üblichen Kaperei. Die Versuche der europäischen Mächte, die Stadt zu erobern und der Piraterie Einhalt zu gebieten, scheiterten. 1541 schickte Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Spanien, seine Truppen gegen Algier. Er scheiterte genauso wie die Dänen im Jahre 1770 und Spanien mit seiner Armee 1775.

Auch ein britisch-niederländisches Geschwader gelang es 1816 nicht die Stadt unter dem Kommando von Edward Pellew zu erobern. Allerdings zwang die Streitmacht den Dey von Algier durch die Zerstörung seiner Flotte und ein Bombardement seiner Hauptstadt zur Freilassung der christlichen Sklaven.

Mit der Stärkung der christlichen Seefahrermächte, vor allem Großbritannien, Frankreich und die Niederlande, verlor die Kaperei gegen den christlichen Handel im Mittelmeer zunehmend an Bedeutung. Im 18. und 19. Jahrhundert nahm der kommerzielle Handel mit Europa, vor allem mit Frankreich, zu. Die Piraterie der Korsaren fand ihr Ende mit der Schlacht von Navarino am 20. Oktober 1827, als die Kriegsschiffe der mit dem Osmanischen Reich verbündeten Barbaresken zerstört wurden.

Französische Eroberung

Bild:Bombardementd alger-1830.jpg
Bombardement von Algier durch französische Streitkräfte 1830
Bild:Algiers CNE-v1-p58-J.jpg
Stadt und Hafen von Algier 1921

Am 29. April 1827 schlug der Dey von Algier, Hussain III., den französischen Konsul Pierre Deval bei einer Audienz mehrmals mit dem Fliegenwedel, nachdem der Konsul mit einer beleidigenden Bemerkung die Bitte des Deys, den Kredit, den er 1796 an Napoléon Bonaparte während des Italienfeldzuges gewährt hatte, zurückzuerstatten, abgelehnt hatte.

Für die in Frankreich regierenden Bourbonen war dies ein Anschlag auf die Ehre ihres Landes. Und so nahm der französische König Karl X. diesen Zwischenfall zum Anlass, dem Dey den Krieg zu erklären. Am 16. Juni 1827 begann eine dreijährige Blockade des Hafens von Algier.

In erster Linie war dieser Schritt durch die innenpolitische Lage in Frankreich bedingt, die den König zwang, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die real nicht mehr existierende Gefahr durch die nordafrikanischen Korsaren zu lenken.

Der entscheidende Militärschlag gegen Algier erfolgte erst 1830, als König Karl X. politisch am Ende war. Die Eroberung Algiers am 5. Juli 1830 konnte die Julirevolution in Frankreich nicht mehr aufhalten, aber in den folgenden Jahrzehnten wurde dieser militärische Erfolg als Maßnahme im Kampf gegen die islamische Bedrohung der christlichen Anrainer des Mittelmeers bezeichnet.

1830 wurde Algier Hauptstadt der französischen Kolonie und 1848 auch des Departements von Algier. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen viele Europäer, hauptsächlich französischen Ursprungs, in die Stadt. Diese zogen vorwiegend in die Vororte, während sich die lokale Bevölkerung eher in der Kasbah konzentrierte. Mehrere Wohnviertel für Europäer wurden errichtet, die heute noch das Bild der Stadt prägen, darunter auch der zwei Kilometer lange Boulevard im Hafenviertel.

Mit der Entwicklung der lokalen Wirtschaft nahm die Einwohnerzahl rasch zu. Bereits 1902 lebten in Algier rund 100.000 Menschen. Die Einwanderung machte Algier zu einer überwiegend von Europäern besiedelten Stadt. Nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) wuchs die muslimische Bevölkerung durch natürliche Zunahme und Landflucht erheblich.

Zweiter Weltkrieg

Bild:Torch-troops hit the beaches.jpg
Landung der Alliierten nahe Algier 1942
Bild:On the beach near Algiers.jpg
Landung der Alliierten nahe Algier 1942

Algerien gehörte im Zweiten Weltkrieg zum von Deutschland nicht besetzten Frankreich unter der Regierung von Henri Philippe Pétain (1856-1951). Am 7. November 1942 landeten US-amerikanische und britische Soldaten zusammen mit französischen Widerstandskämpfern im Rahmen der Operation Torch in Algier und weiteren Städten Nordafrikas.

Schon in den frühen Morgenstunden des 8. Novembers verhafteten 400 Kämpfer der Résistance, unterstützt von einem US-amerikanischen Vizekonsul, die Mehrzahl der Vichy-Militärs und zivilen Behördenchefs in Algier und nahmen Schlüsselstellungen inklusive der Telefonzentrale, der Radiostation, dem Gouverneurspalast, der Präfektur, dem Stabshauptquartier, dem Hauptquartier des 19. Korps der vichy-französischen Truppen und die Küstenartillerie von Sidi Ferruch ein.

Admiral François Darlan, Oberkommandierender der Vichy-Truppen, und weitere Offiziere wurden beim „Putsch vom 8. November 1942“ durch junge französische Patrioten der Résistance gefangen genommen, dann aber durch die Garde mobile wieder befreit. 15 Stunden hielten die schlechtausgerüsteten Résistancekämpfer den Angriffen der Vichy-Truppen stand, was die Einkreisung der Stadt durch die Alliierten ermöglichte.

Die US-amerikanischen und britischen Soldaten besetzten Algier noch am Abend des gleichen Tages ohne großen Widerstand und nahmen die Kapitulation von Darlan entgegen. Kämpfe fanden nur im Hafen von Algier statt, wo zwei britische Zerstörer versuchten, einige US-Soldaten direkt auf dem Dock abzusetzen, um die Soldaten der Vichy-Regierung davon abzuhalten, Hafeneinrichtungen zu zerstören und Schiffe zu versenken. Algier war bis zur Befreiung von Paris Hauptstadt des freien Frankreich.

Algerienkrieg

Bild:Semaine Barricades Alger 1960.jpg
Barrikaden in Algier 1960

Zwischen Januar und Oktober 1957 kam es während des Algerienkrieges zur Schlacht von Algier, einer militärischen Auseinandersetzung, in der sich die französische Armee und die algerisch-nationalistische Rebellenorganisation FLN in Algier gegenüber standen. Sie war Teil des Algerienkrieges und stellte ein wichtiges Element der französischen Befriedungsstrategie in Bezug auf Algerien dar.

Dabei kam zu Anschlägen, Entführungen und Morden seitens der FLN, sowie zu Massenverhaftungen, systematischer Folter und Deportationen seitens der französischen Fallschirmjäger („Paras“) und Fremdenlegionäre. Obwohl die Schlacht von Algier für die FLN einer militärischen Niederlage gleichkam, errang die algerische Rebellenorganisation gleichzeitig einen politischen Sieg. Der systematische Einsatz von Folter hatte Frankreich international diskreditiert und war auch von großen Teilen der französischen Öffentlichkeit als skandalös empfunden worden. 1962 wurde Algerien unabhängig und Algier Sitz der Regierung des Landes.

Unabhängigkeit

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Busbombenattentat in Algier am 1. Juni 1997

Mitte 1988 brachen in Algier und weiteren Städten des Landes schwere Unruhen aus, die zur Aufgabe des Machtmonopols der FLN führten. Ursache waren unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit und die Wohnungsnot. Eine Demokratisierung wurde eingeleitet und eine neue demokratische Verfassung, die die Trennung von Partei und Staat, parlamentarische Verantwortung, Pluralismus, politische Freiheiten und Garantien der Menschenrechte vorsah, geschaffen.

Der wirtschaftliche Niedergang um 1990 führte zum Aufschwung der islamistischen Bewegung. Nach dem sich abzeichnenden Sieg der Islamischen Heilsfront (Front islamique du salut/FIS) bei den Parlamentswahlen 1991/1992 wurden die Wahlen abgebrochen. Im März 1992 erfolgte die Anordnung zur Auflösung der FIS, die daraufhin zum bewaffneten Kampf aufrief.

Seitdem führten militante Islamisten einen Guerillakrieg, dem seither in Algier und dem ganzen Land zahlreiche Menschen zum Opfer gefallen sind. Vor allem Jugendliche waren enttäuscht darüber, dass durch die FIS die bestrebte Liberalisierung abgebrochen wurde. Durch ihre Hoffnungslosigkeit ergab sich ihr Rückfall zur islamistischen Radikalisierung; ihr einzig übriggebliebener und deshalb bewährter Halt.

Am 30. September 2005 stimmten die algerischen Wähler, darunter auch die meister Einwohner Algiers, für eine nationale Versöhnung. Bei einem Referendum über die „Charte pour la paix et la réconciliation nationale“ gaben 97 Prozent der Wähler dem Plan der Regierung Abdelaziz Bouteflika ihre Zustimmung. Dieser bedeutet eine Amnestie für viele islamistische Extremisten. Aber auch nach der Abstimmung kommt es weiter zu Anschlägen.

Am 11. April 2007 starben in Algier bei zwei Bombenanschlägen 33 Menschen. Eine Explosion ereignete sich nahe dem Amtssitz des algerischen Ministerpräsidenten Abdelaziz Belkhadem, eine weitere Bombe explodierte außerhalb einer Polizeistation im Vorort Bab Ezzouar. Die am 25. Januar 2007 aus der radikalen islamistischen Gruppierung Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) hervorgegangene Organisation „al-Qaida des Islamischen Maghreb“ übernahm die Verantwortung für die Anschläge.[1]

Einwohnerentwicklung

Bild:Algeri08.jpg
Blick auf einen Stadtteil am Meer
Bild:Algeri06.jpg
Der Märtyrerplatz
Bild:Casbah alger.jpg
Kinder in der Kasbah

Die Bevölkerung der Stadt wuchs im 19. Jahrhundert von rund 30.000 im Jahre 1838 bis etwa 97.000 im Jahre 1899. Im 20. Jahrhundert beschleunigte sich das Wachstum. Lebten 1906 noch rund 138.000 Menschen in Algier, so waren es 2007 bereits 2,1 Millionen. Die Provinz Algier hat 3,3 Millionen Einwohner, die Agglomeration 5,9 Millionen.

In der Hauptstadt leben vorwiegend Araber und verschiedene Berberstämme, die zum Teil arabisiert sind. Jedoch muss man festhalten, dass diese Volksgruppen in den letzten Jahrzehnten immer mehr miteinander verschmelzen, so dass es mittlerweile schwer ist einen Algerier einem bestimmten Stamm zuzuordnen, denn immer mehr haben arabische wie auch berberische Wurzeln. Die Zahl der Europäer sank nach Erlangung der Unabhängigkeit bis auf wenige tausend.

Die hohe Auswanderungsquote ist hauptsächlich auf fehlende Arbeitsmöglichkeiten und den wachsenden Bevölkerungsdruck zurückzuführen; zahlreiche Hauptstädter leben im Ausland, davon viele in Frankreich. Rund 34 Prozent der Bevölkerung war 2003 unter 15 Jahre alt, die Lebenserwartung lag 2003 bei 71 Jahren.

Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen der eigentlichen Stadt, ohne den Vorortgürtel.

        Jahr         Einwohner
1838 30.395
1876 52.700
1881 70.747
1886 74.800
1892 82.500
1896 92.100
1899 96.800
1901 96.500
1906 138.240
1911 172.400
1921 206.600
        Jahr         Einwohner
1926 226.200
1931 257.100
1936 252.300
1948 315.200
1954 361.300
1960 884.000
1966 943.100
1977 1.353.826
1987 1.507.241
1998 1.519.570
2007 2.072.993

Politik

Stadtregierung

Bild:Algernuit.jpg
Algier bei Nacht

Die Provinz Algier gliedert sich in Bezirke und Gemeinden. Sie wird von einem Gouverneur (Wali) regiert, der vom Präsidenten des Landes ernannt wird und dem Innenministerium untersteht. Seit 1996 besitzt der Wali von Algier den Rang eines Ministers. Er wird von einem Exekutivrat unterstützt.

Jede der Gemeinden, darunter auch Algier, wird von einer für vier Jahre gewählten kommunalen Volksversammlung (Assemblée Populaire Communale, APC) regiert. Sie ist verantwortlich für die lokale Verwaltung sowie die Bereiche Wirtschaft, Finanzen und Kultur. Die Volksversammlung wählt einen kommunalen Exekutivrat und dessen Präsidenten. Alle Ratsmitglieder, einschließlich des Präsidenten, sind dem Innenministerium unterstellt.

Städtepartnerschaften

Algier unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften.

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Amsterdam, Niederlande
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Barcelona, Spanien
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Berlin, Deutschland
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Casablanca, Marokko
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Dakar, Senegal
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Genf, Schweiz
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Kairo, Ägypten
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London, Großbritannien
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Montreal, Kanada
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Moskau, Russland
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New York, USA
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Paris, Frankreich
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Peking, VR China
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Rom, Italien
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Tripolis, Libyen
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Tunis, Tunesien

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sprache

Offizielle Amtssprache ist Arabisch. Daneben spielt Französisch noch eine wichtige Rolle als Bildungs-, Handels- und Verkehrssprache. Staatliche Fernsehsender strahlen in Algier Nachrichten und Dokumentationen auch auf Französisch aus. Schriftsprache ist entweder Französisch oder Hocharabisch, wobei es eine Initiative der Regierung zum Gebrauch des Hocharabischen gibt. Der größte Teil der Bevölkerung in der algerischen Hauptstadt spricht Arabisch als Muttersprache.

Religionen

Die Staatsreligion in Algerien ist der sunnitische Islam. Nach offizieller Statistik ist die große Mehrheit der Bevölkerung Anhänger dieser Religion (circa 99 Prozent). Nur eine kleine Minderheit, meist in der Stadt lebende Ausländer, aber auch ein paar Algerier, sind geprägt vom Christen- oder Judentum. Diese winzige Minderheit lebt ihren Glauben jedoch sehr diskret.

Die Römisch-katholische Kirche der Region ist im Erzbistum Algier organisiert. Es wurde am 10. August 1838 als Bistum begründet und bereits am 25. Juli 1866 zum Erzbistum erhoben: Seine Suffraganbistümer sind die Diözesen Constantine und Oran.

Das 54.927 Quadratkilometer große Erzbistum zählte 1970 rund 50.000 Gläubige und 1980 noch 35.000. Heute sind es lediglich noch 1.500 Katholiken, bei einer Bevölkerung von neun Millionen Menschen in dieser Region. Daran sieht man, wie stark die Anzahl der Ordensmitglieder im Erzbistum seit Jahrzehnten abgenommen hat. Der Weggang der französischen Besatzung führte in der Erzdiözese zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung, so wie in den anderen Diözesen Algeriens auch.

Im Gefolge des 1992 ausgebrochenen Bürgerkriegs zwischen Regierung und der islamistischen Heilsfront (FIS), die vor Massenmorden unter der eigenen Bevölkerung nicht zurückschreckte, wandten sich viele Menschen dem Christentum zu. Ein seit dem 28. März 2006 in Kraft getretenes Gesetz stellt die Missionierung unter hohe Strafen.[2]

Museen

Im modernen Teil der Stadt gibt es eine Oper und viele Museen. Das Musée Le Bardo beherbergt enthnographische Sammlungen mit Fossilien, Werkzeugen und Waffen aus der Alt- und Jungsteinzeit sowie Kostüme und Schmuck aus dem ganzen Land. Das Nationalmuseum der Schönen Künste zeigt eine Ausstellung mit moderner französischer Malerei.

Das Museum für klassische Altertümer und islamische Kunst beherbergt eine Sammlung römischer Glaskunst und Mosaiken, Stickereien aus türkischer Kolonialzeit sowie maurische Keramiken und Holzskulpturen aus dem 11. bis 15. Jahrhundert. Die Nation