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Buchreligion
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Der Begriff Buchreligion bezeichnet Religionen, die eine Heilige Schrift besitzen und diese in schriftlicher Form festgehalten haben. Verwandte Begriffe sind Offenbarungsreligion, Hochreligion, Weltreligion und Schriftreligion. Der Begriff ist in wesentlichen Teilen vom Islam und dessen Religionsverständnis geprägt und wurde nur von wenigen westlichen Wissenschaftlern übernommen.
Inhaltsverzeichnis |
Islam
Als Buchreligionen (deren Anhänger heißen arabisch: أهل الكتاب
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ahl ul-kitab, „Leute des Buchs“
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) werden im Islam das Judentum, das Christentum und die im 13. Jahrhundert untergegangene Religion der Sabier angesehen (Koran 2:62). Auch der Zoroastrismus Irans wird dort zu den Buchreligionen gezählt und toleriert. Im traditionellen islamischem Recht waren die Anhänger dieser Glaubensgemeinschaften Schutzbefohlene der Muslime, sogenannte Dhimmis, mussten jedoch eine Wehrsteuer zahlen (Jizyah), die als Ausgleich zum Zakat (Almosen) der Muslime galt. Nach islamischer Auffassung beruhen die Buchreligionen auf ursprünglichen göttlichen Offenbarungen (heiligen Büchern: Thora, Psalmen, Evangelium u.a.), welche aber von ihren Anhängern im Laufe der Zeit verfälscht worden seien (siehe: Indschil).
Die Bahai werden im Iran als vom Islam abgefallene (Murtaddun) angesehen. Trotz internationaler Proteste sind die Bahai im Iran noch immer entrechtet und schutzlos, werden verfolgt und teilweise hingerichtet. Nach ihrem Selbstverständnis ist auch ihre nach dem Islam entstandene Religion als eigenständige „Buchreligion“ zu betrachten.
Europäische Verwendung
Der Indologe und Religionswissenschaftler Friedrich Max Müller bestimmte am 26. Februar 1870 in einer Vorlesung an der Royal Institution in London acht Religionen als Buchreligionen: drei semitische (Judentum, Christentum, Islam), drei "arische" (Hinduismus, Buddhismus, Zoroastrismus) und zwei chinesische (Konfuzianismus, Daoismus). Für Müller stellten diese acht Religionen "eine Art von Aristokratie gegenüber dem gemeinen Pöbel von buchlosen, unliterarischen Religionen" dar. Als Gegenstück zu den Buchreligionen sah man die "Kultreligionen" an: "primitive Religionen werden mehr getanzt als gedacht" (Robert Ranulph Marett). Der Begriff Buchreligion wurde nicht nur beschreibend, sondern vor allem wertend verwendet.
Der Begriff "Buchreligion" ist als Versuch einer klaren Abgrenzung zu Religionen schriftloser Völker (Naturreligionen) auch insofern fragwürdig, als sich die schriftliche Überlieferung oftmals an eine längere Periode mündlicher Überlieferung anschließt. Der Begriff enthält zudem eine problematische Wertung bzw. Abwertung schriftloser Religionen, die in Müllers Zitat deutlich wird. Die Entscheidung, welche Religionen zu den Buchreligionen gezählt werden, ist einer gewissen Willkür unterworfen, da die Abgrenzung nicht treffsicher ist. Aus diesem Grunde wird der Begriff in der modernen Religionswissenschaft kritisch gesehen und wenig verwendet.
Im Allgemeinen werden auch der Sikhismus und die Bahai zu den Buchreligionen gerechnet.
Verhältnis verschiedener "Buchreligionen" zu ihrem Buch
Das Verhältnis der jeweiligen Buchreligionen zu ihren Heiligen Schriften ist sehr unterschiedlich. Schon zwischen Christentum, Judentum und Islam gibt es Unterschiede. Zwar kann die Heilige Schrift in allen drei Religionen als Offenbarung Gottes bezeichnet werden. Für Juden aber ist die primäre Offenbarung das Handeln und Sprechen Gottes in der Geschichte Israels, für Christen (vorbereitend) in der Geschichte Israels und (endgültig) in Jesus von Nazareth. Die jeweiligen Schriften sind "lediglich" der - noch erhaltene - schriftliche Niederschlag dieses göttlichen Handelns.
Für Christen und Muslime ist Jesus Christus das „Wort Gottes“ in diese Welt hinein, wovon die Schrift nur Zeugnis gibt - und auf diese Weise an seiner Geltung partizipiert. Für den Islam jedoch ist das heilige Buch, der Koran, die Wortgestalt der göttlichen Offenbarung, und Mohammed ist „nur“ der Vermittler dieses Wortes, der aber selbst, als Person, keine soteriologische Bedeutung hat. Der Wortlaut der koranischen Sätze gilt als Offenbarung Gottes. So ist lediglich der Islam eine „Schriftreligion“ im eigentlichen Sinn, das Christentum gilt als sekundäre Buchreligion.
Noch größer ist der Unterschied zum Hinduismus, wo der Veda, der als von Sehern "gehörtes" Wissen gilt, sehr lange mündlich überliefert wurde und erst Jahrhunderte später schriftlich aufgezeichnet wurde.
Weblinks
- Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen zum Begriff der Buchreligion
- Eslam.de - Leute des Buchs
- Pierre-Yves Lambert, L'élargissement du concept d'ahl al-kitâb en islam à des religions autres que celles explicitement mentionnées dans le Coran, 1986
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