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Aachener Dom

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Aachener Dom
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Dom, Nordfassade
Bild:Aachen cathedral from south.jpg
Aachener Dom von Süd-West
Bild:Dom zu Aachen.jpg
Grundriss des Gebäudes
Bild:Aachen Dehio 1887.jpg
Grundriss und Querschnitte
Bild:Aachener dom oktagon.jpg
Zentralbau mit dem Barbarossaleuchter (1165/1170)


Der Aachener Dom (auch Aachener Münster) ist die Bischofskirche des Bistums Aachen, Patronin ist die Hl. Maria. Der heutige Dom besteht aus mehreren Teilbauten: Dem karolingischen Oktogon in der Mitte, der gotischen Chorhalle im Osten, dem Westwerk und einigen Seitenkapellen.

Inhaltsverzeichnis

Der Bau

Westwerk

Das Westwerk des Domes ist karolingischen Ursprunges, davon erhalten sind die beiden seitlichen Treppentürm sowie die dazwischenliegende Zugangsnische. Dieser vorgelagert ist die Portalvorhalle aus dem 18.Jh. Die darin angebrachten bronzenen Torflügel, die sogenannten Wolfstüren, wurden um 800 gegossen und befanden sich ursprünglich zwischen Westwerk und Oktogon. Die oberen Stockwerke des Westwerks wurden in der ersten Hälfte des 14. Jh. und im 17. Jh. umgestaltet. Der hohe Turmabschluss wurde zwischen 1879 und 1884 errichtet.

Das karolingische Oktogon

Das im Zentrum des Doms gelegene Oktogon wurde in den neunziger Jahren des 8. Jahrhunderts nach byzantinischen Vorbildern (u.a. San Vitale in Ravenna, Kirche der Heiligen Sergios und Bakchos in Konstantinopel) als Kapelle der Aachener Kaiserpfalz errichtet. Überlieferter Baumeister war der Franke Odo von Metz. Die Pfalzkapelle Kaiser Karls des Großen war über 200 Jahre lang nördlich der Alpen in ihrer Höhe und Gewölbeweite unübertroffen. Das innere Oktogon wird durch starke Pfeiler gebildet, auf welchen ein achteckiges, den Mittelraum überdeckendes Klostergewölbe liegt. Um dieses innere Oktogon herum läuft ein 16-seitiger, mit niedrigen Kreuzgratgewölben versehener Umgang, über dem sich, die Empore bildend, eine hohe Galerie befindet. Diese wird von schräg liegenden Tonnengewölben überdeckt. Über den Galeriebögen erhebt sich ein achteckiger Tambour mit Fensteröffnungen, auf welchem das Kuppelgewölbe ruht. Die oberen Galerieöffnungen sind durch Säulengitter gegliedert. Diese Säulen sind teilweise antik und stammen aus Italien. Karl der Große ließ sie der Überlieferung nach am Ende des 8. Jahrhunderts aus Rom und Ravenna nach Aachen schaffen. 1794 wurden sie während der französischen Besetzung des Rheinlands ausgebrochen und nach Paris geschafft, kamen aber 1815 bis auf einige im Louvre verbliebene Stücke nach Aachen zurück. In den 1840er Jahren wurden sie wieder an ihrem ursprünglichen Ort eingebaut, fehlende Säulen wurden unter anderem aus Assuan-Granit neu hergestellt. Die Öffnungen zwischen den Säulen haben ein Geländer aus karolingischen Bronzegittern, die nach römischen Vorbildern gefertigt wurden.

Die Außenwände des in Bruchstein gefertigten karolingischen Oktogons sind weitestgehend ungegliedert und ohne weiteren Bauschmuck. Lediglich die Pfeilervorsprünge an der Kuppel sind von antikisierenden Kapitellen gekrönt. Oberhalb des karolingischen Mauerwerks befindet sich eine romanische Blendbogenreihe, darüber spätromanische Giebel. Gekrönt wird das Oktogon durch die eigentümliche barocke Dachhaube.

Chorhalle

Östlich an das Oktogon wurde zwischen 1355 und 1414 der gotische Chor angebaut. Er misst 25 m in der Länge, ist 13 m breit und 32 m hoch. Seine Außenwand ist weitestgehend in Fenster aufgelöst. Die mehr als 1.000 Quadratmeter Glasfläche waren als „Glashaus“, als gläserner Reliquienschrein für die Aachener Heiligtümer und die Gebeine Karls des Großen konzipiert. Die Architektur orientiert sich am Vorbild der Sainte-Chapelle in Paris, ebenfalls ein Aufbewahrungsort wichtiger Reliquien und königliche Palastkapelle. Zur Sicherung der Gewölbe der Aachener Chorhalle wurden bereits während der Bauzeit eiserne Zuganker eingebaut, um den Seitenschub auf das schmale Tragwerk zu reduzieren und dazwischen möglichst viel Fensterfläche zu belassen.

Seitenkapellen

Rings um das Oktogon scharen sich mehrere Seitenkapellen, im Uhrzeigersinn:

  • Im Südosten liegt die Matthiaskapelle, die zeitgleich mit der daneben liegenden Chorhalle errichtet wurde.
  • Südlich der Matthiaskapelle schließt sich die gotische Annakapelle an; sie war im Untergeschoss ursprüglich die Vorhalle zu einem Domportal, die Wände wurden jedoch später verschlossen und der Raum als Kapelle genutzt.
  • Südlich des Westwerks liegt die Ungarnkapelle, ursprünglich ebenfalls eine gotische Seitenkapelle wurde sie im 18. Jh. in barocken Formen neu errichtet.
  • Nördlich des Westwerks schließt sich die Nikolaus- und Michaeliskapelle an, sie ist der ehemalige Begräbnisort der Stiftsherren des Aachener Münsterstifts.
  • Nordöstlich wurde die Karls- und Hubertuskapelle an das Oktogon angebaut.

Weitere zum Domkomplex gehörigen Kapellen befinden sich im Kreuzgang (Allerheilingen- und Allerseelenkapelle) und am Domvorhof (Taufkapellen).

Ausstattung

Im westlichen Galeriejoch, im Obergeschoss gegenüber des Chores, steht der Aachener Königsthron, der in den vergangenen Jahrzehnten Gegenstand zahlreicher Untersuchungen war. Der ursprünglich karolingische Thron war aus Holz und Spolien aus der Grabeskirche in Jerusalem gefertigt. Aussehen und Standort des Thrones in der Kapelle wurden im Lauf der Jahrhunderte verändert. Zwischen 936 und 1531 haben 29 deutsche Könige nach ihrer Weihe und Krönung am Marienaltar diesen Thron bestiegen. In der Kuppel hängt ein Radleuchter (Kronleuchter), der so genannte Barbarossaleuchter (1165/1170), eine Stiftung Kaiser Friedrichs I und seiner Frau Beatrix. Die 48 Kerzen des Leuchters werden an kirchlichen Hochfesten angezündet.

Bedeutung

Der Kernbau des Aachener Domes, das karolingische Oktogon, wurde ursprünglich als Kapelle der Pfalz Karls des Großen errichtet, dessen Begräbnisstätte sie auch wurde. Die Gebeine Karls des Großen wurden später in den Karlsschrein überführt. Diese bedeutende Goldschmiedearbeit des Mittelalters befindet sich heute in der gotischen Chorhalle. Auch Otto III. ist im Aachener Dom beigesetzt. Auf ausdrückliche Anweisung Karls des Großen krönte sich dessen Sohn Ludwig der Fromme in der Kapelle selbst zum König. Ab der Krönung König Ottos I. 936 wurden bis zum Jahre 1531 fast alle deutschen Könige in der Kapelle gekrönt. Seit 1238 findet die Aachener Heiligtumsfahrt statt, eine Wallfahrt, bei der die Reliquien des Doms von den Gläubigen besichtigt werden können. Diese Reliquien befinden sich im Marienschrein (12201239), der sich im vorderen Teil der Chorhalle befindet. Bei den Reliquien soll es sich um die Windel(n) und das Lendentuch Christi, das Marienkleid und das Enthauptungstuch Johannes des Täufers handeln. Seit 1349 findet diese Wallfahrt in einem Turnus von sieben Jahren statt; die letzte Aachener Heiligtumsfahrt war im Jahr 2000 und stand unter dem Motto „Jesus Christus, gestern, heute, in Ewigkeit“.

Der Aachener Dom wurde 1978 mit seinem Kunstschatz als erstes deutsches Denkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Schon im Mittelalter wurde er bewundert und nachgeahmt, so etwa im Essener Dom, dem Alten Turm in Mettlach und in der elsässischen Abteikirche Ottmarsheim.

Literatur

Binding, Günther: Deutsche Königspfalzen von Karl dem Großen bis Friedrich II. (765-1240). Darmstadt / Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996. Braunfels, Wolfgang: Die Welt der Karolinger und ihre Kunst. München 1968. Hugot, Leo: Der Dom zu Aachen. Ein Wegweiser. Aachen 1986. Belting, Hans: Das Aachener Münster im 19. Jahrhundert. Zur ersten Krise des Denkmal-Konzeptes. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, Bd. XLV, Köln 1984, S. 257-290.

Glocken

Im Glockenstuhl des Turmes befinden sich 8 Glocken:

  1. Marienglocke: (g°), 6045 kg, 200 cm Durchmesser
  2. Karl: (h°), 2900 kg, 165 cm Durchmesser
  3. Johannes Evangelist: (d′), 1400 kg, 135 cm Durchmesser
  4. Johann-Baptist: (e′), 1225 kg, 120,5 cm Durchmesser
  5. Leopardus: (fis′), 850 kg, 110 cm Durchmesser
  6. Stephan von Ungarn: (g′), 715 kg, 100 cm Durchmesser
  7. Peter: (a′), 425 kg, 89 cm Durchmesser
  8. Simeon: (h′), 290 kg, 80 cm Durchmesser

Die Marienglocke wurde 1958 von der Glockengießerei Petit und Edelbrock in Gescher gegossen.

Daten

  • 768800: Aachen wird Residenz Karls des Großen. Bau der Pfalz (heutiges Rathaus und Aachener Dom) an der Stelle eines römischen Bades. Das Oktogon wird mit Säulen und Marmorböden aus antiken Bauten (Rom, Ravenna, Trier, Köln) ausgestattet, der Bau im Äußeren rot verputzt.
  • 805: Weihe am Dreikönigsfest durch Papst Leo III.
  • 814: Beisetzung Karls in der Pfalzkapelle, der genaue Ort ist nicht mehr zu lokalisieren.
  • 936: Krönung Ottos I. in der Pfalzkapelle.
  • ab 997: Otto III. veranlasst die Ausmalung der Wände der Pfalzkapelle. Beisetzung 1002 im Oktogon. Heinrich III. stiftet die Kanzel, Friedrich I. Barbarossa den Radleuchter.
  • 11871193: Errichtung der romanischen Klostergebäude, Erhöhung des Oktogons um die Blendbogenreihe.
  • um 1240/1250: Errichtung der Giebel auf dem Oktogon, Einbruch des Fensters in die Westnische, der Bau erhält eine Weißfassung (vielleicht schon um 1187 - 1193), die Giebel sind farbig bemalt.
  • um 1350: Ausbau des Westturmes in gotischen Formen mit hoher Pyramide und Flankierungstürmchen, Brücke zum Oktogon zur Präsentation der Reliquien.
  • 1367: Gotischer Vorgängerbau der heutigen Ungarnkapelle.
  • 13551414: Errichtung der Chorhalle, gleichzeitig Errichtung der Matthiaskapelle, Weihedatum nicht überliefert (datiert zwischen etwa 1379 (Vollendung Untergeschoss) und 1420)
  • um 1420: Chorpfeilerfiguren in der Chorhalle aus Baumberger Kalksandstein.
  • 1429: Doppelportal des Atriums (1811 abgebrochen, Reste im Domhof vorhanden, an der Südwand mit Rötel ausgeführte gotische Graffitis).
  • 1449: Annakapelle, zunächst im Untergeschoss als offene Halle, 1772 in barocken Formen zugesetzt, 1862 erneut mit gotischen Maßwerken zugesetzt.
  • 14561474: Doppelstöckige Karls- und Hubertuskapelle.
  • bis 1487: Nikolauskapelle. Weitere gotische Kapellenbauten waren geplant, wurden jedoch nicht ausgeführt.
  • 1656: Stadtbrand von Aachen, weitgehende Zerstörung der Stadt, alle Dächer des Doms werden vernichtet.
  • 1664: Neue Dächer auf Oktogon und Chorhalle, Oktogondach in heutiger Form (Zitronenpresse).
  • 17191733: Barockisierung mit Stuckierung des Innenraumes durch Joh. Bapt. Atari, Ausmalung der Gewölbe, barocke Faschen um die Zentralbaufenster, Ausbruch der Chorhallenmaßwerke.
  • 1748: Neubau der Ungarnkapelle, 1755 Abbruch des Rohbaus wegen Baufehlern, 1756 - 1767 erneuter Neubau.
  • 1788: Portalvorbau vor der Westfassade, dabei Umsetzung der karolingischen Bronzetüren.
  • 1794: Französische Besetzung, Ausbau der Säulen und Transport nach Paris (einige heute im Louvre), Demontage der Bleidächer (1803 in Schiefer erneuert).
  • 1814: Aachen wird preußisch.
  • 1832: Beginn der Wiederherstellungsarbeiten.
  • 1843: Wiedereinbau der teilweise zurückgebrachten Säulen (28 Stück) ins Oktogon, zahlreiche Säulen dabei erneuert, die ehemaligen Basen aus Bronze in Marmor, nahezu alle Kapitelle (10 zurückgebracht) in Marmor erneuert.
  • 1847: Gründung des Karlsvereins.
  • 18491861: Instandsetzung der Chorhalle und ihrer Ausstattung, Erneuerung der Maßwerke auf Betreiben der Glaskünstler mit fünf Bahnen, die gotischen waren sechsbahnig, Figuren außen aus Savonniéres-Kalkstein 1873 (Götting).
  • 18571862: Instandsetzung der Annakapelle, Figuren 1871 aus Savonniéres-Kalkstein (Götting).
  • 18641866: Instandsetzung der Matthiaskapelle, Figuren 1866 aus Udelfanger Sandstein (Götting).
  • 1868: Instandsetzung der Karls- und Hubertuskapelle, Figuren aus Savonniéres-Kalkstein (Götting).
  • 18691873: Entfernung der Barockdekoration und Abschlagen der Außenputze, Herstellung der heutigen Steinsichtigkeit, bis 1871 völliger Neubau der staufischen Giebel, lediglich der Giebel zur Chorhalle als mittelalterliche Substanz erhalten.
  • 18791884: Neugotischer Ausbau des Westturmes in Anlehnung an den gotischen Zustand.
  • 18791881: Mosaikdekoration der Kuppel nach Entwürfen des Belgiers Béthune, Ausgeführt von der Mosaikanstalt Antonio Salviatis in Venedig.
  • 18961902: Marmorverkleidung und Mosaikdekoration der Umgänge nach Entwürfen Schapers aus Hannover, Ausgeführt von der Glasmosaikgesellschaft Puhl & Wagner in Rixdorf (Berlin).
  • 1913: Marmorböden im Oktogon und auf den Umgängen.
  • 2006: Die seit 20 Jahren laufende Außensanierung des Doms wird abgeschlossen.


Siehe auch


Weblinks

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Koordinaten: 50°46'29.06"N,6° 5'4.27"E

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