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Fünf Sterne deluxe
Aus Kefk.
Die deutsche Hip-Hop-Gruppe Fünf Sterne deluxe (FSd) bestand aus den Rappern Das Bo, Tobi Tobsen sowie marcnesium und eine Zeit lang DJ Coolmann.
Das Bo (Mirko Bogojevic) und Tobi Tobsen (Tobias Schmidt) haben sich bereits Mitte der 90er-Jahre als Der Tobi & das Bo mit dem Album "Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander" sowie den dazugehörigen Singles "Der Racka" und "Morgen geht die Bombe hoch" in der Hip-Hop-Szene einen Namen gemacht. Auf dieses Album folgte noch eine Veröffentlichung namens "Genies & Wahnsinn.. (Wir sind die Best Ofs)" und die Singles "Is' mir egal" sowie "Wir sind die Besten", bevor sie Mitte 1997 mit marcnesium (Marc Clausen) (der auch zusammen mit DJ Koze als Adolf Noise in Erscheinung trat) und DJ Coolmann (Mario Cullmann) zu Fünf Sterne deluxe formierten. Tobi war zuvor schon Mitglied der englischsprachigen Hamburger Hip Hop Crew Poets of Peeze und mit seinem Bruder Oli in der Ursprungsbesetzung von Fettes Brot. Marcnesium ist gelernter Kommunikations-Designer, Fotograf und gefragter Artworker, der sich bei der Gruppe um das visuelle Erscheinungsbild kümmerte, an der Produktion der Musik beteiligt war und zum Teil auch an den Texten mitschrieb. Er bediente live einen Sampler mit Special FX und unterstütze die beiden Rapper mit Backing und Sprachfetzen, die er über einen angeschlossenen Vocoder im Klang veränderte. Als Discotizer (einer von FSd geschaffenen Kunstfigur, die auch auf der Bühne zu sehen war) eröffnete er der Gruppe eine neue Produktionsmöglichkeit: Den Dancefloor.
1998 erschien in dieser Formation das erste Album Sillium mit den Singles 5 Sterne deluxe, Willst Du mit mir gehn? und Dein Herz schlägt schneller. Sowohl das Album als auch die Auskopplungen waren in den Charts vertreten und für eine Independent-Produktion unglaublich erfolgreich. Bis heute verkaufte sich Sillium über 150.000 Mal und wurde zu einem Meilenstein deutscher Hip Hop-Geschichte, die die zweite große Hip Hop-Welle in Deutschland auslöste und deutsche Texte außerhalb des Schlagers in den Charts etablierte. Die Texte von Fünf Sterne Deluxe waren stets mit einem Augenzwinkern anzunehmen, scheinbar nie ganz ernst gemeint und sehr humorvoll, weswegen sie unter vermeintlich "realen" Hip Hop Headz schließlich genau so umstritten waren, wie die Vorgängerkombo Der Tobi & Das Bo. Sowohl live (allein 1998 spielten FSd 286(!) Konzerte) als auch während ihrer zahlreichen Fernsehauftritte/Video-Clips wussten sie gekonnt ihr Image zu wahren, verwirrten und beeindruckten sie die Zuschauer doch gleichermaßen mit ihren Entertainmenteinlagen, die den Charme dieser Gruppe ausmachte.
Neben Fünf Sterne deluxe beschäftigte sich DJ Coolmann mit seinem eigenen Label Hong Kong Recordings auf dem die Gruppe Doppelkopf unter Vertrag stand. Außerdem veröffentliche er unter dem Namen Visit Venus mit Mario von Hacht (damals Soundmischer von Fettes Brot u.a./Container Studio) ein Album namens The Big Tilt.
1999 erschien die Fünf Sterne deluxe Single Ja, ja,.. Deine Mudder, die nach längerer Pause ein Comeback der Gruppe einleitete. Im Anschluss veröffentlichte Das Bo im Jahr 2000 - nachdem er sein eigenes Soloalbum eigentlich bereits für April 1998 angekündigt hatte - eine EP namens türlich türlich, sicher Dicker/Nur der Zorn zählt. Diese EP erschien fast zeitgleich mit der zweiten Single von Fünf Sterne deluxe namens Die Leude und wurde mit ihrem Miami-Bass-Sound zum Club- und Party-Hit des Jahres. türlich, türlich verkaufte über 240.000 Einheiten, die Das Bo im Mainstream salonfähig machten und war wesentlich erfolgreicher als die Fünf Sterne Veröffentlichungen des Jahres. Ende 1999 erschien dann das zweite Fünf Sterne deluxe Album Neo.Now. Im Gegensatz zur locker hingerotzten Produktion von Sillium zog sich FSd für Neo.Now drei Monate in ein Haus an der Ostsee zurück. Kritiker waren der Meinung, genau das höre man dem Album an, andere waren begeistert von der professionelleren, mächtigen Produktion, die den Maßstab des damals Machbaren im deutschen Hip Hop setzte. Neo.Now verkaufte bis heute auch über 120.000 Einheiten, konnte in der Wirkung aber nicht an den durchschlagenden Erfolg von Sillium anknüpfen. Andere Gruppen mit deutlich härteren Sound und Texten waren immer mehr angesagt, die die Zielgruppe für sich entdeckt hatte. Die dritte Single-Auskopplung (2000) Stop Talking Bull des Discotizers mit der europäischen Funk-Legende Supermax versandete dann auch trotz gigantischer Produktion und aufwendigem Trickfilm-Video. “Die Fans haben uns da ja wohl nicht mehr verstanden... eigentlich sollte Neo.Now ja auch Wieder drei Jahre zu früh heißen“ so FSd in einem Interview. Ende 2000 erschien eine Fanclub-CD (Auflage 500 Stck.) unter dem Titel Alles muss raus - Die zähe Pampe aus drei Jahren Hirnforschung mit 28 Tracks, die zusammen mit einem Fünf Sterne deluxe-Skateboard verkauft wurde. Sie enthält zahlreiche unveröffentliche Stücke, Remixe und Klang-Experimente und Interviewfetzen.
2003 stieg DJ Coolmann aus unbekannten Gründen und wohl auch für die Gruppe überraschend bei Fünf Sterne deluxe aus und ist nach zwei Jahren Stille in Hamburgs Clubszene inzwischen wieder recht aktiv.
Das Bo hat nach einer langen Schaffenspause 2004 sein Soloalbum Best of III - Alleine mit den Singles Seid Ihr bereit für Das Bo und Ich hab Rap für Dich veröffentlicht, welches klangfarblich deutlich anders war, als man es von Das Bo erwartet hatte, klang es doch wesentlich ruhiger als die Hitsingle türlich, türlich... sicher Dicker. Die Veröffentlichungen waren kommerziell wenig erfolgreich.
Fünf Sterne deluxe versuchten 2004 zu dritt noch einmal ein Comeback mit der EP Wir sind im Haus, die aber kaum Beachtung fand. Sie spielten im Sommer des Jahres nochmal die großen OpenAirs und traten u.a. zum zweiten Mal nach 2001 beim eher rockorientierten Hurricane Festival auf. Das geplante, dritte Album erschien nicht mehr und weitere neue Veröffentlichungen von Fünf Sterne deluxe sind nach ihrer Trennung Ende 2004 nicht abzusehen. Eine Abschieds-DVD mit gekoppeltem Live-Album ist noch in Planung.
Das Bo trennte sich vom Label Yo Mama, das nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der damit verbundenen Übernahme (2003) von Four Music/Berlin nach dem Ende von FSd 2005 endgültig aufgab. 2005 ging Das Bo mit Deichkind auf Tour und nahm als Gast die Singles Wie geil ist das denn?? mit Jansen & Kowalski sowie Ey Yo mit DJ Tomekk auf. Auf dem Samy Deluxe So deluxe, so glorious Mixtape rechnet er auf einem Track mit seiner alten Plattenfirma ab.
Tobi Tobsen veröffentlichte 2005 mit koweSix als Elektroprojekt moonbootica ihr erstes Album, nachdem diverse Singles und Remixe vorangegangen waren, die in der Elektroszene große Beachtung fanden und seine alte Leidenschaft für Instrumental- und Clubproduktionen auf den Punkt brachte. Mit tobitob und koweSix ist moonbootica mittlerweile ein weltweit gefragtes und gutgebuchtes DJ-Duo, das in den angesagten Szene-Clubs ihren typischen, druckvollen Elektrosound auflegt. Schon zu FSd Zeiten (seit 2001) veranstalteten die beiden in Hamburg eigene “moonbootica“-Partys. Es begann alles mit wenigen Gästen und Freunden monatlich im Hafenklang/HH und entwickelte sich über die Jahre zu Hamburgs bekanntester Elektro-Party mit bis zu 3000 Ravern! Die moonbootica findet momentan alle drei Monate statt.
Marcnesium arbeitet wieder als Grafiker und Fotograf in Hamburg, betreut optisch u.a. Tobis Label moonbootique rec., die Solo-Veröffentlichungen von Das Bo und macht Musik, wenn Zeit ist. Eigene Roh-Beat-Produktionen sind auf seiner Homepage zu hören. Musikalisch ist ein kleines Label mit Musik verschiedener Stile geplant und eine Hard-Rock-Punkband mit Namen Force of the north.
Diskografie
- "Es ist nicht einfach so allein" 7" (05/97)
- "5 Sterne Deluxe" 2x12" (limitiert) (06/97)
- "5 Sterne Deluxe" 12"/Maxi-CD (11/97)
- "Willst du mit mir gehn" 12"/Maxi-CD (2/98)
- "Dein Herz schlägt schneller" 12"/Maxi-CD (5/98)
- "Dein Herz schlägt schneller #1" 12"/Maxi-CD (5/98)
- "Dein Herz schlägt schneller #2 (Remixes)" 12"/Maxi-CD (5/98)
- "Sillium" 2xLP/CD (3/98)
- "Sillium Instrumentals" 2xLP (limitiert) (3/98)
- "Happy HipHop / Discotizer" 10" (limitiert) (4/98)
- "Ja ja, Deine Mudder!" 12"/Maxi-CD (11/99)
- "Die Leude" 12"/Maxi-CD (7/00)
- "Neo.Now" 2xLP/CD (10/00)
- "Neo.Now Instrumental" 2xLP (limitiert) 11/00
- "Stop Talkin' Bull #1" 2x12"/Maxi-CD (11/00)
- "Stop Talkin' Bull #2" 2x12"/Maxi-CD (11/00)
- "Alles muss raus - Die zähe Pampe aus drei Jahren Hirnforschung" CD (12/00)
- "Wir sind im Haus" 12"/Maxi-CD (7/04)
Weblinks
- Solopräsenzen:
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