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Übersetzungsschwierigkeiten
Aus Kefk.
Übersetzungsschwierigkeiten sind durch Wissenslücken entstehende Fehlerquellen beim Übersetzen oder Dolmetschen zwischen natürlichen Sprachen.
Übersetzungsprobleme sind dagegen objektiv durch sprachliche, kulturelle und situative Unterschiede bedingte Quellen der Differenz zwischen Ausgangstext und Zieltext.
Übersetzungsschwierigkeiten sind grundsätzlich subjektiv bedingt und können deshalb theoretisch (je nach Verfügbarkeit von Informationsmaterial für die jeweilige Sprache) relativ leicht durch Recherchen geklärt werden.
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Arten von Übersetzungsschwierigkeiten
Neben fehlender Information (z. B. unbekannten Wörtern) und Mehrdeutigkeit gehören Interferenzerscheinungen zu den häufigsten Übersetzungsschwierigkeiten.
Interferenz
Als Interferenzen werden in der Sprachwissenschaft Abweichungen von sprachlichen Normen bezeichnet, die durch den Einfluss einer anderen Sprache entstehen. Siehe dazu auch falscher Freund, Liste falscher Freunde, free ride.
Zu den Interferenzerscheinungen auf Wortebene gehört die Fehlübersetzung von falschen Freunden, also Wörtern, die in mehreren Sprachen orthografisch oder phonetisch ähnlich sind, deren Bedeutung sich jedoch unterscheidet. Weiterhin können Wörter fälschlicherweise als Lehnübersetzung aus der Fremdsprache übernommen werden (ein Beispiel wäre die Übersetzung des amerikanischen high school, deutsch etwa Sekundarschule oder ebenfalls Highschool, als Hochschule). Interferenz tritt auch auf der Ebene der Kollokationen und Idiome auf, etwa wenn formelhafte Wendungen oder Sprichwörter Wort für Wort übersetzt werden. Wird die Wortstellung oder die Reihenfolge der Satzteile fehlerhaft direkt aus der Ausgangssprache in die Zielsprache übernommen, handelt es sich um syntaktische Interferenz. Als free ride bezeichnet man vor allem bei der maschinellen Übersetzung die Möglichkeit der direkten Übernahme syntaktischer Strukturen.
Komplexere Interferenzerscheinungen sind die textuelle und die kulturelle Interferenz. Textuelle Interferenz liegt vor, wenn im Zieltext die textsortentypischen Konventionen des Ausgangstextes befolgt werden, obwohl in der Zielsprache und –kultur andere Normen gelten (etwa für die Reihenfolge bestimmter Textabschnitte, für die Art der Anrede des Lesers etc.). Kulturelle Interferenz entsteht durch Nichtbeachtung kultureller Unterschiede. Besonders anschaulich ist vielleicht die Anwendung ausgangskultureller Höflichkeitsformen in der Zielsprache, die z. B. beim Umgang mit Meinungsverschiedenheiten zu Verstimmungen führen kann.
Wortneubildungen durch Rückübersetzung
Wörtliches Übersetzen feststehender, meist zusammengesetzter Begriffe (vor allem aus dem Englischen, siehe auch → Denglisch) ohne Prüfung, ob es vielleicht schon ein bekanntes deutsches Äquivalent gibt, kann zu bisher unbekannten oder ungebräuchlichen Wortneubildungen führen. Solche Neubildungen werden bisweilen mit den so genannten „Falschen Freunden“ verwechselt, können aber von diesen in der Regel klar abgegrenzt werden: Beim Falschen Freund ergibt die Übersetzung ein bereits existierendes deutsches Wort, das allerdings mit einer anderen Bedeutung besetzt ist. Die Wortneubildung durch Rückübersetzung führt dagegen zu einem Begriff, der bisher noch nicht existierte. Der Grad der Verbreitung und Verständlichkeit solcher Neubildungen ist unterschiedlich: Während beispielsweise die „Herzattacke“ (Herzinfarkt) bereits Teil der deutschen Umgangssprache geworden und der „Seiteneffekt“ (eigentlich Nebenwirkung) in die Informatikfachsprache Einzug gehalten hat, dürfte die Vokabel „Staatsdepartment“ (Außenministerium) bei den meisten deutschen Muttersprachlern noch auf weitgehende Ratlosigkeit stoßen. Der „Nonproliferationsvertrag“ „hat es sogar in einen Titelseitenkommentar der FAZ geschafft“ [1], obwohl dafür im Deutschen bereits seit den späten 1960er Jahren der Begriff Atomwaffensperrvertrag eingeführt und bekannt ist. Mag man beim „Plattformschuh“ vielleicht noch auf die Bedeutung Plateauschuh schließen können, assoziiert man mit „Kleiderprobe“ eher das Anprobieren von Kleidungsstücken als die gemeinte Generalprobe in Theater oder Konzert. Auch der Bedeutungswandel von Wörtern – der in jeder Sprache ein normaler Vorgang ist – kann durch derartiges wörtliches Übersetzen beschleunigt werden: „Korruption“ („Datenkorruption“) bedeutet an sich im Deutschen noch Bestechlichkeit und nicht wie im Englischen Defekt, Schadhaftes, Verdorbenes und die „Radiostation“ ist streng genommen keine „Station“, sondern ein Sender. Meist sind Nomen Gegenstand von Wortneubildungen. Zu den wenigen Beispielen für neugebildete Verben gehört „herunterbrechen“ (aus englisch to break down) für deutsches aufschlüsseln, aufgliedern (Beispielsatz: „Das kann man nicht auf die einzelnen Anbieter herunterbrechen.“).
Beispiele
| Wortneubildung | übersetzt aus | auf Deutsch sagt man eigentlich |
|---|---|---|
| Afrikanisches Veilchen | African violet | Usambaraveilchen |
| Datenkorruption | data corruption | (partieller) Datenverlust, Datenschrott |
| Geldkuh | cash cow | Goldesel |
| herunterbrechen | to break down | aufschlüsseln, aufgliedern |
| Herzattacke | heart attack | Herzinfarkt |
| Hydrogenchlorid | hydrogen chloride | Salzsäure / Chlorwasserstoff |
| Justizdepartment | Department of Justice | Justizministerium |
| Kleiderprobe | dress rehearsal | Generalprobe |
| Mondblume | moonflower | Prunkwinde, Prachtwinde |
| neue Wolle | new wool | Schurwolle |
| Nonproliferationsvertrag | non-proliferation treaty | Atomwaffensperrvertrag |
| Physikalische Therapie | physical therapy | Physiotherapie |
| Plattformschuh | platform shoe | Plateauschuh |
| Radiostation | radio station | Rundfunksender |
| Rollenmodell | role model | Vorbild |
| Seiteneffekt | side effect | Nebenwirkung |
| sexuell explizit | sexually explicit | freizügig |
| Staatsdepartment | Department of State / State Department | Außenministerium |
| Zwielicht der Götter | twilight of the gods | Götterdämmerung |
Siehe auch
Quellen
- ↑ Stefan Winterstein: Übersetzungsfallen, http://uebersetzungsfallen.de/2.html Autopsie 10. Dezember 2006
Literatur
- Mary Snell-Hornby et al.: Handbuch Translation. Stauffenburg, Tübingen 1999, ISBN 3-86057-992-4.
Weblinks
- http://www.twenzel.de Typische Fehler im technischen Englisch
- Wie Sag Ichs Auf Deutsch.de - Ein tolerantes Wiki mit Vorschlägen zur Vermeidung von Anglizismen und Übersetzungsfallen.
- Übelsetzt - Sammelt und kommentiert Fehler in deutschen Übersetzungen von Filmen, Fernsehsendungen, Webseiten, etc.
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