Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.
BAWAG P.S.K.
Aus Kefk.
Die BAWAG P.S.K. (Bank für Arbeit und Wirtschaft und Österreichische Postsparkasse AG) entstand im Jahr 2005 durch die Fusion der Bank für Arbeit und Wirtschaft (BAWAG) und der Österreichische Postsparkasse (P.S.K.) und befindet sich im Mehrheits-Eigentum des US-Fonds Cerberus Capital Management.
Sie ist die fünftgrößte Bank Österreichs; auf Grund des BAWAG-Skandals, der die Bank rund 3,5 Mrd. Euro kostet, wurde die Bank von der Rating-Agentur Moody's in einer zehnstufigen Skala mit dem zweitschlechtesten Wert beurteilt.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Bank für Arbeit und Wirtschaft
Die Bank wurde 1922 vom vormaligen Staatskanzler, dem Sozialdemokraten Karl Renner als Arbeiterbank gegründet, weniger mit dem Ziel, Arbeitern günstige Kredite zu verschaffen, „sondern um den Organisationen und Instituten der Arbeiterklasse ein Hilfsinstitut zu schaffen, das ihnen die Benützung kapitalistischer Institutionen erspart“ (Zitat Karl Renner). Sie löste damit den seit 1913 bestehenden Kreditverband der österreichischen Arbeitervereinigungen ab. An der „Arbeiterbank AG“, besaßen die sozialistischen Gewerkschaften und die Großeinkaufsgesellschaft für österreichische Consumvereine (GÖC) je 40 % Anteile. 1934 wurde sie vom austrofaschistischen Ständestaat aufgelöst.
Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1947 wiedergegründet, erreichte die im Jahre 1963 in Bank für Arbeit und Wirtschaft bzw. abgekürzt BAWAG umbenannte Bank ab den Siebziger Jahren einen großen Kundenkreis. Dabei wurde das Zweigstellennetz stark ausgebaut. Populäre Produkte der Bank waren und sind das Kapitalsparbuch (Fixzinssparbuch mit verschiedenen vorgegebenen Laufzeiten) und der Betriebsratskredit (ein über die Betriebsräte österreichischer Unternehmungen für die Mitarbeiter vermittelter Privatkredit).
Hauptaktionär war von der Neugründung an der Österreichische Gewerkschaftsbund ÖGB (70 %) gemeinsam mit den Konsum Genossenschaften (30 %). Nach der Insolvenz des Konsum 1995 übernahm die Bayerische Landesbank dessen Anteile und erhöhte sie auf 46 %. 2004 stieg die BayernLB jedoch aus der BAWAG aus und verkaufte ihre Anteile an den ÖGB, der nun Alleinaktionär der BAWAG war.
Obwohl die BAWAG in den vergangenen Jahren mehrere Zukäufe in Zentral- und Osteuropa (Tschechische Republik, Slowakei, Ungarn) und Malta tätigte, liegt der Geschäftsschwerpunkt, im Gegensatz zu anderen österreichischen Banken (BA-CA, Erste Bank, Raiffeisen Zentralbank), nach wie vor in Österreich.
Österreichische Postsparkasse
Die Österreichische Postsparkasse (P.S.K.) war eine der größten Banken Österreichs und wurde aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahre 1882 gegründet. Im Jahr 1883 nahmen fast 4.000 Postämter den Postsparkassendienst auf. Wesentliche Impulse erhielt das österreichische Postsparwesen durch Georg Coch. In der Ersten Republik geriet das staatseigene Kreditinstitut im Rahmen des 1926 aufgebrochenen Postsparkassenskandals ins Gerede, bei dem es um verlustreiche Börsenspekulationen in Effekten und Devisen, vielfach im Zusammenwirken mit dem Großspekulanten Siegmund Bosel ging. In diesem Zusammenhang emigrierte auch der kurzfristige Finanzminister Jakob Ahrer zeitweilig nach Kuba.
Im Jahr 1906 wurde das nach den Plänen von Otto Wagner gebaute neue Hauptgebäude am Georg-Coch-Platz in Wien bezogen, welches zu den bedeutendsten Jugendstilgebäuden Österreichs zählt.
Fusion zur BAWAG P.S.K.
Im Jahr 2000 kaufte die BAWAG von der Republik Österreich 74,82 % der Anteile der Österreichischen Postsparkasse (P.S.K.), die Finanzdienstleistungen über das Filialnetz der österreichischen Post anbietet. Mit November 2003 übernahm die Bawag die restlichen 25,18 %, die seit 2000 eine Tochtergesellschaft der Bayrischen Landesbank und des ÖGB gehalten hatte. Im Jahre 2005 fusionierte die BAWAG endgültig mit der P.S.K. und es entstand die BAWAG P.S.K. als viertgrößte Bankengruppe Österreichs. Im Zuge dieser endgültigen Verschmelzung der BAWAG mit der PSK im Jahre 2005 wurde die „alte“ BAWAG auf Anteilsverwaltung Bawag P.S.K. AG (AVB) umgetauft und wurde zur Finanzholding, über welche der ÖGB seine Anteile an der BAWAG P.S.K. hält. Dabei wurde vom damaligen Bawag-Management beschlossen, so viele Eigenmittel wie möglich von der Mutterholding AVB in die operativ tätige Bank zu transferieren. So kamen schließlich die 1,531 Milliarden Euro Schulden des ÖGB bei der AVB zustande, die erst im Juni 2006 der Öffentlichkeit bekannt wurden. ÖGB Präsident Rudolf Hundstorfer, der im September 2005 die Verschmelzungsverträge in Vertretung des damaligen ÖGB Präsidenten abgesegnet hatte, hatte nach eigener Aussage damals keine Ahnung über diese Transaktion, die letztendlich für den ÖGB weit reichende Folgen hat.
Die BAWAG-Affäre
Hauptartikel: BAWAG-Affäre
Im März 2006 gab die Finanzmarktaufsichtsbehörde bekannt, dass neben den Krediten an die Firma Refco auch die hoch riskanten „Karibik-Geschäfte” der BAWAG, die im Zuge der Ermittlungen des Refco-Kreditdebakels bekannt wurden, einer Prüfung unterzogen werden. Laut Zeitungsberichten soll bei diesen „Karibik-Geschäften” in den Jahren 1995 bis 2000 rund eine Milliarde Euro Verlust entstanden sein.
Bei diesen „Karibik-Geschäften“ handelte es sich um riskante Veranlagungen, vor allem in Form von Zins- und Währungs-Swaps in beträchtlicher Volumenshöhe. Im Zuge dieser Geschäfte und besonders bei der Verschleierung der eingetretenen riesigen Verluste gründete man Briefkastenfirmen, die auf steuerschonenden Karibikinseln, speziell in Anguilla, ihren Sitz haben - daher der Name des Debakels. Für die Bilanz 2000 verlangten die Wirtschaftsprüfer der Bawag, eine Garantie für die Werthaltigkeit der Kredite an die vielen Stiftungen und Gesellschaften in denen die "Karibik-Verluste" versteckt waren. Dieses Problem konnte nur durch eine Garantieerklärung des ÖGB überbrückt werden. Der damalige ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch erteilte die Garantie ohne Inkenntnissetzung, geschweige denn Zustimmung der hierfür zuständigen Organe (Aufsichtsrat der BAWAG bzw. Präsidium des ÖGB) und verwendete dazu als Besicherung den sogenannten Streikfonds des ÖGB, der durch Zahlungen von Mitgliedsbeiträgen laufend erhöht wird.
Auf einer Pressekonferenz am 24. März 2006 bestätigte der BAWAG-Aufsichtsratsvorsitzende Günter Weninger diese Vorwürfe und kündigte gleichzeitig seinen Rücktritt von den Funktionen in der BAWAG und im ÖGB an. Am 27. März 2006 führte die Affäre zum Rücktritt des ÖGB-Präsidenten Fritz Verzetnitsch.
BAWAG-Verkauf
| Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf bitte mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung. |
Am 30. März 2006 beschloss BAWAG-Eigentümer ÖGB sich von der Bank komplett zu trennen. Es gab heftige Diskussionen, ob der ÖGB nicht doch zumindest Minderheitseigentümer bleiben sollte. Anfänglich waren sowohl die Belegschaft der Bank als auch Teile des ÖGB der Ansicht, dass der ÖGB einen 25%-Anteil und eine Aktie als Sperrminorität behalten sollte. Es kann aber angenommen werden, dass die schlechte finanzielle Situation des ÖGB diesen zwingen wird, die BAWAG zur Gänze zu verkaufen. Als potenzieller Käufer war zuerst die Wiener Städtische Allgemeine Versicherung im Gespräch, eventuell gemeinsam mit der Erste Bank. Einige Wochen später wurde von beiden Instituten ein Interesse an einem Kauf der BAWAG dementiert. Interesse hat auch die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) angemeldet.
Am 20. April 2006 wurde die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley beauftragt, potenzielle Käufer ausfindig zu machen.
Ende August 2006 erklärten die Wiener Städtische Allgemeine Versicherung, die Erste Bank und die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), nicht mehr an einem Kauf der BAWAG-P.S.K. interessiert zu sein. Diese Entwicklung macht die potentiellen ausländischen BAWAG-Bieter zu klaren Favoriten. Für die ausländischen Bieter ist vor allem interessant, dass die BAWAG-P.S.K. stark im Privatkunden-Bereich verankert ist. Hiebei ist zudem der Vertriebsvertrag der BAWAG P.S.K. mit der Österreichischen Post AG erwähnenswert. Diese Zusammenarbeit ist bis 2012 gesichert. Die Ostfantasie hingegen spielt bei potenziellen Käufern keine Hauptrolle. Die ungarische OTP etwa, die starkes Interesse hat, ist in der Region selber bestens aufgestellt.
Die Bewerbungsfrist für den Kauf der BAWAG P.S.K. endete am 8.September 2006. Es soll eine Reihe von Offerten bei Morgan Stanley eingelangt sein. Darunter sind, laut Financial Times Deutschland, die
- Bayerische Landesbank, die bereits vor Jahren mit 46 Prozent an der Gewerkschaftsbank beteiligt war,
- die Österreichische Raiffeisen Zentralbank Wien, und die
- Generali Versicherung, die gemeinsam mit der Wüstenrot-Holding und dem US-Fonds Cerberus Capital Management mitgeboten hat.
- die schwedische Skandinaviska Enskilda Banken (SEB AB),
- der US Mischkonzern General Electric,
- die Allianz AG Versicherung mit der Dresdner Bank,
- Weiters haben auch die Finanzinvestoren J.C. Flowers, Lone Star und KKR ihr Interesse angemeldet
Am 20. November 2006 wurde von Morgan Stanley und ÖGB entschieden, dass vier Bieter in die Endrunde kommen, mit denen weiterverhandelt wird. Darunter sind die Bayerischen Landesbank, der US-Fonds Cerberus mit Partnern und Lone Star. Die Chancen stehen gut, dass der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) für die Bawag/P.S.K. genug erlöst, um nicht auf die Staatsgarantien zurückgreifen zu müssen. Der Verkauf der Bawag soll bis Jahresende abgeschlossen sein.
Am 14. Dezember 2006 wurde das Ergebnis des Bieterverfahrens bekannt gegeben. Der Zuschlag ging an das Konsortium des US-Fonds Cerberus. In diesem sind unter anderen die Generali Versicherung, die österreichische Wüstenrot Gruppe, eine Industriellengruppe um Hannes Androsch und die Österreichische Post mit Minderheitsanteilen beteiligt. Der Verkaufspreis beträgt 3,2 Milliarden Euro. Von diesen sollen 2,6 Mrd. an den ÖGB gehen. Von der Restsumme soll ein Teil an die BAWAG fließen, die Bundeshaftung wird dadurch nicht schlagend. Der Kaufvertrag soll noch vor Weihnachten unterzeichnet werden und ein Teil der Kaufsumme noch vor Jahresende an den in Finanznöten steckenden ÖGB überwiesen werden. Cerberus ist ein Finanzinvestor. Er beabsichtigt die BAWAG P.S.K. zu sanieren und nach einigen Jahren seinen Anteil über die Börse zu verkaufen.
Rassismusaffäre 2007
Am 13. April 2007 geriet die BAWAG P.S.K. wegen einer Rassismus- und Diskriminierungsaffäre in die Schlagzeilen, weil die Konten von "kubanischstämmigen" Privatkunden (laut Presseberichten ungeachtet der österreichischen Staatsbürgerschaft) mit Verweis auf ihre Abstammung aufgekündigt wurde. Dies sei damit begründet worden, dass der neue US-Eigentümer keine Geschäftsbeziehungen mit "Kubanischstämmigen" wünsche (konkret wurde auf den Helms-Burton Act Bezug genommen). Diesbezügliche Klagen wurden bereits angekündigt. Die Affäre zog eine Debatte nach sich, in der als schwerwiegende Konsequenz bereits der Abzug der österreichischen Staatskonten aus der BAWAG gefordert wird.
Beteiligungen
Inländische:
- Oesterreichische Nationalbank (11,9 %; am 2. Mai 2006 wurde bekanntgegeben, dass die BAWAG ebenso wie der ÖGB ihre Anteile an der Österreichischen Nationalbank an die Republik Österreich übertragen)
- Österreichische Lotterien (rund ein Drittel)
- easybank (100 %)
- Sparda Bank Wien (100 %)
- Verkehrskreditbank (100 %)
- Bausparkasse Wüstenrot
- Kontrollbank
- Wiener Börse AG
- Europay Austria (11 %)
- Austria Rail Engineering (50 %)
Ausländische:
- BAWAG banka, Slowenien
- BAWAG International Finance, Irland
- BAWAG Bank, Tschechische Republik
- Istrobanka, Slowakei
- MKB, Ungarn
Beteiligungen, von denen sie sich trennen will:
- Bösendorfer, Klavierhersteller (100 %)
- ATV (41,48 %)
- Stiefelkönig, Schuhhandelskette
- Köck-Cosmos, Elektrohandelskette
Weblinks
- Homepage der BAWAG P.S.K.
- http://www.news.at/prod/510/bawag/bawag_dossier.pdf (PDF) OeNB Prüfbericht zur causa BAWAG
| Dieses Dokument entstammt in seiner ersten oder einer späteren Version der deutschsprachigen Wikipedia. Es ist dort zu finden unter dem Stichwort BAWAG_P.S.K., die Liste der bisherigen Autoren befindet sich in der Versionsliste; die Originalfassung kann dort auch bearbeitet werden. Alle Texte der Wikipedia und ihre Derivate stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. |
