Das Kefk Network Wiki befindet sich im Testbetrieb.


Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus

Aus Kefk.

Wechseln zu: Navigation, Suche

Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus beschreibt insbesondere den Zeitraum der Geschichte Österreichs vom 12. März 1938, als Österreich mit dem „Anschluss“ Teil des Deutschen Reiches in der Zeit des Nationalsozialismus wurde, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Frühjahr 1945.

Der einleitende Abschnitt gibt einen Überblick zur zeitgeschichtlichen und politischen Vorgeschichte der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ab der Gründung der Republik nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Bild:Deutschösterreich.PNG
Zu den von der Nationalversammlung 1918 beanspruchten Gebieten zählte u. a. auch das Sudetenland

1918, nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, dem Auseinanderbrechen des Vielvölkerreichs Österreich-Ungarn und der Abschaffung der österreichischen Monarchie, standen sich in der jungen Republik vorerst drei große politische Lager gegenüber: die Sozialdemokraten (SDAP), die Christlichsozialen (CS) und die Deutschnationalen (Großdeutsche Vereinigung, ab 1920: Großdeutsche Volkspartei, GVP). Kleinere Parteien, wie die kommunistische (KPÖ) und die nationalsozialistische (Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei, DNSAP), waren nicht im Reichsrat beziehungsweise dem Nationalrat vertreten (vgl. Wahl der konstituierenden Nationalversammlung).

SDAP, Großdeutsche – auch Alldeutsche genannt – und DNSAP befürworteten klar, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, eine Vereinigung Deutschösterreichs mit dem nun ebenfalls republikanischen Deutschen Reich (Weimarer Republik). Die CS war ebenfalls tendenziell für diesen Zusammenschluss, war zu Beginn aber vor allem in anderer Hinsicht gespalten; teils wurde eine Weiterführung der Monarchie befürwortet, teils die Republik. Während die KPÖ sich erst im Verlauf der 1920er und 1930er Jahre klar gegen einen Anschluss aussprach, traten die Monarchisten zunächst dagegen auf und befürworteten ihn erst später, nachdem die Münchner Räterepublik gescheitert war und das Deutsche Reich konservativ regiert wurde. Mit dem am 10. September 1919 von Karl Renner (SDAP), dem ersten Staatskanzler der Republik, unterzeichneten Vertrag von Saint-Germain waren die Vereinigung mit dem Deutschen Reich, wie auch die Weiterführung bzw. Restauration der Monarchie obsolet geworden und die Republik Österreich als selbstständiger Staat völkerrechtlich verankert.

Erste Republik

Das Leben und die Politik der folgenden Jahre waren geprägt von großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Verlust der Industriegebiete und Rohstoffquellen in der nun unabhängigen Tschechoslowakei, Hyperinflation) und einem sich stetig weiter zuspitzenden Gegensatz zwischen den politischen Lagern. Von 1918 bis 1920 stellten die Sozialdemokraten den Regierungschef, danach regierten die Christlichsozialen in Koalition mit den Deutschnationalen.

Am 31. Mai 1922 wurde Prälat Ignaz Seipel Bundeskanzler der CS-geführten Regierung. Ihm gelang es, die wirtschaftliche Situation mit finanzieller Hilfe des Völkerbundes wieder zu verbessern („Genfer Sanierung“, Währungsreform). Ideologisch war Seipel strikt antimarxistisch und vor allem darauf bedacht, den Einfluss der Sozialdemokraten möglichst zurückzudrängen – von beiden Seiten wurde der Konflikt als einer zwischen gesellschaftlichen Klassen betrachtet. Auf Bundesebene regierte die bürgerliche Koalition, die von christlichsozialer Seite auch personell eng mit der römisch-katholischen Kirche verbunden war. Die SDAP entwickelte in den 1920er Jahren vor allem in Wien, wo sie unter Bürgermeister Karl Seitz mit Zweidrittelmehrheit regierte, in kleinerem Umfang auch in den Industrieregionen der Steiermark und Oberösterreichs, ein Gegenmodell: das, vor allem durch den sozialen Wohnbau, auch international bekannt gewordene „Rote Wien“.

Ein Kennzeichen der Ersten Republik war von Beginn an ein nur schwach ausgeprägtes Bekenntnis zum Gewaltmonopol des Staates. Das Bundesheer war nach Vorgabe der Alliierten auf maximal 30.000 Mann beschränkt, die Polizei schlecht ausgerüstet. Schon 1918 hatten sich erste „Heimatwehren“ gebildet (vgl. „Kärntner Abwehrkampf“). 1920 wurde in Tirol, unter Führung des Landesrats Richard Steidle (CS) und unter Mithilfe der bayerischen „Organisation Escherich“ (vgl. Schwarze Reichswehr), die erste Heimwehr gegründet; ihr folgten bald weitere in den anderen Bundesländern. Nachdem 1923 Mitglieder der monarchistischen „Ostara“ einen Arbeiter erschossen hatten, gründeten die Sozialdemokraten ihrerseits den Republikanischen Schutzbund. Weitere paramilitärische Gruppen waren die aus früheren Kriegsteilnehmern formierte Frontkämpfervereinigung, die katholisch orientierten Ostmärkischen Sturmscharen und Christlichdeutschen Turner und der Vaterländische Schutzbund der, als „Hakenkreuzler“ anfangs nicht ernst genommenen, Nationalsozialisten, der später in der österreichischen SA aufging.

Bereits am 14. November 1903 war im böhmischen Aussig (heute Ústí nad Labem, damals Teil Österreich-Ungarns) die Deutsche Arbeiterpartei gegründet worden. Die Partei war deutsch-nationalistisch und antiklerikal, aber anfangs noch nicht ausgeprägt antisemitisch. Sie verstand sich vor allem als Vertreterin der Deutschösterreicher im „Volkstumskampf“ des Vielvölkerreiches [1]. 1909 stieß der Rechtsanwaltsanwärter Walter Riehl zur Partei, der im Mai 1918 deren Obmannstellvertreter und Geschäftsführer wurde. Während des Reichsparteitages am 4. und 5. Mai wurde der Name in Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP) geändert. Mit dem Zerfall der Monarchie spaltete sich die Partei in einen tschechoslowakischen Teil unter Führung von Hans Knirsch und einen deutschösterreichischen unter Riehl. Ab 1920 arbeitete die österreichische DNSAP eng mit der, aus der 1919 in München gegründeten Deutschen Arbeiterpartei (DAP) im Deutschen Reich hervorgegangenen, Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zusammen, in der Adolf Hitler 1921 die Führung übernahm. Die DNSAP zählte 1923 etwa 23.000 Mitglieder und war nur eine Randfigur in der politischen Landschaft Österreichs. 1924 spaltete sich die Partei in den von Riehl geführten Deutschsozialen Verein und die Schulzgruppe des Karl Schulz, die einander als Gegner gegenüberstanden. Am 4. Mai 1926 gründete Richard Suchenwirth in Wien die österreichische NSDAP als Landesorganisation der, vor allem in Bayern aktiven, NSDAP im Deutschen Reich.

In Italien war Benito Mussolini 1922 Ministerpräsident geworden. Er errichtete in den folgenden Jahren eine faschistische Diktatur und wurde zu einem wichtigen Verbündeten der CS und Unterstützer der Heimwehren.

Bei der Nationalratswahl im April 1927 erreichte die NSDAP nur 779 Stimmen. Stärkste Kraft – vor den Sozialdemokraten – wurde die Einheitsliste, der, unter Führung der Christlichsozialen, auch die deutschnationale Großdeutsche Volkspartei (GVP), und die nationalsozialistischen Riehl- und Schulzgruppen angehörten. In diesen Jahren gab es zahlreiche gewalttätige Zusammenstöße zwischen den verschiedenen bewaffneten Verbänden, die immer wieder Todesopfer forderten (vgl. Schattendorfer Urteil). Die Nationalratswahl im November 1930 brachte eine relative Mehrheit für die SDAP. Die CS fiel auf den zweiten Platz zurück, bildete aber in Koalition mit GVP und Landbund weiterhin die Regierung. Die NSDAP verfehlte mit 3,6% den Einzug in das Parlament. In den folgenden Jahren kam es aber zu einer Verschiebung der Wählerstimmen von den verschiedenen deutschnationalen Gruppen und Parteien hin zur NSDAP. Ab 1930 konnte sie ihre Mitgliederzahl, auch vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise, jedes Jahr verdoppeln. Bei Landtagswahlen in Wien, Niederösterreich und Salzburg erzielte sie deutliche Zugewinne. Eine ihrer Parolen lautete: „500.000 Arbeitslose – 400.000 Juden – Ausweg sehr einfach: wählt Nationalsozialisten“.

Diktatur, Bürgerkrieg und Verbot der NSDAP

Die seit 1920 regierende CS, seit 1932 geführt von Bundeskanzler Engelbert Dollfuß, war nun in ihrer Macht nicht mehr nur durch die SDAP bedroht. Bereits der frühere Bundeskanzler und Priester Ignaz Seipel hatte auf Basis der christlichen Soziallehre, insbesondere der EnzyklikaRerum Novarum“ (1891) und der BulleQuadragesimo anno“ (1931), die Errichtung eines Ständestaates angestrebt. Voraussetzung dafür war die Abschaffung des Parlamentarismus. Eine Geschäftsordnungskrise im Nationalrat am 4. Mai 1933 („Selbstausschaltung des Parlaments“) bot Dollfuß die willkommene Gelegenheit dazu.

Am 20. Mai 1933 wurde die Vaterländische Front (VF), als Nachfolgerin der CS, als „überparteiliche“, allerdings katholisch orientierte und klar antimarxistische, politische Organisation „aller vaterlandstreuen Österreicher und Österreicherinnen“ gegründet. Schon am 26. Mai folgte das Verbot der KPÖ. Am 30. Mai wurde der republikanische Schutzbund verboten und auch die Freidenker fielen der Verbotswelle zum Opfer. Die NSDAP erreichte bei Gemeinderatswahlen zwar meist nur unter 25 % der Stimmen, sorgte aber durch jeweils mehr als 40 % bei den Wahlen in Zwettl und Innsbruck für Beunruhigung bei der regierenden VF. Zudem fand auch eine Terrorwelle von NS-Anhängern ihren Höhepunkt, als in den ersten Wochen des Juni bei Anschlägen vier Menschen getötet und 48 verletzt wurden. Auslösendes Moment für das Verbot der NSDAP am 19. Juni war ein Anschlag mit Handgranaten in Krems. Der NS-Terror nahm in den folgenden Monaten ab, jedoch waren bis Jahresende immer noch fünf Tote und 52 Verletzte zu beklagen.

Im Deutschen Reich war Adolf Hitler am 30. Januar 1933 Reichskanzler geworden (vgl. „Machtergreifung“). Die SDAP strich in der Folge das Ziel eines Zusammenschlusses mit dem nunmehr nationalsozialistischen Deutschen Reich aus dem Parteiprogramm. Nationalsozialisten, die nach dem Verbot ihrer Partei in Österreich nach Bayern geflohen waren, gründeten dort die „Österreichische Legion“. Sie war in eigenen Lagern untergebracht und wurde militärisch ausgebildet. Der Terror, den NSDAP-Anhänger in Österreich ausübten, wurde logistisch, finanziell und materiell aus dem Nachbarland unterstützt. Im Rahmen umfassender Agitation gegen Österreich nach dem Verbot der NSDAP verhängte die deutsche Regierung am 1. Mai 1933 die Tausend-Mark-Sperre: Deutsche Staatsbürger mussten nun vor Antritt einer Reise nach Österreich eine Gebühr von 1000 Reichsmark entrichten.

Am 12. Februar 1934 kam es in Linz zu einem folgenschweren Zwischenfall, als Mitglieder der Heimwehr, eingesetzt als Hilfspolizei, in ein Parteiheim der SDAP eindringen wollten, um dort nach Waffen des nun verbotenen Schutzbundes zu suchen. Die bewaffnete Auseinandersetzung griff auf das ganze Land über und weitete sich zum Bürgerkrieg im Februar 1934 aus. Die Polizei und die sie unterstützenden Heimwehrabteilungen unter Befehl des Heimwehrführers und Innenministers Emil Fey konnten gemeinsam mit dem Bundesheer die Kämpfe bis zum 14. Februar für sich entscheiden. Es folgten zahlreiche Verhaftungen, die Wiedereinführung der Todesstrafe, die Auflösung des Verfassungsgerichtshofs und der Gewerkschaften sowie das Verbot der SDAP und aller anderen sozialdemokratischen Organisationen.

Nachdem die politische Opposition vollständig ausgeschaltet war, erfolgte die Umwandlung der Republik in den austrofaschistischen „Ständestaat“. Am 1. Mai 1934 wurde die autoritäre „Maiverfassung“ beschlossen.

NS-Putschversuch und wachsende deutsche Einflussnahme

Bild:66066.jpg
Demonstration gegen die Verträge von St. Germain und Versailles; antisemitische Banner von Anhängern der NSDAP (Wien, 1930er-Jahre)
Bild:45023.jpg
Mitglieder der österreichischen SS hindern jüdische Studenten am Betreten der Universität Wien (ca. 1938)

Seit Anfang 1934 erschütterte auch eine neuerliche Welle von Terroranschlägen von Nationalsozialisten das Land. Ziele waren nun nicht mehr Einzelpersonen wie zuvor, sondern vor allem Einrichtungen des Staates. Im ersten Halbjahr starben dabei 17 Menschen und 171 wurden verletzt. Am 25. Juli versuchten die Nationalsozialisten, unter Führung der SS-Standarte 89, einen Putsch (siehe Juliputsch). Einigen gelang es, in das Bundeskanzleramt in Wien einzudringen, wo Dollfuß durch Schüsse so schwer verletzt wurde, dass er wenig später seinen Verletzungen erlag. Der Putsch wurde aber niedergeschlagen. In Kärnten und der Steiermark dauerten die Kämpfe noch bis zum 27. Juli an. Von Bayern aus versuchten Angehörige der „Österreichischen Legion“, über das Mühlviertel nach Linz vorzudringen, konnten aber an der Grenze bei Kollerschlag zurückgeworfen werden. Mehrere tausend Anhänger der NSDAP wurden verhaftet, rund 40.000 flohen über die Grenzen in das Deutsche Reich und nach Jugoslawien. In Bayern schlossen sich viele der „Österreichischen Legion“ an, die zwar wenig später offiziell aufgelöst, tatsächlich aber nur weiter nach Norden verlegt und in „Hilfswerk Nord-West“ umbenannt wurde. Von Seiten des faschistischen Italien, Schutzmacht und enger Verbündeter des Regimes in Wien, wurden während der Tage des Putschversuches Soldaten an die österreichische Brenner-Grenze verlegt, um deutsche Truppen von einem möglichen Einmarsch in Österreich abzuschrecken.

Die deutsche Regierung erklärte, nichts mit dem Putschversuch zu tun zu haben. Sie ging nun dazu über, das politische System in Österreich mit Vertrauensleuten zu unterwandern. Die illegale NSDAP wurde zwar weiterhin unterstützt, von zunehmender Bedeutung waren aber Sympathisanten, die der Partei nicht angehörten. Dazu zählten, neben anderen, die großdeutschen Franz Langoth und Walther Pembauer, wie auch Edmund Glaise-Horstenau, Taras Borodajkewycz und Arthur Seyß-Inquart.

Italien begann am 3. Oktober 1935 mit der Eroberung Abessiniens (Italienisch-Äthiopischer Krieg). International war Mussolini danach weitgehend isoliert und näherte sich Hitler an. Für die regierende Vaterländische Front bedeutete das den Verlust eines wichtigen Verbündeten. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, Nachfolger des ermordeten Engelbert Dollfuß, musste nun nach Wegen suchen, das Verhältnis zum Deutschen Reich zu verbessern. Wie sein Vorgänger, wollte auch er die Unabhängigkeit Österreichs bewahren. Das Land war für ihn der zweite und – auf Grund des katholischen Fundaments – „bessere deutsche Staat“ [2].

Am 11. Juli 1936 schloss er mit der deutschen Regierung das Juliabkommen. Demgemäß wurden inhaftierte Nationalsozialisten amnestiert (die NSDAP blieb verboten) und NS-Zeitungen wieder zugelassen. Weiters verpflichtete Schuschnigg sich, zwei Vertrauensleute der Nationalsozialisten in die Regierung aufzunehmen: Edmund Glaise-Horstenau wurde Bundesminister für nationale Angelegenheiten und Guido Schmidt Staatssekretär im Außenministerium. Arthur Seyß-Inquart wurde in den Staatsrat aufgenommen. Im Gegenzug hob das Deutsche Reich die Tausend-Mark-Sperre auf. Die Unterwanderung des austrofaschistischen Ständestaates durch die Nationalsozialisten wurde 1937 weiter gefördert, indem ihnen die Aufnahme in die Vaterländische Front ermöglicht wurde. In ganz Österreich wurden „Volkspolitische Referate“ eingerichtet, die, zum Teil unter Leitung von Nationalsozialisten stehend, als legale Tarnung für deren Reorganisation dienten.

Ab 1937 wurde deutlich, dass die Annexion Österreichs aus deutscher Sicht nur noch eine Frage der Zeit war [3]. Schon auf den ersten Seiten seines Buches „Mein Kampf“ (1924/25) hatte der gebürtige Österreicher Hitler seine Forderung „Deutschösterreich muß wieder zurück zum großen deutschen Mutterlande“ festgehalten. Die „Niederwerfung“ Österreichs und Tschechiens war auch Teil seiner strategischen Planungen, wie sie in der Hoßbach-Niederschrift vom 5. November 1937 festgehalten wurden. Hermann Göring, nach Hitler der „zweite Mann im nationalsozialistischen Staat“, hatte schon mehrfach diesbezügliche Aussagen getätigt. An einer Wand in seinem Jagdschloss Carinhall hing bereits eine Karte „Großdeutschlands“, auf der zwischen den beiden Staaten keine Grenze mehr eingezeichnet war. Für Göring, im Deutschen Reich auch für die Wirtschaftspolitik zuständig, war Österreich in mehrfacher Hinsicht von Interesse. Die deutsche Rüstungspolitik hatte die Gold- und Devisenreserven nahezu erschöpft. In den Tresoren der oesterreichischen Nationalbank hingegen lagerten noch umfangreiche Bestände. Zudem verfügte Österreich über wichtige Rohstoffe, wie Eisenerz und Erdöl, und mehr als 500.000 Arbeitslose, darunter viele Facharbeiter, die für die Rüstungsindustrie einsetzbar wären.

Franz von Papen, der deutsche Botschafter in Wien, arrangierte am 12. Februar 1938 ein Treffen zwischen Hitler und Schuschnigg auf dem Obersalzberg im bayerischen Berchtesgaden. Der deutsche Reichskanzler drohte offen mit dem Einmarsch in Österreich und zwang Schuschnigg zur Annahme einer Reihe von Maßnahmen zur Begünstigung der österreichischen Nationalsozialisten. Das Berchtesgadener Abkommen garantierte der seit 1933 verbotenen NSDAP die freie politische Betätigung und verhalf Arthur Seyß-Inquart am 16. Februar zur Ernennung zum Innenminister. Trotz immer stärkerer Einflussnahme des Deutschen Reiches auf die österreichische Innen- und Wirtschaftspolitik, war Schuschnigg immer noch um die staatliche Integrität Österreichs bemüht. Am 9. März gab er bekannt, am folgenden Sonntag, dem 13. März, eine Volksbefragung über die Unabhängigkeit Österreichs abhalten zu wollen. Hitler beantwortete das mit der Mobilmachung der für den Einmarsch vorgesehenen 8. Armee. Edmund Glaise-Horstenau, der zu diesem Zeitpunkt in Berlin gewesen war, überbrachte von dort das Ultimatum Hitlers, das von Göring auch in Telefonaten mit Schuschnigg bekräftigt wurde. Die deutsche Regierung forderte die Verschiebung bzw. Absage der Volksbefragung. Am Nachmittag des 11. März willigte Schuschnigg ein. Nun forderte Hitler auch seinen Rücktritt, der noch am selben Abend erfolgte.

Der „Anschluss“

Hauptartikel: Anschluss (Österreich)

Bild:1anschluss.gif
Deutsche Polizisten marschieren in Imst (Tirol) ein (12. März 1938)

Nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Kurt Schuschnigg wurde, wie von deutscher Seite gefordert, Arthur Seyß-Inquart von Bundespräsident Wilhelm Miklas mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Von 11. bis 13. März 1938 war er nun Regierungschef Österreichs und vollzog den „Anschluss“.

Am Morgen des 12. März überschritten deutsche Truppen und Polizisten, insgesamt etwa 65.000 Mann mit teils schwerer Bewaffnung, die österreichischen Grenzen und wurden von der Bevölkerung vielfach mit Jubel empfangen. In Wien traf am Flughafen Aspern der Reichsführer-SS Heinrich Himmler in Begleitung von SS- und Polizeibeamten ein, um die Übernahme der österreichischen Polizei durchzuführen. In ganz Österreich besetzten österreichische Anhänger der NSDAP und Mitglieder von SS und SA öffentliche Gebäude und Ämter. Noch am selben Abend trafen in Linz Hitler und Seyß-Inquart zusammen und vereinbarten die sofortige Durchführung der „Wiedervereinigung“ ohne die früher geplanten Übergangsfristen. Vom Balkon des Linzer Rathauses wurde die Gründung des „Großdeutschen Reiches“ verkündet. Am folgenden Tag beschloss die Regierung in ihrer zweiten Sitzung das „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“.

Von 15. März 1938 bis 30. April 1939 war Seyß-Inquart in der Folge als Reichsstatthalter im Rang eines SS-Obergruppenführers Leiter der österreichischen Landesregierung. Als solcher war es seine Aufgabe, die österreichischen Bundesbehörden aufzulösen und die Eingliederung der Verwaltung in jene des Deutschen Reiches vorzubereiten.

Eingliederung in das Deutsche Reich

Bild:64403Vienna1938.jpg
Propaganda im Vorfeld der Abstimmung; Wien, April 1938
Bild:03741Vienna1938.jpg
Uniformierte und Zivilisten sehen zu, als jüdische Mitbürger dazu gezwungen werden, Gehsteige zu reinigen; Wien, März od. April 1938

Am 15. März traf Hitler, der die beiden vorhergehenden Tage in seinem Geburtsort Braunau am Inn verbracht hatte, in Wien ein und hielt auf dem Heldenplatz unter dem Jubel zehntausender Menschen seine Rede, in der er die „größte Vollzugsmeldung“ seines Lebens abgab: „Als Führer und Kanzler der deutschen Nation und des Reiches melde ich vor der deutschen Geschichte nunmehr den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich“. Der Oberösterreicher Ernst Kaltenbrunner, im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1946 zum Tode verurteilt und hingerichtet, wurde zum SS-Brigadeführer befördert und Führer des SS-Oberabschnittes Österreich. Schon am 12. März beginnend und in den darauf folgenden Wochen wurden, insbesondere in Wien, rund 72.000 Menschen verhaftet, darunter Politiker der Ersten Republik, Intellektuelle und vor allem Juden. Die meisten wurden in das KZ Dachau deportiert. Jüdische Vereine wurden aufgelöst.

Bild:Stimzettel-Anschluss.jpg
Stimmzettel zur Abstimmung am 10. April 1938

Für den 10. April wurde eine Volksabstimmung über den bereits vollzogenen Anschluss angesetzt. In den Wochen nach dem 12. März wurde ganz Österreich mit einer, in solchen Ausmaßen bis dahin unbekannten, Propaganda überzogen. Hitler selbst, Joseph Goebbels, Hermann Göring, Rudolf Heß und andere führende Vertreter des nationalsozialistischen Regimes traten bei penibel inszenierten Veranstaltungen auf und hielten Reden. Auch die gleichgeschaltete Presse und der Rundfunk (RAVAG) hatten kein anderes Thema als das Ja zur „Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“. Prominente Österreicher, wie der Kardinal Theodor Innitzer, der eine Erklärung der Bischöfe dazu mit „Heil Hitler“ unterzeichnete, und Politiker, darunter der Sozialdemokrat Karl Renner, warben für die Zustimmung. Nach amtlichen Angaben stimmten dann auch in Österreich 99,73 % und im Deutschen Reich, dem „Altreich“, 99,08 % für den „Anschluss“.

Von der Abstimmung ausgeschlossen waren 8 % der eigentlich Wahl- bzw. Stimmberechtigten; etwa 200.000 Juden, rund 177.000 „Mischlinge“ und die bereits zuvor aus politischen oder „rassischen“ Gründen Verhafteten.

Vielerorts kam es in diesen Wochen zu Übergriffen auf jüdische Mitbürger. Viele wurden ihrer Geschäfte und Wohnungen beraubt, derer sich dann jene bemächtigten, die die Eigentümer zuvor mit Hilfe von SA und fanatischen Privatpersonen vertrieben hatten. Juden wurden gezwungen, ihre besten Kleider anzuziehen und dann auf Händen und Knien mit Bürsten Gehsteige zu reinigen. Der Schriftsteller Carl Zuckmayer beschrieb jene Tage in seiner Autobiografie (1966) als „Alptraumgemälde des Hieronymus Bosch […]. Die Luft war von einem unablässig gellenden, wüsten, hysterischen Gekreische erfüllt, aus Männer- und Weiberkehlen, das tage- und nächtelang weiterschrillte. Und alle Menschen verloren ihr Gesicht, glichen verzerrten Fratzen: die einen in Angst, die andren in Lüge, die andren in wildem, haßerfülltem Triumph. […] Ich erlebte die ersten Tage der Naziherrschaft in Berlin. Nichts davon war mit diesen Tagen in Wien zu vergleichen. […] Was hier entfesselt wurde, war der Aufstand des Neids, der Mißgunst, der Verbitterung, der blinden, böswilligen Rachsucht – und alle anderen Stimmen waren zum Schweigen verurteilt.“

Verwaltung

Bild:Deutschesreich1939.png
Das Deutsche Reich 1939

Josef Bürckel, zuvor bereits Reichskommissar für die „Rückgliederung“ des Saargebietes, wurde am 23. April 1938 „Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“. Er war als kommissarischer Leiter der NSDAP auch mit der Reorganisation der Partei in Österreich beauftragt.

Mit Inkrafttreten des „Gesetzes über den Aufbau der Verwaltung in der Ostmark (Ostmarkgesetz)“ am 1. Mai 1939 wurde die Landesregierung aufgelöst, womit auch die Befugnisse von Reichsstatthalter Seyß-Inquart auf Reichskommissar Bürckel übergingen. Die Umsetzung der Bestimmungen des Ostmarkgesetzes, also die Auflösung aller verbliebenen österreichischen Verwaltungsstrukturen und deren Integration in die des Deutschen Reiches, war am 31. März 1940 beendet. Bürckels Aufgaben als „Reichskommissars für die Wiedervereinigung“ waren damit abgeschlossen und ihm folgte von 1940 bis zum Kriegsende 1945 Baldur von Schirach als Reichsstatthalter und Gauleiter von Wien.

Länder werden Gaue

Hitler ließ den Namen Österreich anfangs durch „Ostmark“ ersetzen, eine seit dem 19. Jahrhundert verbreitete Übersetzung für marcha orientalis, die mittelalterliche Kernregion des späteren Österreich (vgl. Ostarrîchi). Ab 1942 lautete der Name, so es als notwendig erachtet wurde, die Territorien des früheren Österreich überhaupt noch mit einem zusammenfassenden Namen zu belegen, „Donau- und Alpenreichsgaue“. Damit sollte jeder Hinweis auf die historische Eigenständigkeit des Landes getilgt werden, auf welche die Bezeichnung „Ostmark“ noch hindeutete.

Josef Bürckel plante bei Antritt seines Amtes als „Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ das Staatsgebiet, an Stelle der neun Bundesländer, in vier Gauen neu zu ordnen. Das Vorhaben scheiterte nicht zuletzt an Einwänden der regionalen NS-Funktionäre, die befürchteten, dass ein solcher Schritt bei der traditionsverbundenen Bevölkerung auf kein Verständnis stoßen und die Autorität des Regimes beschädigen würde.

Das Staatsgebiet, die Bundesländer, wurde mit dem Ostmarkgesetz 1939 in Reichsgaue aufgeteilt, die der Einteilung der Gaue der NSDAP vom 31. Mai 1938 entsprachen: Kärnten, Niederdonau (zuvor Niederösterreich), Oberdonau (zuvor Oberösterreich), Salzburg, Steiermark und Wien. Vorarlberg wurde, obwohl Vorarlberger NS-Funktionäre einen Zusammenschluss mit Schwaben bevorzugt hatten, mit Tirol zum Gau Tirol-Vorarlberg zusammengefasst. Das nördliche Burgenland wurde dem Reichsgau Niederdonau eingegliedert, der südliche Teil der Steiermark. Osttirol wurde als Kreis Lienz an Kärnten angeschlossen. Dies war auch ein Signal an Mussolini, dass von Seiten Hitlers keine Ansprüche auf Südtirol gestellt würden. Weiters wurden auch einzelne Regionen neu zugeteilt. So wurde der steirische Teil des Ausseerlandes (Bad Aussee) mit dem oberösterreichischen (Altaussee) „wiedervereinigt“ und dem Gau Oberdonau zugeschlagen, das Kleine Walsertal wurde Schwaben und die Gemeinde Jungholz Oberbayern eingegliedert.

Mit der Unterzeichnung des Münchner Abkommens am 30. September 1938, wurden die deutschsprachig besiedelten Gebiete, die seit 1918 zur Tschechoslowakei gehörten, dem Deutschen Reich angeschlossen. Zunächst waren sie als „Auftragsverwaltung“ einem eigenen Gauleiter unterstellt. Mit dem „Gesetz zur Gliederung der sudetendeutschen Gebiete“ vom 25. März 1939 wurde Südmähren (Znaim und Nikolsburg) dem Gau Niederdonau und das Gebiet um Krumau dem Gau Oberdonau zugeteilt.

Im Zuge des Balkankrieges und der Besetzung Jugoslawiens wurden 1941 Teile Sloweniens als provisorische Verwaltungsgebiete dem Deutschen Reich eingegliedert. Als CdZ-Gebiete wurden die besetzten Gebiete Kärntens und der Krain und die Untersteiermark Kärnten bzw. der Steiermark angeschlossen.

Militär

Das Bundesheer leistete, auf Befehl der Regierung, keinen Widerstand als deutsche Truppen in Österreich einmarschierten. Zwar forderte Generalstabschef Alfred Jansa, dass das österreichische Bundesheer sich den deutschen Truppen entgegenstellen sollte, doch fand er keine Unterstützer in der Regierung Seyß-Inquarts. Nur in Bregenz, wo der Kommandant keine Befehle aus Wien erhalten hatte, wurde den ersten eintreffenden Wehrmachtseinheiten zunächst der Grenzübertritt verweigert.

Die Eingliederung des Bundesheeres in die Wehrmacht wurde bis zum 29. März vollzogen, der überwiegende Teil der Militärangehörigen, Offiziere wie auch Soldaten, wurde bis zum Herbst 1938 in die Wehrmacht übernommen. Das österreichische Territorium wurde in der Folge in die beiden Wehrkreise XVII (nördliches Österreich, südliche Tschechoslowakei) mit Hauptquartier in Wien und XVIII (südliches Österreich, nördliches Slowenien) mit Hauptquartier in Salzburg aufgeteilt. Das österreichische Heer wurde der Heeresgruppe 5 eingegliedert und der 2-jährige Militärdienst eingeführt.

Die österreichischen Soldaten waren bei Kriegsbeginn, dem Polenfeldzug 1939, bereits in verschiedene Wehrmachtseinheiten aufgeteilt. Es gab, mit Ausnahme der Gebirgsjäger, keine Verbände, in denen die Soldaten aus der „Ostmark“ eine signifikante Mehrheit stellten. Damit sollte die Bildung eines regional geprägten Selbstverständnisses unterbunden werden. Nur nach der Eroberung Norwegens (Unternehmen Weserübung), insbesondere der Stadt Narvik, mit der das Deutsche Reich sich den Zugriff auf die Erzvorkommen um Kiruna sicherte, wurde die Rolle der „ostmärkischen“ Gebirgsjägereinheiten (allerdings geführt vom bayerischen General Eduard Dietl) propagandistisch genutzt [4].

Situation im Land

Organisation

Am 1. Oktober 1938 wurde die deutsche Gemeindeordnung in den Gebieten des ehemaligen Österreich eingeführt. Die Verwaltungsstruktur war eng mit der Organisation der NSDAP verwoben. Den sieben Reichsgauen standen jeweils Reichsstatthalter vor, die zugleich auch NSDAP-Gauleiter waren und dem Innenminister unterstanden. Die Gaue waren in Kreise, diese wiederum in Ortsgruppen, Zellen und auf unterster Ebene in Blocks unterteilt, denen die „Blockwarte“ vorstanden.

Anders als im „Altreich“ wurde die staatliche Neuordnung im Sinne der Nationalsozialisten in der „Ostmark“ auf allen Verwaltungsebenen durchgeführt. Während zum Beispiel Preußen, Bayern oder Sachsen weiterhin von Ministerpräsidenten regiert wurden, die zwar Mitglieder der NSDAP waren, aber nicht NS-Gauleiter oder Reichsstatthalter, wurden Partei und staatliche Verwaltung im aufgelösten Österreich vollständig gleichgesetzt. Die Bundesländer, nun Gaue, wurden von Reichsstatthaltern, die in Personalunion auch NS-Gauleiter waren, regiert.

Groß-Wien

Bild:GR-Wien.png
    Wien bis 1938
    Groß-Wien ab 1938
    Wien heute

Hauptartikel: Groß-Wien

Erster Gauleiter Wiens wurde der Kärntner Odilo Globocnik, der aber schon 1939 als SS- und Polizeiführer nach Polen versetzt wurde (siehe „Aktion Reinhardt“). Auf Globocnik folgte Reichsstatthalter Josef Bürckel als Gauleiter Wiens, den seinerseits 1940 Baldur von Schirach ablöste, der diese Position bis zum Kriegsende 1945 innehatte.

Mit Verordnung vom 1. Juni 1938 wurde die Stadt Wien in vorerst neun (später zehn) Kreise aufgeteilt. Es wurden 436 Ortsgruppen eingerichtet, die insgesamt 2.470 Zellen und 14.254 Blocks umfassten. Die auf unterster Ebene der NS-Hierarchie den „Blockwarten“ unterstellten „Blockhelfer“ waren somit im Durchschnitt für etwa 30 bis 40 Einwohner zuständig.

97 Umlandgemeinden wurden in die Stadt, nunmehr ein eigener Reichsgau, integriert und so die Bezirke XXII (Groß-Enzersdorf), XXIII (Schwechat), XXIV (Mödling), XXV (Liesing) und XXVI (Klosterneuburg) geschaffen. Damit wurde Groß-Wien mit 1.224 km² zur flächenmäßig größten Stadt des Deutschen Reiches.

Reinhard Heydrich, Chef des Sicherheitsdienstes, hatte schon kurz nach dem „Anschluss“ das Hotel Metropol am Franz-Josefs-Kai beschlagnahmt und als Hauptquartier der Gestapo eingerichtet. Mit etwa 900 Mitarbeitern war dies die größte Dienststelle der Gestapo im gesamten Deutschen Reich.

Unter den Bauwerken und Einrichtungen, die bis 1945 errichtet wurden, zählen die sechs, ab 1942 bis kurz vor dem Kriegsende gebauten, Flaktürme, der Ölhafen Lobau und der Getreidehafen Albern zu den bis heute sichtbarsten Zeugnissen jener Jahre.

Kärnten

In Kärnten war die Machtübernahme auf allen Verwaltungsebenen, inklusive aller Gemeinden, bereits am 12. März 1938 vollzogen. Die Parteiorganisation war in Kärnten sehr stark, mit 6 % der Bevölkerung Österreichs stellte Kärnten 15,4 % der NSDAP-Mitglieder.

Dem Gau Kärnten wurde noch 1938 Osttirol angegliedert, 1941 auch das Mießtal und die Oberkrain.

Nach der Eroberung Jugoslawiens 1941 gab es Pläne, die Kärntner Slowenen, rund 20.000 bis 50.000 Menschen, in den Raum Lublin umzusiedeln. Kriegsbedingt und aufgrund von Protesten und der steigenden Partisanentätigkeit, wurden diese Pläne nur ansatzweise ausgeführt. So wurden im April 1942 1.075 Kärntner Slowenen von ihren Höfen vertrieben und ins „Altreich“ deportiert. Diese antislowenische Politik führte zu einem verstärkten Zulauf zur Partisanenbewegung. Im April 1941 wurde die Befreiungsfront/Osvobodilna Fronta (OF) gegründet. Zur Bekämpfung der Partisanen waren 1944/45 rund 15.000 Mann in Südkärnten stationiert. Bis Kriegsende fielen rund 500 Partisanen im Kampf. Dies war der einzige kontinuierliche, organisierte und bewaffnete Widerstand gegen die NS-Diktatur in Österreich und damit ein wichtiger Beitrag Österreichs zur Befreiung im Sinne der Moskauer Deklaration von 1943.

Rund 2.400 Kärntner fielen der NS-Verfolgung zum Opfer: Behinderte, Juden, Widerstandskämpfer, Sinti und Roma. Am Loiblpass und in Klagenfurt-Lendorf gab es Außenlager des KZ Mauthausen. Rund 62.000 Kriegsgefangene und Zivilisten mussten in Kärnten Zwangsarbeit verrichten.

Besonders Klagenfurt und der Verkehrsknotenpunkt Villach waren ab 1944 Ziele alliierter Luftangriffe, Villach war nach Wiener Neustadt die am stärksten zerstörte Stadt Österreichs. Alliierte Truppen erreichten Kärnten erst nach dem Waffenstillstand, so dass Kärnten von schweren Gefechten verschont blieb.

Bereits am 7. Mai 1945 übernahmen Vertreter der demokratischen Parteien die Verwaltung von den NS-Machthabern Gauleiter Friedrich Rainer und Gauhauptmann Meinrad Natmeßnig. Am 8. Mai trafen britische Truppen in Klagenfurt ein, wenige Stunden später auch jugoslawische, die den Anschluss von Kärntner Gebieten an Jugoslawien durchsetzen wollten. Auf Druck der britischen und sowjetischen Verantwortlichen mussten sie sich noch im Mai aus Kärnten zurückziehen, wobei es zu Verschleppungen und Tötungen etlicher Kärntner durch jugoslawische Truppen kam [5].

siehe auch: Geschichte Kärntens

Niederösterreich – Niederdonau

Während die Wien umgebenden Gemeinden dem Reichsgau Groß-Wien eingegliedert wurden, kam die nördliche Hälfte des Burgenlandes zum Reichgau Niederdonau, der Gauleiter Hugo Jury unterstellt wurde. Der Verwaltungssitz verblieb in Wien, allerdings wurde Krems zur „Gauhauptstadt“ erhoben.

Um die Gemeinde Döllersheim, dem Geburtsort von Hitlers Großvater, und 40 Nachbargemeinden wurde ab 1941 ein „Heeresgutsbezirk“, der größte Truppenübungsplatz im Deutschen Reich, angelegt. Die Bevölkerung wurde vertrieben und umgesiedelt (heute Truppenübungsplatz Allentsteig). Im Verlauf des Krieges diente das Gebiet als Sammelstelle für Kampfverbände, die an die östlichen Fronten verlegt wurden, und es wurden ein Sammellager für Beutegut und Kriegsgefangenenlager angelegt.

Entlang der Thermenlinie wurde auf Grund der strategisch günstigen Lage in den letzten Kriegsjahren kriegswichtige Schwerindustrie (Flugzeugbau u.ä) angesiedelt und Lager für Zwangsarbeiter eingerichtet. In der Schlussphase des Krieges war die Wiener Operation 1945 die letzte Schlacht des Krieges.

siehe auch: Geschichte Niederösterreichs

Oberösterreich – Oberdonau

Am 14. März 1938 übernahm August Eigruber, zuvor Gauleiter Oberösterreichs der verbotenen NSDAP, das Amt des Landeshauptmanns. Am 12. April 1940 wurde er als Reichsstatthalter des Reichsgaues Oberdonau vereidigt. Erster stellvertretender Gauleiter war ab 18. März 1938 Rudolf Lengauer aus Schwanenstadt. Ihm folgte schon am 23. Mai Hans Eisenkolb, der am 7. Mai 1940 von Christian Opdenhoff abgelöst wurde. Im Rahmen der Dachauer Prozesse wurde Eigruber nach Kriegsende wegen seiner Verantwortung für die Verbrechen im KZ Mauthausen zum Tode verurteilt und am 28. Mai 1947 hingerichtet. Linzer Polizeidirektor wurde nach der Ermordung von Viktor Bentz am 15. März 1938 der SS-Untersturmführer Josef Plakolm [6].

Mit der Neugliederung Oberdonaus in zwei Stadtkreise (Linz, Steyr) und 13 Verwaltungsbezirke am 1. November 1938 wurden die Bezirke Eferding und Urfahr-Umgebung aufgelöst und Ebelsberg und St. Magdalena der Hauptstadt eingemeindet. Die Gemeinden Lichtenegg und Pernau wurden Teile der Stadt Wels.

Linz – die „Patenstadt des Führers“
Hitler hatte von 1900 bis 1903 in Linz die Realschule besucht, während die Familie in Leonding bei Linz wohnte. Nach dem Schulabbruch lebte er ab 1905 mehrere Jahre mit seiner Mutter – Vater Alois war 1903 verstorben – in der Stadt. In dieser Zeit begann er, Skizzen von Gebäuden anzufertigen und Entwürfe für verschiedene Bauwerke und sogar eine Umgestaltung der Stadt zu zeichnen.

Bild:20051201 Nibelungenbridge.JPG
Die Nibelungenbrücke in Linz, der „Patenstadt des Führers“

In Hitlers Planungen nahm die Stadt, die er als „Patenstadt des Führers“ bezeichnete, nach seiner Machtergreifung einen besonderen Stellenwert ein (siehe auch Welthauptstadt Germania). Sie sollte nach dem Ende des Krieges nicht nur der Ort sein, wo er seinen Ruhestand verbringen wollte, sondern auch grundlegend umgestaltet werden. Er plante, sie zu einer Donaumetropole auszubauen, die nicht nur keinen Vergleich mit Wien oder Budapest scheuen, sondern diese Städte überflügeln sollte. Dazu sollten dort eine Reihe von Prunkbauten, eine Prachtstraße und die größte Kunst- und Gemäldegalerie der Welt errichtet werden. Deren Bestände sollten aus den Museen und Sammlungen des gesamten Deutschen Reiches und, im Rahmen des „Sonderauftrags Linz“, als Beutekunst in den eroberten Länder oder durch Einteignung von vornehmlich jüdischen Sammlern zusammengetragen werden. Zwar hatte Hitler Pläne und Modelle der Stadt noch bis zum Ende im „Führerbunker“ bei sich gehabt, aber weder Museum noch Prachtstraße wurden verwirklicht. Während des Krieges lag der Schwerpunkt der Investitionen im Bereich der Rüstungsindustrie.

Neben den repräsentativen Bauten sollte Linz auch zu einem Zentrum der Schwerindustrie ausgebaut werden. Schon am 4. Mai 1938 erfolgte die Gründung der Reichswerke AG für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann Göring zur Herstellung von Eisen und Stahl; am 13. Mai folgte der Spatenstich durch Hermann Göring.

Zu den noch heute sichtbaren Zeugnissen von Hitlers Plänen für Linz zählen die Nibelungenbrücke über die Donau, deren Bau er am 13. Mai 1938 befahl, sowie die dazugehörigen, markanten Brückenkopfgebäude zwischen Brücke und Hauptplatz. Ebenfalls aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt die Charakterisierung von Linz als Industriestadt, mit der Gründung der sechs Quadratkilometer großen Industrieanlagen der „Hermann Göring Werke“ (ab 1946 VÖST, heute Voestalpine) sowie der „Stickstoffwerke Ostmark“ (ab 1946 Österreichische Stickstoffwerke, dann Chemie Linz und heute Agrolinz Melamine International) und Wohnhausanlagen mit rund 10.000 Wohnungen, vorwiegend für Arbeiter der neuen großen Industriebetriebe gedacht.

Salzburg

Bild:Synagogesbg.jpg
Die wiedererrichtete Salzburger Synagoge

Die in Salzburg traditionell fest verwurzelte katholische Kirche musste, trotz Widerstandes und Versuchen eine Einigung mit den neuen Machthabern zu erzielen, starke Einschnitte ihrer Macht hinnehmen. Das katholische Schulwesen wurde, wie in ganz Österreich, verboten und Teile der Besitztümer der Kirche beschlagnahmt.

Kulturell sollte Salzburg von seiner „klerikalen und jüdischen“ Prägung befreit werden. So kam es auf Initiative Karl Springenschmids am 30. April 1938 auf dem Residenzplatz zur einzigen Bücherverbrennung auf dem Gebiet der „Ostmark“. Die jüdische Gemeinde Salzburgs zählte 1938 rund 200 Menschen, von denen nach dem „Anschluss“ viele ins Exil flohen oder nach Wien umsiedelten. Die Synagoge wurde während der Novemberpogrome 1938 („Reichskristallnacht“) zerstört, Geschäfte jüdischer Eigentümer verwüstet oder enteignet. Alle männlichen Juden der Stadt Salzburg wurden im Zuge der Ausschreitungen verhaftet. Gauleiter Friedrich Rainer verkündete wenig später, dass Salzburg „judenrein“ sei. Die Salzburger Festspiele wurden in den Jahren der NS-Herrschaft weitergeführt, nur 1944 wurden sie auf Anordnung von Joseph Goebbels, wie alle Festspiele im Deutschen Reich, in Folge des versuchten Staatsstreichs vom 20. Juli 1944 abgesagt. Durch das Fehlen bedeutender Künstler, die entweder ins Exil gezwungen worden waren oder ihre Mitwirkung verweigerten, verloren die Festspiele aber in diesen Jahren an Bedeutung.

Am 21. März 1938 führte Hitler selbst am Walserberg den Spatenstich für den Fortbau der Reichsautobahn von Salzburg über Linz nach Wien durch (heute Westautobahn, A1).

Von den alliierten Bombenangriffen 1944 und 1945 waren vor allem die Stadt Salzburg (Bahnhofsviertel, Innenstadt) und die Städte Grödig, Hallein, Bischofshofen und Schwarzach im Pongau betroffen. Die Landeshauptstadt wurde am 4. Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen erreicht und kampflos eingenommen.

Steiermark

In der Steiermark, vor allem in Graz, fanden schon in den Wochen vor dem 12. März 1938, insbesondere vom 19. bis zum 24. Februar, eine Reihe großer Demonstrationen und Kundgebungen von Anhängern der NSDAP statt. Gefordert wurde ein Machtwechsel und der „Anschluss“, wobei es auch zu gewalttätigen Übergriffen auf politische Gegner kam.

Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich wurden die steirischen Rohstoff- und Industriegebiete rasch in den Vierjahresplan eingebunden. Von besonderer Bedeutung waren die Erzvorkommen (Eisenerzer Alpen, Erzberg) und die Produktionsanlagen in der Mur-Mürz-Furche. Zur Arbeit wurden dort auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter eingesetzt. Von 1.700 im Jahr 1939 stieg die Zahl bis 1944 auf 4.514 Zwangsarbeiter und 1.871 Kriegsgefange, die am Erzberg arbeiten mussten. Kranke wurden in das KZ Mauthausen gebracht, von dem umgekehrt von 1943 bis 1945 das Außenlager „K-L. Eisenerz“ betrieben wurde. Von den in der Steiermark zur Zwangsarbeit Herangezogenen stammten, wie auch in Kärnten, rund 80 % aus Slowenien, das ab 1941 als CdZ-Gebiet Untersteiermark dem Reichsstatthalter und Gauleiter der NSDAP für den Gau Steiermark, Siegfried Uiberreither, unterstand.

In den letzten Kriegsjahren formierten sich um Leoben, Donawitz und im Gebiet der Koralpe Partisanengruppen, die zum Teil Kontakte mit den jugoslawischen Partisanen unterhielten.

Von den Bombenangriffen der Alliierten waren ab 1944 insbesondere Graz und die Industrieregionen betroffen.

Graz – die „Stadt der Volkserhebung“
Bereits am 24. Februar 1938, noch vor dem „Anschluss“ und während die NSDAP in Österreich noch verboten war, gelang es Grazer NS-Anhängern mit Einverständnis des Bürgermeisters am Rathaus die Hakenkreuzfahne anzubringen, was der Stadt die Bezeichnung als „Hochburg des Nationalsozialismus“ eintrug. Auch die Studenten der Grazer Universitäten beteiligten sich an den Aufmärschen und waren in großer Zahl Mitglieder von SA und SS. Sie begrüßten dann auch die Vereinigung mit dem Deutschen Reich und schlugen vor, dass die Hochschule in „Adolf-Hitler-Universität“ umbenannt werden sollte. Die Grazer Universitäten waren in ihrem Verständnis der südöstliche Vorposten der deutschen Wissenschaft, „Wegbereiter des Deutschtums“ und ein „Bollwerk gegen die Gefahr aus dem Osten“.

Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden Vertreter der anderen Parteien verhaftet, sowie etwa 2.400 Grazer, die gemäß den Nürnberger Gesetzen als Juden galten, verfolgt, ihres Eigentums beraubt, zur Emigration gezwungen oder nach Wien deportiert. Die Zeremonienhalle und die Synagoge wurden im November 1938 zerstört. Im März 1940 galt die Steiermark als „judenrein“. Anlässlich einer Feier am 25. Juli 1938, in der die steirischen Nationalsozialisten mit dem Motto „Und ihr habt doch gesiegt“ der Putschisten des Jahres 1934 gedachten, verlieh Hitler der Stadt den Titel „Stadt der Volkserhebung“.

siehe auch: Geschichte der Steiermark

Tirol-Vorarlberg

(Nord-)Tirol und Vorarlberg wurden im April 1938 zum Reichsgau Tirol-Vorarlberg zusammengelegt, bestehend aus 10 Kreisen, 335 Ortsgruppen, 813 Zellen und 4.821 Blocks (Stand 1940). Zum Gauleiter wurde der Innsbrucker Franz Hofer bestimmt, der seinen Sitz im neu errichteten „Gauhaus“ in der Landeshauptstadt hatte und der Reichsleitung in München, nicht in Wien, unterstellt war.

In der Bevölkerung, in der ein auch klerikaler Antisemitismus (z. B. Anderl von Rinn) teils tief verwurzelt war [7], hatte die NS-Ideologie dennoch vor 1938 kaum Widerhall gefunden. Auch nach dem „Anschluss“ stand der Nationalsozialismus zum Teil im Gegensatz zum tirolerischen Selbstverständnis und Patriotismus. Dass Osttirol nicht dem Gau Tirol-Vorarlberg, sondern dem Gau Kärnten angeschlossen wurde, war eine Enttäuschung für jene Tiroler, die von den neuen Machthabern eine Vereinigung auch mit Südtirol erwartet hatten. Es war das aber ein Zugeständnis Hitlers an seinen Verbündeten Mussolini. Die so genannte „Option“, das Umsiedlungsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und Italien, führte dazu, dass ab 1940 rund 70.000 Südtiroler nach Nord- und Osttirol übersiedelten, von denen nach dem Kriegsende etwa 25.000 wieder in ihre Heimat zurückkehrten.

Das Verhältnis der Vorarlberger und Tiroler zur NSDAP änderte sich im Lauf der Jahre. 1942 war Tirol-Vorarlberg mit 70.348 Parteimitgliedern jener österreichische Gau mit der höchsten Zahl an NSDAP-Mitgliedern in Relation zur Bevölkerung.

Nach der Entmachtung Benito Mussolinis im Jahr 1943 wurde auch Südtirol Gauleiter Hofer unterstellt, der damit der militärischen „Operationszone Alpenvorland“ vorstand; eine politische Vereinigung der Teile Tirols wurde aber nicht vollzogen.

Wirtschaft

Die Eingliederung der österreichischen Wirtschaft in den Vierjahresplan des Deutschen Reiches setzte unmittelbar nach dem „Anschluss“ am 12. März 1938 ein. Bereits am 17. März wurden die Goldreserven der Oesterreichischen Nationalbank der Deutschen Reichsbank übertragen. Das Gold aus Österreich überstieg die deutschen Reserven zu jenem Zeitpunkt um das Dreifache. Im Zuge der Währungsreform wurde der österreichische Schilling mit einem Wechselkurs von 1,5 Schilling zu 1 Reichsmark umgetauscht, was der deutschen Regierung und deutschen Unternehmen die Übernahme österreichischer Vermögenswerte erheblich erleichterte. Die Großindustrie ging fast zur Gänze in „deutsches Eigentum“ über. Die Vorstände von Großbetrieben, Banken, Versicherungen und anderer wichtiger Betriebe wurden nach und nach mit regimetreuen Personen besetzt.

Für viele Österreicher bedeutete die Neuorganisation und -ausrichtung der Wirtschaft vorerst eine Verbesserung der zuvor prekären Situation. Vor allem in Landwirtschaft und Industrie entstanden neue Arbeitsplätze. Auch Großprojekte wie die „Hermann Göring Werke“ bei Linz (denen auch die Steyr Daimler Puch AG eingegliedert wurde), die Schiffswerft Linz (heute ÖSWAG, gegründet am 24. Juni 1938 als erster Rüstungsbetrieb Oberösterreichs), das Kraftwerk Kaprun oder der Bau von Reichsautobahnen sorgten für Beschäftigungsmöglichkeiten für die Mehrzahl der zuvor Arbeitslosen. Binnen eines Jahres nach dem „Anschluss“ war praktisch keine Arbeitslosigkeit mehr vorhanden. Neben den im Land selbst Beschäftigten wurden etwa 100.000 Arbeiter, vor allem Fachkräfte, in das „Altreich“ beordert. Junge Männer wurden vorerst zum Reichsarbeitsdienst und mit Beginn des Krieges verstärkt zur Wehrmacht eingezogen.

Dass die wirtschaftlichen Maßnahmen den Plänen zur militärischen Aufrüstung und anschließend der Kriegswirtschaft untergeordnet waren, wurde in dieser Situation kaum beachtet. Jene, die dennoch darauf hinwiesen, fanden sich staatlichen Repressionen ausgesetzt.

Siehe auch: Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschland

„Fremdarbeiter“ und Zwangsarbeit

Im Winter 1939/40 machte sich erstmals ein größerer Mangel an Arbeitskräften bemerkbar. Über zwischenstaatliche Verträge wurden vorerst Polen, Tschechen, Slowaken, Italiener und Jugoslawen als so genannte „Fremdarbeiter“ für die Landwirtschaft angeworben.

Nach der Besetzung Polens wurden erstmals auch Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit verpflichtet. Am 31. März 1941 wies eine Aufstellung bereits insgesamt 96.999 Kriegsgefangene aus, die in den Wehrkreisen XVII und XVIII, also dem Gebiet Österreichs, als Zwangsarbeiter, mehrheitlich zum Aufbau von Industrieanlagen und in der Land- und Forstwirtschaft, eingesetzt wurden. Männer, Frauen und Jugendliche ab 15 Jahren wurden in den besetzten Gebieten willkürlich aufgegriffen und zur Zwangsarbeit abtransportiert. Die Gemeinden wurden verpflichtet jeweils eine festgelegte Anzahl von Arbeitern zu stellen, taten sie das nicht, wurden mitunter Gehöfte oder ganze Dörfer abgebrannt.

Bei einer Rede vor SS-Führern stellte Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 fest: „Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. […] Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, […]“.

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeiter und Kriegsgefangenen waren, entsprechend der nationalsozialistischen Rassenideologie, stark von ihrer Herkunft abhängig. Während „Westarbeitern“ (Franzosen, Belgier, Niederländer) eine bessere Behandlung zuteil wurde als den aus Ungarn und Südosteuropa Stammenden, rangierten die Arbeiter aus Polen, dem Protektorat Böhmen und Mähren und der Sowjetunion am unteren Ende der Hierarchie. Sie erhielten die geringsten Lebensmittelrationen, die schlechtesten Unterkünfte und wurden am stärksten von jedem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung abgeschirmt.

Enteignungen

In ganz Österreich setzte sofort nach dem 12. März eine Welle „wilder Arisierungen“ ein. Geschäfte jüdischer Mitbürger wurden von „Requirierungskommandos“, bestehend aus SA-Angehörigen und überwiegend Zivilisten mit Hakenkreuz-Armbinde, geplündert. Unternehmen und Wohnungen wurden unter fadenscheinigen Begründungen enteignet oder, nachdem die jüdischen Eigentümer vertrieben worden waren, einfach übernommen. Diese Übergriffe nahmen solche Ausmaße an, dass die Reichsregierung schließlich explizit darauf hinwies, dass diese Vorgehensweise zu unterbinden sei und Enteignungen nur im Einklang mit den Gesetzen geschehen dürften. Für die Opfer machte das im Endeffekt keinen Unterschied. Durch die gesetzlich reglementierten Enteignungen wurde aber sichergestellt, dass das Regime am Raub profitierte und steuernd eingreifen konnte, wenn wirtschaftlich bedeutende Unternehmen davon berührt waren.

Im Zuge von „Arisierungen“ wurden bis zum 10. August 1938 etwa 1.700 Kraftfahrzeuge und bis Mai 1939 etwa 44.000 Wohnungen beschlagnahmt. Mobiles Eigentum, vom Hausrat bis zu Kunstgegenständen, wurde frei verkauft oder über Auktionshäuser versteigert. Eine führende Rolle hatte dabei in der „Ostmark“ das Dorotheum inne. Besonders Wertvolles, etwa Kunstgegenstände, wurde meist Museen oder Universitäten übereignet, aber nicht selten auch günstig von Privatpersonen die dem NS-Regime nahestanden, oder von Funktionären des Regimes erworben. Die Wiener jüdische Gemeinde wurde gezwungen, als „Sühne“ für die von Schuschnigg geplante Volksabstimmung eine halbe Million Reichsmark zu entrichten.

Wer es sich leisten konnte, floh in Länder, die bereit waren, Juden oder politisch Verfolgte aufzunehmen. Das nationalsozialistische Regime verdiente an dieser Flucht, indem es von den Emigranten die „Reichsfluchtsteuer“ (25 % des gemeldeten Vermögens), die „Auswandererabgabe“ und die „Sozialausgleichsabgabe“ einhob und sie zwang, ihre übrigen Vermögenswerte „arisieren“ zu lassen. Im Völkischen Beobachter, dem Parteiorgan der NSDAP, wurde das mit den Worten „Der Jud muß weg – sein Gerstl bleibt da!“ kommentiert („Gerstl“ steht umgangssprachlich für Geld). Bei vermögenden, nichtgläubigen Juden wurde der Vermögensentzug teilweise auch über die sogenannte Aktion Gildemeester abgewickelt.

Die wirtschaftliche Struktur des Landes wurde grundlegend umgeformt. Gab es beispielsweise 1938 in Österreich noch 157 Apotheken, die von Juden geführt wurden, waren davon im Februar 1939 nur noch drei übrig; alle anderen waren innerhalb eines knappen Jahres „arisiert“ worden. Das Kaufhaus Herzmansky und das Warenhaus Gerngross in der Wiener Mariahilfer Straße, zwei der damals größten Warenhäuser Österreichs, wurden genauso wie zahlreiche Gewerbebetriebe und Unternehmen enteignet und nicht-jüdischen Gesellschaftern übergeben. Bis 1940 wurden 18.800 der 25.440 im Jahr 1938 im Eigentum von Juden stehenden Unternehmen liquidiert. Nicht in diesen Zahlen enthalten sind Banken. Von den etwa 100 Privatbanken, die als in jüdischem Besitz stehend galten, wurden acht „arisiert“ und alle anderen von kommissarischen Verwaltern übernommen, geschlossen und aufgelöst. Die Vermögen flossen direkt dem Regime oder ihm nahestehenden Unternehmen zu.

Verfolgung

Politische Gegner, Intellektuelle und Künstler

Die Verfolgung von politischen Gegnern setzte, wie auch die von Juden, unmittelbar nach dem „Anschluss“ ein. Innerhalb weniger Wochen wurden rund 60.000 Menschen verhaftet und vor allem in das KZ Dachau deportiert. Die Polizei, die nun Heinrich Himmler unterstand, war ohne Widerstand in den reichsdeutschen Polizeiapparat eingegliedert worden und so standen den Behörden auch alle Unterlagen des austrofaschistischen Regimes zur Verfügung. Auf dieser Basis war es für die neuen Machthaber ein Leichtes, die politische Opposition von Seiten der Kommunisten und der Sozialdemokraten (vgl. Revolutionäre Sozialisten Österreichs), die bereits zuvor als Parteien verboten und verfolgt gewesen waren, in kurzer Zeit weitgehend auszuschalten. In geringerem Ausmaß wurden auch Christdemokraten und Monarchisten zum Ziel von Verfolgung. Vor allem Vertreter der austrofaschistischen Regierung der 1930er-Jahre wurden verhaftet.

Unter den Ersten, die nach Dachau gebracht wurden, waren Leopold Figl, Richard Schmitz und Alfons Gorbach, die der Vaterländischen Front angehörten. Bekannte Sozialdemokraten unter den Verhafteten waren Robert Danneberg (1942 im KZ Auschwitz ermordet), Franz Olah, Käthe Leichter (in Ravensbrück ermordet) und Karl Seitz. Auch Franz Koritschoner, 1918 Mitgründer und erster Vorsitzender der KPÖ, der in die Sowjetunion geflohen war, wurde nach seiner, auf Befehl Stalins erfolgten, Auslieferung im KZ Buchenwald ermordet.

Künstler und Wissenschafter wurden vom nationalsozialistischen Regime, sofern sie nicht dessen Ideologie entsprachen, verfolgt oder zumindest in ihrer Arbeit stark eingeschränkt. Schon von der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland waren auch österreichische Autoren betroffen gewesen, darunter Franz Werfel, Sigmund Freud, Egon Erwin Kisch, Arthur Schnitzler und Stefan Zweig. Nach dem „Anschluss“ wurden politisch und ideologisch unerwünschte Kunstschaffende und Intellektuelle, wie auch jene jüdischer Abstammung, in großer Zahl deportiert. Zu den bekanntesten Opfern zählen der Schauspieler Paul Morgan (ermordet 1938 im KZ Buchenwald), der Dramatiker Jura Soyfer (1939 in Buchenwald), der Kabarettist Fritz Grünbaum (1941 im KZ Dachau) und der Librettist Fritz Löhner-Beda (1942 im KZ Auschwitz).

Viktor Frankl überlebte mehr als zwei Jahre Gefangenschaft (Ghetto Theresienstadt, KZ Auschwitz, KZ 9 bei Türkheim), ehe er am 27. April 1945 von der US-Armee befreit wurde. Sein Vater starb in Theresienstadt, seine Mutter in Auschwitz und seine Frau im KZ Bergen-Belsen. Unter dem Eindruck des Erfahrenen schrieb er später das Buch „… trotzdem Ja zum Leben sagen (Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager)“, in dem er, trotz des erlebten Grauens und der Entmenschlichung in den Lagern, für sich zu dem Schluss kam, dass Versöhnung, nicht Vergeltung, die einzig zielführende Form der Aufarbeitung wäre – eine von vielen geachtete, aber auch viel kritisierte Ansicht.

siehe auch: Entartete Musik, Liste verbotener Autoren während des Dritten Reichs

Juden, Roma, Sinti und Jenische

Bild:73943Vienna1938.jpg
„Juden nicht erwünscht“, Schild an einem von einer NS-Organisation betriebenen Restaurant (Wien, März – April 1938)

Antisemitische Hetze hatte es auch in Österreich bereits lange vor dem „Anschluss“ gegeben. Hitler selbst, der 1909 als 20-jähriger nach Wien gezogen war und dort die Schriften des Rassenideologen und Antisemiten Jörg Lanz von Liebenfels und die antisemitische Polemik von Politikern wie Georg Ritter von Schönerer (Alldeutsche Bewegung) und dem Wiener Bürgermeister Karl Lueger kennengelernt hatte, war von diesem Milieu mitgeprägt. In der Zwischenkriegszeit waren sowohl Vertreter politischer Parteien, wie auch der katholischen Kirche gegen Juden und das Judentum aufgetreten. 1925 warnte etwa Bischof Sigismund Waitz vor der „Weltgefahr des habgierigen, wucherischen, ungläubigen Judentums, dessen Macht unheimlich gestiegen“ sei und auch die Christlichsoziale Partei bediente sich im Wahlkampf teils offen antisemitischer Klischees [8]. Der Austrofaschismus ab 1934 drängte Juden in der Organisation des katholischen „Ständestaates“ an den Rand der Gesellschaft (vgl. Klerikalfaschismus). „Kauft nicht bei Juden“ war schon vor der Eingliederung des Landes in das nationalsozialistische Deutsche Reich eine bekannte Parole.

1938 lebten in Österreich, nachdem viele schon zuvor emigriert waren, noch rund 200.000 Menschen, die gemäß den Nürnberger Gesetzen als „Voll-, Halb-, Viertel-, Achteljuden“ galten (davon rund 180.000 in Wien). In den Monaten nach dem „Anschluss“ mussten die im Land verbliebenen nach Wien übersiedeln. Es kam zu Enteignungen und pogromartigen Übergriffen, die viele in den Selbstmord trieben. Auch Egon Friedell, der noch am 11. März 1938 an Ödön von Horvath geschrieben hatte: „Jedenfalls bin ich immer in jedem Sinne reisefertig“, nahm sich durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben, als Gestapo-Beamte ihn abholen kamen.

Während der Novemberpogrome („Reichskristallnacht“), kam es in Wien, Klagenfurt, Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck und mehreren niederösterreichischen Städten zu gewalttätigen Übergriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen wie Synagogen. Insgesamt wurden dabei 27 Menschen getötet, darunter auch Richard Berger, der Vorstand der Kultusgemeinde von Innsbruck. Etwa 6.500 Juden wurden verhaftet, von denen die Hälfte in Konzentrationslager, vor allem nach Dachau, deportiert wurden.

Ein Jahr nach dem Anschluss lebten in Wien noch ca. 91.000 so genannte „Volljuden“ und 22.000 „Mischlinge“. Ab 1940 wurden die in der „Ostmark“ verbliebenen Juden in großer Zahl in das KZ Theresienstadt oder eines der Ghettos im besetzten Polen deportiert. Baldur von Schirach, als Gauleiter von Wien dafür verantwortlich, bezeichnete dies als seinen „Beitrag zur europäischen Kultur“. Die Shoa kostete etwa 65.500 jüdischen Österreichern das Leben.

Zigeuner“ galten gemäß der nationalsozialistischen Rassenideologie als den Juden vergleichbar unerwünschte Volksgruppe. Adolf Eichmann stellte 1939 fest, die „Zigeunerfrage“ solle gleichzeitig mit der „Judenfrage“ gelöst werden. Roma, Sinti und speziell in Österreich die Lowara und Lalleri sowie die Jenischen, letztere wurden als „Zigeunermischlinge“ bezeichnet, wurden verfolgt, verhaftet und vielfach auch zwangssterilisiert. Im burgenländischen Lackenbach wurde für sie ein eigenes „Zigeuner-Anhaltelager“ errichtet, wo die Internierten Zwangsarbeit zu verrichten hatten. Am 16. Dezember 1942 unterzeichnete Heinrich Himmler den Befehl, alle Zigeuner in das KZ Auschwitz-Birkenau zu deportieren. Die Transporte aus Lackenbach erfolgten ab 1943. Von den etwa 11.000 registrierten Angehörigen dieser Volksgruppen wurden rund 8.000 ermordet (siehe Porajmos).

Bibelforscher, Priester, Homosexuelle, Körperbehinderte und weitere verfolgte Gruppen

Zeugen Jehovas, Quäker und andere als Bibelforscher zusammengefasste kleinere religiöse Gruppen wurden verfolgt und ihre Anhänger in Konzentrationslager deportiert. Viele wurden als Kriegsdienstverweigerer verurteilt und mehrere hundert Kinder wurden ihnen unter Entzug des Sorgerechts weggenommen.

Angehörige der großen Religionsgemeinschaften (römisch-katholisch, evangelisch) blieben in der Zeit des Nationalsozialismus weitestgehend unbehelligt. Gefährdet waren hingegen jene Priester, die sich offen gegen das Regime aussprachen, am Widerstand dagegen beteiligten oder Verfolgte in Pfarrhäusern versteckten. Auch der ob seiner ablehnenden Haltung zum Nationalsozialismus bekannte Fürstbischof von Seckau, Ferdinand Stanislaus Pawlikowski, wurde als einziger Bischof im „Großdeutschen Reich“ nach der Okkupation verhaftet und erst auf Intervention des Vatikans wieder freigelassen. Zwischen 1938 und 1945 wurden insgesamt 724 österreichische Priester verhaftet, von denen 20 in Haft verstarben oder zum Tod verurteilt und hingerichtet wurden. Mehr als 300 Priester waren landesverwiesen, über 1.500 Priester wurde ein Predigt- und Unterrichtsverbot verhängt.

In ihrer Tätigkeit wurde die katholische Kirche insbesondere in der Jugendarbeit stark eingeschränkt. Kirchliche Schulen wurden geschlossen und die Jugendseelsorge verboten. Auch eine Reihe von Klöstern (Admont, Altenburg, St. Florian, Göttweig, Klosterneuburg, Kremsmünster, Lambach, St. Lambrecht, Stams, Wilhering, Stift St. Paul im Lavanttal) wurden aufgehoben und ihre Besitztümer beschlagnahmt. 188 andere Männer- und Frauenklöster wurden aufgehoben, über 1.400 katholische Privatschulen, Heime und Bildungsinstitute geschlossen, das Kirchenvermögen beschlagnahmt, der Religionsfonds (von Kaiser Joseph II. aus dem Vermögen aufgehobener Klöster zur Finanzierung neu geschaffener Pfarren errichtet) aufgelöst. Aus dem Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg machte man eine Adolf-Hitler-Schule. Über 6.000 kirchliche Vereine, Werke und Stiftungen wurden verboten. Die katholischen Standesblätter und schließlich auch die Kirchenzeitungen wurden eingestellt. Der "Katholische deutsche Reichs-Soldatenbund", der aus der vom damaligen Militärbischof Pawlikowski gegründeten Marianischen Soldatenkongregation hervorgegangen war, (Höchststand 1935: ca. 7000 Mitglieder), wurde am 13. März 1938 aufgelöst, der Obmann dieser Laienorganisation, Major Franz Heckenast, wurde von den Nazis 1938 verhaftet und kam im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben.

Homosexuelle wurden von den Nationalsozialisten als „Asoziale“ betrachtet, weshalb auch sie verfolgt und in Konzentrationslager deportiert wurden, wo sie den Rosa Winkel zu tragen hatten. Im Unterschied zum „Altreich“, wo Homosexualität zwischen Männern gemäß § 175 RStG verfolgt wurde, war nach dem, in Österreich bereits vor 1938 geltenden, § 129 Abs. 1 lit. b auch Homosexualität zwischen Frauen verboten. Diese Bestimmung blieb auch nach dem „Anschluss“ aufrecht, was dazu führte, dass in der „Ostmark“ auch lesbische Frauen inhaftiert wurden.

Als ebenfalls nicht der Ideologie der „reinen, arischen, germanischen Herrenrasse“ entsprechend wurden körperlich und geistig Behinderte zu Opfern des Regimes. Als „unwertes Leben“ sollten sie vernichtet werden. In einem euphemistisch als Euthanasie (griechisch, etwa guter, leichter Tod) bezeichneten Programm, wurden sie in eigens eingerichteten Tötungsanstalten ermordet oder zu medizinischen Versuchen herangezogen.

siehe auch: Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus, Religion während des Nationalsozialismus, Schwule während der Zeit des Nationalsozialismus

Konzentrationslager und Tötungsanstalten

Gefangene des Lagers Ebensee nach der Befreiung
Gefangene des Lagers Ebensee nach der Befreiung

Das größte Konzentrationslager in Österreich war das KZ Mauthausen mit seinen 49 Nebenlagern (Gusen, Ebensee, Melk u. a.). Es wurde im August 1938, sechs Monate nach dem „Anschluss“, von der SS als Außenstelle des KZ Dachau gegründet. Ab März 1939 wurde es zu einem selbstständigen Lager erweitert.

Am 2. Februar 1945 versuchten rund 500 Häftlinge, großteils russische Offiziere, aus dem KZ Mauthausen zu entkommen. Die Mehrzahl starb bereits während des Fluchtversuchs im Kugelhagel der Wachmannschaften. Nur etwa 150 von ihnen gelang es, die umliegenden Wälder zu erreichen. Es folgte eine drei Wochen andauernde Suchaktion, von der SS als „Mühlviertler Hasenjagd“ bezeichnet. Nur wenige Wochen vor dem Kriegsende nahmen daran, neben SS, SA, Gendarmerie, Wehrmacht, Volkssturm und Hitler-Jugend, auch Teile der aufgehetzten Zivilbevölkerung der Umgebung teil. Wurden geflohene KZ-Insassen entdeckt, wurden sie meist an Ort und Stelle erschossen oder erschlagen. Der Lagerleiter hatte befohlen „niemand lebend ins Lager zurückzubringen“. Nur von 11 russischen Offizieren ist bekannt, dass sie, auch dank der Hilfe einzelner Zivilisten, überleben konnten.

Bis zum Kriegsende wurden etwa 200.000 Menschen mit mehr als 30 Nationalitäten nach Mauthausen und in seine Nebenlager deportiert; rund 100.000 wurden ermordet oder starben in Zuge des „Arbeitseinsatzes“.

Das „Zigeuner-Anhaltelager“ Lackenbach wurde am 23. November 1940 in Betrieb genommen. Von dort sollten die Internierten in die Vernichtungslager in Polen oder in andere KZs gebracht wurden. Während der Gefangenschaft im Anhaltelager hatten sie Zwangsarbeit zu verrichten. Von den insgesamt rund 4.000 Gefangenen fanden mehr als 3.000 in Lackenbach oder einem der Lager, in die sie von dort gebracht wurden, den Tod.

Neben den Konzentrationslagern existierten auch Tötungsanstalten wie jene im Schloss Hartheim, wo im Rahmen der „Aktion T4“ und der „Sonderbehandlung 14f13“ insgesamt rund 30.000 Menschen mit Behinderungen, Alte oder Kranke in einer Gaskammer ermordet wurden. In den Aktenangaben zur Krankheit wurden auch Begriffe wie „Deutschenhasser“, „Kommunist“ und „Polenfanatiker“ eingetragen. Auch im Rahmen der NS-Medizin fanden Menschen in österreichischen Krankenhäusern den Tod. Alleine am Spiegelgrund, einem Teil des Spitalskomplexes auf der Baumgartner Höhe in Wien, wurden rund 700 zum Teil geistig behinderte Kinder ermordet.

Österreicher als Täter im NS-Regime

Adolf Hitler, geboren in Braunau am Inn und aufgewachsen in verschiedenen Orten Oberösterreichs, betrachtete Österreich, obwohl er die Staatsbürgerschaft 1925 auf eigenen Wunsch abgelegt hatte und seit 26. Februar 1932 Bürger des Deutschen Reiches war, als seine Heimat; allerdings war Österreich für ihn kein Staat, sondern Teil des gesamten Deutschen Reiches.

Bis zu welchem Grad die österreichische, wie auch die deutsche, Bevölkerung von der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten durchdrungen war oder diese willig aufgenommen hatte, ist bis heute Gegenstand von Forschungen und Diskussionen. Während beispielsweise der US-amerikanische Soziologe und Politologe Daniel Goldhagen die Bevölkerung des Deutschen Reiches als „Hitlers willige Vollstrecker“ bezeichnete, legte anderseits die im Widerstand tätige Wienerin Ella Lingens großen Wert darauf, festzustellen, dass passiver und auch aktiver Widerstand durchaus weit verbreitet war. Erschwert wurde die Opposition zum herrschenden Regime allerdings durch dessen effiziente Verwaltungs- und Überwachungsstruktur und die brutale Sanktionierung selbst geringsten Abweichens von der Parteilinie. Schon ein kritischer Satz über die Situation der Lebensmittelversorgung konnte zur Deportation in ein Konzentrationslager und damit den Tod führen. Jemand, der eine solche Aussage „überhörte“, also nicht meldete, riskierte bereits damit sein Leben.

In der deutschsprachigen Mehrheitsbevölkerung waren allerdings Antismemitismus, Rassismus und Vorurteile (etwa gegenüber den Slawen, den Roma und den Jenischen), und die „traditionellen“ Feindbilder (Frankreich als Gegner in früheren Kriegen, die „Bolschewisten“ u. a.) weit verbreitet, so dass die NS-Propaganda hier zwar verstärkend und radikalisierend wirkte, bei vielen aber auf bereits vorhandene Ressentiments und Einstellungen aufbauen konnte. Hinzu kamen noch wirtschaftliche Interessen, wie die Aussicht auf die Übernahme von Wohnungen, Geschäften oder Firmen von bei den Behörden angezeigten „Volksfeinden“. Denunziationen von „Volksschädlingen“, beispielsweise Menschen, die Verfolgten Unterschlupf gewährten oder ihnen bei der Flucht halfen, waren oft nicht bloß ideologisch motiviert, sondern auch mit der Aussicht auf persönliche Bereicherung verknüpft. Tatsächlich waren überdurchschnittlich viele Österreicher in der SS oder den Wachmannschaften der Konzentrationslager vertreten. Bei einem achtprozentigen Anteil an der Reichbevölkerung waren 14% der SS-Mitglieder österreichischer Herkunft. 40% des Personals in den Todeslagern und 70% von Eichmanns Stab kamen aus Österreich [9].

Bild:Ernst-Kaltenbrunner-72-916.jpg
Ernst Kaltenbrunner während des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher

In führenden Positionen fanden sich zum Beispiel acht (von insgesamt 75) KZ-Kommandanten. Eine Reihe, vor allem der in Polen errichteten, Lager hatten ausschließlich aus Österreich stammende Kommandanten. Das KZ Treblinka wurde nacheinander von Irmfried Eberl und Franz Stangl geleitet, das KZ Sobibor von Franz Reichleitner und wiederum Franz Stangl. Kommandanten des KZ Theresienstadt waren die Österreicher Anton Burger, Karl Rahm und Siegfried Seidl. Amon Göth („Der Schlächter von Plaszow“) leitete das KZ Plaszow, Herbert Andorfer das KZ Sajmiste (Belgrad).

Als Täter, vom Gestapo-Beamten, über an Euthanasie-Programmen teilnehmenden Ärzten, bis hin zu maßgeblich an der Planung und Umsetzung des Holocaust Beteiligten wurden unter anderem folgende Österreicher bekannt:

Widerstand

Hauptartikel: Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Die Parteien der Sozialdemokraten und Kommunisten waren bereits in der Zeit des Austrofaschismus ab 1934 verboten gewesen und viele von ihnen waren verhaftet worden. Sozialdemokraten und Kommunisten verfügten aber noch über intakte Organisationen. Nach dem „Anschluss“ und den ersten Verhaftungswellen lösten sie die zentralen Strukturen auf und organisierten sich in kleinen örtlichen Gruppen, die untereinander nur geringen Kontakt unterhielten, um die Verfolgung zu erschweren. Eine kommunistische Parole jener Zeit lautete: „Du bist jetzt die Partei“.

[[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: convert: unable to open image `/var/www/kefk/w/images/d/da/Brigittakirche_Restituta.jpg': No such file or directory.
Gedenken an die Nonne Maria Restituta, die 1943 wegen „Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat“ hingerichtet wurde

Die Führung der römisch-katholischen Kirche, die in den Jahren bis 1938 auch personell eng mit dem austrofaschistischen Regime verbunden gewesen war und deren Bischöfe den „Anschluss“ befürwortet hatten, musste schon nach kurzer Zeit feststellen, dass die erhoffte Koexistenz mit den nationalsozialistischen Machthabern sich nicht erfüllen würde. Der Einfluss der Kirche wurde in vielerlei Hinsicht eingeschränkt: kirchliche Schulen wurden aufgelöst und der Religionsunterricht zum Freifach, an dessen Stelle Schüler sich in der Hitler-Jugend betätigen sollten, ihre Finanzierung erfolgte nicht mehr von Seiten des Staates, sondern durch Kirchenbeiträge der Gläubigen, Trauungen im Standesamt wurden obligatorisch und amtliche Ehescheidungen auch für Katholiken eingeführt. Am 7. Oktober 1938, einem Herz-Jesu-Freitag, rief Kardinal Innitzer Jugendliche zu einer And