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Ökumenischer Rat der Kirchen

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Der Ökumenische Rat der Kirchen / ÖRK (auch: Weltkirchenrat; engl. World Council of Churches / WCC) wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet und gilt seitdem als zentrales Instrument der ökumenischen Bewegung. Er ist ein weltweiter Zusammenschluss von derzeit 347 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern auf allen Kontinenten.

Inhaltsverzeichnis

Basis des ÖRK

Der ÖRK besteht aus Kirchen, Konventionen oder Vereinigungen von Kirchen, die mit der Basiserklärung übereinstimmen, formell als Mitglieder aufgenommen wurden und die Mitgliedschaft fortsetzen.

Für die Mitgliedschaft gibt es theologische und organisatorische Voraussetzungen. [1]

Theologische Voraussetzungen

  • Bekenntnis zum Glauben an den dreieinigen Gott wie er in der Bibel und im Nicäno-Konstantinopolitanum ausgedrückt ist.
  • Die Kirche verkündet das Evangelium und feiert die Sakramente nach ihrer Lehre
  • Die Kirche praktiziert die Taufe „im Namen des Vaters, des Sohns und des Heiligen Geists“ und erkennt an, dass gegenseitige Anerkennung der Taufe angestrebt werden soll
  • Die Kirche erkennt die Gegenwart und das Wirken von Jesus Christus und dem Heiligen Geist auch ausserhalb ihrer eigenen Grenzen an
  • Die Kirche erkennt in den andern Mitgliedkirchen Elemente der wahren Kirche (was nicht zwingend heißt, sie als Kirchen voll anzuerkennen)

Organisatorische Voraussetzungen

  • Die Kirche kann autonom über ihre Lehre und Organisation bestimmen
  • Die Kirche kann ohne Zustimmung einer dritten Organisation oder Person Mitgliedschaft im ÖRK beantragen und fortsetzen
  • Die Kirche (oder Gruppe von Kirchen) hat 50.000 Mitglieder (Ausnahmen sind möglich). Kleinere Kirchen, die sonst alle Voraussetzungen erfüllen, können ohne Stimmrecht aufgenommen werden.
  • Die Kirche soll alles in ihren Kräften stehende tun, um konstruktive ökumenische Beziehungen zu andern Kirchen ihres Landes oder ihrer Region zu pflegen (z.B. auch Mitgliedschaft in einer nationalen und regionalen ökumenischen Organisation)

Organisation

In der Regel werden Beschlüsse des ÖRK im Konsensverfahren gefasst, also nicht durch Mehrheitsabstimmungen. Mögliche Fälle von Konsens sind:

  • Einstimmigkeit
  • Mehrheit ist einverstanden, Minderheit begnügt sich damit, dass eine ausführliche und faire Aussprache stattgefunden hat und erhebt keine Einwände.
  • Es besteht Einigkeit darüber, dass keine Entscheidung erzielt werden kann oder dass unterschiedliche Auffassungen über einen Gegenstand bestehen können. Diese Auffassungen werden ins Protokoll aufgenommen.

Mitgliedskirchen

Mitglieder sind die meisten großen Kirchen der evangelischen Traditionen (Lutheraner, Reformierte, Methodisten, Baptisten etc.), die anglikanischen Kirchen, die altkatholischen Kirchen und die meisten orthodoxen Kirchen[2].

Die einzige sehr große Kirche, die nicht zu den Mitgliedern zählt, ist die Römisch-Katholische Kirche. Sie arbeitet aber in mehreren Bereichen mit dem ÖRK zusammen und ist Vollmitglied zweier seiner Kommissionen: Glauben und Kirchenverfassung sowie Weltmission und Evangelisation. Das Hauptforum für das gemeinsame Studium und den Dialog zwischen dem ÖRK und der römisch-katholischen Kirche ist ein 1965 eingerichtetes Beratungsorgan: die Gemeinsame Arbeitsgruppe.

Viele der kleineren evangelikalen Kirchen, auch die meisten Kirchen aus dem Bereich der Pfingstbewegung sind keine Mitglieder des ÖRK. Auch die Siebenten-Tags-Adventisten sind nicht Mitglied, allerdings nehmen sie als Beobachter an den Sitzungen und Konferenzen teil.

Da der ÖRK von seinen Mitgliedern ein Grundbekenntnis zum Beispiel zur Dreieinigkeit, zur Göttlichkeit Christi und zu dessen leiblichem Tod und Auferstehung verlangt, sind diverse christliche Gruppierungen, die diese Lehren ganz oder teilweise ablehnen, ebenfalls keine Mitglieder (z. B. die Unitarier).

Neben Kirchen, die Vollmitglieder des Rates sind, können Nationale Kirchenräte den Status einer angeschlossenen Organisation bekommen. In manchen dieser Nationalen Kirchenräte arbeiten auch Kirchen mit, die selbst nicht Mitglieder des ÖRK sind, so etwa die römisch-katholische Kirche in den Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Die drei überwiegend oder gänzlich „weißen“ südafrikanischen reformierten Kirchen Nederduitse Gereformeede Kerk/Transvaal, Nederduitse Gereformeede Kerk/Kapprovinz und Nederduitsch Hervormde Kerk verließen den ÖRK 1961 auf Grund von dessen kritischer Haltung zur Apartheidspolitik Südafrikas. Die Heilsarmee und die Presbyterian Church in Ireland traten 1978 beziehungsweise 1980 aus dem ÖRK aus, da sie die Unterstützung südafrikanischer Befreiungsbewegungen durch diesen ablehnten.

Mitgliedskirchen im deutschen Sprachraum

  • weltweite Kirche, die es auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt:
  • und aus 120 anderen Nationen

Geschichte

Vorgeschichte

  • Die erste Weltmissionskonferenz, die 1910 in Edinburgh unter dem Motto „Evangelisation der Welt in dieser Generation“ stattfand, gilt als symbolischer Ausgangspunkt der modernen ökumenischen Bewegung. Entscheidende Anstöße gab dann 1920 das Ökumenische Patriarchat Konstantinopel mit dem öffentlichen Aufruf, eine ständige gemeinsame Vertretung aller Kirchen zu schaffen, einen Kirchenbund in Anlehnung an den nach dem 1. Weltkrieg geschaffenen Völkerbund. Ähnliche Anstöße gaben der schwedische Erzbischof Söderblom und J.H. Oldham aus Großbritannien.
  • Zwei Strömungen des Ökumenischen Lebens waren für das Entstehen des ÖRK von besonderer Bedeutung: die Bewegung für Praktisches Christentum (Life and Work), die Internationale Konferenzen 1925 in Stockholm, 1937 in Oxford abhielt und die Bewegung Glauben und Kirchenverfassung (Faith and Order), deren Internationale Konferenzen 1927 in Lausanne und 1937 in Edinburgh stattfanden. 1938 vereinigten sich die beiden Bewegungen in Utrecht.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1948, wurde schließlich der Ökumenische Rat der Kirchen in Amsterdam gegründet. Damit hatten die beiden Bewegungen eine gemeinsame Plattform, zu der 1961 auch der 1921 gegründete Internationale Misionsrat (IMR) stieß. 1971 schließlich integrierte der ÖRK eine vierte Bewegung, den Weltrat für Christliche Erziehung, der sich von der Sonntagsschulbewegung im 18. Jahrhundert herleitet.

Vollversammlungen

Nr. Jahr Ort Land Thema
11948AmsterdamNiederlandeDie Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan
21954EvanstonUSAJesus Christus – die Hoffnung der Welt
31961Neu-DelhiIndienJesus Christus – das Licht der Welt
41968UppsalaSchwedenSiehe, ich mache alles neu
51975NairobiKeniaJesus Christus befreit und eint
61983VancouverKanadaJesus Christus, das Leben der Welt
71991CanberraAustralienKomm, Heiliger Geist, erneuere die ganze Schöpfung
81998HarareSimbabweKehret um zu Gott – seid fröhlich in Hoffnung
92006Porto AlegreBrasilienIn Deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt

Generalsekretäre

Zeit Name Kirche Land
1948 – 1966W. A. Visser 't HooftReformierte Kirche in den Niederlanden/Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund GenfNiederlande
1966 – 1972en:Eugene Carson BlakePresbyterianische Kirche (USA)USA
1972 – 1984en:Philip A. PotterMethodistische KircheWestindien
1985 – 1992Emilio CastroEvangelisch-methodistische KircheUruguay
1993 – 2003Konrad RaiserEvangelische Kirche in Deutschland (EKD)Deutschland
2004 – Samuel KobiaMethodistenkirche KeniasKenia

Themen und Arbeitsfelder

Als Meilenstein auf dem Weg der ökumenischen Bewegung kann die Lima-Erklärung zu Taufe, Eucharistie und Amtsverständnis von 1982 betrachtet werden.

Spannungen zwischen Protestantismus und Orthodoxie

Der Ökumenische Rat der Kirchen besteht im Wesentlichen aus Kirchen der evangelischen und aus Kirchen der orthodoxen Tradition. Diese Traditionen unterscheiden sich sehr stark in ihrem Selbstverständnis als Kirche und in ihrer Theologie, was von Anfang an zu Spannungen geführt hat.

Während der ÖRK sich ursprünglich als Bewegung in Richtung auf die Wiederherstellung der Einheit der christlichen Kirchen verstand, hat er sich in den letzten Jahrzehnten mehr bemüht, der Pluralität der Bewegungen, Aktionen und Probleme in der Welt gerecht zu werden. In dieser Richtungsänderung folgen die Kirchen nicht, die sich besonders der Einheitsbewegung verpflichtet sehen - insbesondere die orthodoxen Kirchen.

Die bisherige Struktur des ÖRK mit Mehrheitsabstimmungen bevorzugte die Sicht der evangelischen Kirchen, die daher in den Prioritäten und Programmen des ÖRK dominierte. Die daraus resultierenden Spannungen führten bis zu Austrittsdrohungen einzelner orthodoxer Kirchen. Eine paritätisch besetzte Sonderkommission hat deshalb Vorschläge erarbeitet um Struktur, Stil und Ethos des ÖRK entsprechend zu verbessern, wobei auch ähnliche Anliegen anderer Kirchenfamilien und Kirchen aufgenommen wurden (Abschlussbericht der Sonderkommission zur Orthodoxen Mitarbeit im ÖRK).

Im Februar 2005 hat der ÖRK-Zentralausschuss auf der Grundlage der Empfehlungen dieses Abschlussberichtes seine Verfassung geändert und das Konsensverfahren als neue Methode der Entscheidungsfindung und Beschlussfassung eingeführt. Dieses kommt erstmalig auf der Vollversammlung des ÖRK im Februar 2006 in Porto Alegre voll zum Einsatz.

Kritik

  • Die Orthodoxen Kirchen haben den ÖRK u.a. wegen der von ihnen empfundenen Dominanz von liberal-protestantischen Themen wie Frauenordination und positive Bewertung der Homosexualität in den letzten Jahren mehrmals scharf kritisiert, haben sich aber zunächst zur Fortführung ihrer Mitgliedschaft entschieden. Nur die georgische Kirche trat aus.
  • Symptomatisch für die Kritik waren etliche Reaktionen auf die Vollversammlung 2006 in Porto Alegre, wie sie der Evangelische Pressedienst zusammenfasste: Dem Kasseler Bischof Martin Hein, der wieder in den ÖRK- Zentralausschuss gewählt wurde, vermisste «zündende Ideen» und Visionen für Reform der ökumenischen Bewegung. Der Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, Thomas Wipf, bezeichnete die Arbeitsbedingungen bei den erstmals im Konsens getätigten Abstimmungen als «nicht optimal». Positiv gab sich Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter (Lübeck), die viel «Lebendigkeit und spirituelle Kraft» ausmachte.Für Missfallen und Unmut sorgte bei allem Harmoniestreben die Tagungsregie. So beklagten viele Delegierte die fehlende Aussprache über einen Gebetsaufruf zur Reform der Weltwirtschaft. Einige empörten sich, das Dokument befördere einseitig Kapitalismuskritik und sei nicht von wirtschaftlichem Sachverstand getrübt. Auch der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, konnte in dieser Sache nicht vermitteln. Die Globalisierung, betonte er in Porto Alegre, habe viele Gesichter: Zum einen könnten hasserfüllte Gewaltdemos gegen die Mohammed-Karikaturen weltweit organisiert werden. In kurzer Zeit seien aber internationale Hilfsaktionen für Katastrophen-Opfer wie etwa nach dem Tsunami möglich. ([1])
  • Zur Kritik von Bischöfin Margot Käßmann siehe hier.

Quellen

  1. Verfassung und Satzung des Ökumenischen Rats der Kirchen, 2006
  2. Liste der Mitgliedskirchen (englisch)

Weblinks

Wikipedia
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