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Ökologischer Jagdverband
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Der ÖJV oder Ökologische Jagdverband ist ein 1988 als Alternative zum DJV gegründeter Jagdverband, der sich der ökologischen Jagd verpflichtet hat. Er ist als Bundesverband mit Landesverbänden organisiert. Es gibt assoziierte Verbände im Ausland, z.B. in Österreich.
Inhaltsverzeichnis |
Entstehung
Vom Mittelalter bis 1850 wurde die sog. Feudaljagd mit teils fatalen Folgen für die Land- und Forstwirtschaft gepflegt. Diese Gewohnheit wurde 1850 mit der Freigabe der Jagd für jedermann zunächst beendet, flackerte jedoch schnell wieder auf. Während der nationalsozialistischen Zeit wurde 1934 das de facto bis heute gültigen Reichsjagdgesetz, das nach dem Krieg weitestgehend übernommen wurde, mit seinem trophäenorientierten Hegegedanken geschaffen. Nach dem 2. Weltkrieg lebte die damit wieder erstarkte neofeudalistische Jagd fort. Jagd in der BRD gilt bis heute in manchen Kreisen als feudale und prestigeträchtige Beschäftigung.
Aufgrund der damit verbundenen enormen Wildschäden im Wald durch Verbiss, Fegen und Schälen kam es seit den 70er Jahren verstärkt zu Gegenbewegungen. Horst Stern wies in seiner Natursendung „Sterns Stunde“ 1971 darauf hin, dass das Rotwild auf Grund der Überhege seinen Lebensraum, den Wald, zerstört. Kritische Stimmen zur Jagd aus Naturschutzkreisen von BN, BUND und NABU mehrten sich. Die Jagdkritik von Seiten der Tierschützer nahm zu. Ökologen und Wildbiologen hinterfragten zunehmend die etablierte Jagd durch Kritik an der Selektion nach Trophäen, an der kontraproduktiven Winterfütterungen etc. und Stimmen aus Forstkreisen weisen vehementer auf gravierende Waldschäden durch das Schalenwild hin. Die Sensibilität in der Gesellschaft und in den Staatsforstverwaltung stieg zudem mit den neuartigen Waldschäden, anderen Waldkalamitäten und der zunehmenden Klimaveränderung. Die deshalb immer stärker propagierte naturgemäße Waldwirtschaft forderte ebenfalls die Reduzierung der Schalenwildbestände, s.a. Dr. Georg Meister, ehemals Forstamt Bad Reichenhall, Dr. Georg Sperber, ehemals Forstamt Ebrach, Hans Kornprobst, ehemals Forstamt Schliersee. Auf diesem Hintergrund wurde 1988 federführend durch Prof. Richard Plochmann zusammen mit vielen anderen, wie Horst Stern, der Ökologische Jagdverein (ÖJV) gegründet.
Gegenwärtig ist Elisabeth Emmert Bundesvorsitzende des ÖJV.
Grundsätze
Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft reguliert werden. Auf Grund der aktuellen Umweltprobleme, allen voran des Klimawandels und der damit einhergehenden massenweisen Vermehrung des Borkenkäfers, steigt die Bedeutung des Schutzes der Wälder. Deshalb muss der Waldbau grundsätzlich und der Umbau der Wälder durch die Jagd unterstützt werden. Das Wachstum der Wälder aber wird maßegeblich durch das Schalenwild beeinflusst, da Hirsche, Rehe, Gamsen, Damwild und andere Schalenwildarten mit zunehmender Wilddichte durch Verbiss, Schälen und Fegen ihren Lebensraum schädigen oder zerstören. Die Folgen zu hoher Schalenwildbestände sind entmischte Wälder mit Tendenzen zu Monokulturen, geringere Diversität und dadurch geringerer Stabilität; damit verbunden sind zudem höhere ökonomische Kosten durch künstliche Pflanzung, kostenintensive Zäunungen oder andere Schutzmaßnahmen. Schalenwild muss deshalb so bejagt werden, dass sich die Wälder ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen verjüngen können, so dass der Schwerpunkt ökologischer Jagd im Aufbau naturgemäßer, gemischter Wälder liegt. Nutzung und Schutz gehen hier Hand in Hand. Die Trophäenjagd, mit den damit verbunden trophäenorientierten Jagdzeiten oder der Fütterung habe maßgeblich zu diesen Problemen beigetragen, da das Fördern jagdbarer Tiere und der Wunsch, möglichst große Trophäen zu erbeuten, zur einseitigen Förderung jagdbarer Tiere auf Kosten des Waldes führe. Wildfütterung sei unnatürlich, denn das Wild ist durch die lange Evolution an den winterlichen Nahrungsengpass angepasst. Verluste von schwachen Stücken dienen der Gesunderhaltung der Populationen. Fütterung ist daher oftmals kontraproduktiv, da sie die Reproduktionsrate erhöht und damit das Wald-Wild-Problem zusätzlich anheizt. Damit habe die Jagd die ökologische Aufgabe, die natürliche Vielfalt (Diversität) zu fördern, wo immer es geht. Dabei müssen die Selbstregulationsmechanismen der Natur beachtet werden. Die Funktion der Beutegreifer im Ökosystem ist auf diesem Hintergrund zu würdigen und eine Bekämpfung nur als Konkurrenz sei folglich zu unterlassen. Dort wo, wie beim Schalenwild, gravierende Schäden am Biotop entstehen, sind diese durch die Jagd zu verhindern. Der Aufbau stabiler, gemischter Wälder ist durch angepasste Schalenwildbestände zu fördern. Grundsätzlich muss die Jagd für den Naturhaushalt unbedenklich sein und möglichst störungsarm erfolgen. Effiziente Jagdmethoden, wie z.B. Bewegungsjagden, sind auf Grund der geringeren Beunruhigung auch aus Tierschutzgründen zu fördern.
Damit habe die Jagd die ökologische Aufgabe, die natürliche Vielfalt (Diversität) zu fördern, wo immer es geht. Dabei müssen die Selbstregulationsmechanismen der Natur beachtet werden. Die Funktion der Beutegreifer im Ökosystem ist auf diesem Hintergrund zu würdigen und eine Bekämpfung nur als Konkurrenz sei folglich zu unterlassen. Dort wo, wie beim Schalenwild, gravierende Schäden am Biotop entstehen, sind diese durch die Jagd zu verhindern. Der Aufbau stabiler, gemischter Wälder ist durch angepasste Schalenwildbestände zu fördern. Grundsätzlich muss die Jagd für den Naturhaushalt unbedenklich sein und möglichst störungsarm erfolgen. Effiziente Jagdmethoden, wie z.B. Bewegungsjagden, sind auf Grund der geringeren Beunruhigung auch aus Tierschutzgründen zu fördern.
Kritik
Die Ziele des ÖJV, insbesondere der Grundsatz „Wald vor Wild“, sind in anderen jagdlich orientierten Kreisen umstritten. Vor allem wird die Kritik laut, dem ÖJV gehe es vorrangig um die kommerzielle Nutzung des Waldes, das Wild bleibe dabei außen vor. Dem gegenüber weisen Anhänger des ÖJV darauf hin, dass man am Wald als Lebensraum Biotop des Wildes interessiert sei und auch die herkömmliche Jagd sich nicht an ökologischen Motiven orientiere, sondern an handfesten egoistischen Partikularinteressen wie etwa der Trophäenjagd. Festzustellen bleibt, dass der ÖJV zugunsten des Waldes das Schalenwild mehr reduzieren will als andere Jagdverbände.
Zudem argumentiert der ÖJV, dass es in den vergangenen Jahrhunderten deutlich weniger Schalenwild gegeben hat. Trotzdem habe das Schalenwild auf Grund egoistischer jagdlicher Interessen früher teils enorme Probleme verursacht, was z.B. während des Bauernkrieges 1525 zur Forderung nach freiem Jagdrecht geführt habe. Historiker wissen, dass diese Forderung sich auf althergebrachtes Recht, dem sog. Jagdregal der Feudaljagd, berief, was gerade in der äsungsreichen Landwirtschaft zu Jagd- und Wildschadensproblemen führte.
Auch wird waldfreundlich jagenden Jägern und sogenannten Öko-Jägern vorgeworfen, mit der waldorientierte Regulation der Wildbestände bei bestimmten Schalenwildarten einen Sog aus Nachbarrevieren mit zuviel Wild auszulösen. Dieser Prozess erschwert zugegebenermaßen das Erreichen waldfreundlicher Schalenwildbestände. Zu hoffen bleibt, dass sich das im Zeichen des Klimawandels absolut nötige waldotientierte Jagen auch in den bislang herkömmlich bewirtschafteten Revieren durchsetzt.
Ein weiterer Kritikpunkt bezieht sich auf die Forderung des ÖJV´s nach dem Schrotschuss auf Rehwild. Der vom ÖJV gewünschten Freigabe des Schrotschusses auf Rehwild begegnen die meisten deutschen Jäger mit Ablehnung. Die Diskussion hierum wird äußerst kontrovers geführt. Befürworter führen an, dass der Schrotschuss auf Rehwild in anderen europäischen Ländern praktiziert wird und nicht problematischer sei als der auch in Deutschland erlaubte Schrotschuss auf anderes Wild. Gegner argumentieren, der Schrotschuss auf Rehwild sei nur unter engen Voraussetzungen (Entfernung unter 35 m) einsetzbar und daher angesichts der drohenden Gefahr, das Wild nicht tödlich zu verletzen, überflüssig. Zur Klärung dieser Diskussion wäre es sicher hilfreich, stärker auf die Erfahrungen in den Staaten, wo der Schrotschuss auf Rehwild erlaubt ist, zurückgreifen.
Hinweise auf das zur Nazizeit entstandene Reichsjagdgesetz, was heute immer noch im Wesentlichen Bestand habe, werden häufig als populistisch und zum Teil sogar falsch bezeichnet. Fakt ist, dass die Grundzüge der trophäenorien- und aufartungsorientierten Jagdgesetzgebung mit diesem Gesetz in der nationalsozialistischen Zeit für den gesamtdeutschen Raum erstmals flächendeckend festgeschrieben wurden. Diese Haltung lebt de facto bis heute fort.
Weblinks
- www.bundestag.de Entstehungsgeschichte das Bundesjagdgesetzes
- www.oejv.de – ÖJV
- www.nabu.de – Interview mit der ÖJV-Bundesvorsitzenden Elisabeth Emmert: „Wald und Wild in Einklang bringen“
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