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Drupal, MediaWiki und FrontpageDiese Textsequenz bietet einen Vergleich von drei unterschiedlichen Content-Management-Ansätzen, ergänzt durch umfassende Erfahrungsberichte zu drei verschiedenen Implementationen der vorgestellten Ansätze. Ich gehe in diesem Bericht von meinen eigenen Erfahrungen aus gut einem Jahrzehnt Information Architecture, Webworking und Site Management. Ich spreche hier explizit nicht von dem bekannteren Begriff Webdesign, da dieser häufig mit Design im engeren Sinne konnotiert ist, also der pixelgenauen grafischen Aufbereitung von Websites – und das interessiert mich im Folgenden nur sehr peripher: Pixel-Layouts gehören vielleicht in Werbebroschüren, nicht jedoch ins Web. Was mich interessiert, die die Erstellung, Verwaltung und Präsentation von großen Informationsmengen. Das Thema ist durchaus interessant, da nur sehr wenige Content-Management-Systeme wirklich geeignet sind für Datenmengen von einigen zehn- oder gar hunderttausend Objekten wie HTML-Seiten oder Bilder: Dynamische Systeme skalieren häufig nicht sinnvoll mit wachsenden Datenbankgrößen und Benutzerzahlen, statische Systeme sind von Hause aus vergleichsweise unflexibel und in anderen Bereichen unhandlich. Hat man ein Projekt umzusetzen, bei dem gleichzeitig etliche hundert Benutzer auf hunderttausende von Seiten zugreifen, schränkt sich das Feld der für einen nichtkommerziellen Einsatz geeigneten Lösungen dramatisch ein. Kommerzielle Seiteneditoren wie Dreamweaver oder Go Live scheiden von vornherein aus, weil sie kein brauchbares Site Management ermöglichen, und praktisch alle Open-Source-Systeme skalieren nur bis zu einigen tausend Seiten, ohne dass man Hardware-Exzesse aufsetzen muß; das disqualifiziert dieverse Portsalsysteme und Möchtegern-Wiki-Engines wie TikiWiki. Unter den wenigen verbleibenden Ausnahmen sind Typo 3 und Bricolage, wobei beide Systeme aus verschiedenen Gründen problematisch sind; dazu später mehr. Es verbleiben drei Implementationen: • Drupal – ein multifunktionales System mit Schwächen im Bereich der Erstellung und Verwaltung von Inhalten, jedoch mit relativ ausgeprägten Community-Funktionen; Um keine vertraglichen Vereinbarungen zu verletzen, beziehen sich konkrete Beispiele immer auf eigene Projekte, nicht auf Auftragsarbeiten. Mein bisher komplexestes Projekt im Privatbereich ist das Kefk Network, das derzeit aus rund einer halben Million semistatischen Seiten besteht (Stand: November 2005). Das gesamte Projekt, das über einen Zeitraum von rund einem Jahrzehnt entstand, wird über Microsoft Frontpage verwaltet und ist damit an die Windows-Plattform gebunden. Microsoft bietet weder Migrationspfade auf ein echts Content Management System, noch ist derzeit absehbar, ob und in welcher Form das System weiterentwickelt wird; sicher ist jedoch, dass die FrontPage Server Extensions (FPSE) ab Mitte 2006 nicht mehr unter UNIX-Betriebssystemen unterstützt werden und dass Frontpage irgendwelche Limitierungen hat, die jedoch von Microsoft nicht dokumentiert sind. Mit der Software MediaWiki werden die Wikimedia-Projekte realisiert; daher ist die Wiki-Engine für die Anforderungen von Nachschlagewerken optimiert und weniger geeignet, beispielsweise Projekt-Websites von Arbeitsgruppen zu verwalten oder Diskussionen zu unterstützen (Stichwort "Liquid Threads"). Durch die Wikipedia-Projekte ist jedoch nachgewiesen, dass MediaWiki sowohl tausende gleichzeiger Zugriffe als auch hunderttausende von Objekten verkraftet. Ich habe mehrjährige Erfahrungen als Wikipedia-Autor und -Administrator und betreibe seit Mitte 2004 eigene Websites unter MediaWiki. Ich kann daher aus eigener Erfahrung bestästigen, dass MediaWiki rund 350.000 Artikel (= dynamisch generierte Seiten) auf Standard-Hardware, also einem marktüblichen dedizierten GNU/Linux-Server, verwalten kann. Drupal nutze ich in einem Spin-off des Kefk Network, dem Community-Portal kefk.org, auf dem auch dieser Erfahrungsbericht erstmals veröffentlicht wurde. Drupal kann sehr viel und scheint auch halbwegs brauchbar zu skalieren, ist allerdings in keinem Bereich wirklich spezialisiert: Will man nur ein Weblog betreiben, gibt es besser geeignete Software; will man einfach nur große Datenmengen im Web publizieren, sind Systeme wie Typo 3 und Bricolage möglicherweise besser geeignet; will man ein Forum betreiben, gibt es auch hierfür besser geeignete Software usw. Allerdings bieten nur wenige Systeme eine halbwegs ausgewogene Mischung dieser unterschiedlichen Funktionalitäten: Zu nennen wären vor allem TikiWiki, das jedoch nicht vernünftig skaliert, und Plone, das allerdings auf Zope und Python aufsetzt und sich nur widerspenstig in ein klassisches LAMP-System eingliedert. Die nachfolgenden Artikel dokumentieren die Stärken und Schwächen der drei Systeme und versuchen dabei, sinnvolle Nutzungsprofile herauszuarbeiten. Weiterführende Literatur zum Thema:
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