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Kultur
Tattoo in Japan - Traditional and Modern Styles ist ein Bildband mit Fotografien von Martin Hladik, John Harte, Geoff Johnson und Toshihiro Oshima aus dem Jahr 2008. Der opulente Bildband „Tattoo in Japan” ist ein beeindruckendes Werk über die hohe Kunst der Tätowierung in Japan. Nicht nur für Tattoofans, auch Interessierte der japanischen Kultur und Kunst, Grafiker, Modedesigner und Künstler wird dieses Buch begeistern. Die Fertigkeit der dauerhaften Körperdekoration hat in Japan Tradition, und es lassen sich viele Parallelen zu den klassischen Darstellungen der Tuschezeichnungen und Holzschnitte japanischer Meister finden. Als „Sensei” werden in Japan die Großmeister einer Kunst bezeichnet, und in diesem Buch sind viele der allerbesten Tattoomeister zu finden, sie genießen hohes Ansehen und sind nicht nur in ihrer Heimat Vorbild und Inspiration für den Nachwuchs. Der Band zeigt seltene, brillant wiedergegebene Kunstwerke traditioneller Meister – grazil ausgeführte, eindrucksvolle Ganzkörpertätowierungen, deren Stil sich seit der Edo-Zeit, in der diese Kunstform erstmals populär wurde, kaum verändert hat. Mit sehr persönlichem fotojournalistischem Blick exzellent dokumentiert, legen diese Werke stummes Zeugnis ab von den vielen Monaten, die unter den Nadeln dieser unvergleichlichen Meister verbracht wurden, die die Möglichkeiten ihres Metiers direkt auf und in der Haut ihrer Kunden erforschen. weiter » Bwana Masihii vor Grab eines Sheikhs in Takwa, Manda 1936.
Angesichts zunehmenden Konkurrenzdrucks sowie Privatisierungs- und Sparmaßnahmen aufgrund geringerer öffentlicher Subventionen sind Kultureinrichtungen dazu angehalten, ihre Betriebe zu professionalisieren. Museen, die unternehmerisch handeln und den Kunden in den Fokus rücken, werden künftig mehr Mittel erwirtschaften und sich behaupten. Im europaweiten Vergleich sind der Louvre und das Centre Pompidou in Frankreich die Spitzenreiter. Dies ist das Ergebnis einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Arthur D. Little, für die in Europa führende Museen nach dem Grad ihres strategischen und unternehmerischen Handelns untersucht wurden. Gemessen an der Publikumsfrequenz im Jahr 2007 führt der Louvre mit 8,3 Millionen Besuchern vor dem Centre Pompidou (5,5, Millionen) sowie der Tate Gallery (5,2 Millionen) und dem British Museum (4,9 Millionen). Die Museumsinsel Berlin (2,2 Millionen Besucher) folgt als bester deutscher Vertreter erst auf Platz neun. weiter » Kultur (lat. cultura, Pflege des Körpers, primär aber des Geistes; später im Kontext mit dem Landbau: aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, ursprünglich etwa: emsig beschäftigt sein) bezeichnet nach der Definition von Tylor den Komplex von Kenntnissen, Glaubensvorstellungen, Kunst, Moralauffassung, Recht, Bräuchen und allen anderen Fähigkeiten und Sitten, die der Mensch als Mitglied der Gesellschaft erworben hat ("that complex whole which includes knowledge, belief, art, law, morals, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society").<ref>Edward Burnett Tylor: Primitive Culture (1871)</ref> „Kultur“ wird im abendländischen Verständnis traditionell in Gegensatz zur „Natur“ gesetzt. Einschränkend wird darunter in der Geschichte oder in der Soziologie eine „Hochkultur“ bezeichnet. Zu unterscheiden ist auch der Begriff der Kultur im Alltag und im Bildungsbürgertum. Abgegrenzt wird der Kulturbegriff je nach Intention auch von den Begriffen „Technik“ und „Zivilisation“. Im amerikanischen Sprachraum werden die Begriffe culture und civilization meist synonym genutzt. weiter »
Kurz nach der sog. „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im März 1933 kam es im Zuge einer „Aktion wider den undeutschen Geist“ zu einer organisierten und systematisch vorbereiteten Verfolgung jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller. Dabei handelte es sich nicht um eine Kampagne des Propagandaministeriums, sondern um eine von der Deutschen Studentenschaft geplanten und durchgeführten Aktion. Höhepunkt waren die am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz und in 21 anderen deutschen Städten groß inszenierten öffentlichen Bücherverbrennungen, bei denen zehntausende Werke verfemter Autoren von Studenten, Professoren und NS-Organen ins Feuer geworfen wurden. (Siehe: Liste der verbrannten Bücher 1933). <!--break--> Die „Aktion wider den undeutschen Geist“Anfang April 1933 forderte die Deutsche Studentenschaft (DSt) ihre Organe auf, sich an einer vierwöchigen „Aktion wider den undeutschen Geist“ zu beteiligen, die am 12. April beginnen und an deren Ende am 10. Mai spektakuläre öffentliche Bücherverbrennungen stehen sollten. Die Aktion erfolgte unter Berufung auf die Bücherverbrennung während des ersten Wartburgfestes 1817 und war als „Gesamtaktion gegen den jüdischen Zersetzungsgeist“ angelegt: "Der jüdische Geist, wie er sich in der Welthetze in seiner ganzen Hemmungslosigkeit offenbart, und wie er bereits im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, muss aus diesem ausgemerzt werden." (Deutsche Kultur-Wacht, 1933, Heft 9) Als erste Maßnahme wurde der Befehl gegeben, an den Hochschulen „Kampfausschüsse wider den undeutschen Geist“ zu bilden, denen zwei Studenten, ein Professor, ein Vertreter des von Alfred Rosenberg geleiteten „Kampfbundes für Deutsche Kultur“ und ein Schriftsteller angehören sollten. Vorsitz hatte ein Führer der jeweiligen Studentenschaft. VorbereitungWichtigstes Element des politischen Kampfes der Studenten war die Propagandaarbeit. Um die Schlagkraft zu verstärken, wurde in der Reichsleitung der Deutschen Studentenschaft ein „Hauptamt für Presse und Propaganda“ eingerichtet, dem unter der Leitung von Hanskarl Leistritz die Organisation der „Aktion wider den undeutschen Geist“ übertragen wurde. Am 2. April 1933, einen Tag nach dem Boykott jüdischer Geschäfte, wurde ein detaillierter Ablaufplan entworfen<ref>http://www.verbrannte-buecher.de/t3/fileadmin/user_upload/dokumente/schreiben_der_dst.pdf</ref>, am 6. April wurden die Einzelstudentenschaften in einem Rundschreiben über die bevorstehende Aktion in Kenntnis gesetzt:
Die Führung der Deutschen Studentenschaft setzte mit dieser Initiative alles daran, ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur Mobilisierung der Studenten für den Kampf des Nationalsozialismus unter Beweis zu stellen, da der Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) nach der Reichstagswahl 1933 das ausschließliche Recht der politischen Erziehung der Studenten beansprucht hatte. Im Zuge der Vorbereitungen kam es daher zu einem Konkurrenzkampf zwischen beiden Organisationen und ihren Führern Gerhard Krüger (DSt) und Oskar Stäbel (NSDStB). Noch am Vortag des Aktionsbeginnes, am 11. April, befahl Stäbel in einer „Eil-Anordnung“, die Aktion der DSt nicht nur zu unterstützen, sondern „die Führung dabei zu übernehmen".<ref name="hdbgtext">http://www.hdbg.de/buecher/Frames/text2.htm</ref> Für die Hochschulpolitik bedeutete die „Aktion wider den undeutschen Geist" den Anfang der Eroberung der Universitäten durch die zur „geistigen SA" deklarierten Studentenschaften. 12 Thesen wider den undeutschen GeistDen Auftakt bildeten am 12. April 1933 „12 Thesen wider den undeutschen Geist“, in denen die Positionen und Ziele der „Aktion“ zusammengefasst waren und die jüdische, sozialdemokratische und liberale Ideen und ihre Vertreter anprangerten. Sie wurden in roter Frakturschrift in deutschen Universitäten plakatiert und von vielen Zeitungen veröffentlicht:
<small>Zitiert nach Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten Reich, Reinbek 1966</small> ArtikeldienstParallel zur Plakataktion wurde ein so genannter „Artikeldienst“ mit unterstützenden Statements national eingestellter Kulturschaffender und Intellektueller organisiert, durch den die Öffentlichkeit auf die Aktion eingestimmt werden sollte. 66 Schriftsteller, deren „Einstellung zum deutschen Schrifttum" der Studentenschaft bekannt war, wurden gebeten, einen Aufsatz zur Verfügung zu stellen, der über den Artikeldienst der DSt in der Presse verbreitet werden sollte, darunter Werner Bergengruen, Richard Billinger, Paul Ernst, Max Halbe, Karl Jaspers und Julius Streicher. Der Erfolg dieses Aktion war sehr dürftig. Der größte Teil der Angeschriebenen reagierte überhaupt nicht, nicht einmal Alfred Rosenberg, der in einem eigenen Schreiben um ein Einleitungswort zu der Aktion gebeten worden war. Etliche Schriftsteller wiesen auf die zu kurze Vorlaufzeit hin und boten bereits Veröffentlichtes zum Nachdruck an, wie der in München lebende Erwin Guido Kolbenheyer.<ref name="hdbgtext"/> Veröffentlicht konnten letztlich aber nur vier Beiträge werden, nämlich von Herbert Böhme, Will Vesper, Alfred Baeumler und Kurt Herwarth Ball (s.u. "Zeitungsberichte").Albert Einsteins Werke wurden auch verbrannt. ProfessorenboykottAm 19. April erfolgte ein Aufruf der DSt-Führung, als weitere Aktion den Kampf „gegen den für unsere deutsche Hochschule untauglichen Hochschullehrer" aufzunehmen. Die Losung lautete: „Der Staat ist erobert. Die Hochschule noch nicht! Die geistige SA rückt ein. Die Fahne hoch!“ Die Studenten wurden aufgerufen, Hochschullehrer, die nach dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 aus ihren Ämtern auszuscheiden hatten, mit eidesstattlichen Erklärungen und belastenden Quellen wie Zitaten aus Vorlesungen oder Literaturverweisen zu melden. Dazu gehörten neben Juden, Angehörigen kommunistischer Organisationen oder des Reichsbanners nach der Interpretation der DSt-Führung auch Personen, die „nationale Führer, die Bewegung der nationalen Erhebung oder das Frontsoldatentum beschimpft haben" sowie Professoren, deren „wissenschaftliche Methode ihrer liberalen bzw. insbesondere ihrer pazifistischen Einstellung" entsprach. Auch Hochschullehrer mit „politisch einwandfreier Haltung" sollten der DSt-Führung gemeldet werden, sofern sie „eine mehr als nur mittelmäßige Begabung" aufwiesen, Fast alle Universitäten beteiligten sich an dieser Aktion und Lehrkörper, Dekane und Rektoren unterstützten sie. Es kam zu zu organisierten Übergriffen gegen jüdische Dozenten, Mitarbeiter der Verwaltung und Mitstudenten, Vorlesungen wurden gestört und boykottiert, jüdische Professoren am Betreten ihrer Arbeitsstätte gehindert. Die öffentliche Hetzjagd ging soweit, dass an den Universitäten Königsberg, Rostock, Erlangen, Münster und Dresden zwei Meter hohe „Schandpfähle“ errichtet wurden, an denen die Namen angefeindeter Professoren und einzelne literarische Schriften angeschlagen wurden:
Die Studentenschaft der Universität Rostock berichtete, daß am 5. Mai eine große Feier „mit Errichtung des Schandpfahls" stattgefunden habe, an den „8 der übelsten literarischen Werke mit haltbaren Vierzöllern geschlagen wurden: Magnus Hirschfeld, Tucholsky, Stephan Zweig, Lion Feuchtwanger, Wikki [!] Baum, Remarque, Emil Ludwig und ,die Weltbühne‘". BüchersammlungDie zweite Phase des „Aufklärungsfeldzuges“ begann am 26. April 1933 mit der Sammlung des „zersetzenden Schrifttums". Jeder Student hatte zuerst einmal seine eigene Bücherei und auch die seiner Bekannten von "schädlichen" Büchern zu säubern, danach wurden die Universitäts- und Institutsbibliotheken durchforstet. Auch öffentliche Bibliotheken und Buchhandlungen wurden nach „verbrennungswürdiger“ Literatur durchsucht. Die Stadt- und Volksbüchereien waren dazu angehalten, ihre Bestände selbst zu „säubern“ und die Bücher freiwillig zu übergeben. Unterstützung erhielten die Studenten von ihren Professoren und Rektoren, die nicht nur später bei den Verbrennungsfeiern erschienen, sondern auch in den Kampfausschüssen zur Aussonderung des zum Verbrennen bestimmten Materials mitarbeiteten. Grundlage für die Auswahl der Bücher bildeten die „Schwarzen Listen“ des 29-jährigen Bibliothekars Dr. Wolfgang Herrmann (siehe: Liste der verbrannten Bücher 1933). Auch Buchhandel und Bibliotheken unterstützten tatkräftig die studentische Aktion. Das Fachorgan des „Verbandes Deutscher Volksbibliothekare“ und das „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“ verbreiteten die Verbotslisten und kommentierten sie, die Bibliothekare wiesen in ihren Erläuterungen etwa darauf hin, dass die zu vernichtende Literatur vorwiegend jüdischer Provenienz sei. Die durch die Beschlagnahmen materiell Geschädigten wehrten sich nicht, die Leihbüchereien wurden sogar aufgefordert, eine Erklärung zu unterschreiben:
Am 6. Mai begann mit einer landesweiten Plünderung von Leihbibliotheken und Buchhandlungen die Schlussphase der „Aktion wider den undeutschen Geist“. Die indizierten Bücher wurden von studentischen Stoßtrupps zusammen getragen und abtransportiert. In Berlin erstürmten Studenten der Hochschule für Leibesübungen und der Tierärztlichen Hochschule das „Institut für Sexualwissenschaft“ von Magnus Hirschfeld im Stadtteil Tiergarten (”In den Zelten") und plünderten die über zehntausend Bände umfassende einzigartige Bibliothek. Hirschfeld selbst sah die Zerstörung seines Lebenswerks in einem Pariser Kino in einer Wochenschau. FeuersprücheDer Plakat- und Sammelaktion sollte als dritter Schritt die eigentliche „Hinrichtung des Ungeistes“ folgen, wie es das "Hauptamt für Aufklärung und Werbung" der deutschen Studentenschaft bereits zu Beginn der Aktion angekündigt hatte: „An allen Hochschulen wird am 10. Mai 1933 das zersetzende Schrifttum den Flammen überantwortet.“ Die Studenten sahen in der Bücherverbrennung einen symbolischen Akt: so wie man in der Vorzeit dem Feuer eine reinigende, Krankheit austreibende Wirkung zusprach, so sollte zum Ausdruck kommen, „daß in Deutschland die Nation sich innerlich und äußerlich gereinigt hat“ (Joseph Goebbels in seiner Rede am Berliner Opernplatz am 10. Mai 1933). Dazu wurden am 9. Mai in einem Rundschreiben an die Einzelstudentenschaften so genannte „Feuersprüche“ versendet, die eine einheitliche symbolische Grundlage für die Bücherverbrennungen am nächsten Tag bilden sollten. Diese Serie vorgegebener Parolen sollten landesweit ertönen, wenn Vertreter der Studentenschaft die Werke exemplarischer „Schund- und Schmutz“-Literaten ins Feuer warfen. Damit wurde die symbolische Handlung der Bücherverbrennungen betont und ihnen der Charakter eines Rituals verliehen. Unterzeichnet war das Rundschreiben von Gerhard Krüger (DSt) und dem Hauptamtsleiter Hanskarl Leistritz: "Als Grundlage für die symbolische Handlung im Verbrennungsakt ist die im folgenden gegebene Aufstellung zu benutzen und möglichst wörtlich de Rede des studentischen Vertreters zugrunde zu legen. Da es praktisch in den meisten Fällen nicht möglich sein wird, die gesamten Bücher zu verbrennen, dürfte eine Beschränkung auf das Hineinwerfen der in der folgenden Aufstellung angegebenen Schriften zweckmässig sein. Es wird dadurch nicht ausgeschlossen, dass trotzdem ein grosser Hauen Bücher verbrannt wird. Die örtlichen Veranstalter haben dabei jegliche Freiheit."
<small> Quelle: „Neuköllner Tageblatt“, Freitag, den 12. Mai 1933, Nr. 111 </small> In der Rundfunkübertragung vom Berliner Opernplatz sind kleine Abweichungen zu diesen Texten zu hören, so verwendeten die Rufer außer im letzten Feuerspruch statt „Flamme“ das Wort „Feuer“. Karl Marx ist mit seinem Vornamen genannt, Sigmund Freud wird als „seelenzersetzend“ und mit den „Schriften der Schule Sigmund Freuds“ verbrannt und Emil Ludwig wird unter großem Jubel „Emil Ludwig Kohn“ genannt. Die BücherverbrennungenDer 10. Mai 1933 war als Höhepunkt der „Aktion wider den undeutschen Geist“ geplant. Alles sollte generalstabsmäßig durchgeführt werden, ein präziser Ablaufplan wurde an die örtlichen Studentenschaften durchgegeben: Zwischen 20:30 und 22 Uhr sollte eine Kundgebung der Studentenschaft im Auditorium der jeweiligen Universität die Aktion eröffnen und nach Einbruch der Dunkelheit hatte ein Fackelzug die Bücher zum Verbrennungort zu führen, wo die Veranstaltung zwischen 23 und 24 Uhr mit dem eigentlichen „Verbrennungsakt“ endigen sollte. Die Studentenschaften wurden angehalten, diesen Ablaufplan genauestens einzuhalten und die Aktion möglichst aufwendig zu gestalten, da zwischen 23 und 24 Uhr eine Radio-Staffelreportage der Deutschen Welle geplant war. Auch die wörtliche Verlesung der Feuersprüche war verbindlich. In allen Städten waren bereits tagsüber die Scheiterhaufen aufgeschichtet worden, vor denen die Teilnehmer ein öffentlicher Vortrag erwartete, der meist von Professoren der jeweiligen Universität gehalten wurde. In Berlin sprach zusätzlich Propagandaminister Joseph Goebbels, der dem Ereignis damit eine offizielle Note verlieh. 10. Mai 1933 in BerlinDer Fackelzug in Berlin formierte sich auf dem Hegelplatz hinter der Universität und zog dann entlang der Museumsinsel zum Studentenhaus in der Oranienburger Straße, wo Lastwagen warteten, auf denen etwa 25.000 Bücher verladen waren. Fritz Hippler, der Brandenburgische Führer des NSDStB und spätere Produzent des antisemitischen Propagandafilms „Der ewige Jude“, hielt eine Hetzrede, bis sich um 22 Uhr der Zug bei strömendem Regen zu den Klängen einer SA-Blaskapelle Richtung Königsplatz vor dem Reichstag in Bewegung setzte. Auf einem Stock aufgespiesst wurde der Kopf einer zerschlagenen Büste von Magnus Hirschfeld mitgeführt. Von Tausenden Schaulustigen gesäumt gelangte der Zug der NS-Studenten, Korpsstudenten im „Wichs“, dem Ornat ihrer Burschenschaften, Professoren in Talaren, Verbände der SA und SS und der Hitler-Jugend, eskortiert von berittener Polizei, durchs Brandenburger Tor über den Linden-Boulevard zum Opernplatz (heute: August Bebel-Platz) neben der Staatsoper. SA- und SS-Kapellen spielten vaterländische Weisen und Marschlieder, der ganze Opernplatz war mit Scheinwerfern der Wochenschau erhellt. Da der Scheiterhaufen wegen des strömenden Regens nicht entzündet werden konnte, half die Feuerwehr mit Benzinkanistern nach. Nach der Rede des Studentenführers Gutjahr, die mit den Worten: „Wir haben unser Handeln gegen den undeutschen Geist gewendet. Ich übergebe alles Undeutsche dem Feuer!“ endete, warfen neun ausgewählte Vertreter der Studentenschaft zu den markanten „Feuersprüchen“ die ersten Bücher in die Flammen. Anschließend wurden unter großem Gejohle der Studenten und des Publikums die übrigen Bücher bündelweise von den Lastwägen gehoben und von einer Menschenkette weitergereicht, an deren Ende die Bücher des „undeutschen Geistes“ von Karl Marx, Heinrich Heine, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Sigmund Freud und unzähligen anderen ins Feuer geworfen wurden. Etwa 70.000 Menschen nahmen an dieser Aktion teil. Gegen Mitternacht erschien Reichsminister Dr. Goebbels, ein promovierter Germanist, und hielt seine Rede, an deren Ende von den Büchern nur mehr ein rauchender Aschenhaufen übrig geblieben war. Mit dem Absingen des Horst-Wessel-Liedes endete das Fanal. Die Übertragung des Deutschlandsenders vom Berliner Opernplatz ist überliefert. http://www.dhm.de/ausstellungen/holocaust/r2.htm Die HochschulstädteZeitgleich mit Berlin fanden am 10. Mai 1933 Bücherverbrennungen auch in einundzwanzig weiteren Hochschulstädten, Bonn, Braunschweig, Bremen, Breslau, Dortmund, Dresden, Freschenhausen, Frankfurt am Main, Göttingen, Greifswald, Hannover, Hannoversch Münden, Kiel, Königsberg, Landau, Marburg, München, Nürnberg, Rostock, Worms und Würzburg statt. Zahlreiche Professoren nahmen an den Bücherverbrennungen teil und traten in Talaren vor die Scheiterhaufen, um Feuerreden zu halten, etwa der Philosoph Alfred Baeumler in Berlin, der Germanist Hans Naumann in Bonn und die Germanisten Friedrich Neumann und Gerhard Fricke in Göttingen und zeigten die Nähe von akademischer Bildung und Barbarei. In Dresden hielt Will Vesper die Festrede. In Frankfurt waren etwa 15.000 Leute auf dem Römer versammelt, viele von ihnen Studenten in SA-Uniform, aber auch Lehrer und Professoren in Talaren und Baretten auf den Köpfen. Die Bücher wurden auf einem Ochsenkarren zum Scheiterhaufen geführt, eine Mistgabel steckte in der Mitte, um ihn als Mistwagen kenntlich zu machen. An einigen Orten verbrannten die Studenten außer Büchern auch Fahnen, so wurde in Hamburg die Gaufahne des Roten Frontkämpferverbandes in die Flammen geworfen, in Mannheim und Königsberg die schwarz-rot-goldene Fahne der Weimarer Republik. In München kam es zu zwei Bücherverbrennungen, eine durch die Hitler-Jugend am 6. Mai 1933, da die Führung der HJ ihre Gliederungen beuaftragt hatte, "in sämtlichen Orten (...) eine Verbrennung aller marxistischer, pazifistischer Schriften und Bücher" durchzuführen, und eine durch die deutsche Studentenschaft am 10. Mai 1933, bei der 50.000 Schaulustige auf dem Königsplatz teilnahmen. Sämtliche bayerische Rundfunksender berichteten darüber.<ref name="hdbgtext"/> Die Bücherverbrennungen selbst wurden von den Deutschen Studentenschaften (dem Dachverband der Allgemeinen Studentenausschüsse - AStA), dem NS-Studentenbund und einigen gleichgeschalteten Verbindungsstudenten durchgeführt und geschahen mit Duldung der Behörden, wurden von Polizei und Feuerwehr sogar begleitet und betreut. Da es am 10. Mai teilweise zu schweren Regenfällen kam, musste in einigen Städten die Aktion verschoben werden und so fanden bis zum 19. Mai acht weitere Bücherverbrennungen statt: Am 12. Mai in Erlangen und Halle (Saale), am 15. Mai in Hamburg, am 17. Mai in Heidelberg und Köln, am 19. Mai in Mannheim und Kassel (mit 30.000 Beteiligten), die letzte studentische Bücherverbrennung fand am 21. Juni in Darmstadt statt. In Freiburg fiel sie wegen Regens ersatzlos aus, in Gießen wurde sie jedoch schon am 8. Mai durchgeführt. Für die Universitäten Singen, Stuttgart und Tübingen untersagte der Kommissar für die württembergischen Studentenschaften, Gerhard Schumann, die Teilnahme an der Aktion und hielt an seinem Verbot trotz der Proteste, die von einzelnen Studentenschaften in Berlin vorgebracht wurden, fest. Die Danziger Studentenschaft teilte mit, daß wegen der politischen Lage der Stadt, die unter der Verwaltung des Völkerbundes stand, eine öffentliche Durchführung der Aktion nicht möglich sei. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 gab es am 30. April 1938 auch eine studentische Bücherverbrennung in Salzburg unter der Patronanz von Karl Springenschmid, des „Goebbels von Salzburg“. Nicht studentische AktionenNicht studentische Bücherverbrennungen hatte es bereits im Zuge des NS-Terrors nach der Reichstagswahl 1933 in mehreren Städten durch SA und SS gegeben, so in Dresden (8. März), Braunschweig (9. März), Würzburg (10. März), Heidelberg (12. März), Kaiserslautern (26. März), Münster (31. März), Wuppertal (1. April), Leipzig (1. April und 2. Mai), Düsseldorf (11. April) und Coburg (7. Mai), wo vielfach die Zentren der verbliebenen Opposition wie Partei-, Gewerkschafts- und sozialdemokratische Verlagshäuser gestürmt und geplündert, aber auch schon Werke einzelner Autoren wie „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque verbrannt wurden. Bei der Erstürmung des sozialdemokratischen Volksfreundhauses in Braunschweig gab es bereits einen Toten. Von diesen Bücherverbrennungen ging ein entscheidender Impuls für die nachfolgende studentische „Aktion wider den undeutschen Geist“ aus. Weitere „nachahmende“, d. h. nicht studentische Bücherverbrennungen gab es nach dem 10. Mai 1933 u. a. am 13. Mai in Neustrelitz, am 14. Mai in Neustadt, am 22. Mai in Offenbach am Main, am 30. Mai wieder in Hamburg (durchgeführt von Hitler-Jugend und BDM), am 31. Mai in Neubrandenburg, am 17. Juni in Heidelberg, Karlsruhe, Offenburg und Pforzheim, am 21. Juni in Essen, Darmstadt und Weimar und am 23. Juni in Mainz. Die letzte Aktion dieser Art fand am 26. August in Jena statt. Eine genaue Anzahl lässt sich wegen der zahlreichen kleineren Nachahme-Aktionen nicht geben, doch sind für das Jahr 1933 landesweit über siebzig Bücherverbrennungen dokumentiert.<ref>http://www.verbrannte-buecher.de/t3/index.php?id=57</ref> Im März 1938 organisierte die NSDAP, Landesgruppe Mexiko, in Mexico City ein „Fest für den vollzogenen Anschluss“ Österreichs, dem auch eine kleine Bücherverbrennung folgte. Im gleichen Jahr wurden in vielen Städten und Dörfern, z. B. in den fränkischen Ortschaften Hagenbach, Karlstadt und Steinach Bücher jüdischer Gemeinden verbrannt. 1941 wurden noch im Elsass im Rahmen einer „Entwelschungsaktion“ mehrere Bücherverbrennungen durchgeführt. Orte von BücherverbrennungenNicht studentische Bücherverbrennungen vor dem 10. Mai 1933:
Bücherverbrennungen im Rahmen (AwuG) oder in Nachahmung der „Aktion wider den undeutschen Geist“:
(Quellen: Werner Treß: Wider den undeutschen Geist. Berlin 2005 und Wolfram Kastner, mit Ergänzungen) Die verfolgten AutorenSiehe: Liste der verbrannten Bücher 1933 und Liste verbotener Autoren während der Zeit des Nationalsozialismus Zu den indizierten Autoren gehörten u. a. Walter Benjamin, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Max Brod, Otto Dix, Alfred Döblin, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Marieluise Fleißer, Leonhard Frank, Sigmund Freud, Iwan Goll, George Grosz, Jaroslav Hašek, Heinrich Heine, Ödön von Horvath, Heinrich Eduard Jacob, Franz Kafka, Georg Kaiser, Erich Kästner, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Siegfried Kracauer, Karl Kraus, Theodor Lessing, Alexander Lernet-Holenia, Karl Liebknecht, Georg Lukács, Rosa Luxemburg, Heinrich Mann, Klaus Mann, Ludwig Marcuse, Karl Marx, Robert Musil, Carl von Ossietzky, Erwin Piscator, Alfred Polgar, Erich Maria Remarque, Joachim Ringelnatz, Joseph Roth, Nelly Sachs, Felix Salten, Anna Seghers, Arthur Schnitzler, Carl Sternheim, Bertha von Suttner, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Jakob Wassermann, Franz Werfel, Grete Weiskopf, Arnold Zweig, Stefan Zweig. Nicht nur deutschsprachige Autoren standen auf den Listen, sondern auch die Namen der französischen Autoren André Gide, Romain Rolland, Henri Barbusse, der amerikanischen Autoren Ernest Hemingway, Upton Sinclair, Jack London, John Dos Passos und vieler sowjetischer Autoren, darunter Maxim Gorki, Isaak Babel, Vladimir Iljic Lenin, Leo Trotzki, Wladimir Majakowski, Ilja Ehrenburg. Die Verfolgung dieser Autoren, deren mündliche oder schriftliche Äußerungen den Anschauungen des Nationalsozialismus widersprachen und die sich der von ihnen geforderten „geistigen Wehrhaftmachung“ widersetzten, begann nicht erst mit den Bücherverbrennungen, sondern sie fand lediglich ihren Höhepunkt darin. Viele Schriftsteller, aber auch andere Künstler und auch Wissenschaftler erhielten in der Folge Arbeits- und Publikationsverbot, verschwanden aus den Bibliotheken und aus dem Schulunterricht und wurden auch physisch vernichtet. Sie starben im KZ, den Folgen der Haftbedingungen oder wurden hingerichtet (wie Carl von Ossietzky und Erich Mühsam, Gertrud Kolmar und Jakob van Hoddis, Paul Kornfeld, Arno Nadel und Georg Hermann, Theodor Wolff, Adam Kuckhoff, Rudolf Hilferding), wurden ausgebürgert (wie Ernst Toller und Kurt Tucholsky), zur Flucht ins Exil gezwungen (wie Walter Mehring und Arnold Zweig) oder in die innere Emigration gedrängt, von der Erich Kästner schrieb: „Man ist ein lebender Leichnam.“ Viele verzweifelten und nahmen sich in der Emigration das Leben, so Walter Hasenclever, Ernst Weiss, Carl Einstein, Walter Benjamin, Ernst Toller, Stefan Zweig. Für Schriftsteller, die ins Konzept der Nationalsozialisten passten, bedeutete das Verbot ihrer Kollegen die Übernahme der „frei geräumten“ Plätze. "Da kommen sie nun aus allen Löchern gekrochen, die kleinen Provinznutten der Literatur“, schrieb Kurt Tucholsky 1933, „nun endlich, endlich ist die jüdische Konkurrenz weg - jetzt aber! [...] Lebensgeschichten der neuen Heroen. Und dann: Alpenrausch und Edelweiß. Mattengrün und Ackerfurche. Schollenkranz und Maienblut – also Sie machen sich keinen Begriff, Niveau null." ZeugnisseErich KästnerErich Kästner war – unerkannt – Zeuge der Verbrennung seiner eigenen Bücher am Berliner Opernplatz und hörte seinen Namen im zweiten Feuerspruch.
Oskar Maria GrafNachträglich forderte Oskar Maria Graf die Verbrennung seiner Bücher, da zu seinem Entsetzen sein Werk nicht verboten, sondern von den Nazis auf den "weissen Listen" empfohlen wurde. Folgenden Aufruf veröffentlichte er 1933 in der „Wiener Arbeiterzeitung“. 1934 wurden schließlich auch seine Bücher verboten.
Bertolt Brecht
RedenRede von Dr. Joseph Goebbels, Reichspropagandaleiter der NSDAP und Gauleiter von Berlin, am 10. Mai 1933 am Opernplatz in Berlin. Goebbels erwähnt seinen Auftritt in seinem Tagebuch am 11. Mai: "Am späten Abend Rede Opernplatz. Vor dem Scheiterhaufen der von Studenten entbrannten Schmutz-und Schundbücher. Ich bin in bester Form. Riesenauflauf." (Tagebücher, Bd. 2: 1930 - 34, München 1999) (Rede abgedruckt in: „Völkischer Beobachter“ vom 12. Mai 1933, Auszüge:)
Ansprache des Germanisten Prof. Hans Naumann am 10. Mai 1933 auf dem Marktplatz in Bonn (Auszug):
Schüler des Bismarck-Gymnasiums in Dortmund sprachen unter Leitung ihres Studienreferendars Friedhelm Kaiser dessen Sprechchor "Brandfackel":
ZeitungsberichteDie Presse stellte ihre Spalten bereitwillig für die Artikel der Studentenschaften zur Verfügung und berichtete voller Genugtuung von den Verbrennungsfeiern. Neues Mannheimer Volksblatt vom 20. Mai 1933 über die Bücherverbrennung am 19. Mai:
Pforzheimer Morgenblatt vom 19. Juni 1933 über die Bücherverbrennung am 17. Juni:
Jenaische Zeitung vom 28. August 1933 über die Bücherverbrennung am 26. August:
Dortmunder General-Anzeiger vom 31. Mai 1933 http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=1211&url_tabelle=tab_quelle Der Artikel „Deutsch" von Kurt Herwarth Ball wurde als erster Aufsatz des "Artikeldienstes" der DSt verbreitet und von der Tagespresse nachgedruckt:
Vossische Zeitung: Unveröfentlichter Artkel von Theodor Heuss:
Protest und Erinnerungthumb|150px|[[Heinrich Heine]]
Dieser prophetische Satz Heinrich Heines aus seiner Tragödie „Almansor“ (1821) wurde nach 1933 in Deutschland traurige Wirklichkeit. Das Zitat bezieht sich – entgegen einem weit verbreiteten Glauben – allerdings nicht auf die vier Jahre zuvor durchgeführte Bücherverbrennung während des Wartburgfestes 1817, sondern auf eine Verbrennung des Koran während der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter (Kontext und genauer Wortlaut siehe: Bücherverbrennung). Die Bücherverbrennung fand im In- und Ausland ein breites Echo. In Deutschland zeigten sich die meisten Zeitungen begeistert. Es gab aber auch öffentlich geäußerte Kritik und vereinzelt Widerstand. Die aggressive Plakatierung der zwölf Thesen etwa führte in manchen Hochschulen zu vereinzeltem Protest. Der Rektor der Berliner Universität, Eduard Kohlrausch, kündigte seinen Rücktritt an, sollte das Plakat nicht aus dem Vestibül der Universität entfernt werden. Gerhard Schumann, der Württembergische Landesführer des NS-Studentenbundes, untersagte die Teilnahme an der „Aktion wider den undeutschen Geist“ und hielt trotz Protesten einzelner Studentenschaften aus Berlin an seinem Verbot fest und wurde vom Ministerpräsidenten und Kultusminister Prof. Mergenthaler unterstützt. Der Theologe Richard Rinke zeichnete einen Protestbreif mit vollem Namen, über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Die wenigen Beispiele echten Widerstandes lassen erkennen, wie groß die Zahl derer war, die das Vorgehen billigten. Am 10. Mai 1933 erschien als Titelblatt der Arbeiter-Illustrierte-Zeitung in Prag die berühmte Collage von John Heartfield, die Joseph Goebbels mit erhobenem Finger vor dem Reichstag in Flammen und davor die brennenden Bücher zeigt. Der Titel lautete: „Durch Licht zur Nacht“ Emigrierte Schriftsteller und ihre Freunde haben sich im Ausland bereits 1933 gegen den „Stichtag der Barbarei“ (Alfred Kantorowicz) engagiert. Bereits am 27. April gab es in den USA Proteste gegen die geplanten Bücherverbrennungen, Helen Keller intervenierte zusammen mit namhaften Autoren wie Sherwood Anderson und Sinclair Lewis in einem Brief erfolglos an die deutschen Studenten. Am 10. Mai gab es einen Aufmarsch in New York, an dem sich hunderttausende Privatpersonen, Abgeordnete und andere Funktionäre aus Kirchen und Institutionen beteiligten und dessen Hauptansprache der Oberbürgermeister hielt. Aus den Niederlanden ist bekannt, dass am Tag der Bücherverbrennung Radio Hilversum Auszüge aus den verbotenen Büchern sendete. Im Mai 1933 kritisierte der aus Deutschland emigrierte Ernst Toller auf dem XI. PEN-Klub-Kongress in Ragusa (Dubrovnik) die passive Haltung vieler Mitglieder gegen den Faschismus und Nationalsozialismus. »Millionen Menschen in Deutschland dürfen nicht frei reden und frei schreiben. Wenn ich hier spreche, spreche ich für diese Millionen, die heute keine Stimme haben.« Der PEN-Klub weigerte sich jedoch, eine klare Haltung gegenüber den Bücherverbrennungen einzunehmen. Bald fanden sich die aus Deutschland geflohenen und verjagten Schriftsteller in einem neuen Zentrum zusammen: »Der deutsche P.E.N. im Exil«. Diese Gruppe, von Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Rudolf Olden und Max Herrmann-Neisse ins Leben gerufen, hatte ihren Sitz in London, erster Präsident war Heinrich Mann. Österreichische Autoren und P.E.N.-Mitglieder protestierten gegen die Verfolgung ihrer deutschen Kollegen, darunter spätere Emigranten wie Raoul Auernheimer, Franz Theodor Csokor, Ernst Lothar und Friedrich Torberg. Csokor, wie viele seiner Kollegen vom reichsdeutschen Markt abhängig, schrieb am 19. Mai 1933: „Man muß sich eben entscheiden: Gutes Geschäft – oder gutes Gewissen? Ich bin für das zweite – auf jede Gefahr hin, selbst auf die einer Emigration, falls der braune Zauber auch bei uns einmal Fuß fassen sollte!“ „Deutschfreundliche“ und nazistische Wiener P.E.N.-Mitglieder traten jedoch aus dem Club aus, unter ihnen Max Mell, Richard Billinger, Bruno Brehm oder Josef Weinheber. Pointiert formulierte am 30. April 1933 die Wiener Arbeiterzeitung: „Das Dritte Reich braucht Lakaien [...] Auf Leichenhügeln sollte ein Dichterfrühling grünen. [...] Göbbels lud zum Tee – die Schriftsteller hatten zu wählen: Geist oder Macht, Charakter oder Konjunktur, tapfere Isolierung oder feige Gleichschaltung. Sie haben gewählt. Die Männer sind ins Exil, die Kreaturen zum Tee gegangen.“ In der Folge wurde der 10. Mai als „Tag des verbrannten Buches“ jährlich zu einem Treffpunkt vieler Autoren im Exil, vor allem in Paris, aber auch in London, Mexico-City, Moskau, New York und Prag. Der zehnte Jahrestag der Bücherverbrennung am 10. Mai 1943 fand besonders in den USA großes Echo. Eine Ausstellung verbotener und verbrannter Büchern wurde im Dezember 1942 in der New York Public Library eröffnet, zahlreiche weitere Veranstaltungen, Aufführungen, Vorträge und Lesungen verschafften der von den Nazis verbotenen Literatur eine große Öffentlichkeit. Thomas Mann bemerkte in einer Rede über den Sender BBC, dass die zehnte Wiederkehr jenes 10. Mai zu „wahrhaft rührenden“ und die deutschen Flüchtlinge „tief beschämenden Kundgebungen geführt“ habe. Peter Suhrkamp sprach 1947 auf dem Opernplatz in Berlin: „Die Flammen, die zuerst über den Bücherhaufen prasselten, verschlange später im Feuersturm unsere Städte, menschliche Behausungen, die Menschen selbst. Nicht der Tag der Bücherverbrennung allein muß im Gedächtnis behalten werden, sondern diese Kette: von dem Lustfeuer an diesem Platz über die Synagogenbrände zu den Feuern vom Himmel auf die Städte.“ GedenkstättenAuf dem Berliner Bebelplatz neben der Staatsoper erinnert heute eine ins Pflaster eingelassene Glasplatte an die Bücherverbrennung von 1933. Sie gibt den Blick auf das aus leeren Bücherregalen bestehende Mahnmal „Bibliothek“ des israelischen Künstlers Micha Ullman frei. Davor erinnern zwei in den Boden eingelassene Bronzetafeln an die Ereignisse, in die auch das Zitat aus Heinrich Heines „Almansor“ (s. o.) eingraviert ist, das aber unglücklicherweise nicht original wiedergegeben ist. thumb|left|230px|[[Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung|Das Mahnmal von Micha Ullman, ein unterirdischer Raum mit leeren Bücherregalen]] In einigen deutschen Städten erinnern Texttafeln an die Bücherverbrennung: In Göttingen gibt es eine Gedenktafel am Albanikirchhof (seinerzeit Adolf-Hitler-Platz) mit dem Zitat Heines (s. o.). Am Frankfurter Römerberg, zwischen Alter Nikolaikirche und Gerechtigkeitsbrunnen, erinnert eine Bronzetafel an die Bücherverbrennung. In Hamburg-Eimsbüttel gibt es ein Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung in Hoheluft am Isebekkanal, Kaiser-Friedrich-Ufer/Ecke Heymannstraße. In Landau gibt es eine Gedenktafel auf dem Rathausplatz. In Essen steht eine Gedenktafel auf dem Gerlingplatz. Weitere Tafeln gibt es in Bremen, Düsseldorf, Erlangen und Köln. In München gibt es bis dato kein Mahnmal zur Bücherverbrennung am Königsplatz. Der Künstler Wolfram Kastner hat zum Gedenken wiederholt einen schwarzen Kreis in den Rasen des Könisgplatzes gebrannt, wo die Verbrennungen stattfanden. Er setzte sich auch dafür ein, Überreste verbrannte Werke im geplanten NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz unterzubringen. Kastner führte auch in anderen Städten unter dem Titel „Die Spur der Bücher“ Aktionen zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen durch, darunter Salzburg, Frankfurt, Kassel und Heidelberg.<ref>http://kulturserver-bayern.de/home/ssalzburg/Buecherverbrennung/spur_inhalt.html</ref> In Salzburg ist für das späte Gedenken an die einzige Bücherverbrennung auf österreichischem Boden nur eine kleine Erinnerungstafel geplant. In Wien gestaltete die englische Künstlerin Rachel Whiteread im Jahre 2000 das Holocaust-Mahnmal auf dem Judenplatz. Es ist kein explizites Mahnmal für die Bücherverbrennung, stellt jedoch eine versteinerte Bibliothek dar, deren invertierte Bücher nach außen zeigen. ArchiveIn Prag wurde 1933 zu einer Sammlung der verbrannten Bücher für eine Ausstellung aufgerufen, die später zerstört wurde. Deutsche Freiheitsbibliothek<ref>http://www.comiccongress.de/alfred.htm</ref>
Archiv der verbrannten Bücher<ref>http://www.aktion-patenschaften.de</ref>
Verboten und verbrannt/Exil
Bibliothek der verbrannten Bücher<ref>http://www.verbrannte-buecher.de/t3/index.php?id=58</ref>
Literatur
Netmarks
Quelle
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