Richtig boykottieren

Der Jahreswechsel dient manchem als Anlaß, gute Vorsätze für das neue Jahr zu fassen; der eine möchte sich das Rauchen abgewöhnen, ein anderer seine Untergebenen freundlicher behandeln und vielleicht auch der eine oder andere Rechtsanwalt über das Berufsethos seines Standes nachdenken. Ich habe mir zum Jahreswechsel vorgenommen, mich dem Boykott von acht ausgewählten Vertretern der Musikindustrie anzuschließen. Die Gründe sind einfach:

Zum einen sind diese ausgewählten Vertreter moralisch verrottet – Sony BMG stiehlt Texte aus der Wikipedia, zu deren Urhebern ich und rund weitere 370 Autoren gehören.

Zum anderen terrorisieren mich eben diese ausgewählten Vertreter der Musikindustrie mit einer brutalen Abmahnung und unerfüllbaren Unterlassungsforderungen – gefordert wird eine pauschale Haftung für die Inhalte anderer Websites, zu denen über eine nicht näher definierte Anzahl von Hyperlinks eine Verbindung hergestellt werden kann.

Wenn die Wirtschaft beginnt, ihre Konsumenten zu piesacken, zu bevormunden und zu kriminalisieren, kann auch ich in meiner Funktion als Konsument darauf reagieren und meinen Medienkonsum gezielt dahingehend verändern, dass es den boykottieren Unternehmen weh tut.

Ein gezieltes Boykott einzelner Medienunternehmen muss nicht unbedingt mit persönlichen Einschränkungen verbunden sein; glücklicherweise haben Mediengiganten wie Bertelsmann von nicht ihr Endziel – das totale Medienmonopol – erreicht:

  • Noch gibt es Alternativen zu den Majors,
  • noch darf man gebrauchte CDs und DVDs erwerben,
  • noch darf man Angebote von Rundfunk und Fernsehen aufzeichnen und
  • noch darf man selbst musizieren.

Für ein strategisches Medienkoykott sind einige Kenntnisse der Strukturen und Machtverhältnisse der globalisierten Medienkonzerne erforderlich, über die ich in den nächsten Wochen berichten werde; natürlich muß ein Boykott auch eine gewisse kritische Masse an Konsumwechslern erreichen. Zu meinem Vorgehen habe ich einige Überlegungen angestellt, die ich in meinem kleinen Boykottratgeber vorstelle. Jeder ist eingeladen, sich diesem positiven Boykott im Interesse eines freien Internets und einer freien Wirtschaft anzuschließen!

Verweise
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