Einleitung

Einleitung.

Vorbemerkung

»Wie die Schichten der Erde die lebenden Wesen vergangener Epochen reihenweise aufbewahren; so bewahren die Bretter der Bibliotheken reihenweise die vergangenen Irrthümer und deren Darlegungen, welche, wie jene Ersteren, zu ihrer Zeit, sehr lebendig waren, jetzt aber starr und versteinert dastehn, wo nur noch der litterarische Paläontologe sie betrachtet« -Arthur Schopenhauer (1788-1860), »Parerga und Paralipomena''« (1851), § 293 [1]

Das Wissen der Welt. Die Encyclopædia Britannica verspricht »The Sum of Human Knowledge«, der neue Brockhaus sogar »Das Wissen der Welt« – vollmundige Marketingversprechen, die eher nach Schlagzeilen der Boulevardpresse denn nach Programmatik eines seriösen Wissensspeichers klingen: Was sollte das für eine Welt sein, deren Wissen zwischen eine Handvoll Buchdeckel passt und das von Auflage zu Auflage, je nach Markterfordernissen und Investitionsbereitschaft des Verlags, mal wächst und mal schrumpft? Dennoch standen gerade diese Produkte noch im 20. Jahrhundert synonym für das enzyklopädische Projekt mit seinem universellen Anspruch, das relevante Wissen der Welt sammeln und zur Verfügung stellen sowie Orientierung in der Welt bieten zu können.

Programmatik und Geltungsanspruch. Dieser Anspruch ist keine Erfindung der Neuzeit oder gar der Moderne; bereits im Mittelalter wurde »Das Wissen der Welt« – wenn auch das einer anderen – in Enzyklopädien gesammelt und aufbereitet. Zwar unterschieden sich die Methoden der enzyklopädischen Wissensgewinnung und -präsentation dieser Zeit in vielen Aspekten von späteren Formen, verblüffend sind jedoch die Kontinuitäten in Programmatik und Geltungsanspruch, die in den folgenden Jahrhunderten in den Werken von Alsted, Zedler, Diderot und d'Alembert, Krünitz, Ersch und Gruber, Pierer, Meyer, Herder und anderen tradiert wurden.

Das enzyklopädische Projekt. Das enzyklopädische Projekt ist eine Chimäre, ein dreiköpfiges Monstrum: Der Begriff, mit dem es bezeichnet wird, verweist irreführend auf das Bildungsideal einer Antike, der ›Vielwisserei‹ und universelle Geltungsansprüche zutiefst suspekt war; der Totalitätsanspruch, der es charakterisiert, ist in seiner engen Begrenzung tendenziell im ebenso begrenzten mittelalterlichen Weltbild verankert; das Bedürfnis, mit dem es legitimiert wird, entsteht in einer Zeit, in der eben dieses Bedürfnis nicht mehr ›enzyklopädisch‹ ausgefüllt werden kann. Einen Bellerophon, der dieses Monstrum erschlagen könnte, brachte jedoch nicht einmal die Aufklärung hervor. Diderot und d'Alembert hofften, die Chimäre zähmen und für ihre Zwecke nutzbar machen zu können: Ein Irrtum einerseits, aber zugleich auch eine Wahrheit.

Schöpfung enzyklopädischer Welten. Ebenso wie ihre Vorgänger und Nachfolger konstruierten die aufklärerischen Enzyklopädisten ihren enzyklopädischen Weltentwurf, setzten dem enzyklopädischen Wissen Grenzen und definierten dadurch Welt und relevantes Wissen. Der Wissensspeicher ›Enzyklopädie‹ bildet nicht die Welt ab, sondern konstruiert eine eigene. Was nicht passt, wird passend gemacht: Enzyklopädien müssen als Selektions-, Reduktions- und Homogenisierungsmaschinerien funktionieren, wenn sie ihre Aufgaben erfüllen sollen.

Wirkungen und Folgen. Auch das »Wissen der Welt«, das der Brockhaus zu enthalten vorgibt, ist kein Versuch der Täuschung, sondern einer der Schöpfung – einer Schöpfung, die sich an eine Wissensutopie annähern möchte, einer Annäherung, die dennoch nicht ganz ›unschuldig‹ ist: Wirkungsmächtige Enzyklopädien reichen in ihrer Funktion als Wissensvermittler und Bildungsinstitute zurück in die Weltentwürfe ihrer Nutzer und beeinflussen – oder manipulieren – deren Konstrukte von Welt. Der Wirkungsmacht enzyklopädischer Weltkonstrukte sind jedoch Grenzen gesetzt, nicht zuletzt durch den Leser selbst: Dieser kreiert und korrigiert als aktiver Organismus seine eigenen Weltentwürfe, die von den medialisierten Vorschlägen erheblich abweichen können.

fn1. Zit in: Enzyklopaedie.ch 2007b.

Themenstellung und Schwerpunkte

KonstruktionenzyklopädischerWeltentwürfeDas enzyklopädische Projekt möchte Wissen über ›Welt‹ sammeln, ordnen und zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zu Borges’ Bibliothek von Babel unterliegt es dabei einer Vielzahl von Zwängen wie Platzbedarf, Arbeitskraft, Finanzier- und Vermarktbarkeit; sie setzen dem konkreten Produkt, soll es nicht pure Wissensutopie bleiben, enge Grenzen. Um seine Ziele in einem solchen Produkt zu verwirklichen, muß das enzyklopädische Projekt eher ›Welt‹ erschaffen als repräsentieren. Mit welchen Methoden werden enzyklopädische Weltentwürfe konstruiert? Wie entwickeln sich diese Konstrukte? Welche Wirkungen haben sie?

AllgemeineLeitfragenUm sich diesen Fragen exploratorisch anzunähern, werden folgende allgemeine (Leit-) Fragen zu beantworten sein:

  1. Wie entsteht Wissen über Welt? Wie wird Wissen kommuniziert und tradiert?
  2. Was ist enzyklopädisches Wissen? Welche Prämissen setzt es voraus? Wie entsteht enzyklopädisches Wissen? Welches Wissen ist un-enzyklopädisch?
  3. Wie, wann und warum entsteht das enzyklopädische Projekt? Welche Funktion hat es? Welche speziellen Merkmale kennzeichnen es gegenüber vergleichbaren Vorhaben?
  4. Welche Entwicklungsstufen hat das enzyklopädische Projekt durchlaufen? Wie hat sich das enzyklopädische Vorhaben im Lauf der Entwicklung verändert?
  5. Welche Probleme muß das enzyklopädische Projekt bewältigen?Welche Einwände unterbreitet die Wissens- und Enzyklopädiekritik?In welchem Maß oder auf welche Weise ist enzyklopädisches Wissen möglich?

Untersuchungs-gegenstandZur Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes ist eine Auswahl erforderlich. Schwerpunktmäßig analysiert werden sollen

  • so genannte populäre oder Universalenzyklopädien,
  • die im deutschsprachigen Raum
  • ab der Neuzeit erschienen sind und
  • typographisch produziert wurden.

Untersucht werden sollen Werke, die (a) einerseits als für ihre Zeit einschlägig gelten und (b) andererseits für die systematische Recherche zur Verfügung stehen; zu Vergleichszwecken müssen Fachlexikografie und -literatur aus dem jeweiligen Zeitkontext herangezogen werden.

Die Untersuchung ist weiter einzuschränken auf ein einzelnes Begriffsfeld. Das semantische Feld ›Wolf‹ bietet sich dazu an, da

  • eine Untersuchung Neuigkeitswert hat,
  • das Begriffsfeld nahezu durchgängig lemmatisiert und
  • der Gegenstandsbereich angemessen begrenzbar ist,
  • das Begriffsfeld keinen offensichtlichen Konstruktcharakter hat und
  • das Feld hinreichend verdeutlichendes Material zu bieten verspricht.

SpezifischeLeitfragenBezüglich des Untersuchungsgenstandes – das Lemma ›Wolf‹ und sein semantisches Feld – sind folgende spezifische Leitfragen zu klären:

  1. Woher stammt das Wissen über den ›Wolf‹ und sein semantisches Umfeld? Welche Wissensquellen sind relevant für die enzyklopädischen Darstellungen?
  2. Was geschieht mit dem verfügbaren Wissen im Prozess der enzyklopädischen Bearbeitung? Welche Bestandteile werden selektiert, wie werden sie gewichtet?
  3. Wie wirkt sich die enzyklopädische Verarbeitung auf das Wissen aus? Welche Wissens-Welten werden im enzyklopädischen Produkt konstruiert, welchen Nutzen erbringen sie?

UntersuchungszieleZiel der Untersuchung ist es, Charakteristiken, Transformationen und Kontinuitäten sowie Materialkonservierung und -verluste in Form von Traditionsbahnen und -brüchen in der enzyklopädischen Wissenskonstruktion aufzuzeigen.

Methodik

»Auf den Schultern von Riesen«Isaac Newton schrieb um 1675: »Wenn ich weiter gesehen habe (als andere), so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe«; in dieser Bemerkung zeigt sich nicht nur Bescheidenheit bei der Einschätzung eigener Leistungen, sondern auch Begabung beim Prägen pointierter Gleichnisse. Gleichwohl Newton die Bedeutung der Vorleistungen anderer betonte, vergaß er, die Quelle seines Gleichnisses anzugeben. Der Soziologe Robert K. Merton machte sich in den 1960er Jahren auf zu einer »Exkursion in die Welt der Wissenschaftler und Gelehrten«<ref name="ftn2">Catherine Drinker Bowen im Vorwort der englischen Originalausgabe, wiedergegeben von Reinhard Kaiser, »Zur Einführung«, in: Merton 1965/1983: 7.</ref> und gelangt über Robert Burton (17. Jh.) zu Didacus Stella (16. Jh.), von diesem zu Johannes von Salisbury, der Bernhard von Chartres (beide 12. Jh.) zitiert; Merton stolpert dabei über eine Fülle verschleierter Quellen, falscher Fährten und fehlerhafter Zitationen – beispielsweise in John Bartletts Zitatensammlung Familiar Quotations <sup>13</sup>1955, in der Didacus Stellas Gleichnis auf »Lucan (39-65 n. Chr.), De Bello civii, 10, II« zurückgeführt wird. Der gerne als Gewährsmann angegebene Bartlett<ref name="ftn3">John Bartlett: Familiar quotations: being an attempt to trace to their source <sic!>. London: Routledge [1869].</ref> hatte allerdings ebensowenig wie die ihm nachfolgenden Herausgeber der Familiar Quotations nachgeprüft, ob sich der Aphorismus tatsächlich in Lucans De Bello Civii findet oder ob Didacus Stella überhaupt jemals über Lucan geschrieben hat. Merton stellt fest, daß Barlett das Autorenkürzel »Luc.« irrtümlich dem heidnisch-römischen Dichter Lucan zuordnet, während tatsächlich der christliche Fast-Zeitgenosse Lukas gemeint ist<ref name="ftn4">Merton 1965/1983: 211.</ref>. Die wissenssoziologische Erkenntnis dieser Feststellung besteht wohl darin, daß »Burton den Didacus nicht buchstäblich zitierte und daß eine Gelehrtengeneration nach der anderen sein falsches Zitat einfach beibehielt, indem niemand die eigene Tätigkeit überwunden und die ursprüngliche Quelle überprüft hat«<ref name="ftn5">Merton op. cit.: 216.</ref>. Besser lässt sich kaum die Ahnung zusammenfassen, die bei den Vorarbeiten zur folgenden Untersuchung der Konstruktion enzyklopädischen Wissens zu keinem begann.

Spurensuche und WissensquellenAuch wir werden uns auf eine Spurensuche nach den Quellen begeben, aus denen sich enzyklopädisches Wissen speist, können diese jedoch nicht in allen Fällen zu den frühesten Ursprüngen zurückverfolgen: Die Quellen, nach denen wir suchen müssen, sind häufig gut getarnt und entspringen unerwarteten Orten – sie müssten dann erst durch textkritische Arbeiten vollständig freigelegt werden. Die Wissensquellen über den ›Wolf‹ sind auch vielgestaltig – wer würde ernsthaft erwarten, daß eine vermeintlich moderne Enzyklopädie des 19. Jahrhunderts ihre Angaben über das Paarungsverhalten des zoologischen Taxons Canis lupus von Aristoteles bezieht oder sich die Charakterisierung dieses Raubtieres noch bis ins 20. Jahrhundert aus der Allegorese des Mittelalters nährt?

Den Anfang der Spurensuche bildet also eine grobe Sichtung der Quellen, um unseren Anfangsverdacht – die Kontamination zoologischer Information durch christliche Ideologie und anderes ›sachfremdes‹ Material – zu erhärten. Durch die Analyse der Wissensquellen lassen sich nun Schichten aufzeigen, aus denen enzyklopädisches Wissen über den ›Wolf‹ entsteht, darüber hinaus können wir aus diesen Quellen auch den Kenntnis- und Wissensstand des zeitlichen Entstehungskontextes der zu untersuchenden Enzyklopädien rekonstruieren. Um dabei die »Gefahr des ethnozentrischen Vorurteils« zu reduzieren<ref name="ftn6">Assmann 1995/2001: 12.</ref>, müssen wir über die griechische und römische Antike hinaus den Horizont unseres »kulturellen Gedächtnisses« aufsuchen und zu einer der Wurzeln europäischer Kultur zurückkehren: nach Ägypten<ref name="ftn7">Die ägyptischen Zeugnisse haben ihren ganz eigenen enzyklopädischen Bezug; cf. Junge 1984: 272; Assmann 1992/2002: 182 und dazu Fn. <ref name="ftn29"/>, p. <ref name="ftn29"/>.</ref>. Wir müssen diesen Horizont darüber hinaus auch durchbrechen, um möglicher eurozentrischer Verzerrungen bewusst zu werden.

Interdisziplinarität/ MethodenpluralismusDie Konstruktion enzyklopädischen Wissens können wir nach diesen Vorarbeiten an exemplarischen Fallstudien untersuchen; betrachtet wird die Darstellung des Wolfes an seinem Hauptartikel, meist als ›Wolf‹ oder ›Wolff‹ lemmatisiert, und an seinem begrifflichen Umfeld<ref name="ftn8">Das semantische Feld konstituiert sich durch (a) Verweise im Hauptartikel ›Wolf‹; (b) inhaltlich dazugehörige Lemmata, bspw. die verschiedenen Varianten und Unterarten des Wolfes, mythische Figuren wie die Wölfe Geri und Freki sowie Wolfsbekämpfungsmaßnahmen und -instrumente wie Wolfsangel, -eisen, -galgen, -garten, -grube, -zange usw.; (c) ggf. Rückverweise auf den Hauptartikel Wolf. Obwohl quantitativ meist dem ›Wolf‹ gleichgeordnet, wird ›Werwolf‹, ›Lykanthropie‹ etc. nur am Rande betrachtet.</ref>. Der zu untersuchende Themenkomplex nimmt dabei eine Zwitterposition zwischen verschiedenen Disziplinen ein<ref name="ftn9">Der Untersuchungsgegenstand könnte mit gleicher Berechtigung aus den Perspektiven und mit den Methoden der Medien-, Bibliotheks-, Sprach-, Literatur- oder auch der Religionswissenschaft wie denen der Kultur- oder Wissenschaftsgeschichte oder der Theologie untersucht werden. Der vorliegenden Arbeit ist jedoch ein Rahmen gesetzt, der einen sozial- und keinen geschichtswissenschaftlichen Ansatz und Schwerpunkte im Bereich der Medien-, nicht der Zoologiegeschichte vorgibt.</ref>, daher wäre es kaum möglich, dem Untersuchungsgegenstand ohne einen interdisziplinären Ansatz und einen gewissen Methodenpluralismus gerecht zu werden. Grundsätzlich unterliegt unsere Annäherung an die enzyklopädische Wissensutopie drei Grundsätzen:

  • Kritische Analyse. Die Darstellung bemüht sich um wissenschaftliche Distanz zum Untersuchungsgegenstand; wir werden eher prüfen, ob Widersprüche, Ungereimtheiten und Irrwege aufgezeigt werden können als die ohne Zweifel vorhandenen Leistungen zu lobpreisen.
  • Falsifikationsprinzip. Die erkenntnistheoretische Überzeugung von der Unmöglichkeit des positiven Beweises für eine Hypothese führt zur Methode der Falsifikation<ref name="ftn10">Wobei hierbei Karl Poppers Fallibilismus nicht dogmatisch nachgeeifert werden soll.</ref>; wir werden daher eher versuchen, Aussagen und Behauptungen zu hinterfragen als vermeintliche ›Wahrheiten‹ zu beweisen.
  • Konstruktivismus. Das Konzept der Unzugänglichkeit einer wie auch immer gearteten ›objektiven Realität‹ führt epistemologisch zum Modell des Konstruktivismus<ref name="ftn11">Allerdings werden wir auch hier nicht dogmatisch dem nächstliegenden Gedankenmodell – dem radikalen Konstruktivismus – folgen.</ref>; wir werden eher bemüht sein, kognitive Repräsentationen von Wirklichkeit und ihre intersubjektive Kommunizierbarkeit gegenüber der Suche nach ›objektiver Wirklichkeit‹ zu priorisieren.

OperationalisierungFür die Analyse verwenden wir ein Untersuchungsraster, das eine systematische Beschreibung der Artikel erlaubt<ref name="ftn12">Ausführlicher hierzu: cap. 4.1, »Methodische Vorbemerkungen«, p. 84 ss.</ref>. Eine Operationalisierung in Form von Lemmalisten (welches Begriffsfeld ist lemmatisiert?) und in den Artikeln vorgefundenen ›Topoi‹ (welche Aussagen werden gemacht?) erlaubt es uns, die vorgefundenen Artikel und ihr begriffliches Umfeld (a) mit Anspruch und Selbstverständnis des Werks, (b) mit dem Kenntnis- und Wissensstand des jeweiligen Zeitkontextes sowie nicht zuletzt (c) untereinander zu vergleichen. Durch die Untersuchung der enzyklopädischen Konstruktion von ›Wolf‹ lassen sich die drei Komponenten ›Bausteine‹ (woher kommt das Wissen?), ›Bauplan‹ (wie wird es ausgewählt?) und ›Bauarbeiten‹ (wie wird es verarbeitet?) darstellen.

Disposition

EnzyklopädieEinleitend werden notwendige begriffliche Klärungen vorgenommen, um die Zusammenhänge dreier zentrale Begriffe – Erkenntnis, Wissen und Bildung – herzustellen. An diesen ›Grundbausteinen‹ wird verdeutlicht, was die Essenz enzyklopädischen Wissens ausmacht (cap. 2, p. 8 ss.).

Die Annäherung an das Projekt der Enzyklopädie erfolgt unter drei Aspekten: theoretisch, praktisch und rezeptionell; sie zeigt ›Konstruktionsprinzipien‹ und ›Bauarbeiten‹ auf:

TheoretischeGrundlagen(a) Unter den theoretischen Grundlagen der Enzyklopädie werden zunächst Forschungsstand und Quellenlage erörtert sowie Herkunft und Bedeutungswandel der Begriffe ›Enzyklopädie‹ und ›enzyklopädisches Wissen‹ geklärt. Es schließt sich eine exemplarische Darstellung von Anspruch und Selbstverständnis enzyklopädischer Werke an, aus der charakteristische Merkmale, Eigenschaften und Funktionen einer Enzyklopädie herausgearbeitet werden; abschließend wird die Literaturgattung systematisch verortet und mit ihren gängigsten Formen und Varianten vorgestellt (cap. 2.2, p. 21 ss.).

Praxis der enzyklo-pädischen Arbeit(b) Bei der Erörterung der praktischen Aspekte der enzyklopädischen Arbeit werden zunächst Gegenstandsbereiche und Inhalte einer Enzyklopädie umrissen, Disposition und Struktur vorgestellt sowie der Erstellungs- und Entstehungsprozess präzisiert. Es folgen Hinweise auf die Bedeutung der Transtextualität für Enzyklopädien, insbesondere zu intertextuellen Beziehungen, die zur Rolle von Autoren und Urhebern überleiten (cap. 2.3, p. 35 ss.).

Rezeption vonEnzyklopädien(c) Der dritte und abschließende allgemeine Abschnitt zu Enzyklopädien beschäftigt sich mit der Rezeptionsseite, da die aktive Rolle von Benutzern, Lesern und Käufern bei konstruktivistischen Betrachtungen nicht übersehen werden darf. Hier wird auch versucht, Einfluß, Wirkung und Bedeutung von Enzyklopädien einzuschätzen und Einwände der Enzyklopädiekritik zu skizzieren (cap. 2.4, p. 48 ss.).

Zur Kulturgeschichte des WolfesDer nachfolgende Hauptabschnitt beschäftigt sich mit der Kulturgeschichte des Wolfes (cap. 3, p. 56 ss.) und legt die Grundlagen zur Operationalisierung der nachfolgenden Untersuchungen ausgewählter enzyklopädischer Werke. In einem gerafften Überblick werden zunächst die Beziehungen des Menschen zum Wolf betrachtet und darin die Faktengrundlagen für enzyklopädische Darstellungen geschildert (cap. 3.1, p. 56 ss.). Dem schließt sich eine Beschreibung der Quellen des Wissens über den Wolf an, in der Dimensionen des Wissensraumes, aus dem enzyklopädische Darstellungen ihr Material selektieren, sowie Schwierigkeiten der Textüberlieferung angedeutet werden (cap. 3.2, p. 65 ss.). Abgeschlossen wird dieser Abschnitt durch eine kurze Darstellung zoologischer Taxa im Umfeld des Tribus der Echten Hunde (Canini), der als Referenz für die sich anschließende Untersuchung dient (cap. 3.3, p. 77 ss.). Die Ausführungen zur Kulturgeschichte des Wolfes, insbesondere zu den Wissensquellen, wurde im Hauptteil dieser Arbeit auf Ergebnisse reduziert; eine detailliertere Darstellung ist im Anhang beigefügt (cap 6.1, p. 187 ss.).

Der ›Wolf‹in der EnzyklopädikDer zweite Hauptabschnitt der Untersuchung beschäftigt sich mit der Konstruk­tion des Wolfes in fünf ausgewählten Enzyklopädien, in der Reihenfolge ihrer Entstehung: Zedler, Brockhaus, Pierer, Meyer und Wikipedia (cap. 4, p. 84 ss.). Bei auflagenreichen Werken wie dem Brockhaus muß die Anzahl der untersuchten Auflagen begrenzt werden, ebenso sind hier selektive Gewichtungen erforderlich.

• Zedler• Brockhaus• Pierer• Meyer• Wikipedia

• WerkübergreifendDer Untersuchungsteil wird eingeleitet durch Ausführungen zu Materialauswahl und Begriffsfeld sowie Methodik und Untersuchungsgegenstand (cap. 4.1, p. 84 s.). Die einzelnen Werke werden nach einem festen Untersuchungsraster analysiert:

  • Zunächst folgt eine Vorstellung von Verlag und Werk bzw. Projekt.
  • Dem schließt sich eine knappe Darstellung des Kenntnis- und Wissensstands im Kontext des jeweiligen Erscheinungszeitraums an.
  • Die Untersuchung der enzyklopädischen Bearbeitung wird nach weiteren Kriterien unterteilt: Makrostruktur (Zugriffsstrukur und Lemmatisierung); Mesostruktur (Verweissystem und ›K3‹-Problemfeld von Konsistenz, Kohärenz, Kohäsion) und Begriffsfeld (›sematisches Feld‹); Mikrostruktur (Artikelgliederung und -aufbau); Schwerpunkte und Verzerrungen (Zuschreibungen, Charakterisierungen etc.); Auflagenvergleich; Intertextualität; Traditionsbahnen.
  • Abgeschlossen werden die Werksanalysen jeweils durch eine Zusammenfassung der Zwischenergebnisse.

Den Ausklang der Analyse bilden drei werkübergreifende Vergleiche, nämlich von Werken (a) vom Ende des 19. Jahrhunderts, (b) aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und (c) vom Anfang des 21. Jahrhunderts. Bei den Gegenüberstellungen wurde darauf geachtet, Epochen mit (a) zeitwendenartiger Charakteristik sowie (b) vergleichbaren Werken auszuwählen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in einer werkübergreifenden Zusammenfassung dargestellt.

Ausblick undForschungsbedarfIm abschließenden Ausblick werden die Untersuchungsergebnisse diskutiert und Ansätze für weitere Forschungsarbeiten skizziert.

AnhangDie Arbeit wird abgeschlossen durch einen Anhang, der aus einem Materialteil, Quellennachweisen und einem Stichwortverzeichnis besteht.

  • Der Materialteil liefert ergänzende Arbeitsmaterialien (a) zu den Quellen des Wissens über den Wolf; (b) den Canidae in der zoologischen Systematik; zu den Werken von (c) Gesner; (d) Zedler; (e) Brockhaus; (f) Pierer; (g) Meyer; und (h) Wikipedia; sowie empirisches Material zu (i) der Lemmatisierung des Begriffsfeldes in den untersuchten Werken; und (j) den dort vorgefundenen Topoi vom Wolf; sowie
  • Quellennachweise, die unterteilt sind nach Primärquellen (weiter unterteilt nach [immateriellen] Digitalisaten und [materiellen] Bibliotheksexemplaren), Sekundärquellen und Bildquellen;
  • ein Personen- und Stichwortregister, das Inhalte der Untersuchung erschließt, die über die flach gehaltene Gliederung nur schwer auffindbar wären.

Die Arbeit nutzt eine Marginalspalte für (a) Stichpunkte zur raschen Orientierung im nebenstehenden Text und (b) die Argumentation ergänzendes Bildmaterial. Auf beide Elemente wird aus dem laufenden Text heraus verwiesen.