Berlinale 2007: Neue Dynamik für den Kurzfilm

Einmal um die ganze Welt und durchs endlose Universum der Gefühle: Der Kurzfilmwettbewerb macht in zwei knapp 90-minütigen Programmen mit den verschiedensten filmischen Ideen, Stilen und Emotionen bekannt. Der neue Kurzfilmwettbewerb der Berlinale, der durch die Zusammenlegung von Wettbewerb und Panorama den Kurzfilm auf dem Festival fokussiert, präsentiert die kleine feine Form in all ihren Nuancen.

16 Filme aus 12 Ländern wetteifern um die Preise im Kurzfilmwettbewerb, über die eine dreiköpfige internationale Jury entscheidet. Zur Jury gehören die Produzentinnen Peace Anyiam-Fiberesima (Nigeria) und Riina Sildos (Estland) sowie die chinesische Regisseurin Ning Ying. Bei der Kurzfilm-Preisverleihung am 13. Februar, um 20 Uhr im Kino International werden der Goldene und der Silberne Bär, der Prix UIP und ein 3monatiges Berlin-Stipendium des DAAD verliehen.

Der Kurzfilm ist uns als eigene Kunstform wichtig, und wir möchten dies mit der neuen Struktur unterstreichen“, kommentiert Festivaldirektor Dieter Kosslick. „Die diesjährige Auswahl besticht durch ihre Vielfalt an Formen und Genres: von politischen Dokumentationen über lakonische Komödien bis zu schlauen Satiren ist alles vertreten“.

Das Programm bildet die ganze Vielfalt des Genres ab:
Paul McDermott aus Australien etwa erzählt in dem Animationsfilm The Girl Who Swallowed Bees (Das Mädchen, das Bienen schluckte) mit leichter Poesie und leuchtenden Farben von der Melancholie eines jungen Mädchens. Ganz anders im Ton der Film des Chilenen Alejandro Fernandez Almendras, der letztes Jahr im Rahmen des World Cinema Fund gefördert wurde: Lo que trae la lluvia (Along Comes the Rain) versammelt Impressionen eines bäuerlichen (Über-) Lebens). Die Niederländerin Daya Cahen hingegen porträtiert den Enkel Josef Stalins, der alles tut, um seinem Großvater wie aus dem Gesicht geschnitten zu erscheinen (The Stalin That Was Played By Me | Mein Stalin). Gecko von Theresa von Eltz zeigt Mutter und Sohn, in einem heruntergekommenen Trailer und einen Mann, der unbedingt bleiben soll… Auch Rotten Apple der in London lebenden Bulgarin Ralitza Petrova beleuchtet eine so genannte „Restfamilie“. Scummy Man von Paul Fraser, ebenfalls aus Großbritannien, verbindet drei Low-Life-Schicksale in bester „Trainspotting“-Manier mit einer gehörigen Portion Witz und Sozialkritik.

Überhaupt blüht der Kurzfilm im Rahmen der „Demokratisierung“ des Mediums Film durch digitale Aufnahme- und Vertriebstechniken auf: Noch nie war es so einfach und preiswert, einen Film zu drehen. Noch nie aber entschieden sich Filmemacher umgekehrt so bewusst für „echtes“ Filmmaterial.

Die Jury

Peace Anyiam-Fiberesima (Nigeria)

Die studierte Juristin ist heute als Produzentin eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der afrikanischen Filmindustrie. Sie gründete die African Academy, die die bedeutendsten afrikanischen Filmpreise verleiht und ist Präsidentin der African Movie Academy Awards. Der Boom des nigerianischen Home-Video-Markts verdankt sich dem Engagement von Peace Anyiam-Fiberesima. Zu ihren Erfolgen als Produzentin zählen unter anderem die Filme Blind Date und Fear of the Unknown 1 & 2.

Riina Sildos (Estland)

Riina Sildos ist mit der wirtschaftlichen und der künstlerischen Seite des Filmemachens gleichermaßen vertraut. Sie begann als Filmkritikerin, wurde 1998 Mitbegründerin des Internationalen Film Festivals in Tallinn und war von 2000 bis 2003 Vorsitzende der Estnischen Filmstiftung. Als selbstständige Produzentin hat sie unter anderem die Dokumentation Wounds of Afghanistan sowie den ersten baltischen Animationsspielfilm Lotte from Gadgetville betreut, der im diesjährigen Berlinale-Programm von Generation zu sehen ist.

Ning Ying (China)

Ning Ying gilt als eines der großen Regietalente Chinas. Zu ihren internationalen Erfolgen gehört I Love Beijing (2001), der letzte Teil einer Trilogie über Menschen in ihrer Heimatstadt Peking. 2001 war der Film im Forum der Berlinale zu sehen. Für die Dokumentation Railroad of Hope (Forum 2002) erhielt Ning Ying den „Grand Prix du Cinéma du Réel“ in Paris. Vor zwei Jahren stellte sie ihren jüngsten Film Perpetual Motion auf zahlreichen internationalen Festivals vor.

Kurzfilm-Wettbewerb 2007

Annem sinema ögreniyor – My Mama Learns Cinema
Regie: Nesimi Yetik
Türkei, 3’ (IP)

The Girl Who Swallowed Bees - Das Mädchen, das Bienen schluckte
Regie: Paul McDermott
Australien, 8’ (WP)

La Lecon de Guitare – The Guitar Lesson
Regie: Martin Rit
Frankreich, 18’ (DP)

Bus
Regie: Jens Schillmöller
Deutschland, 9’ (WP)

Lo que trae la lluvia – Along Comes the Rain
Regie: Alejandro Fernandez Almendras
Chile, 13’ (IP)

Scummy Man
Regie: Paul Fraser
Großbritannien, 16’ (WP)

Rendez-vous
Regie: Marcin Janos Krawczyk
Polen, 9’ (IP)

The Night Before Christmas
Regie: Sam Bassett
USA, 8’ (WP)

Mei
Regie: Arvin Chen
Taiwan-China/USA 11’ (WP)

Jegyzökönyv – Mansfeld Péter Emlekere
Court Record – In Memoriam Péter Manfeld
Regie: Zoltán Szilágyi Varga
Ungarn, 7’ (WP)

Decroche – Pick up
Regie: Manuel Schapira
Frankreich, 16’ (WP)

Gecko
Regie: Theresa von Eltz
Großbritannien, 7’ (WP)

The Japanese Tradition: Shaiza
The Japanese Tradition: Apologies
Regie: Namikibashi (= Junji Kojima und Kentaro Kobayashi)
Japan, 3’ (IP)

The Stalin That Was Played By Me - Mein Stalin
Regie: Daya Cahen
Niederlande, 15’ (IP)

Raak – Contact
Regie: Hanro Smitsman
Niederlande, 10’ (IP)

Rotten Apple
Regie: Ralitza Petrova
Großbritannien, 15’ (WP)

Quelle

  • Pressemitteilung der Internationalen Filmfestspiele Berlin vom 24. Januar 2007
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