Artenvielfalt

Das Abschlachten der Wale im Südpolarmeer hatte weitaus gravierendere ökologische Folgen als bisher bekannt war. Nach Angaben des Meeresbiologen Victor Smetacek vom Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven führte das weitgehende Verschwinden der Blauwale zu einem massiven Niedergang des Krill, der Hauptnahrung der Meeressäuger.

Früher hätten die Wale jährlich schätzungsweise 180 Millionen Tonnen Krill gefressen, das ist mehr Biomasse, als alle Fangflotten und Aquakulturen pro Jahr an Meerestieren auf den Weltmarkt bringen, sagt Smetacek der Wochenzeitung Die Zeit. Dass der Krillbestand trotz des Verschwindens seiner Räuber abgenommen habe, gelte als antarktisches Paradox.

Der Meeresbiologe Smetacek erklärt das so: "Die vielen Wale hielten als Umweltgärtner ein sehr produktives Ökosystem aufrecht. Mit ihrer Dezimierung verfiel es". Ihren Meeresgarten bestellten die Wale und Kleinkrebse durch intensives Recycling lebenswichtiger Nährstoffe in der oberen Wasserschicht.  weiter »

Der Hunger nach nachwachsenden Rohstoffen und energiereichen Getreidesorten für die Agrarindustrie führt nicht nur im Amazonas-Regenwald zum Verlust der biologischen Vielfalt. Auch in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Bayern, Brandenburg und den anderen deutschen Flächenstaaten fördern Energiekrisen und hohe Getreidepreise das Artensterben und den Schwund von Biodiversität, hat eine Analyse der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) ergeben.

In zehn landwirtschaftlich relevanten Bundesländern wurden im vergangenen halben Jahr zwischen 38 und 80 Prozent der ehemals stillgelegten Flächen wieder unter den Pflug genommen, anstatt sie weiterhin für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu nutzen. Auf 304.000 Hektar der ehemaligen ökologischen Ruheflächen wachsen in diesen Bundesländern nun Mais, Raps und Getreide für die agrarindustrielle Produktion.

"Wir beobachten daher ein beispielloses Artensterben in der deutschen Agrarlandschaft. Besonders Vogelarten, wie Braunkehlchen, Grauammer, Rebhuhn, Heidelerche, aber auch die als Frühlingsbote bekannte Feldlerche sind davon betroffen", sagte Dr. Frank Neuschulz, Leiter des Bereichs Naturschutz bei der DUH.  weiter »

Zum Schutz des brasilianischen Regenwaldes wird ein weiteres Jahr kein Soja von neu gerodeten Urwaldflächen gehandelt. Greenpeace stellt dieses Verhandlungsergebnis zwischen der brasilianischen Regierung, dem nationalen Verband der Soja-Händler (Abiove) und weiteren Umweltverbänden heute in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia vor.

Eine breite Allianz von Soja-Abnehmern, darunter McDonalds, Ritter Sport, Carrefour und Marks & Spencer unterstützt die Verlängerung des bestehenden Moratoriums. Nach einer Kampagne von Greenpeace gegen die Rodung des Regenwaldes hatten die größten brasilianischen Soja-Händler im Juli 2006 einem zweijährigen Stopp des Handels zugestimmt.  weiter »

"Das neue Soja-Moratorium ist ein Meilenstein für den Erhalt des Regenwaldes in Amazonien", sagt Tobias Riedl, Waldexperte von Greenpeace. "Der Regenwald Amazoniens ist die größte Klimaanlage des Planeten, Heimat indigener Völker und Lebensraum unzähliger Arten. Regierung und Industrie haben verstanden, dass eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion nicht auf Kosten des Regenwaldes geschehen darf".
Thomas Rettelbach, Experte für Wildbienen, Kolbersbach

Thomas Rettelbach, Experte für Wildbienen, Kolbersbach.

Abbildung: Geo (Quelle)

Thomas Rettelbach, Experte für Wildbienen, Kolbersbach

Über 100 Experten für Flora und Fauna erforschten gestern das Artenvorkommen im Nationalpark Bayerischer Wald. Auf 20 Untersuchungsgebieten in dem mehr als 240 Quadratkilometer großen Gebiet dokumentierten sie dabei rund 1.600 Arten.

Außergewöhnliche Funde wurden bei den Pilzen gemacht. Als herausragend bezeichneten die Fachleute den Nachweis des Duftenden Feuerschwamms (Phellinus pouzarii), der an Totholz von 300 bis 400 Jahre alten Tannen lebt und in Deutschland nur im Bayerischen Wald zu finden ist. Bemerkenswert sind auch der Erstfund des Zweisporigen Büscheltintlings (Coprinus bisporus), der auf Wiesent-Dung gefunden wurde, und das Vorkommen des Heidelbeer-Kammpilzes (Phlibia centrifuga). Er findet sich nur in naturbelassenen Wäldern mit urwaldähnlichen Strukturen.

Insgesamt konnten ca. 70 Vogelarten nachgewiesen werden. Auch am GEO-Tag der Artenvielfalt wurde, wie zuletzt häufiger, der Steinadler (Aquila chrysaetos) gesichtet. Er kreiste im Grenzgebiet zum Nationalpark Sumava, was auf eine Ansiedlung in naher Zukunft hoffen lässt. Die günstigen Lebensbedingungen im Nationalpark durch die Vielzahl von Borkenkäferbäumen ermöglichten mehreren Experten, den Dreizehenspecht (Picoides tridactylus) zu beobachten. Jungvögel zeigten den Bruterfolg des Habichtskauzes (Strix uralensis) an, der innerhalb Deutschlands nur im Bayerischen Wald vorkommt.  weiter »

Zu Beginn der 9. Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt haben der weltweite Dachverband des NABU, BirdLife International, und die Internationale Naturschutzunion IUCN heute in Bonn ihre neue Rote Liste der bedrohten Vogelarten der Welt vorgestellt. BirdLife International hat diese Liste als weltweit führende Organisation für die Erfassung und den Schutz von Vogelarten im Auftrag der IUCN erstellt. An der Erstellung der Roten Liste waren Tausende von Wissenschaftlern weltweit beteiligt.

Auch in Deutschland stehen noch immer über 40 Prozent aller Vogelarten auf der Roten Liste. Die Hauptursachen des Artensterbens in Europa und Deutschland sind die Intensivierung der Landwirtschaft und der wachsende Flächenverbrauch seit Mitte des 20. Jahrhunderts. NABU-Präsident Olaf Tschimpke:  weiter »

"Das Werk ist ein alarmierendes Signal für den fortschreitenden Verlust der Artenvielfalt. Die Liste belegt darüber hinaus erstmalig, dass sich der Klimawandel negativ auf die Vogelbestände auswirkt, insbesondere durch lange Dürreperioden, die Ausbreitung der Wüsten und extreme Wettersituationen".
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