1826

BibliographischesInstitut (1826)Carl Joseph Meyer (1796-1856) wurde in Gotha, der damaligen Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Gotha, als Sohn eines Schumachers geboren. Meyer wurde in seiner Jugend durch humanistische und liberale Erziehung geprägt und zum Kaufmann ausgebildet; er versuchte sich wiederholt und erfolglos an Spekulationsgeschäften. In den 1820er Jahren wechselte er zur Profession des Literaten und veröffentlichte eine Reihe von volkswirtschaftlichen Arbeiten sowie Übersetzungen aus dem Englischen. 1826, im Geburtsjahr der Fotografie<ref name="ftn666">Im Herbst 1826 schuf Joseph Nicéphore Nièpce (1765-1833) mit einer Camera obscura die erste lichtbeständige Fotografie der Welt.</ref>, gründete er schließlich in Gotha mit dem Bibliographischen Institut sein eigenes Verlagsunternehmen<ref name="ftn667">Ausf. zur Biographie Joseph Meyers: Sarkowski 1976: 9-14; ADB 1885 XXI: 602-605.</ref>.

VerlagsprojekteZu seinen ersten Verlagsprojekten zählten preiswerte Klassikerausgaben<ref name="ftn668">Bspw. Bibliothek der deutschen Klassiker und Meyers Groschenbibliothek.</ref> – ein Marktsegment, in dem sich F. A. Brockhaus erfolglos versucht hatte – sowie Bibeln, Kinder- und Jugendbücher, Atlanten, Karten und geographische Handbücher. Viele seiner Publikationen waren reich illustriert, so beispielsweise das in insgesamt 17 Bänden und mehreren Nachdrucken erschienene Meyer’s Universum, enthaltend die »getreuliche bildliche Darstellung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst«<ref name="ftn669">Heinz Sarkowski zeichnet die Verlagsgeschichte sorgfältig nach in der Festschrift Das Bibliographische Institut; dort findet sich auch eine ausführliche und kommentierte Bibliographie der Verlagstätigkeit (Sarkowski 1976: 197 ss.). Als grundlegend für die Anfangszeit der Verlagstätigkeit gilt jedoch eine ältere Festschrift aus demselben Hause: Hundert Jahre Bibliographisches Institut des Historikers Johannes Hohlfeld (Hohlfeld 1926).</ref>, das bis zu 80.000 Abonnenten erreichte. Auch andere größere Verlagsprojekte wurden nach dem Subskriptionsverfahren verkauft, durch das Folgepublikationen finanziert werden konnten. Meyer zählte zu den ersten Verlegern, die neue Vertriebswege wie buchhandelsfremde Kaufleute als Vertriebsagenten oder Kolporteure einsetzen; nicht zuletzt investierte er ungewöhnlich hohe Beträge in Werbung<ref name="ftn670">Zum Vertriebsmodell des C. J. Meyer: Sarkowski 1976: 25 s.</ref>.

»Bildung macht frei«Der Wahlspruch des Bibliographischen Institutes lautete »Bildung macht frei«; Meyer war überzeugter Liberaler, Republikaner und Demokrat, politisch aktiv, trat für Rede-, Schrift-, Glaubens- und Versammlungsfreiheit ein, forderte die Einrichtung eines deutschen Volksparlaments und unentgeltlichen Schulunterricht für das ganze Volk; während Brockhaus das »Wissen der Welt« sammelte, wollte Meyer »Wissen für jedermann«<ref name="ftn671">WO 2006.</ref>. Andererseits trat er als erfolgreicher und gewinnorientierter Unternehmer auf, nicht nur im Verlagswesen, sondern gegen Ende der 1830er Jahre auch im Eisenbahn- und Bergbau; er verwendete für den Druck als eine der ersten deutschen Druckereien Schnellpressen, die jedoch aus Kostengründen oft mit Handantrieb betrieben wurden: »Menschenkraft war billiger als Kohle, und Kinder an die Antriebsräder zu stellen galt keineswegs als ungewöhnlich«<ref name="ftn672">Sarkowski 1976: 17 s.</ref>.

›Wunder-Meyer‹(<sup>0</sup>1840-1852)Ab 1839/40 erschien der so genannte ›Wunder-Meyer‹<ref name="ftn673">Vollständiger Titel: cf. cap. 6.7, »Arbeitsmaterial: Meyer«, p. 249 ss.</ref>, der zunächst für 21 Bände geplant war, jedoch erst 1853 mit dem 46. Band abgeschlossen werden konnte; die Großenzyklopädie umfasst 65.455 Seiten redaktionellen Textes in zweispaltigem Satz, 1.200 Seiten Register sowie, nach eigenen Angaben, rund eine Million Stichwörter und dürfte damit konkurrenzlos das umfangreichste Konversationslexikon in deutscher Sprache darstellen; der Umfang »übertrifft den des ebenfalls 1855 vollendeten Lexikons von Brockhaus um das Fünfzehnfache«<ref name="ftn674">Sarkowski 1976: 72. Das bezieht sich wohl auf Brockhaus <sup>10</sup>1851-1855 (15 Bde.).</ref>, und Meyer feierte sein Werk in einer Anzeige im Börsenblatt vollmundig als »dauerndes Monument deutschen Fleißes, deutscher Gelehrsamkeit und deutschen Unternehmensgeistes«<ref name="ftn675">Anzeige im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel (1885), in: Sarkowski 1976: 73.</ref>.

Das bereits seit 1834 vorbereitete Werk sollte sich von den am Markt etablierten Produkten von Brockhaus und Pierer deutlich abheben; es war zwar »hauptsächlich für das große Publikum« bestimmt, sollte aber auch »für die Gelehrten vom Fach brauchbar« sein; vom Pierer wollte man sich durch einen weniger trockenen und skizzenhaften Stil unterscheiden, der »die rechte Mitte hält zwischen der abstrusen Compendienform und dem laxen Ton der Unterhaltungsliteratur«<ref name="ftn676">Joseph Meyer, Das große Conversations-Lexikon..., Vorwort (1839); »Reglement für die Herren Mitarbeiter am großen Meyer’schen Conversations-Lexicon« (1834), zit. in.: Sarkowski 1976: 54.</ref>. Darüber hinaus bot der Meyer von Anfang an eine Fülle von Tafeln und Textillustrationen; in populären deutschsprachigen Nachschlagewerken war dies noch selten, wurde im Ausland jedoch längst praktiziert<ref name="ftn677">So bspw. die mit zwölf Tafelbänden ergänzt französische Encyclopédie.</ref>.

PlagiatsvorwürfeDie etablierten Lexika-Verleger waren wenig erfreut über die neue Konkurrenz und führen die altbekannten Plagiatsvorwürfe ins Feld; so klagte Pierer 1840 in seinem Vorwort, der Meyer sei »in der ganzen Anlage unserem Werk nachgebildet, indem seine Artikel fast Stück für Stück unsere Artikel in der ersten Auflage sind [...]. Indem aber die Redaction desselben unsern Plan, unser mit größter Mühe angefertigtes Register benutzte, ersparte es <sic!> sich gerade den mühsamsten und schwierigsten Theil der Anlage«<ref name="ftn678">Pierer-Redaction 1840: XLIII. Das überrascht angesichts des unterschiedlichen Umfangs.</ref>.

Das Bibliographische Insitut brachte bis 1855 sechs Supplement-Bände auf den Markt und druckte das Monumentalwerk noch einmal unverändert nach, setzte die Beschäftigung mit Großenzyklopädien jedoch nicht fort, obwohl bis zu 70.000 Exemplare abgesetzt worden sein sollen. Möglicherweise hinterließ der Tod Carl Joseph Meyers ein Jahr nach Vollendung des ›Wunder-Meyer‹ eine Lücke in den Ambitionen des Bibliographischen Instituts, die sein Sohn Herrmann Julius nicht ausfüllen konnte oder wollte.

Meyers_Konversations-Lexikon.jpgIm Vergleich zum ›Wunder-Meyer‹ stark verkürzt waren die bis zur Jahrhundertwende erschienenen Konversations-Lexika von Meyer. Das Bibliographische Institut reduzierte ihren Umfang auf etwa ein Drittel<ref name="ftn679">Anzahl Bände: 15 (<sup>2</sup>1861-1867, <sup>3</sup>1874-1878); 16 (<sup>4</sup>1885-1890); 17 (<sup>5</sup>1893-1897); bibliographische Angaben nach: Sarkowski 1976: 217; 234 s.</ref> und ließ die Enzyklopädie erst Anfang des 20. Jahrhunderts wieder auf 20 Bände anwachsen. Die Angaben über den Bildanteil von <sup>6</sup>1905-1909 variieren zwischen 11.000 und 20.550 Textabbildungen sowie 1.400 und 1.890 Bildtafeln.

Bereits anläßlich der zweiten Auflage waren die Plagiatsvorwürfe wieder aufgelebt; der Leipziger Verleger E. A. Seemann wetterte im Börsenblatt gegen »literarische Freibeuterei« und lamentiert über die »Grenzen des Rechtsschutzes«<ref name="ftn680">E. A. Seemann, »Etwas über literarische Freibeuterei, mit besonderem Bezug auf Meyer’s Neues Konversations-Lexikon«; »Etwas über die Grenzen des Rechtsschutzes gegen theilweisen Nachdruck mit besonderem Bezug auf Meyer’s Neues Conversations-Lexikon«, in: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Mai 1857; zit. in: Sarkowski 1976: 76).</ref>. Das Bibliographische Institut ging dagegen in den 1870er Jahren gegen Pierer vor, der darauf Teile seines Lexikons in revidierter Form nachdrucken mußte<ref name="ftn681">Sarkowski 1976: 76.</ref>.

Verlegerische ErfolgeNach der relativ erfolgreichen zweiten Auflage verlegte das Bibliographische Institut seinen Sitz in das deutsche Buchhandelszentrum; hier errichtete Herrmann Julius Meyer den modernsten Druckereibetrieb, den es zu dieser Zeit in Leipzig gab<ref name="ftn682">Sarkowski 1976: 102. Drucktechnisch löste Meyer damit wohl um 1870 Brockhaus ab.</ref> und legte damit die produktionstechnische Grundlage für die enormen Auflagensteigerungen der folgenden Ausgaben: Während der Absatz von <sup>2</sup>1861-1868 noch bei etwa 40.000 Exemplaren gelegen hatte, verkaufte sich <sup>3</sup>1874-1878 bereits in 130.000 Stücken; danach explodierten die Auflagen geradezu auf 200.000 (<sup>4</sup>1885-1890) und schließlich 233.000 Exemplare (<sup>5</sup>1893-1897)<ref name="ftn683">Sarkowski 1976: 76; 104; 118.</ref>.

Moderne VertriebsformenDie Gründe für diesen auf dem deutschen Buchmarkt beispiellosen Erfolg<ref name="ftn684">Cf. Sarkowski 1976: 118.</ref> sind vielfältig; neben dem reichhaltigen Bildanteil dürfte vor allem die effiziente Vertriebsorganisation mit Kolporteuren und Reisebuchhändlern eine entscheidende Rolle gespielt haben; es gelang den Meyer-Redakteuren wohl auch besser als der Konkurrenz, die Interessen der Leser aufzugreifen<ref name="ftn685">Beispielsweise in damals wichtigen Bereichen wie Natur-, Tier- und Volkskunde; hier publizierte das Bibliographische Institut mit großem Erfolg u.a. Brehms Thierleben (1863), sowie die Allgemeine Naturkunde (1885) und die Allgemeine Länderkunde (1891).</ref>, oder die Leser bevorzugten die Meyer-Lexikografie einfach aufgrund einer als höherwertig empfundenen inhaltlichen Qualität. Diese Vermutung erscheint nicht abwegig, da Meyer zwischen 1881 und 1884 eine Reihe von 23 Fachlexika verlegt hatte, die sich zwar als nicht »marktgerecht« erwiesen, aber von »meist sehr angesehenen Wissenschaftlern« verfasst wurden und deren Inhalte ab der vierten Auflage teilweise in den Meyer übernommen wurden<ref name="ftn686">Cf. Sarkowski 1976: 108. Heinz Sarkowski weist auch darauf hin, daß einzelne dieser Fachlexika in anderen Verlagen weitergeführt worden seien und erwähnt als Beispiel Riemanns Musik-Lexikon, das bis in die 1960er Jahre bei B. Schott’s Söhne (Mainz) erschien und seitdem ausgerechnet in Zusammenarbeit mit F. A. Brockhaus als Brockhaus Riemann Musiklexikon herausgegeben wird (zuletzt: Piper: München 1990).</ref>.

Im Umfang bescheidener fielen wieder <sup>7</sup>1924-1933 und <sup>8</sup>1936-1942 aus<ref name="ftn687">Anzahl Bände: <sup>7</sup>1925-1933: 12; <sup>8</sup>1936-1942: 12, davon erschienen: 1-9; bibliographische Angaben nach: Sarkowski 1976: 158; 254.</ref>; erstere wurde bereits mit einem Anhang »Deutsches Reich – Die nationalsozialistische Revolution« ausgeliefert, letztere war durch Eingriffe der Parteiamtlichen Prüfungskommission vollständig nationalsozialistisch indoktriniert<ref name="ftn688">Ausführlicher zur Redaktionsarbeit in einem totalitären Regime: Sarkowski 1976: 156-158 und Ines Prodöhl: Genehmigtes Wissen. Enzyklopädien und Lexika im Dritten Reich (Dissertation, seit 2002 im Entstehen; www.enzyklopaedie.ch/mitarb/Expose.pdf).</ref> und lähmte die Meyer-Lexikografie bis Ende der 1960er Jahre, als mit den Vorbereitungen zu Meyers Enzyklopädischem Lexikon begonnen wurde.

Mannheim undLeipzigNach Kriegsende verlagerte das Bibliographische Institut seinen Sitz nach Mannheim und firmierte weiter als Aktiengesellschaft, während in Leipzig der VEB Bibliographisches Institut neu gegründet wurde. Beide Verlage konnten zunächst nur kleinere Nachschlagewerke auf den Markt bringen; der Mannheimer Verlag konzentrierte sich bis Ende der 1960er Jahre auf die Duden-Produktlinie und der Leipziger VEB brachte zwischen 1961 und 1964 Meyers Neues Lexikon in acht Bänden auf den Markt.

›Meyers Enzyklopädisches Lexikon‹(<sup>9</sup>1971-1979)Zwischen 1971 und 1979 veröffentlichten die Mannheimer dann Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, mit rund 250.000 Stichworten das größte deutschsprachige Lexikon des 20. Jahrhunderts. Die Lexikonsubstanz wurde sehr gründlich von den Altlasten der unvollendeten 8. Auflage befreit und mit neuen »Sicherungen gegen Veralterung« ergänzt: Nachtragsfaszikel und nichtlexikalische Sonderbeiträge<ref name="ftn689">Cf. Sarkowski 1976: 186.</ref>. Parallel dazu veröffentlichten die Leipziger Kollegen Meyers Neues Lexikon in der 18-bändigen zweiten Auflage (1971-1977) – das einzige Großlexikon aus VEB-Produktion.

Vermutlich auf Basis der Lexikonsubstanz von Meyers Enzyklopädischem Lexikon veröffentlichte der Mannheimer Verlag zwischen 1978 und 1981 Meyers Neues Lexikon in acht Bänden, das nichts mit dem gleichnamigen Produkt des Leipziger VEB aus den 1960er Jahren zu tun hat; es umfasste rund 150.000 Stichwörter und enthielt rund 12.000 Abbildungen. Auf dieser Grundlage brachte die Bibliographisches Institut AG 1981 Meyers Großes Taschenlexikon in 24 Bänden auf den Markt<ref name="ftn690">Im Vorwort legen die Herausgeber die Herkunft dieses Werkes offen: es sei »auf der Grundlage von ›Meyers Neuem Lexikon‹ in acht Bänden (1978-1981) erarbeitet« worden. Direkte Konkurrenz gab es Anfang der 1980er Jahre nur vom dtv, der seit 1971 ein vergleichbares Taschenlexikon im Programm führte. Weitere Vorläufer: Konversationslexikon, 20 Bde., auf der Basis von Brockhaus-Material (München 1966-1968); Taschenbuchlexikon von Rowohlt: rororo Lexikon in neun Bänden (Hamburg 1966), basierend auf Material aus dem Großen Duden-Lexikon; cf. Gurst 1976: 183.</ref>. Aktualisierungen habe das Material »vor allem im Bereich Politik und Zeitgeschichte« erfahren, reduziert worden sei dagegen der Bildanteil<ref name="ftn691">Vorwort, in: Meyer-TL 1981 I: 5. Solche präzisen Herkunftsnachweise vermisst man in den jüngeren Werken aus dem Hause BIFAB, Mannheim, leider vollkommen.</ref>.

WissensmonopolBIFABDen Abschluß der eigenständigen Meyer-Lexikografie bildet Meyers Grosses Universallexikon, das 1981 bis 1986 in 15 Bänden erschien und auf der Substanz von <sup>9</sup>1971-1980 basiert. In den folgenden Jahren wurde Meyers Taschenlexikon zwar mehrfach neu aufgelegt<ref name="ftn692">1999: 7. Auflage, »mehr als 150.000 verständlich formulierte Stichwortartikel, 12.000 davon wurden neu aufgenommen. Fremdwörter sind in die Texte integriert, 5.000 Abbildungen, 320 Tabellen und 500 Karten«, CD-ROM.</ref>, die beiden deutschen Lexikonverlage F. A. Brockhaus und die Bibliographisches Institut AG fusionierten jedoch 1984 zur Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (BIFAB). Joseph Meyers Anliegen, »das drückende Monopol des Wissens [...] über den Haufen [zu] werfen«<ref name="ftn693">Josph Meyer, Conv.-Lex., 1. Aufl. 1839, Vorwort; zit. in: Sarkowski 1976: 54.</ref> war damit endgültig gescheitert.

Die ›klein-großen‹ Taschenlexika werden angeblich von Auflage zu Auflage erweitert und aktualisiert, die quantitativen Angaben über die Stichwortanzahl bewegen sich jedoch seit gut einem Vierteljahrhundert konstant im Bereich von etwa 150.00<ref name="ftn694">Meyers Großes Taschenlexikon (1981) verzeichnete auf dem Titel »rund 150.000 Stichwörter«, und <sup>9</sup>2003 verspricht im Vorwort »über 150.000 Stichwörter«.</ref>; der Umfang schwankt zwar zwischen 20 und 26 (Taschenbuch-) Bänden, jedoch ist dieses Wachstum vor allem einer Zunahme an Bildmaterial und einer luftigeren Seitengestaltung geschuldet. Eine signifikante Zunahme der lemmatisierten Begriffe ist nicht erkennbar: Wissenszuwächse aus zwei Jahrzehnten fanden entweder lexikografisch keinen Niederschlag, oder gingen zu Lasten anderer Stichwörter.

Taschenlexika müssen – im Gegensatz zu Großenzyklopädien – preiswert sein und auf begrenztem Raum Platz finden; der relativ konstante Umfang wäre nicht weiter verwunderlich, hätte nicht bereits Meyers Grosses Konversations-Lexikon in 20 Bänden (<sup>6</sup>1905-1909) ausgerechnet rund 145.000 Stichwörter enthalten<ref name="ftn695">Bei cr. 18.600 Seiten, im Vergleich zu 8.736 bei Meyer-TL <sup>9</sup>2003, ist offensichtlich, daß eine vergleichbare Stichwortanzahl keinerlei qualitative Rückschlüsse zulässt.</ref>. Es steht eher zu vermuten, daß es sich bei dieser ominösen Größenordnung um eine Art ›Abstandsgebot‹ handelt, um ›kleine‹ Lexika von den ›großen‹ Enzyklopädien abzuheben: Letztere dürfen wachsen, preiswerte Taschenbuch- und Kleinausgaben dagegen nicht.

DigitalisateAuch der Meyer wurde in verschiedenen Auflagen reproduziert und digitalisiert<ref name="ftn696">Josef Meyer: Das große Conversationslexikon für gebildete Stände, 1840-1855 (Archiv d. europ. Lexikographie, Abt. 1 : Enzyklopädien; 5), cr. 66.000 Textseiten und über 1.600 Stahlstiche auf 405 Mikrofiches, Harald Fischer Verlag 1993 (ISBN 3-89131-068-4); Meyer <sup>4</sup>1885-1890, www.retrobibliothek.de/retrobib/stoebern.html?werkid=100149.</ref>; die aktuellen BIFAB-Taschenlexika werden grundsätzlich mit einer CD-ROM geliefert, auf der die komplette Textbasis enthalten ist; im Internet bietet die BIFAB die Inhalte des Taschenlexikons unter lexikon.meyers.de kostenlos an, wobei als Benutzeroberfläche die Wikipedia-Software Mediawiki verwendet wird, ohne dabei jedoch das Wiki-Prinzip<ref name="ftn697">Die Möglichkeit, im WWW Inhalte direkt zu verändern; cf. Leuf/Cunningham 2001.</ref> zu adaptieren.

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